Anleihen

Anleiheinvestoren haben auf die Zinswende gesetzt – und sitzen teilweise auf Verlusten

Das Thema Duration oder Kapitalbindungsdauer, war vor Kurzem Thema eines Kommentars, im Zusammenhang mit der Frage, warum Investoren Langläufer mit einer Minusrendite kaufen. Jetzt hat eine Analyse von Morningstar ergeben, dass viele Fondsmanager durch eine Fehleinschätzung der Zinsentwicklung wegen falscher Laufzeiten, dem Markt hinterherhinken.

Insbesondere Wetten auf fallende Kurse von Bundesanleihen waren zuletzt extrem verlustreich, denn seit Jahresbeginn ist der Kurs der zehnjährigen Bundesanleihe in der Spitze um 3,6 Prozent gestiegen. Bei dieser langen Laufzeit steigt der Kurs der Anleihe bereits um ca. 5%, wenn die Zinsen um ein halbes Prozent fallen.

 

Die Fehlspekulation auf die Zinswette

Der wichtigste europäische Anleiheindex, Bloomberg Barclays Euro Aggregate zeigt eine Duration von 6,7 Jahren an, die der aktiven Fondsmanager liegt mit 5,1 Jahren wesentlich darunter. Die Diskrepanz: Staaten verschuldeten sich wegen der niedrigen Zinsen langfristiger, aktive Fonds rechneten mit einer leichten Zinssteigerung und fürchteten die Folgen der Duration.

Dadurch stieg auch die durchschnittliche Duration der Anleiheindizes stetig an, was Manager in ihren Portfolios nicht im gleichen Maß umgesetzt haben – eben aus Angst vor steigenden Zinsen. Doch nach der Kehrtwende der Notenbanken zeigt sich, dass die Wette nicht aufgegangen ist.

Aus Angst vor steigenden Zinsen und zur Gewinnsteigerung des Portfolios haben manche Fonds sogar mit Hilfe von Terminkontrakten auf fallende Kurse der Anleihen gesetzt – mit weiteren Verlusten. Will man diese Strategie über einen längeren Zeitraum durchhalten, muss man zudem auslaufende Kontrakte immer wieder erneuern, mit dem Risiko der bekannten Rollverluste.

 

Fazit

Wie hatte der einflussreiche Banker, der CEO von JP Morgan, Jamie Dimon, Mitte 2018 gesagt: „Man müsse sich auf eine Rendite von 5% bei den 10-jährigen US-Staatsanleihen einstellen!“ An dieser Fehlprognose sieht man, dass es selbst mit dem besten Research im Hintergrund nicht möglich ist, zuverlässlich in die Zukunft zu blicken – ungeachtet der viel beachteten richtigen Zufallsprognosen. Die oben dargestellte Schieflage ist auch ein kleiner Mosaikstein für diese These. Bleiben wir also kritisch, demgegenüber, was uns manche Koryphäen erzählen.



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