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Asien

China – Zeichen einer Stabilisierung. Die Wende?

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Zuerst war man etwas geschockt von einem Wachstumsrückgang in China auf 6,2 Prozent im zweiten Quartal 2019, im Vergleich zum Vorjahr. Dem geringsten Wachstum seit 27 Jahren. Das Hoch im jüngeren Wachstum lag im Jahr 2010 mit 10,6 Prozent, seither geht es stetig aber gleichmäßig bergab. Die jüngst veröffentlichten Konjunkturdaten waren dann aber besser als erwartet und geben Hoffnung auf eine wirtschaftliche Stabilisierung im Reich der Mitte.

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China – wie kommen diese stetigen Konjunkturzahlen zustande?

Es muss doch verblüffen: China ist ein Riesenreich mit über 1,4 Milliarden Menschen auf einem Staatsgebiet von über 9,5 Millionen Quadratkilometern und man liefert seit Jahren Zahlen ab, die zwischen Vorhersage und Realisierung um gerade mal 0,1 Prozent differieren.

Für 2018 lautete das Wachstumsziel 6,5 Prozent, berichtet wurden dann 6,6 Prozent. Für das jetzige Quartal Q2 erwartete die chinesische Regierung 6,2 Prozent, das Statistikamt lieferte punktgenau. Wie kann so etwas funktionieren, im Gegensatz zu kleinen und modernen Industriestaaten, die regelmäßig massive Abweichungen vermelden müssen? Ökonomen von von der Chinese University of Hong Kong und von der Universität Chicago haben in einem aktuellen Fachaufsatz die Ursachen dieser scheinbaren Genauigkeit dargestellt.

Des Rätsels Lösung: Die Datensammlung erfolgt durch die lokalen Büros des Statistikamts NBS, die zwar Teil des Statistikamts sind, aber eigentlich den Regionalregierungen unterstehen. Diese haben den Auftrag die Wachstums- und Investitionsziele der Zentralregierung in Peking zu erfüllen und wollen augenscheinlich nicht enttäuschen.

Die Verfasser der Studie kommen zu dem Ergebnis, dass die Übertreibungen durch die Regionalregierungen ab 2008, also seit der letzten großen Rezession in den westlichen Staaten deutlich größer geworden sind. Die Ökonomen schätzen, dass das jährliche Wirtschaftswachstum seit 2010 um knapp zwei Prozentpunkte zu hoch angesetzt sei, auch die Investitions- und Sparquote könnte sich von den ausgewiesenen Zahlen deutlich unterscheiden.

 

Die aktuellen Konjunkturdaten aus China

Vor zwei Tagen vermeldeten die Behörden für Juni einen Anstieg der Einzelhandelsumsätze um 9,8 Prozent, deutlich über den zuletzt enttäuschen Zahlen von 7,2 Prozent – im Wachstumsland China die niedrigsten Kennziffern seit 16 Jahren. Einen stärkeren Anstieg gab es auch in der Industrieproduktion, die gegenüber dem Vorjahr um 6,3 % zulegte, stärker als die erwarteten 5,2 Prozent. Beobachter sehen darin einen ersten Effekt der staatlichen Stützungsmaßnahmen in Form von Steuersenkungen in Höhe von 400 Milliarden Dollar und der Emmission von Anleihen für die Lokalregierungen zur Finanzierung von Infrastrukturprogrammen.

 

Das alte Rezept der Jahre nach der Finanzkrise

Hinzu kommt noch die sechsmalige Kürzung des Mindestreservesatzes durch die Zentralbank zur Stärkung mittelständischer Unternehmen. Wollte man nicht zuletzt die riesige Verschuldung chinesischer Unternehmen abbauen?

 

Das Damoklesschwert – der ungelöste Handelsstreit

Nach dem Ende Juni vereinbarten Waffenstillstand ist die Hoffnung da, dass es zu keiner weiteren Zolleskalation kommt. Donald Trump freute sich lautstark über den Wachstumsrückgang in China – im Gegensatz zu den USA – und machte dafür seine Zollpolitik verantwortlich. Gleichzeitig schimpfte er wegen der ausbleibenden chinesischen Käufe von landwirtschaftlichen Produkten der USA, gleich wieder drohend, es könnten ja noch weitere Zölle folgen. Das wäre dann ein Anlass für ein Anspringen der Volatlität, ein Anschwellen der Umsätze und für eine veritablen Aktienmarktkorrektur.

 

Fazit

Die gemeldeten Konjunkturdaten aus China sind ein Silberstreif am Horizont, auch für Deutschland, das sich so stark abhängig gemacht hat von chinesischen Wachstum, mehr noch nicht. Es darf einfach nicht zu den im Raume stehenden Zölle in Höhe von 300 Milliarden Dollar kommen. Nicht für die USA, deren Verbraucher dann gewaltig betroffen sein würden und nicht für China, dessen Stützungsmaßnahmen nahezu verpuffen würden.

Irgendwie hat man das Gefühl, das beide Seiten auf Zeit spielen, aus unterschiedlichen Gründen: Trump darf keinen Einbruch in der Wirtschaft und in den Aktienindizes riskieren und die Chinesen wollen die Zeit nutzen, um ihre Strukturreformen weiter umzusetzen, um schlussendlich die Abhängigkeit von den Exporterlösen in die USA zu reduzieren.

 

Hat China nach dem Abschwung schon die Wende geschafft?

By Baycrest – Own work, CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=49027529

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Asien

Deutschland und Japan: So katastrophal sind die Rückgänge in der Industrie!

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So wirklich angekommen scheint das Thema in der breiten Öffentlichkeit noch nicht zu sein. Denn der Arbeitsmarkt ist weiterhin quasi am Rand der Vollbeschäftigung. Bau und Dienstleistungen produzieren neue Jobs, und alles wird gut? Dem ist nicht so. Denn für Volkswirtschaften mit großer Bevölkerungszahl bildet die Industrie die Basis, auf der vor allem die Dienstleistungsindustrie aufbaut! Kleine Länder wie Luxemburg können sich zum Beispiel auf Finanzdienstleistungen als Einnahmequelle konzentrieren. Das geht, weil das Land aufgrund seiner kleinen Landmasse geringe Kosten für die Infrastruktur hat.

Und aufgrund seiner geringen Bevölkerungszahl kann Luxemburg in einem langfristigen Zustand der Vollbeschäftigung leben, wenn die Menschen reihenweise als Wirtschaftsprüfer oder Fondsmanager tätig sind. Aber in großen Flächenländern wie Deutschland, Frankreich etc mit großer Bevölkerungszahl, da braucht es die Industrie als Basis, um die breite Masse der Bevölkerung auch in Dienstleistungsjobs ernähren zu können. Ohne diese Basis geht es nicht! Deswegen ist es auch so wichtig, dass die Politik die aktuelle Schwäche in der Industrie viel stärker in Augenschein nehmen sollte. Aber wie wir gestern schon zeigten.

Unser Wirtschaftsminister Peter Altmaier will eine bevorstehende Rezession mit Maßnahmen bekämpfen, die vielleicht erst in 3, 4 oder 5 Jahren wirken könnten. Ein Witz. Denn wenn die Politik gegensteuern wollte, dann müsste jetzt sofort etwas geschehen. Sehen Sie dazu unseren Artikel von gestern. Aber wir schweifen ab. Anlass dieses Artikels sind Daten, die heute früh in Japan veröffentlicht wurden. Japan und Deutschland gelten als die klassischen Exportländer. Und gerade diese beiden Länder weisen seit Monaten drastische Rückgänge in der Industrieproduktion aus. Japan meldet heute für den Monat Juni im Jahresvergleich einen Rückgang von 3,8%. Damit sinkt die Industrieproduktion in Japan im Jahresvergleich nun schon den fünften Monat in Folge (erste Grafik). Und die jeweiligen monatlichen Rückgänge sind kräftig!


source: tradingeconomics.com

Und Deutschland? Hier sieht es nicht besser aus. Zuletzt vor einer Woche hatten die Statistiker hierzulande die Industrieproduktion für Juni im Jahresvergleich mit -5,2% vermeldet. Hallo? Das ist katastrophal! Damit gibt es bei uns nun acht Monate in Folge deutliche Rückgänge! Zahlreiche Entlassungen in der Industrie gibt es schon. Aber die Dramatik der Lage fällt am Arbeitsmarkt wohl noch nicht auf, weil gleichzeitig Bau und Dienstleistungen wie gesagt neue Jobs schaffen. Aber am Bau, da braut sich gerade was zusammen in Deutschland. Schon in den Vormonaten schwächelten die Neugenehmigungen für den Wohnungsbau, und auch heute geht es weiter bergab. Wir werden dieses Thema in einem Folgeartikel genauer ansprechen.


source: tradingeconomics.com

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Asien

China – Kreditvergabe viel schwächer als erwartet

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Die Kreditvergbe in China ist eine wichtige Grösse für die Finanzmärkte! Nicht nur, weil die Kreditvergabe wichtig ist für Chinas Konjunktur selbst, sondern für die Weltwirtschaft insgesamt. Denn diese Kreditvergabe findet meist mit einigen Monaten Verzögerung ihren Weg in die globale Realwirtschaft über chinesische Investitionen – oder wirkt sich über Investments an den Finanzmärkten auf Aktien-, Anleihen- oder Devisenmärkte aus. Mit einem Wort: Kreditvergabe bedeutet Liquidität, und Liquidität treibt Realwirtschaft, treibt aber vor allem die Finanzmärkte. Man spricht daher auch vom Kreditimpuls.

Bei vielen Profi-Investoren ist daher diese Kreditvergabe in China ein wichtiger Parameter für den Verlauf der Wirtschaft und der Finanzmärkte in den nächsten Wochen und Monaten, mithin ein zentrales Maß für Liquidität.

Blickt man auf die heute veröffentlichten Daten zur privaten Kreditvergabe in China, dem sogenannten „China Total Social Financing“ (auch als “aggregate financing to the real economy” bekannt), so fallen die Daten für den Juli sehr enttäuschend aus. Sie liegen bei 1,010 Billionen Yuan, die Erwartung lag jedoch bei 1,625 Billionen Yuan


source: tradingeconomics.com

Gemeint sind damit Finanzierungen für die Privatwirtschaft durch „indirect finance via the banking system, as well as direct financing via stocks and bonds on the capital market.“

So oder so: die Kreditvergabe in China stockt – anders als im Januar, als Chinas Banken auf Staatsorder mehr als das 4-fache an Krediten vergeben hatte als im Juli. Schwächer war die Kreditvergabe in den letzten Monaten nur im Oktober 2018 und im Februar 2019 (damals als Reaktion auf die massive Kreditvergabe im Januar, die ca. 15% des BIP Chinas ausmachte.

 

Die Kreditvergabe in China stockt derzeit

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Asien

Inflation, Industriedaten, überall Schwäche… und was wäre in Deutschland los ohne den Bau?

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Die heutigen deutschen Exporte mit -8% im Jahresvergleich waren schon ein Schock. Auch die schwachen britischen Daten haben das britische Pfund heute zum Fallen gebracht. Aber was ist denn heute noch so reingetrudelt an Konjunkturdaten? Wir können wenig Hoffnungsvolles berichten.

In Frankreich ist die Industrieproduktion im Juni im Monatsvergleich um 2,3% gesunken. Im Vergleich des 2. Quartals zum Vorjahr war es noch ein Plus von 1,0%. In Italien wurde heute für Juli die Inflationsrate vermeldet. Sie liegt bei nur noch 0,4% nach 0,7% im Juni. Der folgende Chart zeigt, wie rasant es Richtung Null-Linie geht. Laut den italienischen Statistikern liegt dieser Absturz in erster Linie an einem dramatischen Absturz der Verbraucherpreise für Energie (Öl) in Italien. Ähhhhh, da war doch was? Wir hatten doch gestern Mario Draghi „entlarvt“… mehr dazu beim Klick an dieser Stelle.


source: tradingeconomics.com

In China wurde heute ein eigentlich ansehnliche Inflationsrate von 2,8% im Juli vermeldet. Also alles normal, alles ihm Rahmen? Auf den ersten Blick ja. Aber auf den zweiten Blick? Die parallel dazu veröffentlichten Erzeugerpreise sind im Jahresvergleich jetzt sogar 0,3% im Minus, also deflationär (Grafik). Das ist von daher bedeutet, als dass die Erzeugerpreise mit zu den wichtigsten Indikatoren für die letztlichen Verbraucherpreise gelten. Steht China in den nächsten Monaten also auch vor einem Abrutschen in der Inflation?


source: tradingeconomics.com

So, und wo wir gerade kreuz und quer über den Planeten fliegen in Sachen Wirtschaftsdaten. Zurück von China nach Großbritannien. Die heutigen Daten waren gruselig. Nur eine Zahl nochmal an dieser Stelle: Die Bauproduktion sinkt im Juni im Jahresvergleich um 0,2%. Warum wir das erwähnen? Weil es bei uns noch richtig boomt, wo in UK schon tote Hose ist auf dem Bau. Das Statistische Bundesamt hat heute nämlich Zahlen für die deutsche Baubranche veröffentlicht. Und hierzulande hält der Bauboom an, aber wie! Er ist wohl der wichtigste Faktor, der die gesamte deutsche Volkswirtschaft (noch) von einer Rezession abhält. Weil so unendlich viele neue Wohnungen benötigt werden, fährt das deutsche Baugewerbe auf 100% Auslastung, oder sogar darüber hinaus.

Im Mai ist der Umsatz im deutschen Bauhauptgewerbe im Jahresvergleich um 9,8% gestiegen. Hallo? Was für ein Wahnsinnsanstieg. Die Zahl der Beschäftigten steigt um 2,2% gegenüber dem Vorjahresmonat. Alle Wirtschaftszweige des Bauhauptgewerbes verbuchten Umsatzzuwächse im Vorjahresvergleich. Diese Steigerungen können auf die weiterhin sehr stabile Lage der Auftragseingänge im Bauhauptgewerbe zurückgeführt werden, die sich in den Monaten Dezember 2018 bis Mai 2019 auf Rekordniveau bewegten, so die Statistiker. Man möchte gar nicht darüber nachdenken, wo die deutsche Wirtschaftsleistung jetzt bereits ohne den Bau stehen würde!

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