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Anleihe-Guru Bill Gross: Notenbanken “zunehmend verwirrt” – Schonungslose Abrechnung + Analyse!

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FMW-Redaktion

Bill Gross, ehemals Chef des größten Anleihe-Vermögensverwalters der Welt PIMCO, heute für Janus tätig und weltweit als Anleihe-Guru hoch angesehen, übertitelte seinen gestrigen Investment-Ausblick mit der Überschrift “Zunehmend verwirrt”, womit die Notenbanken dieser Welt gemeint sind, die mit Nullzinsen und Geldschwemme ihre Ziele nicht erreichen, und jetzt nicht mehr weiter wüssten. Eine schonungslose Analyse von kaputten Staaten und einer gescheiterten Notenbankpolitik…

EZB Draghi Notenbanker
EZB-Präsident Mario Draghi druckt derzeit Euros für die Inflation. Foto: EZB

In seinem gestern veröffentlichten monatlichen Investmentreport für seinen neuen Arbeitgeber Janus beschreibt Bill Gross in einer schonungslosen Analyse die momentane Lage vieler kaputter Länder und Regionen sowie das totale Scheitern der aktuellen Politik der wichtigsten Notenbanken.

Gross schreibt als eine seiner wichtigsten Aussagen es sei ein Fakt, dass die globalen Märkte und einzelnen Volkswirtschaften zunehmend verwirrt und verzerrt seien. Gross warnte schon vor 2008 vor dem Platzen der damaligen Immobilienblase in den USA, und wurde daraufhin von einem Notenbanker der Fed als komischer Vogel bezeichnet – wohl nach dem Motto “was will dieser Nörgler?”. Gross erinnert erneut daran, dass PIMCO damals die Immobilienkrise rechtzeitig erkannte, weil man (klugerweise) Anleihe-Analysten getarnt als potenzielle Hauskäufer kreuz und quer durch die USA schickte um sich die tatsächliche Situation vor Ort anzuschauen.

We solved that though, by turning credit analysts into pretend home buyers, sending them to Las Vegas, Memphis, Toledo, etc. to learn about “no docs” and “liar loans” long before the Fed did. Shades of the Big Short!

Heute schießt Gross kräftig Richtung Fed, aber unausgesprochen in Richtung aller Notenbanken, die ein dauerhaftes Nullzins-Szenario + Geldschwemme praktizieren. Die US-Notenbank Fed sowie andere “Modell-basierte Notenbanken” (EZB / BoJ / BoE) seien nach seiner Meinung neben den Märkten selbst auch “zunehmend verwirrt”. Sie würden nämlich davon ausgehen, dass die aus den derzeitigen Nullzinsen resultierenden Vermögenszuwächse an den Kapitalmärkten sich auf jeden Fall in die Realwirtschaft übertragen würden.

Wie man beim aktuellen Anleihekaufprogramm der EZB sieht, ist dies trotz 60 Milliarden Notenbankgeld für den Eurozonen-Markt pro Monat nicht der Fall. Der Bankenkreislauf und Kapitalmarkt ertrinkt in Cash, in der Realwirtschaft tut sich in Sachen Inflation und auch Industrieproduktion wenig bis gar nichts. Was noch schlimmer ist: Laut Gross würden die statistischen Modelle der Notenbanken den gesunden Menschenverstand ignorieren und ein Umfeld entstehen lassen, dass mit der Immobilienblase von 2007 vergleichbar ist. Auch Mario Draghi wird mit Kritik nicht geschont.

Today’s Fed and other model based central banks are, to my way of thinking, the ones that have more and more become “increasingly addled”. Their genetic makeup, like that of Delos Roman, seems to have been determined at origin and has since been centered on changes in the policy rate and the observation that higher short rates slow economic growth/temper inflation, and that low (or negative) interest rates do just the opposite. In recent weeks markets have witnessed Mario Draghi of the ECB speak to “no limit” to how low Euroland yields could be pushed – as if he were a two-time Texas Hold Em poker champion. In turn, Janet Yellen at the Fed, at least temporarily, halted their well-advertised tightening cycle at 25 basis points, followed a few days later by the BOJ’s Kuroda and a 5-4 committee vote to enter the black hole of negative interest rates much like the ECB and three other European central banks.

Nur würde die jetzige Blase nicht bei Immobilien stattfinden, sondern bei Unternehmensschulden. Gross schreibt die Privathaushalte in den USA hätten ihre starke Überschuldung abgebaut, aber der Unternehmenssektor hätte dies nicht getan. Mündelsichere Anleihen (deutsches Wort) wie auch Hochzinsanleihen (Schrottanleihen/Junk Bonds) hätten diesmal 200-1000 Basispunkte höhere Renditen – was sage das wohl aus über die zukünftige Entwicklung, über die Gewinne dieser Firmen und die Zahlungsfähigkeit in Rohstoff-Branchen, so Gross als rhetorische Frage?

Zur Eurozone bemerkt Gross: Mit welchen Phrasen kommt Mario Draghi denn demnächst nach den Leitsätzen “Whatever it takes” und “no limit”? Es stehe für die Eurozone zwar keine Rezession an, aber z.B. die deutsche Renditekurve sei negativ, und auch die schwächeren Euro-Staaten seien auf dem Weg dorthin. Wer wolle noch bei nicht mehr vorhandenen Einlagenzinsen in Europa investieren? Die USA leben laut Gross zu 85% von intern generiertem Wachstum, welches auf Konsum basiere – dieser wiederum basiere auf dem Wachstum bei neuen Arbeitsplätzen und Lohnzuwächsen. Nur oberflächlich laufe da alles super, aber momentan habe selbst die Fed Zweifel, denn zum ersten Mal seit 15 Jahren sei sie nicht in der Lage die “Balance of Risks” zu beurteilen. Gross verweist auf das Fed-Mitglied Kaplan, der vor Kurzem erst gesagt hatte man (die Fed) brauche einige Zeit um zu verstehen was hier überhaupt passiert. Man bedenke hierzu: Die EZB ist gerade mitten in ihrem ersten Anleihekaufprogramm. Die Fed hat seit 2008 bereits 3 QE´s durchgeführt, ohne nachhaltige Resultate. Folgt bald um das Funktionieren von QE´s nachzuweisen das QE4 in den USA? Wird wohl noch etwas dauern, aber nicht unrealistisch.

Gross schreibt er habe keine Lust mehr erneut gegen die Notenbanken-Politik zu argumentieren und die negativen Folgen von Nullzinsen anzugehen. Andersherum frage er nun einfach, wie denn die Ergebnisse dieser Politik aussähen z.B. in Japan mit jahrzentelanger Nullzinspolitik.

“How successful have they been so far?” Why after several decades of 0% rates has the Japanese economy failed to respond? Why has the U.S. only averaged 2% real growth since the end of the Great Recession? “How’s it workin’ for ya?”

Bill Gross rät Anlegern dazu Hochrisikomärkte zu meiden und in “Plain Vanilla”-Varianten zu investieren. Da kommt der Fachmann durch. Das Wort steht für die Standardvariante von Derivaten. Also möchte er damit einfach nur sagen der Anleger soll in normale, langweilige und eher sichere Anlagen investieren statt in exotische oder hochverzinsliche Anlagen.

Zum Schluss nochmal der Hinweis: Bill Gross ist nicht irgendein Hinterhof-Analyst oder Möchtegern-Hedgefondsmanager. Auch wenn er jetzt nicht mehr das größte Anleihefonds-Volumen der Welt verwaltet, sondern jetzt bei einem Vermögensverwalter aus der zweiten Reihe arbeitet, ist er wohl immer noch der weltweit wichtigste oder einer der wichtigsten Experten für Anleihen. Mit seiner massiven Kritik an der aktuellen Politik der wichtigsten Notenbanken steht Gross nicht alleine da, aber sein Wort hat Gewicht! Aber wird eine Janet Yellen oder ein Mario Draghi sich von ihm zum Nachdenken anregen lassen, ob man seine Politik von Nullzinsen und Geldpumpen ändern sollte? Wahrscheinlich nicht.


Hier der Originaltext von Bill Gross über seine Sichtweise zu einzelnen “kaputten Ländern”:

1. Venezuela – bankruptcy just around the corner due to low oil prices and policy mismanagement. Current oil prices are (in significant part) a function of low interest rate central bank policies over the past 7 years.

2.Puerto Rico – default underway due to overspending, the overpromising of retirement benefits, and the inability to earn adequate investment returns due to ultra-low global interest rates.

3.Brazil – in deep recession due to commodity prices, government scandal and in this case, exorbitantly high real interest rates to combat the effect of low global interest rates, and currency depreciation of the REAL. No country over time can issue debt at 6-7% real interest rates with negative growth. It is a death sentence. In the interim, the monetary authorities deceptively issue, then roll over more than a $100 billion of “currency swaps” instead of selling dollar reserves in an effort to hoodwink the world that there are $300 billion of reserves to back up their sinking credit. This maneuver effectively costs the government 2% of GDP per year, leading to the current 9% fiscal deficit.

4.Japan – 260% government debt/GDP and climbing sort of says it all, but there’s a twist. Since the fiscal (Abe) and the monetary (Kuroda) authorities are basically one and the same, in some future year the debt will likely be “forgiven” via conversion to 0% 50-year bonds that effectively never come due. Japan will not technically default but neither will private investors be incented to make a bet on the world’s largest aging demographic petri dish. I’m tempted to say that “Where Japan goes – so go we all”, but I won’t – it’s too depressing.

5.Euroland – “Whatever it takes”, “no limit”, what new catchphrases can Draghi come up with next time? It’s not that there’s a sufficient recession ahead, it’s just that the German yield curve is in negative territory all the way out to 7 years, and the shaky peripherals are not far behind. Who will invest in these markets once the ECB hits an effective negative limit that might be marked by the withdrawal of 0% yielding cash from the banking system?

6.China – Ah, the dragon’s mysteries are slowly surfacing. Total debt/GDP as high as 300%; under the table capital controls; the loss of $1 trillion in reserves to support an overvalued currency; a distorted economic model relying on empty airports, Potemkin village housing, and investment to GDP of 50%, which somehow never seems to transition to a consumer led future. Increasingly, increasingly addled.

7.U.S. – Well now, the U.S. is impervious to all this, is it not? An 85% internally generated growth model that relies on consumption which in turn, relies on job growth and higher wages, all of which seems to keep on keepin’ on. Somehow, though, even the Fed seems to have doubts, as in last week’s summary statement, where for the first time in 15 years they were unable to assess the “balance of risks”. “We need some time here to understand what is going on”, says Kaplan from the Dallas Fed. Shades of 2007. The household sector has delevered, but the corporate sector never did, and with Investment Grade and High Yield yields 200-1000 basis points higher now, what does that say about future rollover, corporate profits and solvency in many commodity-sensitive areas?


3 Kommentare

3 Comments

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    Wolfgang Koch

    4. Februar 2016 10:28 at 10:28

    Ich denke eher nicht,dass sich die”Götter des Geldes”Yellen,Kuroda;Draghi&Carney,der schlüssigen Expertise des,mittlerweile zum Schmuddelkind der “Gottes-Werk-auf-Erden”verrichtenden Branche,ergeben!Wer Führer kritisiert,kommt in den Bendlerblock!So war das&wird es weiterhin sein!

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    Mr. Jones

    4. Februar 2016 10:58 at 10:58

    Stanley Fischer am 01.02.2016 At the C. Peter McColough Series on International Economics, Council on Foreign Relations, New York, New York

    Jetzt erwarte ich, dass einer von euch in ein paar Minuten fragen wird, nicht über das, was wir bei unserem letzten Treffen hat, sondern das, was wir in den nächsten tun werden. Ich kann diese Frage nicht beantworten, weil, wie ich in der Vergangenheit betont habe, wir es einfach nicht wissen was. Die Welt ist ein unsicherer Ort, und alle Geldpolitik kann wirklich sicher sein, dass häufig unterschiedliche was passieren wird, ist von dem, was wir derzeit erwarten. Deshalb hat der Ausschuss darauf hingewiesen, dass seine politischen Entscheidungen sein werden, Daten abhängig. Das heißt, dass wir Politik angemessen angesichts der Wirtschafts- und Finanz Ereignisse besten Pflegebedingungen im Einklang mit der Erreichung unserer Beschäftigung und Inflations-Ziele anzupassen.

    Original Text FED
    Now, I expect that in a few minutes one of you will ask not about what we did at our last meeting, but rather what we are going to do at the next one. I can’t answer that question because, as I have emphasized in the past, we simply do not know. The world is an uncertain place, and all monetary policymakers can really be sure of is that what will happen is often different from what we currently expect. That is why the Committee has indicated that its policy decisions will be data dependent. That is, we will adjust policy appropriately in light of economic and financial events to best foster conditions consistent with the attainment of our employment and inflation objectives.

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      Wolfgang Koch

      4. Februar 2016 16:50 at 16:50

      Vernünftig übersetzt heisst das genau das,was ich befürchte:Das Ende des schuldenbasierten Fiatgeldsystems&somit unser allem!

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Bill Gates Stiftung in der Kritik: Wie gesund ist seine Macht? Faktencheck

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Bill Gates und seine Stiftung stehen in der Kritik – wegen seiner WHO-Finanzierung durch Spenden und weil er Impfungen fördert. Ein Faktencheck. Wer ist der einflussreichste Mann der Welt? Der chinesische Präsident? Der Papst? Christiano Ronaldo? Keiner von denen – zumindest wenn es nach den Leuten geht, die gegen die Corona-Maßnahmen protestieren. Sie haben sich auf einen Amerikaner eingeschossen, den ich bisher höchstens mit Computerviren in Verbindung gebracht habe. Aber warum eigentlich?

In diesem Video klären wir, was an der Kritik an Bill Gates dran ist: Wie stark ist sein Einfluss auf unsere Gesundheit – welche Beziehungen hat er zur Pharmaindustrie und zur WHO und warum wird ihm vorgeworfen, dass er uns alle zwangsimpfen will? Bevor wir loslegen ist mir eine Sache wichtig: Ich finde es gruselig zu sehen, wie viele falsche Informationen, Halbwahrheiten und Lügen über Bill Gates kursieren. Gleichzeitig aber gibt es zu dem Mann ein paar Dinge, die man wissen und kritisch hinterfragen sollte – ohne gleich als Verschwörungstheoretiker stigmatisiert zu werden. Und genau dafür ist dieser Beitrag gedacht.

Bill Gates und sein Vermögen: Woher stammt das Geld?

Bill Gates ist nach dem Amazon-Gründer Jeff Bezos der zweitreichste Mensch der Welt. Das US-Magazin Forbes schätzt sein Vermögen auf mehr als 105 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Das mittlere Nettovermögen eines deutschen Erwachsenen liegt laut DIW bei rund 26.000 €. Bill Gates besitzt also statistisch betrachtet so viel wie vier Millionen Volljährige in Deutschland zusammen. Wie konnte der Typ so reich werden? Alles begann im Jahr 1975, als der damals 19-Jährige zusammen mit seinem Freund Paul Allen den Softwareentwickler Microsoft gegründet hat. Die beiden haben maßgeblich beeinflusst, wie und mit welchen Programmen wir heute Computer nutzen.

25 Jahre lang war Bill Gates Chef von Microsoft und hielt als Mitgründer jede Menge Anteile an der Firma – im Jahr 1994 zum Beispiel war es knapp ein Viertel (PDF S. 6). Die Anteile von Microsoft werden an der Börse gehandelt und wurden dort über die Jahrzehnte immer wertvoller. Bill Gates hat seine Anteile nach und nach verkauft, so sammelte er ein Vermögen an. Heute besitzt er „nur noch“ knapp 1,5 % aller Microsoft-Aktien (Doc S. 53). Allein die sind aber aktuell mehr als 19 Milliarden Dollar wert.

Ein Grund für seinen Reichtum ist also, dass die von ihm gegründete Firma immer erfolgreicher wurde. Dass Microsoft – wie viele andere internationale Konzerne – so wenig Steuern wie möglich zahlt, ist unbestritten. Aber hat Bill Gates – so wie es ihm manche vorwerfen – persönlich Steuern vermieden? Das sagte er in einem Interview im jahr 2014 dazu:

Diese Aussage lässt nicht prüfen aber Fakt ist, dass Bill Gates bisher noch keinen Ärger mit Finanzbehörden hatte. Ansonsten geht er übrigens recht offen mit seinen Steuervorteilen um: Mehr als 36 Milliarden Dollar ihres Vermögens haben Bill und seine Frau Melinda an ihre Stiftung gespendet. Dadurch sparten sie knapp vier Milliarden Dollar Steuern.

Es stimmt also, dass Bill so manche Abgabe an den Staat vermieden hat. Das ganz große Geld machte er aber nicht als Steuersparfuchs, sondern als Unternehmer – und als Investor. Vor 25 Jahren gründete Gates Cascade Investment, um einen Teil seines Vermögens in Aktien anzulegen und zu vermehren. Ich würde sagen, der Plan ging auf: Mittlerweile stecken im Portfolio Unternehmensanteile im Wert von knapp 40 Milliarden Dollar.

Zu den Investments gehören der größte Abfüller von Coca-Cola, eine kanadische Eisenbahngesellschaft, ein amerikanisches Entsorgungsunternehmen (Republic Services) und die Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway. Über die sprechen wir gleich noch.

OK – kurzes Zwischenfazit: Bill Gates wurde durch die Gründung von Microsoft zum Milliardär – und brachte es durch erfolgreiche Aktieninvestments zum zweitreichsten Mann der Welt. Ein Drittel seines Vermögens hat er an seine eigene Stiftung gespendet, die er gemeinsam mit seiner Frau führt. Und was genau hat es damit auf sich? Damit kommen wir zu Frage zwei.

Was ist die Gates Stiftung?

Die Bill & Melinda Gates Foundation wurde im Jahr 2000 gegründet. Sie ist die größte private Stiftung der Welt und verfügt über knapp 50 Milliarden Dollar (PDF S. 11). Das Budget ist also höher als die jährlichen Gesundheitsausgaben mancher Länder. Neben dem Ehepaar Gates verwaltet Warren Buffett die Stiftung. Er ist der viertreichste Mann der Welt und einer der erfolgreichsten Investoren aller Zeiten.

Bill Gates und seine Frau Melinda
Bill und Melinda Gates im Jahr 2011. Foto: World Economic Forum CC BY-SA 2.0

Was sind die Ziele dieser 3 Multi-Milliardäre? Die Stiftung will sich nach eigenen Angaben dafür einsetzen, dass „alle Menschen ein gesundes und produktives Leben führen“. Aha. Und was bedeutet das konkret? Schauen wir mal auf die Zahlen im jüngsten Bericht aus dem Jahr 2018. Da hat die Stiftung fünf Milliarden Dollar in die Hand genommen, um weltweit Projekte zu unterstützen. Mehr als die Hälfte des Geldes floss in die Bereiche Global Development und Global Health. Wenn man das runterbricht, erkennt man, was die Gates Stiftung vor allem unterstützt: den Kampf gegen Infektionskrankheiten wie Polio, Malaria, HIV und Tuberkulose, außerdem das Entwickeln und Bereitstellen von Impfstoffen.

Das Interessante ist: Das Vermögen der Stiftung ruht nicht auf irgendeinem Girokonto, sondern ist in viele internationale Großkonzerne investiert – und damit kommen wir zum nächsten Punkt:

An welchen Firmen beteiligt sich die Gates Stiftung?

Die Gates Foundation besteht aus zwei Säulen: Einerseits die Stiftung selbst – sie entscheidet, wie viel Geld in welche Projekte fließen. Und dann gibt es den Bill & Melinda Gates Foundation Trust. Diese Organisation entscheidet, wie das Vermögen der Stiftung angelegt wird.

Den größten Teil des Vermögens investiert die Stiftung in Aktien, 2019 waren es mehr als 30 Milliarden Dollar. Einmal im Jahr veröffentlicht das Ehepaar Gates eine Liste mit allen Firmen, an denen sie mit der Stiftung beteiligt sind. Da sind auch große deutsche Unternehmen dabei, zum Beispiel BMW, die Telekom oder die Hannover Rückversicherung.

Die am stärksten investierten Branchen sind Industrie, Konsumgüter und IT. Beispielsweise gehört die Stiftung jeweils zu den größten Anteilshabern des Baumaschinenherstellers Caterpillar und der Supermarktkette Walmart. Pharmafirmen nehmen nur einen winzigen Teil der Investments ein. Der wertvollste Aktienbesitz aber sind Anteile an Berkshire Hathaway.

Den Chef dieser Firma kennt ihr bereits: Mister Warren Buffett persönlich. Er hat im Jahr 2006 entschieden, der Gates Stiftung im Laufe seines Lebens große Anteile seines Unternehmens zu spenden. Der bisherige Beitrag enstpricht einem Wert von mehr als 27 Milliarden Dollar.

Da Berkshire Hathaway eine Investmentfirma ist, steckt die Gates Foundation also indirekt in noch mehr Firmen drin. Schauen wir uns das mal genauer an. Das hier sind laut des jüngsten Jahresberichts die größten Investments von Warren Buffetts Firma. Da sind jede Menge Unternehmen aus dem Finanzbereich dabei, dazu unter anderem noch zwei Fluggesellschaften, der Technologiekonzern Apple und Coca-Cola.

Es gibt aber noch ein detaillierteres und aktuelleres Dokument über die Investments von Warren Buffett, abrufbar bei der amerikanischen Börsenaufsichtsbehörde SEC. Dort finden sich tatsächlich drei prominente Pharmafirmen. Da ist auf der einen Seite Davita, ein Anbieter von Dialysedienstleistungen für Patienten mit Nierenversagen. Der amerikanische Konzern ist zu fast einem Drittel in der Hand von Warren Buffett.

Außerdem hält Berkshire Hathaway Anteile an der israelischen Firma Teva, dem weltgrößten Hersteller von Generika. Das sind Nachahmerprodukte, die nach Ablauf des Patentschutzes für ein Originalpräparat auf den Markt gebracht werden.

Und zu guter Letzt ist Warren Buffett in die Firma Biogen investiert – ein amerikanisches Unternehmen, das Medikamente gegen Nervenerkrankungen entwickelt.

Also, man sieht: Die Gates Foundation ist eng mit dem Multimilliardär Warren Buffett verbandelt und beide investieren ihr Geld in verschiedensten Branchen weltweit – Pharma ist ein Teil davon, aber kein besonders großer. Es gibt aber einen Fonds innerhalb der Gates Foundation, der sich rein auf Investitionen in den Gesundheitsbereich spezialisiert hat – und darüber sprechen wir im nächsten Kapitel:

Wie unterstützt Bill Gates die Pharmaindustrie?

Der Strategic Investment Fund (SIF) ist eine Art Spezialeinheit innerhalb der Stiftung. Der Fonds will mit seinem Geld zum Beispiel Unternehmen bei der Forschung unterstützen. Dafür hat das Team 2,5 Milliarden Dollar zur Verfügung. OK und wohin genau gehen die? Dazu mal ein kurzer Blick ins Portfolio.

Der Großteil der aktuellen Investitionen sind entweder Kreditbürgschaften oder Kapitalbeteiligungen. Unter den aufgelisteten Firmen sind auch zwei deutsche dabei, von denen ihr im Zusammenhang mit Corona vielleicht schon mal gehört habt.

Schon im Jahr 2015 steckte die Gates Stiftung 52 Millionen Dollar in Curevac aus Tübingen. Curevac forscht aktuell unter Hochdruck an einem Impfstoff gegen die Lungenkrankheit Covid-19 und angeblich wollte US-Präsident Donald Trump das deutsche Unternehmen sogar kaufen. Mitte Mai gab Curevac bekannt, dass die ersten Tests positive Ergebnisse erzielt hätten und schon im Juni die ersten Studien mit gesunden Freiwilligen starten sollen.

Im September 2019 investierte die Gates Stiftung bis zu 100 Millionen Dollar in Biontech aus Mainz. Dabei ging es um die Forschung an Therapien gegen die Infektionskrankheiten HIV und Tuberkulose. Biontech ist mittlerweile aber auch eine der führenden Firmen bei der Erforschung eines Covid-Impfstoffes. Gemeinsam mit dem amerikanischen Pharkonzern Pfizer laufen seit ein paar Wochen Studien in den USA, um mehrere Impfstoffkandidaten zu testen.

Bill Gates ist über seine Stiftung also tatsächlich in Pharmafirmen investiert und unterstützt damit zumindest indirekt die Forschung an Impfstoffen gegen das Coronavirus. Warum das aktuell ein möglicher Interessenskonflikt ist – darüber sprechen wir jetzt in Punkt fünf:

Wie finanziert Bill Gates die WHO?

Eine der größten Kritikpunkte an Bill Gates und seiner Stiftung ist, dass er angeblich die WHO gekapert hätte. Stimmt das? Schauen wir dazu mal auf die Webseite der Weltgesundheitsorganisation: Im Budget für die Jahre 2020 / 2021 ist die Gates Stiftung mittlerweile tatsächlich der Top-Finanzier, nachdem die USA ihre Gelder eingefroren haben. Genau genommen sind es rund elf Prozent, die Bill und Melinda Gates dem Geldtopf der Organisation beisteuern.

Seit der Jahrtausendwende unterstützte die Gates Foundation die WHO mit mehreren Milliarden Dollar, vor allem im Kampf gegen die Infektionskrankheit Polio, auch Kinderlähmung genannt. Mit diesem Geld nimmt die Stiftung Einfluss auf die WHO, weil die Spenden der Organisation nicht zur freien Verfügung stehen, sondern projektbezogen sind – und damit zu den Interessen der Gates Stiftung passen müssen. In einer Doku des öffentlich-rechtlichen Senders Arte bringt ein Professor für Weltgesundheit die Kritik daran auf den Punkt:

Dazu mal ein kurzer Blick in die Geschichte der WHO: Sie wurde kurz nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet und ist die Gesundheitsorganisation der Vereinten Nationen. Sie wird von 194 Mitgliedstaaten getragen und ist demokratisch organisiert: Einmal im Jahr entsenden alle Mitgliedsstaaten Teilnehmer zur Weltgesundheitsversammlung. Die diesjährige World Health Assembly findet virtuell statt und konzentiert sich auf Maßnahmen gegen die Pandemie.

Die WHO ist wichtig für unser aller Leben, denn sie definiert Krankheiten – und zwar international verbindlich. Sie setzt Standards für deren Behandlung, unterstützt Mitgliedsstaaten beim Aufbau von Gesundheitssystemen und wird bei Seuchen selbst tätig – zum Beispiel entwickelt sie Tests, Medikamente und Impfstoffe. Als einen der größten Erfolge sehen WHO-Mitarbeiter die Ausrottung der Pocken im Jahr 1980.

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Luftfahrtbranche: Der große Absturz nach der Coronakrise

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Es ist nachvollziehbar. Nach dem Ende der Coronakrise wird die Luftfahrtbranche nicht “mal eben so” zurückkehren auf die vorigen Auslastungsniveaus. Wer hat schon Lust in den Strandurlaub mit Maske zu fliegen, im Hotelrestaurant und am Strand mit Maske rumzulaufen? Und derzeit zeigt sich auch: Jede Menge Business Meetings sind in der Coronakrise zwangsweise über Videokonferenzen gelaufen. Und viele Unternehmen werden sich jetzt fragen: Warum überhaupt noch so viele Flüge und Hotelbuchungen? Das kostet enorm viel Geld. Die Videoschalten haben doch auch funktioniert. Außerdem werden sich weltweit wohl hunderte Millionen Menschen, die noch bis Februar zahlungskräftige Urlauber waren, dank Kurzarbeit (alleine 10 Millionen Anträge nur in Deutschland) und Arbeitslosigkeit auf absehbare Zeit keine Urlaubsreise mehr leisten können. Die Luftfahrtbranche wird, das sagt also schon der gesunde Menschenverstand, ihre Kapazitäten stark reduzieren müssen.

Luftfahrtbranche wird nachhaltig beeinträchtigt sein

Das gilt für Maschinen wie auch für die Menschen. Und die Luftfahrtbranche besteht ja nicht nur aus Airlines, sondern ebenso aus Flughäfen, Flugzeugherstellern und der riesigen Zulieferindustrie. Wie stark die Coronakrise ins Fleisch schneidet, zeigt die aktuelle Veröffentlichung des Turbinenherstellers Rolls Royce. Wo vermutlich auf lange Zeit deutlich weniger Flugzeuge neu nachgefragt werden, und wo Airbus und Boeing wohl mitten in einem Storno-Tornado für bestehende Orders stecken dürften, da brauchen die Hersteller folgerichtig auch weniger Jet-Turbinen. So hat Rolls Royce jüngst verkündet 9.000 von 52.000 Stellen streichen zu wollen. Nicht nur die Stellenstreichungen, aber auch die sonstige Ausgabenkürzungen sollen zu jährlichen Einsparungen von 1,3 Milliarden Pfund führen, so der Hersteller.

Emirates

Emirates ist einer der Giganten, wenn es um transatlantische Flüge geht. Tja, könnte man meinen. Die Scheichs am Golf sind doch alle reich? Da kann der Herrscher von Dubai doch mal kurz ein paar Milliarden zur Stützung rüberschieben? Nein. Es ist kein Geheimnis, dass Dubai kräftig in der Krise steckt. Und der Herrscher von Dubai hat auch nicht wirklich ein prall gefülltes Bankkonto (Dubai vor der Pleite?), da das Emirat kein Öl mehr hat, und versucht vom Tourismus zu leben. Emirates muss also profitabel arbeiten oder es zumindest versuchen. Also müssen die Kosten drastisch gesenkt werden, da ja wie gesagt nicht zu erwarten ist, dass die alten Kapazitäten auch nur annähernd wieder ausgelastet werden.

Laut aktuellen Branchenberichten plant Emirates auch nach dem nun beginnenden Neustart der Flüge eine drastische Reduzierung der Flotte. Die A380 wird wohl zum Auslaufmodell werden – wer braucht jetzt nämlich noch so viel Kapazität für einen einzigen Flug? 115 Stück der A380 standen vor der Krise im Flottenregister von Emirates. Nach Informationen von aero.de sehen die Pläne von Emirates vor nur noch 69 Stück der A380-Flotte zu aktivieren. 40 Prozent der aktuellen Flotte würden dauerhaft am Boden bleiben. Andere Medien wie das Handelsblatt gehen davon aus, dass nur noch 20 der Flugzeuge der A380-Flotte wieder für Emirates fliegen werden. Angeblich soll der Stellenabbau bei Emirates sich in einer Größenordnung von 30.000 Jobs bewegen.

Lufthansa

Tja, und die Lufthansa? Seit Tagen wartet man nun auf eine offizielle Bestätigung, dass der deutsche Staat eine gigantische Milliardenspritze in die letzte übrig gebliebene große deutsche Airline pumpen wird. Wir hatten es schon thematisiert. Egal wie, der deutsche Staat wird die Lufthansa retten – schon aus Gründen der Staatsraison. Man will zumindest eine große bedeutende Airline haben, genau wie auch die Italiener, Franzosen und Briten. Gestern gab die Lufthansa per Ad Hoc-Mitteilung bekannt, dass man “fortgeschrittene Gespräche” mit der Bundesregierung bestätige. Es geht um 9 Milliarden Euro, davon 3 Milliarden aus KfW-Krediten.

Auch wird hier wohl der neu gegründete deutsche Staatsfonds (gespeist aus Steuergeldern) zum Einsatz kommen, womit wir alle Anteilseigner an der Lufthansa werden – das dürfte dann möglichen ausländischen Käufern eine Übernahme der Lufthansa zu einem Spottpreis erschweren, wenn der Bund als fetter Klumpen bereits mit im Boot sitzt. Auch die Lufthansa wird ihre Flotte schrumpfen. Laut Aero.de sollen von den 14 stillgelegten A380 bei der Lufthansa nur sieben Maschinen reaktiviert werden. Sie sollen nur noch von München aus fliegen. Lufthansa-Chef Carsten Spohr gehe davon aus, dass die Lufthansa nächstes Jahr 300 Flugzeuge weniger nutzen werde als vor der Krise.

Norwegian

Der einstige Senkrechtstarter der Luftfahrtbranche “Norwegian”, bei dem man sich jahrelang immer wieder bewunderswert fragte, wo dieser Erfolg herkommt, war de facto durch die Coronakrise schon am Ende, nachdem man für mehrere Tochtergesellschaften Insolvenz anmelden musste. Aber diese Woche hat der norwegische Staat endgültig eine 3 Milliarden Kronen schwere Kreditgarantie gegeben. Auch hat Norwegian jetzt zwei neue Großaktionäre. Die vom chinesischen Staat kontrollierte “BOC Aviation” hält 12,67 Prozent der Firmenanteile, und die irische Leasinggesellschaft “AerCap Holdings” hält 15,9 Prozent – über Wandelanleihen hat man zudem weitere 7,2 Prozent erworben.

Und sonst?

Bei Airbus sind angeblich 10.000 Arbeitsplätze in Gefahr. Bei Boeing hat es die letzten Monate nicht nur wegen der Coronakrise, sondern auch wegen dem Problem mit der 737 Max Stornos gehagelt! Vor einigen Tagen sprach der Boeing-Chef von einem Stellenabbau in der Größenordnung von 10 Prozent bis Ende des Jahres. Und dass weltweit an so ziemlich allen Flughäfen Arbeitsplätze gefährdet sind, versteht sich von selbst. Und Aktien aus der Luftfahrtbranche? Jetzt günstig einsteigen? Es könnte (nicht muss) passieren, dass man endet wie einst die T-Aktionäre. Jahrzehnte später hofft man immer noch, dass man seinen Kaufkurs irgendwann mal wieder sieht.

Luftfahrtbranche im Abwärtsstrudel - Flughafen Dubai vor der Coronakrise
Flughafen Dubai in den “guten alten Zeiten” vor der Coronakrise. Foto: Konstantin von Wedelstaedt – Gallery page http://www.airliners.net/photo//1204297/L Photo http://cdn-www.airliners.net/aviation-photos/photos/7/9/2/1204297.jpg GFDL 1.2

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Handelskrieg 2.0: Ist es schlicht der US-Wahlkampf?

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Warum eskaliert gerade jetzt der Handelskrieg 2.0? Zu einer Zeit, in der die globale Wirtschaft in ihre größte Krise seit Dekaden gerutscht ist, in der gemeinsame Sache zu machen wäre in der internationalen Bekämpfung von Covid-19 und beim Wiederaufbau der Lieferketten zur Linderung der wirtschaftlichen Not. Eine Rückkehr zum Handelskrieg (2.0) und zur diplomatischen Eskalation in geopolitischen Fragen kommt absolut zur Unzeit. Wir sind in der Beurteilung der Motive der Beteiligten zwar alle nur Außenseiter und können nur spekulieren, aber ein paar Fakten liegen auf der Hand.

Handelskrieg – der Der Kampf um die Vorherrschaft

Natürlich steht über allem der Kampf um die Rolle der Nummer eins in dieser Welt auf wirtschaftlichem, militärischem und technologischem Gebiet – der Handelskrieg ist gewissermaßen dafür nur die sichtbare Oberfläche. Noch ist die USA in Teilbereichen weit voraus und kann nicht so schnell überholt werden, allein schon wegen der Ausnahmestellung seiner Währung (allein der Rohstoffhandel bringt es auf weit über 10 Billionen Dollar jährlich) und seines Militärs (über 700 Milliarden Dollar). Aber die Situation um Covid-19 hat zu einer Ausnahmesituation geführt, in der die eine Nation (China) überraschend eine Notsituation der anderen (USA) erlebt, die zu aus objektiver Sicht zu irrationalen Entwicklungen führt.

Die Ausbreitung und Eindämmung von Covid-19

Bei der Entwicklung der Pandemie sieht es von außen so aus, als dass eine Nation (China) auf ganzer Linie reüssiert und eine andere (USA) versagt hätte. Das Reich der Mitte mit seinen 1,4 Milliarden Menschen hätte es nicht nur geschafft, mit vergleichsweise geringen 83.000 Infizierten und 4634 Coronatoten die Seuche nahezu komplett einzudämmen (82 Restfälle), sondern auch die Wirtschaft innerhalb von fünf Monaten zumindest auf ein Nullwachstum zurückzuführen. Dass die Daten extrem staatlich geschönt sind, steht auf einem anderen Blatt, aber offiziell ist dies in allen Übersichten zu lesen. Wirtschaftlich geht es jedenfalls stark aufwärts, Satellitenaufnahmen über den Verkehr und andere Messungen wie zum Beispiel des Energieverbrauchs, lassen sich nicht beliebig täuschen.

Die USA hingegen haben mit 1,62 Millionen Infektionen nicht nur fast ein Drittel der weltweiten Fälle, sondern dazu fast schon 100.000 Coronatote und dies bei einer Bevölkerungszahl von 332 Millionen Einwohnern. Aber das absolut Destruktive für den US-Präsidenten ist, dass er die Krankheit über Wochen (nachweislich) verharmlost hat und auch jetzt noch als unfähiger Krisenmanager im eigenen Lande betrachtet wird. Für Donald Trump ist dies so etwas wie ein „Worst Case Scenario“.

Der Wahltermin und die innenpolitischen Schwierigkeiten

Es war von Anfang an klar, dass alles politisches Handeln von Donald Trump ausgerichtet ist, ihm eine zweite Wahlperiode zu verschaffen. Noch nie hatte sich ein Präsident so früh in die Wahllisten für eine zweite Amtsperiode eintragen lassen. Und nun das jetzt. Die Schwierigkeiten um Corona und ein Herausforderer (der „schläfrige Joe Biden“ nach D.T.), der nach neusten Umfragen seinen Vorsprung vor dem Amtsinhaber immer mehr ausbaut. Über seine innenpolitischen Schwierigkeiten wurde schon viel geschrieben, hinzu kam in letzter Zeit das Gerangel mit den US-Gouverneuren im Hinblick auf Maßnahmen des Lockdowns in Fragen der Pandemie. Wo Donald Trump den Kürzeren zog, schließlich gibt es auch in den USA so etwas wie das Bundesstaatsprinzip. Und was macht man als Präsident in einer solchen Situation, wenn einem innenpolitisch das Wasser bis zum Hals steht? Dafür gibt es historisch viele Beispiele, zumeist kriegerischer Natur, aber das Ziel war immer das Volk hinter dem amtierenden Präsidenten zu vereinen. Man muss dem Volk eine Bedrohung von außen klarmachen, die nur durch eine starke Führung abgewehrt werden kann. Der Handelskrieg ist wohl nur vor diesem Hintergrund logisch erklärbar.

Handelskrieg: Donald Trumps große Ablenkung

Es sind gerade doch gut fünf Monate bis zum Wahltermin in den USA.

US-Präsident Trump dürfte es klar geworden sein, dass die US-Wirtschaft bis dahin nie und nimmer in den Zustand kommen kann, in dem sie noch Ende 2019 gewesen ist.

Selbst bei einer überraschenden Wende in den Coronazahlen und Fortschritten bei der Entwicklung eines Impfstoffs, ist es unmöglich, die Arbeitslosigkeit in USA auch nur in die Nähe der 3,7 Prozent-Rate zu bringen, die noch vor wenigen Monaten gegolten hatte. Obwohl die USA aktuell auch Opfer der Pandemie geworden sind, steht man meilenweit schlechter da als der Konkurrent, in dessen Land die Seuche ihren Ursprung hatte.

Deshalb wird Donald Trump derzeit nicht müde, ständig mit dem Finger auf die Chinesen zu zeigen, die es versäumt hätten (auch durch Vertuschung, was auch lange gestimmt hat) die Infektionskrankheit einzudämmen. Hinzu kommen all die Nadelstiche im Handelskrieg 2.0 mit Huawei und den politischen Eskationen um das „unabhängige“ Hongkong, Waffenlieferungen nach Taiwan und all das was Markus Fugmann heute Morgen in seinem Video angesprochen hat.

Ergo: Der neue und alte Feind für die USA ist das kommunistische China. Es ist verantwortlich für die Pandemie mit all ihren medizinischen Folgen und auch für die wirtschaftliche Notsituation. Ihn gilt es zu bekämpfen, mit einer Wiederaufnahme des Handelskrieges 2.0 und weiteren strategischen, politischen Maßnahmen. Es gibt nur einen „Leader“, der dazu in der Lage ist – er heißt Donald Trump und dazu muss er wiedergewählt werden.

Fazit

Der Unterschied könnte nicht krasser sein. Während man in China im zweiten Quartal mit einem leichten Wachstum rechnet, liegen die Schätzungen in den USA bei desaströsen minus 30-40 Prozent. Und aus so einer Lage heraus spannt Donald Trump seine wirtschaftlichen Muskeln an durch den Handelskrieg. Eigentlich ein Wahnsinn und ein Zeichen für eine Notsituation, besonders für den „egomanisch“ geprägten US-Präsidenten.

China scheint in dieser Frage eindeutig in einer besseren Situation zu sein  als die USA. Die Volksrepublik mit ihrer weitaus leidensfähigeren Bevölkerung ist auf eine weitere Auseinandersetzung vorbereitet, im lang andauernden Kampf um die Vorherrschaft.

Aber ich wage eine weitere Prognose. Auch China wird den Handelskrieg 2.0 nicht auf die Spitze treiben. Erinnern wir uns an das Jahr 2009, wo im Südosten Chinas infolge der Finanzkrise 120 Millionen chinesische Wanderarbeiter arbeitslos wurden, ein Schock für die KP Chinas, die sofort riesige Infrastrukturprogramme in die Wege leitete. Die große Furcht der chinesischen Regierung sind Massenunruhen im Lande aufgrund von Arbeitslosigkeit.

Davor fürchtet man sich noch mehr als vor dem Wirtschaftsfeind USA.

Der Handelskrieg steht im Zeichen des US-Wahlkampfs

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