Folgen Sie uns

Europa

BDI warnt vor Engpässen bei Lieferungen für deutsche Industrie

Der BDI fordert Hilfe der Bundesregierung – aber die wird wohl erst reagieren, wenn das Kind bereits in den Brunne gefallen ist..

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Der BdI (Bundesverband der Deutsche Industrie) warnt vor bald einsetzenden Lieferengpässen für die deutsche Industrie bei Lieferungen aus Fernost (vor allem natürlich China). Der BDI-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang forderte heute die Bundesregierung auf „jetzt rasch wirtschaftspolitische Impulse für eine Belebung des Wachstums“ bereit zu stellen – womit vermutlich fiskalische Stimuli gemeint sind. So formuliert BDI-Hauptgeschäftsführer Lang im Wortlaut:

„Die deutsche Industrie fordert ein koordiniertes wirtschaftspolitisches Vorgehen der Bundesregierung. Neben dem Gesundheitsschutz muss die Politik ab sofort auch das wirtschaftliche Krisenmanagement in den Fokus nehmen. Die Unsicherheit über die Auswirkungen des Virus ist groß. Für die Konjunktur drohen spürbare negative Effekte.

Die Bundesregierung muss jetzt rasch wirtschaftspolitische Impulse für eine Belebung des Wachstums liefern. Erforderlich ist eine politische Einigung noch im ersten Vierteljahr. Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft verdient mehr Aufmerksamkeit, als sie gegenüber parteipolitischen Fragestellungen erhält.

Aufgrund großer Unsicherheiten auf den Weltmärkten ist die Konjunktur in Deutschland schon schwach ins neue Jahr gestartet. Die Effekte der Epidemie erhöhen den Druck auf unsere Unternehmen zusätzlich.

Die Auswirkungen des Coronavirus sind in der globalen Wirtschaft und der exportorientierten deutschen Industrie deutlich zu registrieren. Die mehr als 5000 deutschen Unternehmen in China sind derzeit in Beschaffung, Produktion und Absatz stark eingeschränkt. In den kommenden Wochen rechnen mehrere Industriebranchen in Deutschland mit Engpässen bei Lieferungen aus Fernost, unter anderem Elektro, Automobil, Pharma und Papier.“

Erstaunlich ist, dass der Dax (vielmehr aber noch die Wall Street!) das bis zum letzten Wochenende irgendwie anders wahrgenommen hat – erst heute scheint sich die Schere zwischen fundamentaler ökonomischer Realität und Index-Kursen etwas zu verkleinern. Das gilt umso mehr für die US-Aktienmärkte – schließlich sind gerade die USA besonders abhängig von Zwischenprodukten, die aus China geliefert werden (und das viel stärker als Deutschland!). Bislang aber haben US-Verbände noch nicht ähnliche Warnungen heraus gegeben wie der BDI.

Dass die Bundesregierung, wie vom BDI gefordert, wirklich noch im ersten Vierteljahr reagieren wird, halten wir für überaus unwahrscheinlich. Der deutsche Finanzminister Olaf Scholz dürfte, beflügelt vom guten Abschneiden der SPD in Hamburg – wobei der SPD-Wahlsieger Tschentscher ausdrücklich auf den Auftritt von SPD-Granden aus Berlin wie eben Scholz verzichten wollte – lieber an der schwarzen Null festhalten und sich das Geld für die Rente von den kleinen deutschen Aktien-Sparern holen. Erst wenn das Kind dann schon in den Brunnen gefallen ist, dürfte die auf „Aussitzen“ spezialisierte deutsche Groko reagieren..

 

Die Forderung des BdI dürfte bei der Bundesregierung ins Leere laufen

Olaf Scholz und Angela Merkel. Foto: Sandro Halank, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

6 Kommentare

6 Comments

  1. Avatar

    Katja Wohmann

    24. Februar 2020 18:35 at 18:35

    Über 5000 deutsche Firmen in China… wirklich beeindruckend wie der Technologietransfer funktioniert. Und nun ist auch die Industrie wie der Aktienmarkt so weit, dass jede Schwäche mit Gelddrucken bereinigt werden könne. Nur, irgendwie ist der echte Wert des wertlosen Papiergeldes bereits durch die Hintertür wieder am Hereinströmen. Es gab noch nie in der Menschheitsgeschichte ein Wirtschaftssystem, das mit Luftwerten nicht früher oder später kläglich scheiterte. Wenn die Notenbanker einen Intelligenztest absolvieren müssten vor ihrer Intronisierung, hätten wir Leute die selbst nachrechnen könnten, dass Nullwerte eben Nullwerte bleiben.

    • Avatar

      Weidmann-Fan

      24. Februar 2020 20:26 at 20:26

      @Katja Wohmann. Was haben Sie eigentlich immer mit der Intelligenz der Notenbanker? Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass sich unter den Professoren und Doktoren nur minderbemittelte Personen befinden. Erstens baden diese nur die Fehler aus, die ihnen die entscheidungsunwilligen Politiker präsentieren. Zweitens ist Geldpolitik so komplex, dass Sie ohne VwL-Studium gar nicht mitreden können. Drittens ist es eine Frechheit, wenn man ausgewählte Ökonomen ständig als Deppen darstellt. Das ist doch primitives Biertischgequatsche. (Denn sie wissen nicht was sie tun.) Welchen IQ haben Sie eigentlich?

      • Avatar

        Richard

        25. Februar 2020 01:42 at 01:42

        Als Weidmann-Fan müssten Sie Katja Wohmann doch zustimmen können. Außerdem ist Geldpolitik keineswegs so komplex, wie Sie sie darzustellen versuchen. Sicher fehlt es nicht allen Professoren und Doktoren bei den Notenbanken an Intelligenz, auffällig häufig aber an Integrität, Rückgrat, Ehrlichkeit, Verantwortungsbewusstsein und Weitblick.

      • Avatar

        Shong09

        25. Februar 2020 02:47 at 02:47

        Was auch immer Sie gegen die Frau haben, die korrekten Argumente konnten und können Sie nicht widerlegen. Dann sage ich Ihnen als VWLer, dass durch Gelddrucken der (echte) Wohlstand nicht steigt, da sich die Gütermenge nicht erhöht. Kurzfristig kann es durchaus zu einem gefühlten höherem Wohlstand durch die höheren Assetpreise kommen, bedingt nur leider den späteren harten Abfall desselben.
        PS: 80-90% der an der Uni arbeitenden sind Deppen (im VWL/BWL Bereich), nicht gerade sonderlich intelligent, aber angepasst und evtl. arbeitswillig
        Wohmann möchte vermutlich nicht unbedingt deren Intelligenz in Frage stellen, sondern eher deren unverblümte Dreistigkeit, so gegen das Volk zu operieren und sich einer kleinen Elite anzudingen.
        Ich hoffe Sie glauben nicht, solch ein Titel oder Beruf würde diesen Personen Intelligenz bescheinigen, sonst wäre es mit der Ihren in meinen Augen nicht allzu weit her

        • Avatar

          Weidmann-Fan

          25. Februar 2020 07:14 at 07:14

          @Shong09. Ich habe nichts gegen die Frau, ganz bestimmt nicht, aber diese Behauptungen, dass es den Oberen an Intelligenz fehlt, ist doch ein Witz. Dazu VwL als Billigstudium abzutun. Prof. Dr. Issing oder Prof. Dr. Schnabel sind (waren) langjährige Lehrstuhlinhaber, außergewöhnlich intelligente Menschen und da gibt es noch eine Reihe weiterer in den Notenbanken. Nicht alle, aber darin steckt ein Teil der geistigen Elite des Landes und nicht die Minderbemittelten. Andere Behauptungen sind doch Polemik. Die Damen und Herren beraten immer im Kollektiv, nur sind sie bestimmten Zwängen ausgesetzt.

  2. Avatar

    jürgen

    24. Februar 2020 22:55 at 22:55

    Das geschieht den Firmen recht….billig billig, und wenn nichts mehr kommt an Waren, soll der Staat einspringen und das Risiko übernehmen. So einfach wird das auch nicht sein, man kann keine Motoren für Scheibenwischer drucken…nur Geld, das reicht diesmal nicht um einen tiefen Fall aufzufangen. Vielleicht kollabiert das System doch bald, ist doch schon längt überfällig…

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Europa

Verbraucherpreise Eurozone: Deflation im Westen – Inflation nur in Osteuropa

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Soeben wurden für die Eurozone für den Monat September die Verbraucherpreise veröffentlicht (2.Veröffentlichung). Sie gehen im Jahresvergleich um -0,3 Prozent zurück, nach -0,2 Prozent im August und +0,4 Prozent im Juli. Auffallend: Inflation gibt es nur im Osten, während der Westen eher unter Deflation leidet.
Zum Vormonat steigen die Verbraucherpeise um +0,2%, ebenso in der Kernrate (ohme Nahrung und Energie) um +0,2%.

Dazu schreibt Eurostat, das die Daten erhebt:

Die jährliche Inflationsrate im Euroraum lag im September 2020 bei -0,3%, gegenüber -0,2% im August. Ein Jahr zuvor hatte sie 0,8% betragen. Die jährliche Inflationsrate in der Europäischen Union lag im September 2020 bei 0,3%, gegenüber 0,4% im August. Ein Jahr zuvor hatte sie 1,2% betragen. .
Die niedrigsten jährlichen Raten wurden in Griechenland (-2,3%), Zypern (-1,9%) und Estland (-1,3%) gemessen.
Die höchsten jährlichen Raten wurden in Polen (3,8%), Ungarn (3,4%) und Tschechien (3,3%) gemessen.

Die Verbraucherpreise in den jeweiligen Ländern

 

Gegenüber August ging die jährliche Inflationsrate in dreizehn Mitgliedstaaten zurück, blieb in sieben unverändert und stieg in sieben an.
Im September kam der höchste Beitrag zur jährlichen Inflation im Euroraum von Lebensmitteln, Alkohol und Tabak (+0,34 Prozentpunkte, Pp.), gefolgt von Dienstleistungen (+0,24 Pp.), Industriegütern ohne Energie (-0,08 Pp.) sowie Energie (-0,81 Pp.).

Die Verbraucherpreise in der EU und der Eurozone

weiterlesen

Europa

Aktuell: ZEW-Index schwach – neuer Realismus?

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Jeden Monat wird der ZEW-Index vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung erhoben. Der Index gilt daher als ein wichtiger Frühindikator für die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland. Die gerade veröffentlichten Daten sind wie folgt ausgefallen:

Der ZEW-Index (Konjunkturerwartungen Oktober) ist mit +56,0 Punkten deutlich schwächer ausgefallen als erwartet (Prognose war +73,0; Vormonat war +71,5).

Die Einschätzung der aktuellen Lage liegt bei -59,5 (Prognose war -60,0; Vormonat war -66,2) – damit sehen wir erneut eine starke Divergenz zwischen Erwartung und der Einschätzung der aktuellen Lage, wobei die aktuelle Lage nun jedoch skeptischer gesehen wird.

Dazu das ZEW: Erwartungen gehen erheblich zurück, große Unsicherheit wegen steigender Corona-Zahlen, dazu Unsicherheit vor US-Wahl..

Der ZEW-Index ist nach dem ifo Index der wichtigste Indikator für die deutsche Wirtschaft

weiterlesen

Devisen

Industrieproduktion in Italien: Ist das die große Wende für Europa? Euro steigt

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Italien-Flagge

Offizielle Daten zur Industrieproduktion in Italien für August wurden heute veröffentlicht. Und siehe da, was für eine Überraschung. Das übelst gebeutelte Italien feiert (zumindest gemäß dieser Daten) ein Comeback. Die Industrieproduktion steigt im Vergleich zu Juli um satte 7,7 Prozent, während ein Plus von lediglich 1 Prozent erwartet wurde. Im Durchschnitt der letzten drei Monate steigt sie im Vergleich zum Durchschnitt der vorigen drei Monate um 34,6 Prozent. Aber noch deutlich wichtiger ist, dass sie im Jahresvergleich zu August 2019 nur noch um 0,3 Prozent gesunken ist. Damit kann man sagen, dass die Industrie in Italien das Corona-Tal verlassen hat.


source: tradingeconomics.com


source: tradingeconomics.com

Gleich nach Veröffentlichung der Zahlen zur Industrieproduktion in Italien machte der Euro gegen den US-Dollar einen Sprung nach oben, von 1,1775 auf 1,1801. Das ist zwar nicht viel, aber bei der minimalen Volatilität der letzten zwei Handelstage war der Ausreißer nach oben direkt ab 10 Uhr heute Vormittag klar erkennbar. Der Devisenmarkt zeigt sich freudig überrascht von den Italien-Daten. Der kleine Euro-Anstieg ist derzeit auch ein Grund dafür, dass der US-Dollar heute insgesamt weiter fällt, was man in Form des US-Dollar-Index gut erkennen kann. Er ist ein Währungskorb des US-Dollar gegen andere Hauptwährungen, wo der Euro das Hauptgewicht darstellt.

Frage: Wenn schon Italien mit seiner Industrieproduktion glänzen kann, schafft es dann ganz Europa in diesem Herbst wirtschaftlich wieder nach oben? Man weiß es immer erst hinterher.

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage

Wenn Sie diese Webseite weiter verwenden, stimmen Sie automatisch der Verwendung von Cookies zu. Zur Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um Ihnen das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen