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Deutsche Bank: Brief von Chef Christian Sewing an Mitarbeiter im Wortlaut

Redaktion

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Die Quartals- und Jahreszahlen der Deutschen Bank haben wir vorhin bereits veröffentlicht. Sie sind mau, aber eben auch keine Katastrophe. Das Geschäft im Investmentbanking beispielsweise ist rückläufig. Aber im aktuellen Brief von Bankchef Christian Sewing ist davon keine Rede. Hier erwähnt er beispielsweise, wie viele tolle Anleiheemissionen die Deutsche Bank jüngst schon begleitet habe, und wie stark man im Kapitalmarktgeschäft sei. Auch bei den anderen Geschäftsbereichen liest man eigentlich nichts von Problemen. Es geht in allen Bereichen nur bergauf, so darf man (vereinfacht ausgedrückt) den Eindruck gewinnen.

Die Transaktionsbank laufe laut Christian Sewing super, man habe auch viele neue Firmenkunden dazu gewonnen, und Apple Pay laufe bombastisch (das stimmt). Interessant: In Sachen „juristische Schwierigkeiten“ erwähnt er, dass Altfälle erfolgreich beendet wurden, oder dass man erhebliche Fortschritte gemacht habe. Zum gigantischen Danske-Skandal schreibt er nur, dass man mit den Behörden kooperiere. Man habe aber keine „Hinweise auf ein eigenes Fehlverhalten“. Komisch. Entweder man weiß, ob man schuldig ist, oder eben nicht. Welche Hinweise? Er ist doch der Bankchef, er sollte es doch selbst wissen? Zusammenfassend kann man sagen: Laut Christian Sewing läuft doch alles super. Alle Mitarbeiter sollen mal kräftig in die Hände spucken, und dann wird das schon. Hier sein Brief im Wortlaut:

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

hinter uns liegt ein bewegtes Jahr – aber auch ein Jahr, in dem wir viel erreicht haben.

Das Wichtigste zuerst: Wir konnten unseren Vorsteuergewinn gegenüber 2017 steigern und haben erstmals seit 2014 einen Gewinn nach Steuern erzielt. Mit einem Überschuss von 341 Millionen Euro sind wir zwar noch lange nicht dort, wo wir hinwollen. Aber das positive Ergebnis für das vergangene Geschäftsjahr ist ein klares Signal dafür, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Dabei war unsere Steuerquote 2018 aufgrund von Sondereffekten mit rund 75 Prozent sehr hoch. Ohne diese Faktoren hätte unser Nettoergebnis bei mehr als 700 Millionen Euro gelegen.

Wir haben all das trotz eines tiefgreifenden Umbaus und trotz eines schwierigen Marktumfelds geschafft. Dieser Erfolg ist zuallererst Ihr Erfolg!

Erreicht haben wir diesen Gewinn vor allem aufgrund unserer Disziplin und Umsetzungsstärke. Wir haben unser Kostenziel von 23 Milliarden Euro sogar unterboten. Damit haben wir all jene widerlegt, die es der Deutschen Bank nicht mehr zugetraut haben, ihre Kostenziele zu erreichen. Das hat natürlich zunächst einmal Erträge gekostet. Aber auch hier konnten wir überraschen: Die Kosten sind noch stärker gefallen. Auch das gab es bislang so nicht.

Es ist aber auch klar, dass wir auf diesem Weg harte Entscheidungen treffen mussten. Wir haben im vergangenen Jahr unterm Strich fast 6000 Stellen abgebaut. Das ist schmerzlich, meinen Vorstandskollegen und mir ist das sehr bewusst. Aber diese Entscheidungen waren und sind notwendig, um die Deutsche Bank wieder nachhaltig profitabel zu machen.

Wir starten so mit besseren Voraussetzungen in eine neue Phase für unsere Bank: 2018 haben wir uns vor allem auf Stabilität, Kosten und Kontrollen konzentriert. 2019 geht es darum, nicht nur diese Disziplin zu wahren, sondern auch die Erträge zu steigern. Unser Ziel ist kontrolliertes Wachstum. Nur so werden wir die vier Prozent Nachsteuerrendite erreichen, die wir uns für dieses Jahr vorgenommen haben.

Dabei hilft uns die Stärke unserer Bilanz, die so stabil ist wie selten zuvor. Unsere harte Kernkapitalquote liegt mit aktuell 13,6 Prozent deutlich über unserem Zielwert von 13 Prozent. Im vierten Quartal hat sich dieser Wert unter anderem deshalb verringert, weil wir den Geschäftsbereichen wie angekündigt mehr Kapital zur Verfügung gestellt haben. Das Neugeschäft erhöht unsere risikogewichteten Aktiva, wird uns aber zusätzliche Erträge bringen.

Auch unsere großzügigen Liquiditätsreserven von 259 Milliarden Euro eröffnen uns Chancen. Wir können unsere Erträge schon dadurch steigern, dass wir unsere Bilanz und unsere Liquidität anders steuern. Und damit haben wir bereits begonnen. Wir haben überschüssige Liquidität abgebaut, indem wir zum Beispiel eigene Anleihen zurückgekauft haben. Außerdem haben wir mehr Barmittel in kurzfristige, sichere Anlagen investiert. Diese bringen eine kleine Rendite statt des Verlusts, der entsteht, wenn wir das Geld zu Negativzinsen bei der Zentralbank parken.

Aber noch viel wichtiger ist: Wir haben großes Wachstumspotenzial in unseren Geschäftsbereichen. Während unsere Erträge im vierten Quartal insgesamt aufgrund des schwierigen Marktumfelds gesunken sind, konnten wir sie in unserer Transaktionsbank und in der Privat- und Firmenkundenbank steigern.

Wo also wollen wir dieses Jahr wachsen? Hier ein paar Beispiele:

Wir erwarten, dass sich der positive Trend in unserer Transaktionsbank 2019 fortsetzt. Wir verfügen über ein globales Netzwerk wie wenige andere. Mit unseren Stärken im Zahlungsverkehr, im Währungs- und Kreditgeschäft und in der Handelsfinanzierung sind wir die Bank für die Treasurer der Konzerne und die Finanzchefs im Mittelstand. Diese Kombination müssen wir noch besser nutzen, indem wir unsere Kunden umfassender betreuen und Ihnen überzeugende Lösungen anbieten.

Wir bleiben eine der führenden Banken bei Aktien- und Anleiheemissionen weltweit. Bereits zum Jahresauftakt konnten wir mehrere große Transaktionen begleiten. So haben wir für Anheuser-Busch Inbev eine Anleihe über 15,5 Milliarden Dollar platziert. Seit Jahresbeginn haben wir sieben der zehn größten Anleihetransaktionen weltweit federführend begleitet. Während wir uns also 2018 aus Randbereichen zurückgezogen haben, werden wir uns 2019 im Beratungs- und Emissionsgeschäft in ausgewählten Feldern gezielt verstärken.

In unserer Privat- und Firmenkundenbank sind wir besonders stolz, dass wir im Geschäft mit dem Mittelstand wieder wachsen. Unterm Strich haben wir hier im vergangenen Jahr rund 3000 Kunden hinzugewonnen. Insgesamt haben wir das Kreditvolumen 2018 um zehn Milliarden Euro gesteigert, wenn man veräußerte Geschäfte außen vor lässt. Diesen Trend wollen wir fortsetzen und 2019 auch bei Konsumentenkrediten wachsen.

Außerdem setzen wir weiter auf innovative Produkte. Schon nach vier Wochen hatten wir bei Apple Pay in Deutschland die Nutzerzahlen erreicht, die wir ursprünglich erst nach einem ganzen Jahr erwartet hatten.

Bei der DWS versprechen wir uns viel von den neuen Allianzen mit den Versicherern Nippon Life und Generali sowie dem französischen Vermögensverwalter Tikehau Capital. Darüber hinaus sehen wir große Chancen bei nachhaltigen Kapitalanlagen (ESG), die Kunden immer stärker nachfragen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, das ist bei weitem keine vollständige Aufzählung, wir haben noch viel mehr vor. Zu Beginn des Jahres haben wir dazu einen Wachstumsrat gegründet, den „Growth Catalyst Council“, dem neben dem gesamten Vorstand neun Führungskräfte wichtiger Geschäftsfelder angehören. Wenden Sie sich mit Ihren Ideen an diese Kolleginnen und Kollegen.

Wir brauchen Ihre Initiative – und Ihren unermüdlichen Einsatz. Tag für Tag, ob Sie nun mit Kunden sprechen, die Kollegen im Hintergrund unterstützen oder in einer der so wichtigen Kontrollfunktionen arbeiten. Es kommt auf jeden einzelnen an. Und darauf, wie gut wir zusammenarbeiten – als eine Bank. Es gilt, was ich Ihnen schon im April vergangenen Jahres geschrieben habe: Gewinnen werden wir nur als Team. Diese Haltung hat die Deutsche Bank früher stark gemacht, und sie wird uns auch nun wieder stark machen.

Nachhaltig wird unser Erfolg nur sein, wenn wir bei unseren Werten, Überzeugungen und Regeln keine Kompromisse machen. Immer wieder zeigen uns die Schlagzeilen über Ereignisse, die viele Jahre zurückliegen, wie wichtig unsere Reputation ist.

Aber ich möchte einen Punkt ganz besonders betonen: Unsere juristischen Altfälle – Zivilklagen wie aufsichtsrechtliche Verfahren – haben wir über die vergangenen Jahre hinweg entweder bereits umfassend und erfolgreich beigelegt oder wir haben erhebliche Fortschritte auf diesem Weg erzielt. Wir werden diese Strategie, bei der wir vollumfänglich mit den Behörden kooperieren, auch im Hinblick auf die Fälle Danske Bank, Cum/Ex oder Panama Papers verfolgen. Selbstverständlich gehen wir allen Hinweisen nach. Fakt ist aber: Derzeit haben wir keine Hinweise auf ein Fehlverhalten unsererseits.

Wir haben viel vor – und dafür brauchen wir unsere und Ihre ganze Kraft. Noch sind die meisten Beobachter skeptisch, dass wir unser Renditeziel von vier Prozent in diesem Jahr erreichen. Wir bleiben bei diesem Ziel, trotz herausfordernden Märkten. Denn die meisten Faktoren liegen in unserer Hand: Niedrigere Kosten, eine bessere Bilanzsteuerung, Wachstum in den stabileren Geschäftsfeldern – hier ist es an uns, täglich voranzukommen und unsere Pläne umzusetzen.

Natürlich wird auch 2019 von uns allen wieder die Extrameile gefordert sein. Aber das Ziel ist es wert: Wir arbeiten für eine großartige Bank mit einer einzigartigen Tradition und hervorragenden Mitarbeitern. Wir haben eine starke Bilanz. Wir haben eine gute Marktposition in unseren wichtigen Geschäftsfeldern. Und vor allem haben wir stabile, langjährige Beziehungen zu unseren Kunden, wir haben ein globales Netzwerk, auf das wir setzen können. Genau deshalb arbeiten wir bei der Deutschen Bank.

Ich zähle auf Sie!

Herzliche Grüße

Ihr
Christian Sewing

Deutsche Bank-Chef Christian Sewing
Christian Sewing. Foto: Deutsche Bank. Lizenz: CC BY-NC-ND 2.0

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Altbär

    1. Februar 2019 12:27 at 12:27

    Dass man seine eigene Firma nicht schlechtredet ist ja normal, viel wirkungsvoller ist natürlich wenn man eine Studie aus dritter Hand kauft , die auch gut aussieht.Übrigens wenn man Sachen nicht sagt, die man weiss oder nicht weiss ist nicht gelogen.
    Wer nach der gestrigen Diskussion alle Studien u.Statistiken ohne hinterfragen ernst nimmt kann sich sofort für den „NOBELPREIS DER NAIVITÄT“ anmelden.

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Corona belastet die Aktienmärkte

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Die Verschärfung der Coronakrise belastet heute die Aktienmärkte.

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Volkswagen meldet 10 Milliarden Euro Gewinn – dazu noch ein interessanter Vergleich

Claudio Kummerfeld

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Volkswagen hat vor wenigen Minuten per Ad Hoc-Meldung vorab Daten für das Gesamtjahr 2020 veröffentlicht. Trotz der beispiellosen andauernden Covid 19-Herausforderungen habe Volkswagen im 2. Halbjahr 2020 seine Robustheit bewiesen. Die Auslieferungen an Kunden des Volkswagen-Konzerns erholten sich im 4. Quartal weiter stark, überstiegen sogar die Auslieferungen des 3. Quartals 2020. Die Umsatzerlöse stiegen entsprechend ebenfalls erheblich. Auch der ausgewiesene Netto-Cash-flow im Automobilgeschäft entwickelte sich sehr positiv, so das Unternehmen in seiner Mitteilung.

Basierend auf vorläufigen Zahlen erwartet man für das Geschäftsjahr 2020 ein operatives Ergebnis vor Sondereinflüssen (Dieselthematik) von rund 10 Milliarden Euro, dazu einen ausgewiesenen Netto-Cash-flow im Automobilgeschäft von rund 6 Milliarden Euro. Die gesamten finanziellen Kennzahlen für das Geschäftsjahr 2020 sowie der Ausblick wird Februar veröffentlicht. Die Volkswagen-Aktie reagiert positiv mit einem Kurssprung von 158,60 Euro heute Vormittag auf aktuell 169,28 Euro.

Interessant zum Thema Autohersteller ist folgende Grafik. Sie zeigt den gigantischen Börsenwert von Tesla (links) in Relation zu den anderen großen Autobauern, die natürlich weitaus größere Mengen produzieren. Tesla hat derzeit mehr Börsenwert als die folgenden acht größten Autobauer zusammen. Sind das noch gesunde Dimensionen bei Tesla? Da muss Elon Musk noch ganz schön viele Autos verkaufen, um mit realen Umsätzen zur Börsenbewertung aufzuschließen.

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Immer mehr zusätzliche Luft für die Aktienblase, Branchenrotation dank Biden

Claudio Kummerfeld

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Derzeit gibt es immer mehr zusätzliche Luft zum weiteren Aufblähen der globalen Aktienblase, so ein Experte im folgenden Gespräch mit Manuel Koch. Notenbanken und Stimulus-Maßnahmen würden die Blase weiter befeuern. Dabei würden sich die Börsenbewertungen immer mehr von der realwirtschaftlichen Wirklichkeit entfernen. Deswegen sollten die Anleger Bestände gegen Verluste absichern. Auch interessant sind die Aussagen über eine Branchenrotation bei US-Aktien. Dank des neuen US-Präsidenten Joe Biden würden Branchen wie Pharma und alternative Energien profitieren, dafür könnte zum Beispiel die Ölindustrie verlieren.

Im Video auch besprochen werden zwei Handelsideen der trading house-Börsenakademie. Bei Netflix könne man market kaufen, und bei Microsoft könne man über das Vehikel einer Stop-Buy-Order auf steigende Kurse setzen.

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