Folgen Sie uns

Anleihen

Anleger stürmen in deutsche Staatsschulden wie schon lange nicht mehr

Aber was heute passiert ist, gab es schon lange nicht mehr. Deutschland bot Investoren an für eine Laufzeit von zwei Jahren Bundesschatzanweisungen im Volumen von 4 Milliarden Euro zu kaufen. Die Nachfrage war aber dieses Mal gigantisch.

Redaktion

Veröffentlicht

am

FMW-Redaktion

Da muss man schon ewig lange in der Historie der „Finanzagentur Deutschland“ suchen, bis man so etwas mal findet wie das, was heute geschehen ist. Die Agentur verkauft im Auftrag des deutschen Staates Staatsschulden über Anleihen an institutionelle Investoren. Und mal liegt die Nachfrage leicht unter dem Angebot – zuletzt aber lag die Nachfrage aber regelmäßig leicht über dem Angebot, weil Investoren die Sicherheit deutscher Schulden suchen.

Aber was heute passiert ist, gab es schon lange nicht mehr. Deutschland bot Investoren an für eine Laufzeit von zwei Jahren Bundesschatzanweisungen im Volumen von 4 Milliarden Euro zu kaufen. Die Nachfrage war aber dieses Mal gigantisch. Für 8,37 Milliarden Euro wollten die Investoren kaufen – die Nachfrage vor genau vier Wochen für ebenfalls 4 Milliarden Euro Angebot lag bei 4,5 Milliarden Euro.

Und an der Rendite kann dieser sprunghafte Anstieg der Nachfrage auch nicht liegen. Die Rendite lag vor vier Wochen bei -0,59%. Jetzt liegt sie bei -0,56%. So ein unwesentlicher Anstieg im Negativbereich kann eine derartige Explosion bei der Nachfrage nicht hervorrufen! Also muss es die Flucht der Profi-Anleger in die Sicherheit sein. Mehr als doppelt überzeichnet, das ist nicht normal am Markt für AAA-Anleihen.

Und man bedenke immer: Es geht hier um Negativrenditen! Die Investoren verlieren also Geld mit einer Investition in Anleihen. Bei 0,00% Zinsen zahlen die Investoren heute einen Emissionskurs von 101,056% (Anleihekurse notieren immer in Prozentpunkten). In zwei Jahren erhalten sie aber nur eine Rückzahlung des Nominalwerts von 100,00%. Dadurch entsteht der Verlust. Für den deutschen Staat sind die Kurzläufer seit geraumer Zeit eine Möglichkeit ohne irgendeinen Aufwand Geld zu verdienen und den Haushalt zu entschulden.

Was für ein Schlaraffenland – durch die Aufnahme neuer Schulden den Schuldenberg senken! Bei 4 Milliarden Euro Angebot hat man heute tatsächlich nur ein Volumen von 3,198 Milliarden Euro verkauft. Die Differenz von 802 Millionen Euro wanderte in die sogenannte Marktpflegequote. Falls nämlich alle Investoren diese Bundesschätze bis zum Laufzeitende in zwei Jahren im Depot belassen, gäbe es am freien Markt keine Handelbarkeit für diese Anleihe – dafür sorgt dann der Emittent „Finanzagentur Deutschland GmbH“ mit diesen 802 Millionen Euro Volumen.

Bei nominal 3,198 Milliarden Euro wurden heute also tatsächlich 3,231 Milliarden Euro eingenommen (101,056%). In zwei Jahren werden nur 3,198 Milliarden Euro zurückgezahlt. Die Differenz von 33 Millionen Euro verbleibt als Gewinn im deutschen Bundeshaushalt.


Unser neuer Finanzminister Olaf Scholz ist zuständig für die Staatsfinanzen. So lässt es sich entspannt haushalten, wenn das Geld von alleine reinkommt. Foto: Frank Schwichtenberg (CC BY-SA 3.0)

10 Kommentare

10 Comments

  1. Avatar

    Marcus

    24. April 2018 16:00 at 16:00

    Welche „Idioten“ kaufen die Emissionen denn immer ? Die Rendite ist klar negativ und der Preis über 100 % was einen Verlust am Laufzeitende bedeutet ! Wahnsinn sowas…

    • Avatar

      tm

      24. April 2018 16:29 at 16:29

      Also ich würd es auch nicht machen, aber finden Sie es nicht etwas vermessen, andere einfach ohne HIntergrundinformationen als Idioten zu bezeichnen?

      Nehmen wir mal an, Sie würden einen Pensionsfonds leiten und müssten gewisse interne wie auch regulatorische Anforderungen an Diversifikation, Risiko, Rendite etc. erfüllen. Wie würden Sie größere Summen investieren?

      • Avatar

        Andreas

        24. April 2018 16:59 at 16:59

        @tm
        Dann sind es eben idiotische regulatorisch Anforderungen.
        Oder sollen wir ja und amen zu allen Ideen der deutschen Bürokratie sagen?

        Kommst mir vor wie eine kleine deutsche bürokratische Heulsuse.

        • Avatar

          Savestrax

          24. April 2018 20:16 at 20:16

          Was ist das für eine sinnbefreite Antwort auf den Kommentar von tm?

          Verstehe immer nicht wie man bei diesen Themen gleich und teilweise aus dem nichts persönlich werden muss. Zumal das fundierter Wissen eher auf tm’s Seite zu finden ist.

      • Avatar

        Savestrax

        24. April 2018 19:06 at 19:06

        Ich gebe Ihnen Recht, das sind mit Sicherheit keine Idioten.
        Aber es zeigt wie krank die ganze Geldpolitik ist.
        Normalerweise wäre Cash in so einem Fall die wirtschaftlich bessere Wahl. Aber die EZB hat dafür gesorgt, das es besser ist Geld „anzulegen“ und wissentlich weniger zurück zu bekommen.
        Andererseits würde es ohne die EZB so eine Situation gar nicht geben. In einem nicht manipulierten Markt wären 2jährige Renditen Cash mindestens gleichwertig.

        • Avatar

          Fabian

          24. April 2018 20:11 at 20:11

          Es ist nicht nur die EZB. Auch die FED hat solche Auflagen. Und wenn ein Pensionsfond mehrere Milliarden in cash rumliegen hätte, wären es Idioten. Vor einigen Jahren haben deutsche Städte und Kommunen insgesamt mehrere Millarden Steuergelder verzockt, weil es keine Regularien gab. Das finde ich auch idiotisch.

  2. Avatar

    Marcus

    24. April 2018 20:50 at 20:50

    @tm: Natürlich ist das idiotisch in Anleihen zu investieren wo klar ist das am Laufzeitende ein Verlust steht, da ja zu 100 % zurückgezahlt wird und nicht zu 101,056 %. In diesem Fall stimme ich @Savestrax zu wenn er sagt das hier Cash zu halten die bessere Lösung ist.

    Mein Portfolio als Pensionsfondsmanager wäre schon mal risikoreicher da ich aufgrund der massiven Überbewertung von europäischen Anleihen hier nicht investieren würde.

  3. Avatar

    Matthias Osten

    24. April 2018 23:09 at 23:09

    Ja, das ist dann halt die totale Sicherheit, da zahlt man dann einfach schon dafür, dass man einfach ein Nichtrisiko hat – ist natürlich ein bisschen Esoterik dabei bei den hier zu beobachtenden Zuständen aber ganz absurd ist es auch wieder nicht. ;) Finde schon sehr schade, dass das Thema dann gleich so persönlich werden muss, ist ja jetzt nicht gerade unbedingt ein neues Phänomen, Deutschland hat einfach seine eigene, private Nische erarbeitet.

  4. Avatar

    OZO

    25. April 2018 06:54 at 06:54

    Was für eine „erleuchtende“ Diskussion! Währenddessen kauft man östlich des Bosporus bis zum Pazifik liebre Gold. Bezweifele, das irendwelche Anlegef aus dieser zig Zeitzonen umfassenden Region auch nur eine der Anleihen erworben und den Irrsinn mitgemacht haben. Es ist der „so prosperierende Westen, der sich sein eigenes Grab gräbt!

  5. Avatar

    Katja Wohmann

    25. April 2018 07:35 at 07:35

    Man(n) Frau rechne. aus Staaten mit Währungszerfall investiert man in harte Währung in erstklassige Schuldner. Verlust zuhause als Türke 20-30% und geparkt nur -0,2 bis -0,5%, macht einen Gewinn 20-30% bei einer Shortposition in der Türkei. Zudem steht das Guthaben als Sicherheit für Billigkredite für weitere Geschäfte wie Carrytrade’s etc. zur Verfügung.
    Wer sich ärgert dürfte die EZB sein, die horrende Summen an Gratisgeld über den Markt schwemmt und alle ökonomischen Regeln ausser Kraft setzt. Auch Chinesen kaufen alles was nicht Niet- und Nagelfest ist mit gedruckten Geld auf. Da die Arbeiter in ihren Betrieben weiter arbeiten dürfen, merken sie auch nicht, dass sie schon längst als Milchkühe bewirtschaftet werden. Und… und… Denken war gestern, heute ist wichtig zu wissen wer im Fussball gewinnt….

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Aktien

Andre Stagge über sein Depot, Inflation, Bitcoin und steigende US-Renditen

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Andre Stagge

Der Börsenexperte Andre Stagge (hier mehr zu seiner Person) bespricht im folgenden ausführlichen Video fünf Positionen in seinem eigenen Investmentdepot. Aber er spricht auch über wichtige Themen in einem größeren Zusammenhang. Zum Beispiel geht er der Frage nach, ob in 2021 die große Inflation ansteht. Auch schaut er auf die mögliche weitere Entwicklung des Bitcoin, und bespricht die interessante Thematik, welche Auswirkung nachhaltig steigende Anleiherenditen in den USA auf die Märkte haben.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Allgemein

EZB: Auf der Spur der wahren Gründe für das große Gelddrucken

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Die EZB-Zentrale in Frankfurt

Wir alle hören es seit Jahren und nehmen es zur Kenntnis. Offiziell betreibt die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldpolitik (Zinsen und Anleihekäufe), um die Inflation von der Null-Linie in Richtung 2 Prozent zu bekommen. Und Bürger und vor allem Unternehmen sollen durch die Banken in der derzeitigen Krise günstige Finanzierungsbedingungen erhalten. Daher flutet man alles und jeden mit Notenbank-Euros, und die Banken können dem braven Mittelständler noch günstigere Kredite anbieten? So kommt die Wirtschaft in Schwung, und letztlich auch die Inflation? So geht natürlich die offizielle Story. Und tatsächlich?

Viele Beobachter der EZB-Politik behaupten oder meinen erkannt zu haben, dass es Frau Lagarde und vorher Mario Draghi in Wirklichkeit darum ging, mit günstigen Finanzierungskonditionen und mit massiven Anleihekäufen die Südländer in der Eurozone am Leben zu erhalten. So wolle man die Eurozone als Konstrukt zusammenhalten. Auch wir bei FMW haben uns in den letzten Jahren diverse Mal zu diesem Thema geäußert. Nach der gestrigen PK von Christine Lagarde ist uns der Kommentar von Dr. Jörg Krämer aufgefallen, dem Chefvolkswirt der Commerzbank. Man kann ihn also ruhig als seriöse Quelle bezeichnen.

EZB hält Bedingungen für Südländer günstig

Er hat seinen Kommentar betitelt mit der Headline „Was Günstige Finanzierungsbedingungen wirklich bedeuten“. Er zielt auch auf die oberflächlichen Gründe der EZB ab, nämlich Kreditkunden in der Wirtschaft zu günstigen Konditionen zu verhelfen. Es sei interessant zu beobachten, wie stark Christine Lagarde das Konzept der „günstigen Finanzierungsbedingungen“ betont habe. Sie folge dabei einem „holistischen Ansatz“ und habe verschiedene Zinsen im Blick – etwa die für Kredite an Unternehmen oder private Haushalte. Tatsächlich aber (so Jörg Krämer) dürfte es der EZB aber vor allem darum gehen, die Renditeaufschläge der Anleihen der besonders hoch verschuldeten Staaten zu begrenzen. So lasse sich beobachten, dass die EZB im Rahmen ihres PEPP-Programms immer dann mehr Staatsanleihen kaufe, wenn die Risikoaufschläge steigen (siehe Grafik). Zitat Jörg Krämer:

Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg habe ein EZB-Vertreter gesagt, dass die EZB sogar bestimmte Höchstwerte für die Risikoaufschläge einzelner Staatsanleihen bestimmt habe. Offenbar sieht es die EZB als ihre Aufgabe an, die Währungsunion zusammenzuhalten, solange die hoch verschuldeten Staaten nicht ihre Hausarbeiten machen und damit latent die Existenz der Währungsunion gefährden.

Endet diese Politik der EZB, wenn das Corona-Aufkaufprogramm PEPP Anfang 2022 endet? Nein, Jörg Krämer glaubt, dass das Aufkaufen auch danach weitergeht, optisch eben nur über ein andere Vehikel. Die EZB werde dann das „normale“ Kaufprogramm namens APP aufstocken, und zwar von 20 auf 30 bis 40 Milliarden Euro pro Monat. Begründen dürfte sie dies unter anderem mit einer merklich unter zwei Prozent liegenden Inflation. Und ja, so möchten wir von FMW anmerken: So läuft es schon seit Jahren. Die Inflation, die ist einfach zu niedrig, deswegen muss man Billionen an Euros drucken und immer weitere Teile der Anleihemärkte aufkaufen. In Wirklichkeit will man, so nehmen wir es auch an, nur weiterhin gewährleisten, dass Italien, Griechenland, Spanien und Co sich so günstig wie nur irgend möglich immer weiter verschulden können.

EZB kauft mehr Anleihen um Spreads zu senken

Hier klicken, um den Inhalt von Twitter anzuzeigen

weiterlesen

Allgemein

Biden sei dank: Märkte glauben an die große Rettung – Risiko war gestern

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Joe Biden tritt heute sein Amt als US-Präsident an. In Windeseile wird er sich offenkundig daran machen sein 1,9 Billionen US-Dollar schweres Stimulus-Paket durch den US-Kongress zu bekommen. Die dortige Mehrheit ist zwar hauchdünn. Aber die Märkte sind frohen Mutes. Woran man das sieht? Schauen wir auf den folgenden Chart im Tweet. Er zeigt die Rendite für US-Schrottanleihen (Junk Bonds). Dies sind Anleihen, bei denen das Ausfallrisiko besonders hoch ist. Da Anleger für ein hohes Risiko entschädigt werden wollen und müssen, erhalten sie höhere Renditen als Inhaber von (vermeintlich sicheren) Staatsanleihen. Die Rendite fungiert hier also als Risikoprämie.

Die Höhe der Risikoprämie zeigt an, für wie ausfallgefährdet der Markt diese Anleihen hält. Je höher die Rendite, desto höher ist in den Augen des Kapitalmarkts das Risiko, dass die begebende Firma dahinter pleite geht, und somit die Anleihe nicht zurückzahlen kann. Im Chart sehen wir seit dem Jahr 2010 den Verlauf der Rendite bei US-Schrottanleihen. Zum Start der Coronakrise im März 2020 schoss die Rendite von 5 Prozent auf über 11 Prozent in die Höhe. Und danach beruhigte sich die Lage wieder, aktuell auf nur noch 4,13 Prozent – ein Rekordtief! In den letzten Monaten kamen die Impfstoff-Hoffnungen auf. Und jetzt seit einigen Tagen wird der große Stimulus in den USA immer konkreter. Wie gesagt, Joe Biden wird heute vereidigt. Und wie seine neue Finanzministerin Janet Yellen gestern klar machte, wird man die US-Volkswirtschaft kräftig mit Geld fluten.

Und wie sie sagte, sei das kräftige Schuldenmachen im Augenblick wichtiger als der Blick auf eine zu hohe Staatsverschuldung. Die müsse man zwar später mit höheren Unternehmenssteuern wieder abbauen, aber kurzfristig müsse man sich stark neu verschulden und die Konjunktur anfeuern. Und ja, der Kapitalmarkt scheint fest daran zu glauben, dass somit die Schrottunternehmen weiterhin im Spiel bleiben, und ihre Schulden weiterhin bedienen können. Wenn nur genug frisches Geld vom Staat kommt, geht die Party also weiter? Dieser Chart zeigt es jedenfalls an. Die Risikoprämie sinkt immer weiter, auf wie gesagt ein Rekordtief von nur noch 4,13 Prozent.

Hier klicken, um den Inhalt von Twitter anzuzeigen

Blick nach Deutschland

Aber schauen wir auch mal nach Deutschland. Hier sehen wir im folgenden Langfristvergleich seit dem Jahr 2010, wie die Rendite für deutsche Staatsanleihen immer weiter fällt, und der Dax (orange) immer weiter steigt. Das immer weiter sinkende Zinsniveau (in Deutschland dank hoher Bonität deutliche Negativrendite) treibt die Anleger in Aktien, Immobilien etc. Aktuell notieren die Aktienmärkte an ihren Allzeithochs. Heute hat auch der deutsche Staat mal wieder für 30 Jahre laufende Anleihen verkauft, mit einem Bruttovolumen von 1,5 Milliarden Euro. Die Nachfrage lag bei einem Volumen von 1,79 Milliarden Euro.

Und (wie gesagt 30 Jahre Laufzeit) die Emissionsrendite lag bei minus 0,13 Prozent, nach minus 0,06 Prozent im November. Immer weiter sinkende Zinsniveaus, immer mehr Stimulus – da wird die Lücke doch gut aufgefangen oder besser gesagt aufgefüllt, die Corona gerissen hat? Und diese Rettungsorgie wird vor allem in den USA kräftig weiter gehen, davon darf man ausgehen. Und so könnte man glatt sagen, dass „Risiko“ bei Anleihen irgendwas war, dass man mal kannte – aber heute gibt es das nicht mehr?

Chart zeigt Vergleich von Dax gegen Anleiherenditen

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage