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Deutsche Bank: Brief von Chef Christian Sewing an Mitarbeiter im Wortlaut

Redaktion

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Die Quartals- und Jahreszahlen der Deutschen Bank haben wir vorhin bereits veröffentlicht. Sie sind mau, aber eben auch keine Katastrophe. Das Geschäft im Investmentbanking beispielsweise ist rückläufig. Aber im aktuellen Brief von Bankchef Christian Sewing ist davon keine Rede. Hier erwähnt er beispielsweise, wie viele tolle Anleiheemissionen die Deutsche Bank jüngst schon begleitet habe, und wie stark man im Kapitalmarktgeschäft sei. Auch bei den anderen Geschäftsbereichen liest man eigentlich nichts von Problemen. Es geht in allen Bereichen nur bergauf, so darf man (vereinfacht ausgedrückt) den Eindruck gewinnen.

Die Transaktionsbank laufe laut Christian Sewing super, man habe auch viele neue Firmenkunden dazu gewonnen, und Apple Pay laufe bombastisch (das stimmt). Interessant: In Sachen „juristische Schwierigkeiten“ erwähnt er, dass Altfälle erfolgreich beendet wurden, oder dass man erhebliche Fortschritte gemacht habe. Zum gigantischen Danske-Skandal schreibt er nur, dass man mit den Behörden kooperiere. Man habe aber keine „Hinweise auf ein eigenes Fehlverhalten“. Komisch. Entweder man weiß, ob man schuldig ist, oder eben nicht. Welche Hinweise? Er ist doch der Bankchef, er sollte es doch selbst wissen? Zusammenfassend kann man sagen: Laut Christian Sewing läuft doch alles super. Alle Mitarbeiter sollen mal kräftig in die Hände spucken, und dann wird das schon. Hier sein Brief im Wortlaut:

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

hinter uns liegt ein bewegtes Jahr – aber auch ein Jahr, in dem wir viel erreicht haben.

Das Wichtigste zuerst: Wir konnten unseren Vorsteuergewinn gegenüber 2017 steigern und haben erstmals seit 2014 einen Gewinn nach Steuern erzielt. Mit einem Überschuss von 341 Millionen Euro sind wir zwar noch lange nicht dort, wo wir hinwollen. Aber das positive Ergebnis für das vergangene Geschäftsjahr ist ein klares Signal dafür, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Dabei war unsere Steuerquote 2018 aufgrund von Sondereffekten mit rund 75 Prozent sehr hoch. Ohne diese Faktoren hätte unser Nettoergebnis bei mehr als 700 Millionen Euro gelegen.

Wir haben all das trotz eines tiefgreifenden Umbaus und trotz eines schwierigen Marktumfelds geschafft. Dieser Erfolg ist zuallererst Ihr Erfolg!

Erreicht haben wir diesen Gewinn vor allem aufgrund unserer Disziplin und Umsetzungsstärke. Wir haben unser Kostenziel von 23 Milliarden Euro sogar unterboten. Damit haben wir all jene widerlegt, die es der Deutschen Bank nicht mehr zugetraut haben, ihre Kostenziele zu erreichen. Das hat natürlich zunächst einmal Erträge gekostet. Aber auch hier konnten wir überraschen: Die Kosten sind noch stärker gefallen. Auch das gab es bislang so nicht.

Es ist aber auch klar, dass wir auf diesem Weg harte Entscheidungen treffen mussten. Wir haben im vergangenen Jahr unterm Strich fast 6000 Stellen abgebaut. Das ist schmerzlich, meinen Vorstandskollegen und mir ist das sehr bewusst. Aber diese Entscheidungen waren und sind notwendig, um die Deutsche Bank wieder nachhaltig profitabel zu machen.

Wir starten so mit besseren Voraussetzungen in eine neue Phase für unsere Bank: 2018 haben wir uns vor allem auf Stabilität, Kosten und Kontrollen konzentriert. 2019 geht es darum, nicht nur diese Disziplin zu wahren, sondern auch die Erträge zu steigern. Unser Ziel ist kontrolliertes Wachstum. Nur so werden wir die vier Prozent Nachsteuerrendite erreichen, die wir uns für dieses Jahr vorgenommen haben.

Dabei hilft uns die Stärke unserer Bilanz, die so stabil ist wie selten zuvor. Unsere harte Kernkapitalquote liegt mit aktuell 13,6 Prozent deutlich über unserem Zielwert von 13 Prozent. Im vierten Quartal hat sich dieser Wert unter anderem deshalb verringert, weil wir den Geschäftsbereichen wie angekündigt mehr Kapital zur Verfügung gestellt haben. Das Neugeschäft erhöht unsere risikogewichteten Aktiva, wird uns aber zusätzliche Erträge bringen.

Auch unsere großzügigen Liquiditätsreserven von 259 Milliarden Euro eröffnen uns Chancen. Wir können unsere Erträge schon dadurch steigern, dass wir unsere Bilanz und unsere Liquidität anders steuern. Und damit haben wir bereits begonnen. Wir haben überschüssige Liquidität abgebaut, indem wir zum Beispiel eigene Anleihen zurückgekauft haben. Außerdem haben wir mehr Barmittel in kurzfristige, sichere Anlagen investiert. Diese bringen eine kleine Rendite statt des Verlusts, der entsteht, wenn wir das Geld zu Negativzinsen bei der Zentralbank parken.

Aber noch viel wichtiger ist: Wir haben großes Wachstumspotenzial in unseren Geschäftsbereichen. Während unsere Erträge im vierten Quartal insgesamt aufgrund des schwierigen Marktumfelds gesunken sind, konnten wir sie in unserer Transaktionsbank und in der Privat- und Firmenkundenbank steigern.

Wo also wollen wir dieses Jahr wachsen? Hier ein paar Beispiele:

Wir erwarten, dass sich der positive Trend in unserer Transaktionsbank 2019 fortsetzt. Wir verfügen über ein globales Netzwerk wie wenige andere. Mit unseren Stärken im Zahlungsverkehr, im Währungs- und Kreditgeschäft und in der Handelsfinanzierung sind wir die Bank für die Treasurer der Konzerne und die Finanzchefs im Mittelstand. Diese Kombination müssen wir noch besser nutzen, indem wir unsere Kunden umfassender betreuen und Ihnen überzeugende Lösungen anbieten.

Wir bleiben eine der führenden Banken bei Aktien- und Anleiheemissionen weltweit. Bereits zum Jahresauftakt konnten wir mehrere große Transaktionen begleiten. So haben wir für Anheuser-Busch Inbev eine Anleihe über 15,5 Milliarden Dollar platziert. Seit Jahresbeginn haben wir sieben der zehn größten Anleihetransaktionen weltweit federführend begleitet. Während wir uns also 2018 aus Randbereichen zurückgezogen haben, werden wir uns 2019 im Beratungs- und Emissionsgeschäft in ausgewählten Feldern gezielt verstärken.

In unserer Privat- und Firmenkundenbank sind wir besonders stolz, dass wir im Geschäft mit dem Mittelstand wieder wachsen. Unterm Strich haben wir hier im vergangenen Jahr rund 3000 Kunden hinzugewonnen. Insgesamt haben wir das Kreditvolumen 2018 um zehn Milliarden Euro gesteigert, wenn man veräußerte Geschäfte außen vor lässt. Diesen Trend wollen wir fortsetzen und 2019 auch bei Konsumentenkrediten wachsen.

Außerdem setzen wir weiter auf innovative Produkte. Schon nach vier Wochen hatten wir bei Apple Pay in Deutschland die Nutzerzahlen erreicht, die wir ursprünglich erst nach einem ganzen Jahr erwartet hatten.

Bei der DWS versprechen wir uns viel von den neuen Allianzen mit den Versicherern Nippon Life und Generali sowie dem französischen Vermögensverwalter Tikehau Capital. Darüber hinaus sehen wir große Chancen bei nachhaltigen Kapitalanlagen (ESG), die Kunden immer stärker nachfragen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, das ist bei weitem keine vollständige Aufzählung, wir haben noch viel mehr vor. Zu Beginn des Jahres haben wir dazu einen Wachstumsrat gegründet, den „Growth Catalyst Council“, dem neben dem gesamten Vorstand neun Führungskräfte wichtiger Geschäftsfelder angehören. Wenden Sie sich mit Ihren Ideen an diese Kolleginnen und Kollegen.

Wir brauchen Ihre Initiative – und Ihren unermüdlichen Einsatz. Tag für Tag, ob Sie nun mit Kunden sprechen, die Kollegen im Hintergrund unterstützen oder in einer der so wichtigen Kontrollfunktionen arbeiten. Es kommt auf jeden einzelnen an. Und darauf, wie gut wir zusammenarbeiten – als eine Bank. Es gilt, was ich Ihnen schon im April vergangenen Jahres geschrieben habe: Gewinnen werden wir nur als Team. Diese Haltung hat die Deutsche Bank früher stark gemacht, und sie wird uns auch nun wieder stark machen.

Nachhaltig wird unser Erfolg nur sein, wenn wir bei unseren Werten, Überzeugungen und Regeln keine Kompromisse machen. Immer wieder zeigen uns die Schlagzeilen über Ereignisse, die viele Jahre zurückliegen, wie wichtig unsere Reputation ist.

Aber ich möchte einen Punkt ganz besonders betonen: Unsere juristischen Altfälle – Zivilklagen wie aufsichtsrechtliche Verfahren – haben wir über die vergangenen Jahre hinweg entweder bereits umfassend und erfolgreich beigelegt oder wir haben erhebliche Fortschritte auf diesem Weg erzielt. Wir werden diese Strategie, bei der wir vollumfänglich mit den Behörden kooperieren, auch im Hinblick auf die Fälle Danske Bank, Cum/Ex oder Panama Papers verfolgen. Selbstverständlich gehen wir allen Hinweisen nach. Fakt ist aber: Derzeit haben wir keine Hinweise auf ein Fehlverhalten unsererseits.

Wir haben viel vor – und dafür brauchen wir unsere und Ihre ganze Kraft. Noch sind die meisten Beobachter skeptisch, dass wir unser Renditeziel von vier Prozent in diesem Jahr erreichen. Wir bleiben bei diesem Ziel, trotz herausfordernden Märkten. Denn die meisten Faktoren liegen in unserer Hand: Niedrigere Kosten, eine bessere Bilanzsteuerung, Wachstum in den stabileren Geschäftsfeldern – hier ist es an uns, täglich voranzukommen und unsere Pläne umzusetzen.

Natürlich wird auch 2019 von uns allen wieder die Extrameile gefordert sein. Aber das Ziel ist es wert: Wir arbeiten für eine großartige Bank mit einer einzigartigen Tradition und hervorragenden Mitarbeitern. Wir haben eine starke Bilanz. Wir haben eine gute Marktposition in unseren wichtigen Geschäftsfeldern. Und vor allem haben wir stabile, langjährige Beziehungen zu unseren Kunden, wir haben ein globales Netzwerk, auf das wir setzen können. Genau deshalb arbeiten wir bei der Deutschen Bank.

Ich zähle auf Sie!

Herzliche Grüße

Ihr
Christian Sewing

Deutsche Bank-Chef Christian Sewing
Christian Sewing. Foto: Deutsche Bank. Lizenz: CC BY-NC-ND 2.0

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Altbär

    1. Februar 2019 12:27 at 12:27

    Dass man seine eigene Firma nicht schlechtredet ist ja normal, viel wirkungsvoller ist natürlich wenn man eine Studie aus dritter Hand kauft , die auch gut aussieht.Übrigens wenn man Sachen nicht sagt, die man weiss oder nicht weiss ist nicht gelogen.
    Wer nach der gestrigen Diskussion alle Studien u.Statistiken ohne hinterfragen ernst nimmt kann sich sofort für den „NOBELPREIS DER NAIVITÄT“ anmelden.

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Coronakrise: Für die Verlierer folgt wohl der zweite wirtschaftliche Abschwung

Redaktion

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Lufthansa mit massiven Problemen in der Coronakrise

Zum Ausbruch der Coronakrise gab es zunächst massive Staatshilfe über Kurzarbeit, Zuschüsse, Milliardenkredite und sogar Unternehmensbeteiligungen durch den Staat. Die Lage schien sich zu stabilisieren. Mit der deutschen Volkswirtschaft geht es wieder bergauf. Und wenn man sich die Headlinezahlen der Statistiker betrachtet, wirkt die Lage auch gar nicht mehr so schlimm. Aber die Verlierer-Branchen, die ab März fast komplett den Bach runtergingen, die erleben derzeit womöglich den zweiten Abschwung.

Wenn dem wirklich so ist, wäre es für Börsianer ratsam die Finger von Aktien dieser Branchen zu lassen. Denn es ist natürlich zunächst verführerisch. Was im Zuge der Coronakrise stark gefallen ist, scheint jetzt vom reinen Aktienkurs her optisch günstig zu sein. Aber kommt eine weitere kräftige Abwärtswelle bei den Aktienkursen der betroffenen Konzerne, wenn den Börsianern klar wird, dass die Coronakrise auf ganz spezielle Branchen noch viel länger sehr drastische Auswirkungen haben wird?

Lufthansa in der Coronakrise weiter im Abschwung

Da wäre zum Beispiel die Lufthansa als Paradebeispiel in Deutschland zu nennen. Zum Ausbruch der Coronakrise sanken die Passagierzahlen auf Null. Nun denkt man, dass sich die Fluggastzahlen zusammen mit der allgemeinen wirtschaftlichen Erholung auch steigern werden. Aber die Lage ist wohl schwieriger. Erstmal hilft da der gesunde Menschenverstand. Wie viele potenzielle Urlauber bleiben bitte schön solange den Flughäfen fern, bis die Maskenpflicht entfällt? Denn stundenlang als erholungssuchender Tourist im Flieger, am Flughafen, im Hotel, und an der Strandpromenade mit Maske rumzulaufen – darauf haben viele Menschen einfach keine Lust, denn das ist einfach kein richtiger Urlaub!

Nach den bisherigen massiven Einschnitten der letzten Monate sieht es bei der Lufthansa (wie bei anderen Airlines auch) nach einer erneuten Runde von Einschnitten aus. Dies lässt vermuten, dass sich die Flugzahlen eben nicht so erholen, wie man es sich erhofft hatte. Laut aktuellen Berichten soll Anfang nächster Woche bekanntgegeben werden, wie viele zusätzliche Jobs und Maschinen bei der Lufthansa gestrichen werden. Denn die Airlines leider derzeit auch darunter, dass sich die Einreisebeschränkungen einzelner Länder schnell ändern, und der potenzielle Reisende dann fernbleibt. Auch hier kann man denken aus „kaltherziger“ Börsianer-Sicht: Gut, dann warte ich die nächste Kürzungsrunde und weiter fallende Aktienkurse noch ab, und kaufe dann günstig ein.

Aber das sage mal jemand den Aktionären der Telekom, die damals in ein immer weiter fallendes Messer griffen nach dem Motto „jetzt gibts die Aktie aber günstig zu kaufen“. Natürlich ist das alles Ansichtssache. Es kann natürlich auch sein, dass ab einem gewissen Kursniveau wirklich eine Bodenbildung eintritt. Aber man sollte als Börsianer nicht all zu euphorisch agieren, nur weil der Aktienkurs optisch günstig zu sein scheint. Im folgenden Chart sehen wir in den letzten 12 Monaten in blau den Verlauf des Dax gegen die deutlich schlechter laufende Lufthansa-Aktie (beides auf CFD-Basis).

Chart zeigt Kursverlauf von Lufthansa gegen Dax

US-Airlines und Hotels

Auch in den USA geht der Abbau bei den Verlierern weiter. Nachdem die Airlines nach dem Ausbruch der Coronakrise bereits üppig vom US-Steuerzahler bedacht wurden, scheint das Geld wohl auszugehen. Nach ganz aktuellen Berichten sind die Chefs der großen US-Airlines im Weißen Haus vorstellig geworden. Das Motto lautete: Gebt erneut Staatshilfe, oder wir müssen Massenentlassungen durchführen. Auch dies ist ein klares Indiz dafür, dass es Delta, United und Co sehr schlecht geht.

Wie jüngste Berichte zeigen, und was natürlich mehr als verständlich ist: Das Spieler-Paradies Las Vegas wurde von der Coronakrise übel getroffen, aber gleich doppelt und dreifach. Da lohnt es sich einen Blick zu werfen auf die Las Vegas Sands Corp, einen Hotel- und Casino-Betreiber mit Schwerpunkten in Las Vegas, Macau und Singapur. Die Aktie notierte vor dem Beginn der Coronakrise im Februar bei 71 Dollar, jetzt bei 49 Dollar. Im folgenden Chart, der 12 Monate zurückreicht, haben wir die Kursverläufe der Hotelkette und von United Airlines übereinander gelegt. Frage: Greift man hier in ein fallendes Messer, wenn man jetzt kauft? Oder stehen die Aktien vor einem langen, langweiligen Seitwärtstrend?

Chart zeigt United Airlines und Las Vegas Sands

Nicht in das fallende Messer greifen?

Der Spruch ist einer der absoluten Börsianer-Klassiker. Man soll nicht in das fallende Messer greifen. Damit ist gemeint, dass man in einem Absturz, bei dem der Boden noch nicht erkennbar ist, nicht kaufen sollte. Natürlich sollte man auch später nie krampfhaft versuchen den absoluten Tiefpunkt für seine Einstiege an der Börse zu finden. Aber derzeit scheint es bei Aktien von Hotels und Airlines so zu sein, dass die Corona-Misere weitergeht, während sich der größte Teil der sonstigen Volkswirtschaft damit beschäftigt die alten Niveaus zu erreichen. Also, Vorsichti ist geboten bei den Problembranchen. Es sieht nicht nach einer raschen Erholung aus! Gestern berichteten wir bereits über die große Entlassungswelle bei deutschen Autozulieferern (hier finden Sie den Artikel). Auch hier sollte man bei Neueinstiegen in die entsprechenden Aktien überlegen, ob nun das Tief wirklich erreicht wird, oder ob die Misere noch einige Zeit anhalten wird, was auch die Aktienkurse weiter belasten könnte.

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Aktien

Aktuell: Grenke veröffentlicht ausführliche Stellungnahme

Claudio Kummerfeld

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Die Grenke AG (notiert im MDax) ist seit Tagen massiv unter Beschuss nach harten Manipulationsvorwürfen a la Wirecard (wir berichteten). Nachdem man die Vorwürfe bereits zurückwies, erfolgt ganz aktuell eine ausführliche Stellungnahme des Unternehmens. Hier zeigen wir die wichtigsten Passagen im Wortlaut. Vorab noch die Info, dass Grenke heute beschlossen hat, dass man ein Sondergutachten beim Wirtschaftsprüfer KPMG in Auftrag gibt, welches die massiven Vorwürfe entkräften soll. Nun geht es aber los, mit ausgewählten Passagen aus dem aktuellen Text von Grenke (hier in voller Länge).

Headline-Aussage:

Die GRENKE AG, globaler Finanzierungspartner für kleine und mittlere Unternehmen, weist auch nach genauer Prüfung des 64-seitigen Berichts von “Viceroy Research” die darin erhobenen Vorwürfe mit aller Entschiedenheit zurück. Nach einhelliger Auffassung des Vorstandes und des Aufsichtsrates sind sämtliche Anschuldigungen in allen Themenbereichen unbegründet. Antje Leminsky, Vorstandsvorsitzende der GRENKE AG: „Die Behauptungen in dieser sogenannten Analyse entbehren jeder Grundlage. Wir verwehren uns gegen jeglichen Vergleich mit Wirecard. Die Anschuldigungen eines Leerverkäufers, der mit dem von ihm ausgelösten Kursverfall Geld verdient, sind ein Schlag ins Gesicht unserer über 1.700 Mitarbeiter, unserer 40.000 Händler und unserer langfristig orientierten Aktionäre.“

Entscheidend – Vorwurf zu fehlenden Geldern:

Viceroy behauptet ferner, dass ein substanzieller Anteil von den im Halbjahresfinanzbericht 2020 ausgewiesenen 1.078 Mio. Euro liquiden Mitteln nicht existiere. Diese Behauptung – einer der zentralen Vorwürfe von Viceroy – ist frei erfunden. 849 Mio. Euro, also fast 80 Prozent der liquiden Mittel, befanden sich zum 30.06.2020 auf Konten der Deutschen Bundesbank – wie im Halbjahresfinanzbericht veröffentlicht. Am 15.9.2020 betrug das Guthaben bei der Bundesbank, wie bereits mitgeteilt, 761 Mio. Euro. Die Differenz von rund 20 Prozent befindet sich überwiegend auf Konten bei deutschen Großbanken.

Zum Franchise:

Viceroy unterstellt, dass die Franchise-Akquisitionen von GRENKE in der vergangenen Dekade mit nicht offengelegten verbundenen Parteien stattgefunden hätten und diese Beziehungen hätten offengelegt werden müssen. Das ist falsch.

Die GRENKE AG betont zudem, dass unter den Geschäftsführern der Franchise-Unternehmen durchaus ehemalige GRENKE-Mitarbeiter sind, diese aber alle spätestens mit Aufnahme ihrer Tätigkeit als Gesellschafter und Geschäftsführer der Franchise-Unternehmen keine Rolle im GRENKE Konzern mehr innehatten.

Viceroy behauptet zudem, die von Grenke akquirierten Franchise-Unternehmen hätten keinen reellen und tangiblen Wert und seien „underperforming“. Dennoch tauchten sie in den Büchern des Konzerns mit Goodwill auf.

Dazu erläutert GRENKE: Die Franchise-Unternehmen werden gerade deshalb nach vier, fünf oder sechs Jahren akquiriert, weil sie dann schon ein gutes Händlernetz aufgebaut und gleichzeitig viel Potenzial haben. Es ist völlig normal, dass die Franchise-Unternehmen zum Zeitpunkt des Verkaufs als wachsende Start-ups noch Verluste machen.

Geldwäsche:

Viceroy stellt außerdem die Wirksamkeit der Geldwäsche-Prävention bei GRENKE in Frage. Als vermeintlicher Beleg dafür wird angeführt, dass drei GRENKE-Bank-Kunden Geldwäsche über ihre Konten bei der GRENKE Bank hätten betreiben können, obwohl die BaFin bereits rechtlich gegen sie vorging. Auch dieser Vorwurf ist falsch: Die regulatorisch vorgeschriebenen Prozesse für „Know your customer“ (KYC) und Anti-Money-Laundering (AML) werden bei GRENKE vollumfänglich umgesetzt und regelmäßig überprüft. Als KYC-Tool nutzt GRENKE ein leistungsfähiges System, das dem Branchenstandard entspricht und unter anderem von einer dreistelligen Zahl von Volks- und Raiffeisenbanken ebenfalls einsetzt wird.

Zentrale von Grenke
Firmengelände des Unternehmens. Foto: © GRENKE AG

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Aktienmärkte: Großer Verfall – Optionen und mögliche Turbulenzen!

Heute, vielleicht aber noch mehr Anfang nächster Woche könnte es für die Aktienmärkte richtig turbulent werden. Der große Verfall und die US-Tech-Aktien

Markus Fugmann

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Für die Aktienmärkte ist heute der große Verfall der wahrscheinlich entscheidende Faktor – es verfallen Optionen und Futures mit Laufzeit September (siehe hierzu den heutigen Videoausblick „Großer Verfall – es steht viel auf dem Spiel“). Zuletzt war in den Finanzmedien vor allem das in den USA von Privatinvestoren gehandelte Volumen an Optionen (vor allem Calls auf die großen US-Tech-Aktien) ein großes Thema – und das zurecht!

Folgende besipielhafte Grafik zeigt, wie dieses hohe Volumen an Calls bei den Borkern/Verkäufern dieser Call-Optionen Käufe des jeweiligen underlyings ausgelöst hat – in der Grafik konkret illustriert anhand der Amazon-Aktie:

Großer Verfall: Der stark gestiegene Effekt der Optionen auf die Aktienmärkte

Grafik: Benn Eifert, https://twitter.com/bennpeifert

Man sieht: der Kauf von Call-Optionen auf die Amazon-Aktie hat letzlich den Verkäufer der Call-Optionen gezwungen, sein Risiko durch den Kauf der Amazon-Aktie abzusichern, nachdem die Amazon-Aktie angestiegen war (was ja bis Anfang September der Fall war). Aus 1500 Dollar, die ein Privakunde in Amazon-Calls investiert hatte, entstanden Käufe im Volumen von 230.000 Dollar der Amazon-Aktie durch den Broker/Verkäufer der Amazon Calls.

Es war offenkundig dieser Mechanismus, der die Aktienmärkte zuletzt stark beeinflußt hatte – und die extreme Rally der US-Tech-Werte vor Anfang September mit erklären kann.

Aktienmärkte und Call-Optionen bei US-Techaktien

Der Bestand von Call-Optionen auf Amazon war vor Anfang September regelrecht explodiert und betrug 48% der Marktkapitalisierung von Amazon:

Aktienmärkte und Amazon Call-Optionen

Noch krasser die Call-Bestände bei Tesla (380% der Marktkapitalisierung) – was den unter Bewertungsgesichtspunkten absurden Anstieg der Tesla-Aktie erklären hilft:

Tesla Call-OptionenCharts: @MacroCharts

Folgende Grafik zeigt, wie extrem die Call-Bestände auf die großen US-Tech-Aktien zuletzt angestiegen waren:

Aktienmärkte: Call-Optionen auf US-Tech-Aktien und großer Verfall

So weit so extrem. Aber was passiert, um das oben aufgeführte Beispiel der Amazon-Aktie zurück zu kommen, wenn die Optionen auf die einzelnen Aktien verfallen? (zu den Uhrzeiten des Verfalls auf einzelne Aktien siehe hier – Optionen auf die US-Indizes dagegen verfallen heute um 15.30Uhr deutscher Zeit)

Dann nämlich werden die Absicherungen des Brokers, der die Amazon-Aktie gekauft hatte um sein Risiko zu hedgen, im Grunde überflüssig (siehe die Grafik oben). Es könnte also eine große Verkaufswelle für die Aktienmärkte drohen – aber wir wissen eben nicht wirklich, wieviel der nun heute auslaufenden Call-Optionen bereits vor dem Verfall verkauft wurden! Möglich ist also, dass die Schwäche der großen US-Techaktien wie Amazon in den letzten Tagen bereits ein Zeichen dafür ist, dass die Broker die underlyings verkauft hatten!

So oder so: heute, vielleicht aber noch mehr Anfang nächster Woche könnte es für die Aktienmärkte richtig turbulent werden! Oder eben auch nicht – vielleicht nämlich ist der größte Teil schon abgewickelt, Schieflagen inzwischen weitgehend bereinigt. Daher zitieren wir hier den Kaiser Beckenbauer: „Schaun mer mal, dann sehn mer scho“!

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