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Aktienrückkäufe in Deutschland so hoch wie seit der Finanzkrise nicht mehr

Vor allem in den USA sind Aktienrückkäufe in Zeiten voller Kassen und extrem niedriger Zinsen der Renner. Man kann sich schön billig verschulden, und mit dem Geld an der Börse die eigenen Aktien…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Vor allem in den USA sind Aktienrückkäufe in Zeiten voller Kassen und extrem niedriger Zinsen der Renner. Man kann sich schön billig verschulden, und mit dem Geld an der Börse die eigenen Aktien zurückkaufen. Damit erhöht man (tendenziell) den Aktienkurs, und verringert die Zahl der frei verfügbaren Aktien. Damit steigt der Gewinn pro Aktie, was die Dividendenrendite steigen lässt. Unterm Strich ist diese „Verfeuerung von Cash“ aber mehr als umstritten. Denn die aufgenommenen Schulden, die bleiben! Und hat man für diese Aktienrückkäufe statt einer Kreditaufnahme die Barkasse geplündert, fehlt Geld für Investitionen und Produktforschung.

Aber was soll´s. Der Schornstein muss ja weiter rauchen. Und gerade jetzt wo die Aktienkurse doch so gut laufen, sollte doch die Notwendigkeit von Aktienrückkäufen eher gering sein, oder? Denn eigentlich würde ein verzweifelter CEO so etwas doch nur tun, wenn er sonst keinen Weg mehr sieht den Kurs seiner Aktie gut aussehen zu lassen? Tja, offensichtlich zeigt die Realität ein anderes Bild. Wie eine aktuelle Analyse des „Flossbach von Storch Research Institute“ zeigt, liegt das Volumen der jährlichen Aktienrückkäufe durch deutsche Unternehmen so hoch wie seit der Finanzkrise 2008 nicht mehr.

Obwohl man nur die ersten drei Quartale berücksichtigt hat, liegt man in 2017 mit 4,2 Milliarden Euro Volumen jetzt schon höher als in den letzten neun kompletten Jahren. Man kann unten in der Grafik sehen, wie es nach dem Erreichen der Finanzblase in 2008 mit 16,9 Milliarden Euro den Höhepunkt des Volumens bei den Aktienrückkäufen gab. Seitdem geht es nach und nach wieder bergauf, wenn auch auf einem kleineren Niveau.

Die Autoren der Analyse sehen die in Deutschland zuletzt durchgeführten Aktienrückkäufe deutlich positiver als wir. Dazu möchten wir betonen, dass wir bei FMW ja keine unfehlbaren Journalisten sind. Von daher respektieren wir andere Sichtweisen! Gemäß der Analyse sorgt vor allem das gute Timing der hierzulande erfolgten Rückkäufe für den aktuellen Erfolg. Zitat auszugsweise:

In der Finanzkrise machte man hierzulande noch sehr schlechte Erfahrungen mit Rückkäufen, da bis 2008 Aktien zu Höchstpreisen gekauft wurden, die Kurse anschließend fielen und Geld knapp wurde. Seither hat man jedoch ein gutes Händchen beim Timing der Rückkäufe bewiesen. Seit 2012 wurde zu günstigen Kursen in die eigenen Aktien investiert. Alle Unternehmen, die seitdem Rückkäufe tätigten, profitierten anschließend von steigenden Kursen. Geholfen hat dabei vor allem die Geldpolitik der EZB, welche die Aktienkurse beflügelt hat.

Unserer Meinung nach trifft das folgende Zitat der Autoren genau ins Blaue:

Die jüngsten Erfahrungen mit der Kursentwicklung sind ausschließlich positiv. Jedoch darf man nicht vergessen, dass weniger die Rückkäufe selbst oder die wirtschaftliche Situation der Unternehmen die Kurse in die Höhe getrieben hat. Vielmehr ist dies wohl auf die lockere Geldpolitik der EZB zurückzuführen. Die Niedrigzinspolitik hat die Bewertungen gewaltig steigen lassen, und zwar weit mehr als durch Rückkäufe möglich gewesen wäre. Entscheidend für die Entwicklung wird sein, ob die jüngsten positiven Rückkauferfolge oder die schlechten Erfahrungen aus der Finanzkrise schwerer wiegen.

Die Finanzkrise beendete die Expansion schlagartig und verschlechterte die finanziellen Aussichten der Konzerne, so dass Aktienrückkäufe einschliefen. In 2009 kauften nur noch drei Unternehmen zusammen für 442 Mio. Euro eigene Aktien, in 2010 war sogar nur ein Unternehmen aktiv. Eigentlich wäre diese Phase gut für Rückkäufe gewesen, da die Kurse auf Tiefststand waren. Es fehlten jedoch die finanziellen Mittel für Rückkäufe oder es ergaben sich andere und bessere Verwendungsmöglichkeiten. Ebenso waren die jüngsten Preiseinbrüche noch zu präsent und führten zu prozyklischem Verhalten. Beispielsweise setzte Daimler bis 2008 knapp 8 Mrd. Euro für Aktienrückkäufe ein, kam anschließend ins Straucheln und musste in 2009 zwei Mrd. Euro zu deutlich niedrigeren Kursen neu aufnehmen.

Wie wir vorhin bereits schrieben: Ob Aktienrückkäufe grundsätzlich eine gute Sache sind oder nicht, da kann man wohl verschiedener Meinung sein. Die Autoren der Studie sehen sie derzeit sehr positiv, was auch die Analyse zu den Resultaten zeigt. Zitat:

Der Erfolg des Timings eines Aktienrückkaufs wird über die Rendite in den folgenden beiden Jahren nach dem Rückkauf bewertet. Das Timing eines Rückkaufs wird im Rahmen dieser Analyse als „gut“ gewertet, wenn im Anschluss an den Rückkauf eine positive Rendite zu verzeichnen war. Falls der Aktienkurs im Nachgang von Aktienrückkäufen fiel, werden die Rückkäufe eines Geschäftsjahres als „schlecht“ klassifiziert. Die Rendite berechnet sich aus dem durchschnittlichen Rückkaufkurs und dem Aktienkurs zum Ende des Geschäftsjahres zwei Jahre später. Für die Rückkäufe der Jahre 2015 und 2016 wird die Rendite vom Zeitpunkt des Rückkaufs bis Anfang September 2017 herangezogen. Die Rückkäufe aus 2017 werden in der Analyse nicht berücksichtigt.

Der aktuelle Zyklus war bisher für das Timing der Aktienrückkäufe sehr gut. Blickt man auf den vergangenen Zyklus zurück, so entdeckt man, dass bis 2005 das Timing der meisten Rückkäufe als „gut“ klassifiziert wurde, ab 2006 hingegen als „schlecht“. Das Ende des Rückkaufzyklus wird durch das Ende des Wirtschaftszyklus dominiert, so dass das Timing gegen Ende einer Expansion als „schlecht“ eingestuft wird. Ex-post lässt sich diese Schlussfolgerung schnell ziehen. Zum Zeitpunkt des Rückkaufs kann man i.d.R. jedoch nicht wissen, wo man sich im Wirtschaftszyklus befindet. Aggregiert über beide Zyklen hinweg betrachtet wird das Timing volumengewichtet in 62 % der Rückkäufe als „schlecht“ klassifiziert. So bleibt nur etwas mehr als ein Drittel der Rückkäufe übrig, bei denen das Timing als „gut“ erachtet wird (Tabelle 2). Im langfristigen Mittel muss man den Konzernen deshalb ein schlechtes Timing attestieren.

Fazit: Nimmt man die folgende Grafik, kann man sagen: Gut, bis zum Höhepunkt der Finanzkrise haben die Konzerne auf viel zu hohen Kursen ihre eigenen Aktien gekauft. Da die Kurse danach einbrachen, blieb der Erfolg der Aktienrückkäufe aus historischer Betrachtung aus – heute dagegen sieht es viel besser aus.

Quelle: Philipp Immenkötter / FvSRI

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Beobachter

    9. Oktober 2017 18:45 at 18:45

    Die Frage ob eigene Aktienrückkäufe gut oder schlecht sind ist ganz einfach zu beantworten.Wenn die Aktien unterbewertet sind,ist es sinnvoll u.sonst nicht.Die Manager sollten ja am besten wissen ob ihre Ergebnisse manipuliert sind oder nicht.Da natürlich die Boni auch von den Börsenkursen abhängig sind ,ist die Gefahr gross dass die gemeinnützigen Manager hauptsächlich Ihnen nützende ( hohe ) Kurse wollen.
    Für mich ist unverständlich ,dass diese Rückkäufe meistens am eventuellen Ende einer Hausse gemacht werden.

  2. Avatar

    Steve

    10. Oktober 2017 10:29 at 10:29

    Tja man könnte die Aktien auch am Tiefpunkt zurück kaufen …den Kurs stabileren , langfristig ein riesen Geschäft machen und und und…naja

    Dumm Anlegeransicht

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Impfstoff- und Merger-Montag

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Die vierte Woche in Folge gibt es pünktlich Montag Mittag eine Impfstoff-Meldung, diesmal von Moderna. Und IHS Markit soll von S&P Global gekauft werden. Markus Koch spricht von einer massiven Konsolidierung im Bereich der Finanzdaten.

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Performance-Check: Das sind die härtesten Aktien der Welt – Werbung

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Lieber Börsianer,

wir alle wissen, wenn der Aktienmarkt einmal ins Rutschen gerät, bleibt kein Auge trocken. Selbst die Aktien anerkannter Qualitätsunternehmen fallen dann unisono mit dem Gesamtmarkt. Man ist dann als Anleger schon zufrieden, wenn sich das eigene Depot der Korrekturbewegung zumindest teilweise entzieht.

Genauso wissen wir, wenn die Weltkonjunktur einmal lahmt, sinken die Unternehmensgewinne durch die Bank. So ist nun einmal die Börse.

Aber ich bohre tiefer. Gibt es wirklich keine Unternehmen, die sich einem negativen Markttrend entziehen? Gibt es wirklich keine Ausnahme, die die Regel bestätigt?

Doch, die gibt es! Tatsächlich existiert in den USA eine Aktiengattung, die sich bereits seit Jahrzehnten durch eine ganz ungewöhnliche Stabilität auszeichnet. Diese ausgesuchten Unternehmen erwirtschaften nicht selten sogar in der tiefsten Rezession, z.B. zuletzt 2008/9, beste Gewinne. Mehr noch: Sie erhöhen selbst in diesen Phasen, wo die „normalen“ Unternehmen versagen, regelmäßig die Dividenden.

Börsianer bezeichnen solche unverwüstlichen Unternehmen als „Dividendenaristokraten“. Diese Dauerbrenner zeichnen sich vor allem durch zwei Merkmale aus:

1)
Naturgemäß verfügen die Dividendenaristokraten über langjährig bewährte und unantastbare Geschäftsmodelle.

2)
Deshalb erhöhen diese Unternehmen die Dividende seit mindestens 25 Jahren, und zwar jährlich.

Und das Regelwerk für Dividendenaristokraten ist knallhart. Wenn ein Unternehmen, sagen wir, im 43. Jahr die Dividende einmal nicht mehr jährlich erhöht, dann wird ihm der Aristokraten-Titel sofort entzogen. Folglich verlässt das Unternehmen dann auch den entsprechenden Index und muss sich nun wieder aufs Neue beweisen. Mit anderen Worten: Hier ist wirklich kein Platz für Verlierer oder

Nicht nur mehr Stabilität, sondern einfach auch mehr Rendite

Wie bereits angedeutet schaffen nur eine Handvoll Unternehmen diese Kriterien. Gegenwärtig gelten rund 10 % der Unternehmen des marktbreiten S&P 500 als Dividendenaristokraten. Die anderen 90 % des S&P 500 sind eben ganz normale Unternehmen, deren Gewinne im Einklang mit der Konjunktur mal fallen und mal steigen.

Gegenwärtig finden Sie im Dividendenaristokraten-Index zahlreiche Unternehmen aus traditionellen Industriesparten. Namhaft sind hier etwa Caterpillar, 3M oder etwa der Maschinenbauer Illinois Tool Works. Natürlich bringt auch die nicht-zyklische Konsumgüter-Branche…..

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4. Impfstoff-Montag in Folge: Moderna beantrag Zulassung, Aktie +11 Prozent

Claudio Kummerfeld

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Arzt mit Spritze

Die letzten drei Montage gab es immer Mittags zu deutscher Zeit von Pharmafirmen Erfolgsmeldungen zum jeweils eigenen Corona-Impfstoff. Jedes Mal gab es einen positiven Effekt auf die Aktienmärkte. Am 16. November war das US-Pharmaunternehmen Moderna an der Reihe mit eine positiven Meldung über den eigenen Wirkstoff. Heute zwei Wochen später hat Moderna vor wenigen Minuten eine weitere Meldung veröffentlicht, welche die Aktie vorbörslich in New York um 11 Prozent in die Gewinnzone befördert.

Man will eine Notfall-Zulassung bei der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA beantragen. Und noch wichtiger, als erstes Pharmaunternehmen will Moderna jetzt die Zulassung für einen Corona-Impfstoff in der EU beantragen. Der Moderna-Antrag auf eine „bedingte Zulassung“ solle noch heute bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur „EMA“ gestellt werden. Hier auch soeben veröffentlichte Detailaussagen von Moderna zum eigenen Corona-Impfstoff, im Wortlaut:

The Phase 3 study, known as the COVE study, enrolled more than 30,000 participants in the U.S. and is being conducted in collaboration with the National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID), part of the National Institutes of Health (NIH), and the Biomedical Advanced Research and Development Authority (BARDA), part of the Office of the Assistant Secretary for Preparedness and Response at the U.S. Department of Health and Human Services.

The primary endpoint of the Phase 3 COVE study is based on the analysis of COVID-19 cases confirmed and adjudicated starting two weeks following the second dose of vaccine. Vaccine efficacy has been demonstrated at the first interim analysis with a total of 95 cases based on the pre-specified success criterion on efficacy. Today’s primary analysis was based on 196 cases, of which 185 cases of COVID-19 were observed in the placebo group versus 11 cases observed in the mRNA-1273 group, resulting in a point estimate of vaccine efficacy of 94.1%. A secondary endpoint analyzed severe cases of COVID-19 and included 30 severe cases (as defined in the study protocol) in this analysis. All 30 cases occurred in the placebo group and none in the mRNA-1273 vaccinated group. There was one COVID-19-related death in the study to date, which occurred in the placebo group.

Efficacy was consistent across age, race and ethnicity, and gender demographics. The 196 COVID-19 cases included 33 older adults (ages 65+) and 42 participants identifying as being from diverse communities (including 29 Hispanic or LatinX, 6 Black or African Americans, 4 Asian Americans and 3 multiracial participants).

The safety profile of the Phase 3 study of mRNA-1273 was previously described on November 16. A continuous review of safety data is ongoing and no new serious safety concerns have been identified by the Company. Based on prior analysis, the most common solicited adverse reactions included injection site pain, fatigue, myalgia, arthralgia, headache, and erythema/redness at the injection site. Solicited adverse reactions increased in frequency and severity in the mRNA-1273 group after the second dose.

The Company will submit data from the Phase 3 COVE study to a peer-reviewed publication.

“This positive primary analysis confirms the ability of our vaccine to prevent COVID-19 disease with 94.1% efficacy and importantly, the ability to prevent severe COVID-19 disease. We believe that our vaccine will provide a new and powerful tool that may change the course of this pandemic and help prevent severe disease, hospitalizations and death,” said Stéphane Bancel, Chief Executive Officer of Moderna. “I want to thank the thousands of participants in our Phase 1, Phase 2 and Phase 3 studies, as well as the staff at clinical trial sites who have been on the front lines of the fight against the virus. I would again like to thank our partners at NIH, NIAID, BARDA and Operation Warp Speed who have helped us advance the clinical development of mRNA-1273. Finally, I want to thank the Moderna team and our suppliers and partners for their tireless work on the research, development and manufacturing of our vaccine. We will file today for an Emergency Use Authorization from the FDA and continue forging ahead with the rolling reviews that have already been initiated with several regulatory agencies around the globe.”

Chart zeigt Verlauf der Moderna-Aktie seit Ende 2019

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