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„Auch die sicheren Häfen sind in Gefahr“

Markus Fugmann

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Guido Lingnau ist in gewisser Weise einzigartig: nur er erforscht den Einfluß der Demografie auf die Finanzmärkte – und kommt zu spektakulären Schlüssen. So sieht er China als Auslöser der nächsten großen Finanzkrise, und sagt voraus, dass auch vermeintlich sichere Häfen wie die Schweiz und Norwegen große Probleme bekommen werden. Heute erscheint sein Buch „Auch die sicheren Häfen sind in Gefahr“ – das wir Ihnen dringend ans Herz legen möchten, weil es eine völlig neue Perspektive eröffnet:


(Klicken Sie auf das Bild, um das Buch zu bestellen)

1. finanzmarktwelt.de: Herr Lingnau, Ihr neues Buch trägt den Titel „Auch die sicheren Häfen sind in Gefahr“. Sie zeigen, dass auch Länder wie die Schweiz oder Norwegen keineswegs für längere Zeit sichere Häfen bleiben werden. Warum ist das so?

Guido Lingnau: Neben den kurzen und mittleren Konjunkturzyklen gibt es auch die sehr lange Wellen der Konjunktur. Diese wurden erstmals von dem russischen Ökonomen Nikolai Kondratieff nachgewiesen. Die erste dieser Wellen begann ihren Aufstieg im Jahr 1789 mit der Französischen Revolution. Joseph Schumpeter war der Überzeugung, dass es sich dabei um Innovationszyklen handelt. In diesen langen Innovationszyklen gibt es jeweils einen etwa 20 Jahre lang anhaltenden Aufschwung, in dem die kürzeren Konjunkturaufschwünge stärker ausfallen als üblich. Auch die Aufschwünge an den Finanz- und Immobilienmärkten folgen diesen Innovationszyklen. Sie enden dann üblicherweise in einem irrationalen Überschwang, in einer Finanzmarktblase oder einem Krieg. Der anschließenden Krise folgt dann regelmäßig eine längere Phase mit schwacher Wirtschaftsentwicklung.

In meinem Buch zeige ich, dass diese langen Innovationszyklen meistens mit demografischen Wellen deckungsgleich sind. Schaut man sich historische Vergleichsdaten an, dann befinden sich u.a. die Schweiz oder Norwegens in einer Phase, in der es in anderen Ländern oft zu einer Blase an den Immobilienmärkten kam.

2. finanzmarktwelt.de: Sie zeigen anhand historischer Daten, dass Aktienmärkte häufig eine Hausse erleben, wenn eine Generation von Babyboomern Anfang 20 ist, während Krisen (wie die Finanzkrise ab 2008) daraus resultieren, dass eben diese Babyboomer dann älter geworden ist – meistens Anfang 40. Wie sind Sie auf diesen Zusammenhang gestoßen?

Guido Lingnau: Vor ca. 15 Jahren sah ich in einem Chart, dass es in den 1970er Jahren bei hohen Kursschwankungen nur eine Seitwärtsbewegung an den westlichen Aktienmärkten gab. Bis dahin war ich davon ausgegangen, dass man an den Aktienmärkten nach zehn Jahren immer einen überdurchschnittlichen Gewinn erwirtschaften kann. Zwischen 1966 und 1980 hatten die US-Aktienmärkte nach Inflation sogar die Hälfte ihres Wertes eingebüßt. Der japanische Aktienmarkt befand sich seit Ende 1999 scheinbar ebenfalls in einer solchen Phase. Mich hat es einfach interessiert, wie es zu solchen Stagnationsphasen kommt. Dass das etwas mit Demografie zu tun haben könnte, fiel mir erst einige Jahre später auf, als nach dem Platzen der Internetblase auch die USA und Europa zunehmend in japanische Verhältnisse rutschten. Japan erlebte seine Aktienblase 1989, die USA elf Jahre später im Jahr 2000. Merkwürgerweise lagen zwischen dem Geburtenboom in Japan und den USA auch elf Jahre. Anfang 2009 konnte ich dann mit Hilfe einer Datenbank des US Census Bureau erstmals weltweite demografische Daten mit Aktienmarkt- oder auch Inflationsentwicklungen vergleichen. Und die Muster fand ich auch in anderen Ländern.

3. finanzmarktwelt.de: Sie prophezeien in Ihrem Buch, dass die nächste große Krise an den Finanzmärkten von China ausgehen wird – eine These, die auch wir seit Jahren vertreten. Warum ist das vermeintlich unaufhaltsame China in Wirklichkeit Crash-gefährdet?

Guido Lingnau: Es gibt immer wiederkehrende Muster in den langfristigen Entwicklungen:

Es gibt keine Naturgesetze, nach denen China, Norwegen oder die Schweiz demnächst eine Krise an den Finanzmärkten erleben werden. Es gibt aber Korrelationen. Am Ende einer langen Innovationsphase kommt es oft zu einem irrationalen Überschwang. Den hat China 2007/08 erlebt, Japan 1989 und die USA im Jahr 2000. Der Boom endet zuerst in einem Crash am Aktienmarkt. Mit einer lockeren Geldpolitik will man dann zum vorherigen Boom zurückkehren, heizt aber nur eine Immobilienblase an. Doch die Zinsen können nicht ewig immer weiter gesenkt werden. Die nächste Rezession lässt die Immobiliennachfrage wieder einbrechen. Diese Rezession verstärkt dann den demografisch bedingten Nachfragerückgang. Banken sitzen auf uneinbringlichen Krediten usw.

Chinas Babyboomer wurden in den 1960er Jahren geboren. Im Jahr 1973 lag die Geburtenzahl erstmals um mehr als 10 Prozent unter den Höchstwerten. Da Menschen üblicherweise ihre Familienaufbauphase mit Anfang 40 beenden, benötigen sie auch nicht mehr Wohnraum.
Dieser chinesische Geburtenrückgang, der übrigens nichts mit der Ein-Kind-Politik zu tun hatte, löst also schon seit einigen Jahren einen demografischen Nachfragerückgang bei Immobilien aus. Mit Anfang 40 werden Menschen auch fast schlagartig risikoaverser, was sich auf die Reformbereitschaft und damit auch auf das Wirtschaftswachstum auswirkt. Auch das nimmt in China ab. Die beiden wichtigsten Kriterien für eine hohe Immobiliennachfrage sind in China also rückläufig: die Demografie und das Wirtschaftswachstum. Oft kommt es etwa 40 Jahre nach einem starken Rückgang der Geburtenrate zu Immobilienkrisen, die dann eine Finanzkrise auslösen. Die anschließende Wirtschaftsschwäche konnte bisher nur durch eine neue junge Babybommer Generation oder einen sehr hohen Exportüberschuss beendet werden.

4.finanzmarktwelt.de: Sie argumentieren, dass Aufstieg und Fall von Aktienmärkten mit Babyboomern und Ihrer Alterung zu tun haben. Aber ist es nicht möglich, dass sich diese von Ihnen festgestellten Zyklen verschieben? Etwa, wenn die Menschen älter werden und länger arbeiten, sodaß eben zum Beispiel Anfang 40-jährige nicht beginnen, ihre Geldanlagen konservativ zu gestalten, weil sie wissen, dass sie noch viele Jahre arbeiten werden und daher noch lange ein verläßliches Einkommen haben?

Guido Lingnau: Die Aufschwungsphasen der langen Zyklen endeten schon im 19. Jahrhundert, wenn die Babyboomer Anfang 40 waren. Da hat sich bis heute nichts geändert. Es scheint eine Art innerer Uhr bei den Menschen zu geben. Einen Einfluss hat aber scheinbar das sich verschiebende Rentenalter. Doch da gibt es noch zu wenige historische Vergleichsmöglichkeiten.

5.finanzmarktwelt.de: In Ihrem Buch begründen Sie den Aufstieg des Nationalsozialismus als Phänomen einer Babyboomer-Generation, die um das Jahr 1908 geboren wurde. Auch die Wende in der DDR 1989 ist für Sie gewissermaßen der Sieg von Babyboomern. Diese Faktoren sind in der historischen Forschung bislang kaum beachtet worden – haben Sie eine Erklärung, warum?

Guido Lingnau: Diese Frage habe ich mir schon so oft selbst gestellt! Ich weiß es nicht. Es gab ja immer wieder Versuche, die Demografie für wichtige gesellschaftliche Veränderungen verantwortlich zu machen. Sie waren nur nicht gut begründet. Meine Erklärung für die große Macht der Babyboomer liegt in ihrer Sogwirkung auf die anderen Altersgruppen. Sie schaffen es mit ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit die gesellschaftlichen Normen zu bestimmen und sie setzen damit die gesellschaftliche Stimmung. Das wurde scheinbar noch nicht ausreichend untersucht. Demografische Daten in guter Qualität gibt es auch noch nicht so lange. Es ist wohl an der Zeit, dass die Ökonomie sich wieder mehr als Teil der Sozialwissenschaft versteht und zwischenmenschliche Prozesse stärker gewichtet als naturwissenschaftliche Grundsätze. Besonders das altersabhängige Verhalten wurde bisher kaum erforscht.

6.finanzmarktwelt.de: Sie sagen in Ihrem Buch, dass die Forschung recht genau weiß, wie sich die Alterststruktur einer Gesellschaft entwickelt. Nun gibt es aber Phänomene wie in Portugal, wo massenhaft vor allem junge Menschen aufgrund der Wirtschaftskrise ausgewandert sind – eine für die Alterstruktur einer Gesellschaft folgenschwere Entwicklung, die die Forschung sicher nicht hat voraussehen können. Und: die Werte einer Gesellschaft können sich recht schnell verändern – so zum Beispiel in Deutschland, wo Familie wieder wichtiger wird, die Menschen wieder früher heiraten, mithin also ein Familienbild entsteht, das zu höheren Geburtenraten führen dürfte. Sehen Sie das auch so?

Guido Lingnau: Keine Statistik kann mir sagen, wie sich die heutige oder morgige Bevölkerung genau zusammensetzt. Die letzte Volkszählung in Deutschland zählte 1,5 Millionen Deutsche weniger als die Statistiker zuvor geschätzt hatten. In den USA kam es nach dem letzten Census ebenfalls zu für mein Modell folgenschweren Überraschungen. Migration ist der große Unsicherheitsfaktor bei den Bevölkerungsvorausberechnungen. Trotzdem sind demografische Vorausberechnungen wesentlich genauer als z.B. Konjunkturschätzungen.

Die Geburtenzahlen sind besser zu erfassen und wirken sich erst mit langer Verzögerung auf die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse aus. Sie betreffen also die Zukunft und ermöglichen eine Reaktion, bevor es zu den Folgen kommt. Ein- und Auswanderung lässt sich leider nicht zeitnah genau erfassen und daher lassen sich diese nur durch eine Volkszählung relativ genau feststellen. Da es nur relativ selten Volkszählungen gibt, sind diese Bevölkerungswanderungen der größte Unsicherheitsfaktor in der Demografie.

7.finanzmarktwelt.de: Aufgrund Ihres Modells: wie sehen Sie die Entwicklung an den Finanzmärkten in den nächsten Jahren? Und wie sollte man sich jetzt positionieren? Aktien kaufen? Oder Staatsanleihen? Wie lauten Ihre Empfehlungen?

Guido Lingnau: Investitionen in Aktien dürften sich vor allem in den USA und Lateinamerika lohnen. In den USA hat vor zwei Jahren eine neue Babyboomer Generation, die sogenannte Generation Y die alte Babyboomer Generation zahlenmäßig überholt. Davon sollten die Länder besonders profitieren, die viel in die USA exportieren, wie z.B. Mexiko oder Kolumbien und sogar Venezuela. In Asien sind nur Vietnam und der Iran demografisch so richtig interessant. Für beide Länder gibt es aber politisch bedingte Einschränkungen. Indien macht langfristig Sinn, ist aber demografisch noch nicht ganz so weit. China hat einen großen Einfluss auf viele Schwellenländer. Daher werden wohl die Länder unter einer wesentlichen Chinakrise leiden, die viel nach China exportieren. Das trifft leider auch für einige südamerikanische Länder, wie z.B. Chile zu. Afrika ist im Norden und Süden interessant z.B. Ägypten oder Südafrika. Langlaufende Anleihen mit höchster Bonität möglichst aus Deutschland sollten den kürzeren Laufzeiten und Anleihen mit wenig guter Bonität vorgezogen werden. Die Eurokrise kann durch ein schwächer werdendes Frankreich wieder aufflammen. Bricht der Euro sogar auseinander, besteht bei deutschen Anleihen die geringste Verlustwahrscheinlichkeit. Gold hat bisher in den guten Zyklen am US-Aktienmarkt schlecht performt. Unterstützung für den Goldpreis könnte aus einer ausufernden japanischen Schuldenkrise kommen.

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Coronakrise: Für die Verlierer folgt wohl der zweite wirtschaftliche Abschwung

Redaktion

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Lufthansa mit massiven Problemen in der Coronakrise

Zum Ausbruch der Coronakrise gab es zunächst massive Staatshilfe über Kurzarbeit, Zuschüsse, Milliardenkredite und sogar Unternehmensbeteiligungen durch den Staat. Die Lage schien sich zu stabilisieren. Mit der deutschen Volkswirtschaft geht es wieder bergauf. Und wenn man sich die Headlinezahlen der Statistiker betrachtet, wirkt die Lage auch gar nicht mehr so schlimm. Aber die Verlierer-Branchen, die ab März fast komplett den Bach runtergingen, die erleben derzeit womöglich den zweiten Abschwung.

Wenn dem wirklich so ist, wäre es für Börsianer ratsam die Finger von Aktien dieser Branchen zu lassen. Denn es ist natürlich zunächst verführerisch. Was im Zuge der Coronakrise stark gefallen ist, scheint jetzt vom reinen Aktienkurs her optisch günstig zu sein. Aber kommt eine weitere kräftige Abwärtswelle bei den Aktienkursen der betroffenen Konzerne, wenn den Börsianern klar wird, dass die Coronakrise auf ganz spezielle Branchen noch viel länger sehr drastische Auswirkungen haben wird?

Lufthansa in der Coronakrise weiter im Abschwung

Da wäre zum Beispiel die Lufthansa als Paradebeispiel in Deutschland zu nennen. Zum Ausbruch der Coronakrise sanken die Passagierzahlen auf Null. Nun denkt man, dass sich die Fluggastzahlen zusammen mit der allgemeinen wirtschaftlichen Erholung auch steigern werden. Aber die Lage ist wohl schwieriger. Erstmal hilft da der gesunde Menschenverstand. Wie viele potenzielle Urlauber bleiben bitte schön solange den Flughäfen fern, bis die Maskenpflicht entfällt? Denn stundenlang als erholungssuchender Tourist im Flieger, am Flughafen, im Hotel, und an der Strandpromenade mit Maske rumzulaufen – darauf haben viele Menschen einfach keine Lust, denn das ist einfach kein richtiger Urlaub!

Nach den bisherigen massiven Einschnitten der letzten Monate sieht es bei der Lufthansa (wie bei anderen Airlines auch) nach einer erneuten Runde von Einschnitten aus. Dies lässt vermuten, dass sich die Flugzahlen eben nicht so erholen, wie man es sich erhofft hatte. Laut aktuellen Berichten soll Anfang nächster Woche bekanntgegeben werden, wie viele zusätzliche Jobs und Maschinen bei der Lufthansa gestrichen werden. Denn die Airlines leider derzeit auch darunter, dass sich die Einreisebeschränkungen einzelner Länder schnell ändern, und der potenzielle Reisende dann fernbleibt. Auch hier kann man denken aus „kaltherziger“ Börsianer-Sicht: Gut, dann warte ich die nächste Kürzungsrunde und weiter fallende Aktienkurse noch ab, und kaufe dann günstig ein.

Aber das sage mal jemand den Aktionären der Telekom, die damals in ein immer weiter fallendes Messer griffen nach dem Motto „jetzt gibts die Aktie aber günstig zu kaufen“. Natürlich ist das alles Ansichtssache. Es kann natürlich auch sein, dass ab einem gewissen Kursniveau wirklich eine Bodenbildung eintritt. Aber man sollte als Börsianer nicht all zu euphorisch agieren, nur weil der Aktienkurs optisch günstig zu sein scheint. Im folgenden Chart sehen wir in den letzten 12 Monaten in blau den Verlauf des Dax gegen die deutlich schlechter laufende Lufthansa-Aktie (beides auf CFD-Basis).

Chart zeigt Kursverlauf von Lufthansa gegen Dax

US-Airlines und Hotels

Auch in den USA geht der Abbau bei den Verlierern weiter. Nachdem die Airlines nach dem Ausbruch der Coronakrise bereits üppig vom US-Steuerzahler bedacht wurden, scheint das Geld wohl auszugehen. Nach ganz aktuellen Berichten sind die Chefs der großen US-Airlines im Weißen Haus vorstellig geworden. Das Motto lautete: Gebt erneut Staatshilfe, oder wir müssen Massenentlassungen durchführen. Auch dies ist ein klares Indiz dafür, dass es Delta, United und Co sehr schlecht geht.

Wie jüngste Berichte zeigen, und was natürlich mehr als verständlich ist: Das Spieler-Paradies Las Vegas wurde von der Coronakrise übel getroffen, aber gleich doppelt und dreifach. Da lohnt es sich einen Blick zu werfen auf die Las Vegas Sands Corp, einen Hotel- und Casino-Betreiber mit Schwerpunkten in Las Vegas, Macau und Singapur. Die Aktie notierte vor dem Beginn der Coronakrise im Februar bei 71 Dollar, jetzt bei 49 Dollar. Im folgenden Chart, der 12 Monate zurückreicht, haben wir die Kursverläufe der Hotelkette und von United Airlines übereinander gelegt. Frage: Greift man hier in ein fallendes Messer, wenn man jetzt kauft? Oder stehen die Aktien vor einem langen, langweiligen Seitwärtstrend?

Chart zeigt United Airlines und Las Vegas Sands

Nicht in das fallende Messer greifen?

Der Spruch ist einer der absoluten Börsianer-Klassiker. Man soll nicht in das fallende Messer greifen. Damit ist gemeint, dass man in einem Absturz, bei dem der Boden noch nicht erkennbar ist, nicht kaufen sollte. Natürlich sollte man auch später nie krampfhaft versuchen den absoluten Tiefpunkt für seine Einstiege an der Börse zu finden. Aber derzeit scheint es bei Aktien von Hotels und Airlines so zu sein, dass die Corona-Misere weitergeht, während sich der größte Teil der sonstigen Volkswirtschaft damit beschäftigt die alten Niveaus zu erreichen. Also, Vorsichti ist geboten bei den Problembranchen. Es sieht nicht nach einer raschen Erholung aus! Gestern berichteten wir bereits über die große Entlassungswelle bei deutschen Autozulieferern (hier finden Sie den Artikel). Auch hier sollte man bei Neueinstiegen in die entsprechenden Aktien überlegen, ob nun das Tief wirklich erreicht wird, oder ob die Misere noch einige Zeit anhalten wird, was auch die Aktienkurse weiter belasten könnte.

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Aktien

Aktuell: Grenke veröffentlicht ausführliche Stellungnahme

Claudio Kummerfeld

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Die Grenke AG (notiert im MDax) ist seit Tagen massiv unter Beschuss nach harten Manipulationsvorwürfen a la Wirecard (wir berichteten). Nachdem man die Vorwürfe bereits zurückwies, erfolgt ganz aktuell eine ausführliche Stellungnahme des Unternehmens. Hier zeigen wir die wichtigsten Passagen im Wortlaut. Vorab noch die Info, dass Grenke heute beschlossen hat, dass man ein Sondergutachten beim Wirtschaftsprüfer KPMG in Auftrag gibt, welches die massiven Vorwürfe entkräften soll. Nun geht es aber los, mit ausgewählten Passagen aus dem aktuellen Text von Grenke (hier in voller Länge).

Headline-Aussage:

Die GRENKE AG, globaler Finanzierungspartner für kleine und mittlere Unternehmen, weist auch nach genauer Prüfung des 64-seitigen Berichts von “Viceroy Research” die darin erhobenen Vorwürfe mit aller Entschiedenheit zurück. Nach einhelliger Auffassung des Vorstandes und des Aufsichtsrates sind sämtliche Anschuldigungen in allen Themenbereichen unbegründet. Antje Leminsky, Vorstandsvorsitzende der GRENKE AG: „Die Behauptungen in dieser sogenannten Analyse entbehren jeder Grundlage. Wir verwehren uns gegen jeglichen Vergleich mit Wirecard. Die Anschuldigungen eines Leerverkäufers, der mit dem von ihm ausgelösten Kursverfall Geld verdient, sind ein Schlag ins Gesicht unserer über 1.700 Mitarbeiter, unserer 40.000 Händler und unserer langfristig orientierten Aktionäre.“

Entscheidend – Vorwurf zu fehlenden Geldern:

Viceroy behauptet ferner, dass ein substanzieller Anteil von den im Halbjahresfinanzbericht 2020 ausgewiesenen 1.078 Mio. Euro liquiden Mitteln nicht existiere. Diese Behauptung – einer der zentralen Vorwürfe von Viceroy – ist frei erfunden. 849 Mio. Euro, also fast 80 Prozent der liquiden Mittel, befanden sich zum 30.06.2020 auf Konten der Deutschen Bundesbank – wie im Halbjahresfinanzbericht veröffentlicht. Am 15.9.2020 betrug das Guthaben bei der Bundesbank, wie bereits mitgeteilt, 761 Mio. Euro. Die Differenz von rund 20 Prozent befindet sich überwiegend auf Konten bei deutschen Großbanken.

Zum Franchise:

Viceroy unterstellt, dass die Franchise-Akquisitionen von GRENKE in der vergangenen Dekade mit nicht offengelegten verbundenen Parteien stattgefunden hätten und diese Beziehungen hätten offengelegt werden müssen. Das ist falsch.

Die GRENKE AG betont zudem, dass unter den Geschäftsführern der Franchise-Unternehmen durchaus ehemalige GRENKE-Mitarbeiter sind, diese aber alle spätestens mit Aufnahme ihrer Tätigkeit als Gesellschafter und Geschäftsführer der Franchise-Unternehmen keine Rolle im GRENKE Konzern mehr innehatten.

Viceroy behauptet zudem, die von Grenke akquirierten Franchise-Unternehmen hätten keinen reellen und tangiblen Wert und seien „underperforming“. Dennoch tauchten sie in den Büchern des Konzerns mit Goodwill auf.

Dazu erläutert GRENKE: Die Franchise-Unternehmen werden gerade deshalb nach vier, fünf oder sechs Jahren akquiriert, weil sie dann schon ein gutes Händlernetz aufgebaut und gleichzeitig viel Potenzial haben. Es ist völlig normal, dass die Franchise-Unternehmen zum Zeitpunkt des Verkaufs als wachsende Start-ups noch Verluste machen.

Geldwäsche:

Viceroy stellt außerdem die Wirksamkeit der Geldwäsche-Prävention bei GRENKE in Frage. Als vermeintlicher Beleg dafür wird angeführt, dass drei GRENKE-Bank-Kunden Geldwäsche über ihre Konten bei der GRENKE Bank hätten betreiben können, obwohl die BaFin bereits rechtlich gegen sie vorging. Auch dieser Vorwurf ist falsch: Die regulatorisch vorgeschriebenen Prozesse für „Know your customer“ (KYC) und Anti-Money-Laundering (AML) werden bei GRENKE vollumfänglich umgesetzt und regelmäßig überprüft. Als KYC-Tool nutzt GRENKE ein leistungsfähiges System, das dem Branchenstandard entspricht und unter anderem von einer dreistelligen Zahl von Volks- und Raiffeisenbanken ebenfalls einsetzt wird.

Zentrale von Grenke
Firmengelände des Unternehmens. Foto: © GRENKE AG

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Aktien

Aktienmärkte: Großer Verfall – Optionen und mögliche Turbulenzen!

Heute, vielleicht aber noch mehr Anfang nächster Woche könnte es für die Aktienmärkte richtig turbulent werden. Der große Verfall und die US-Tech-Aktien

Markus Fugmann

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am

Für die Aktienmärkte ist heute der große Verfall der wahrscheinlich entscheidende Faktor – es verfallen Optionen und Futures mit Laufzeit September (siehe hierzu den heutigen Videoausblick „Großer Verfall – es steht viel auf dem Spiel“). Zuletzt war in den Finanzmedien vor allem das in den USA von Privatinvestoren gehandelte Volumen an Optionen (vor allem Calls auf die großen US-Tech-Aktien) ein großes Thema – und das zurecht!

Folgende besipielhafte Grafik zeigt, wie dieses hohe Volumen an Calls bei den Borkern/Verkäufern dieser Call-Optionen Käufe des jeweiligen underlyings ausgelöst hat – in der Grafik konkret illustriert anhand der Amazon-Aktie:

Großer Verfall: Der stark gestiegene Effekt der Optionen auf die Aktienmärkte

Grafik: Benn Eifert, https://twitter.com/bennpeifert

Man sieht: der Kauf von Call-Optionen auf die Amazon-Aktie hat letzlich den Verkäufer der Call-Optionen gezwungen, sein Risiko durch den Kauf der Amazon-Aktie abzusichern, nachdem die Amazon-Aktie angestiegen war (was ja bis Anfang September der Fall war). Aus 1500 Dollar, die ein Privakunde in Amazon-Calls investiert hatte, entstanden Käufe im Volumen von 230.000 Dollar der Amazon-Aktie durch den Broker/Verkäufer der Amazon Calls.

Es war offenkundig dieser Mechanismus, der die Aktienmärkte zuletzt stark beeinflußt hatte – und die extreme Rally der US-Tech-Werte vor Anfang September mit erklären kann.

Aktienmärkte und Call-Optionen bei US-Techaktien

Der Bestand von Call-Optionen auf Amazon war vor Anfang September regelrecht explodiert und betrug 48% der Marktkapitalisierung von Amazon:

Aktienmärkte und Amazon Call-Optionen

Noch krasser die Call-Bestände bei Tesla (380% der Marktkapitalisierung) – was den unter Bewertungsgesichtspunkten absurden Anstieg der Tesla-Aktie erklären hilft:

Tesla Call-OptionenCharts: @MacroCharts

Folgende Grafik zeigt, wie extrem die Call-Bestände auf die großen US-Tech-Aktien zuletzt angestiegen waren:

Aktienmärkte: Call-Optionen auf US-Tech-Aktien und großer Verfall

So weit so extrem. Aber was passiert, um das oben aufgeführte Beispiel der Amazon-Aktie zurück zu kommen, wenn die Optionen auf die einzelnen Aktien verfallen? (zu den Uhrzeiten des Verfalls auf einzelne Aktien siehe hier – Optionen auf die US-Indizes dagegen verfallen heute um 15.30Uhr deutscher Zeit)

Dann nämlich werden die Absicherungen des Brokers, der die Amazon-Aktie gekauft hatte um sein Risiko zu hedgen, im Grunde überflüssig (siehe die Grafik oben). Es könnte also eine große Verkaufswelle für die Aktienmärkte drohen – aber wir wissen eben nicht wirklich, wieviel der nun heute auslaufenden Call-Optionen bereits vor dem Verfall verkauft wurden! Möglich ist also, dass die Schwäche der großen US-Techaktien wie Amazon in den letzten Tagen bereits ein Zeichen dafür ist, dass die Broker die underlyings verkauft hatten!

So oder so: heute, vielleicht aber noch mehr Anfang nächster Woche könnte es für die Aktienmärkte richtig turbulent werden! Oder eben auch nicht – vielleicht nämlich ist der größte Teil schon abgewickelt, Schieflagen inzwischen weitgehend bereinigt. Daher zitieren wir hier den Kaiser Beckenbauer: „Schaun mer mal, dann sehn mer scho“!

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