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Coronakrise: Das Geldvermögen der Deutschen vor und nach der Krise

Wolfgang Müller

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Die Pandemie um Covid-19 und damit die Coronakrise erfasst alle Staaten der Welt, auch Deutschland und das Geldvermögen seiner Bürger – eine weltweite Rezession ist unvermeidbar. Das Coronavirus bringt sehr viel Leid zu den Bürgern, es gibt sehr viele Tote unter den älteren Menschen, insbesondere bei denen mit Vorerkrankungen. Auch wird Corona den Wohlstand der Staaten sicherlich dezimieren. Wie steht es dabei um Deutschland und dem Vermögen seiner Bürger? Die Deutsche Bundesbank hat am Freitag Angaben zum Geldvermögen der Deutschen zum Abschluss des Jahres 2019 veröffentlicht, also nicht allzu lange vor dem Ausbruch von Corona und der damit verbundenen Coronakrise.

Vor der Coronakrise: Das Geldvermögen der Deutschen Ende 2019

Es klingt für die unteren Schichten in Deutschland fast wie Hohn, aber das Geldvermögen in Deutschland war zum Ende des Jahres, also vor nicht einmal vier Monaten, auf einen neuen Höchststand gestiegen. Nach Angaben der Deutschen Bundesbank stieg das Geldvermögen der privaten Haushalte um 126 Milliarden Euro, oder um zwei Prozent gegenüber dem Vorquartal auf den Rekordwert von rund 6458 Milliarden Euro. Es war mit 7,2 Prozent zugleich der stärkste Jahreszuwachs seit dem ersten Quartal 2004. Diese Summe setzt sich aus Bargeld, Wertpapieren, Bankeinlagen sowie Ansprüchen gegenüber Versicherungen zusammen – unberücksichtigt dabei sind Immobilien. Das Vermögen kam zum einen durch den weiter sehr stark ausgeprägten Spartrieb der Deutschen zustande, aber auch durch Gewinne am Aktienmarkt (2019).

Was wird dabei die Coronakrise verursachen? Natürlich werden viele Menschen infolge der ansteigenden Arbeitslosigkeit weniger Geld auf der Seite haben, aber wie eine aktuelle Befragung von Boston Consulting Group (BCG) ergab, werden die Menschen ihren Konsum einschränken, um für die Rezession zu sparen – wenn sie es überhaupt können.

Coronakrise: Bargeld und kurzfristige Bankanlagen immer noch favorisiert

Der deutsche Sparer setzt trotz der jahrelangen finanziellen Repression und der Minuszinsen weiter auf Bargeld und Bankeinlagen. Es waren sagenhafte 2590 Milliarden Euro zum Ende des vierten Quartals und man hatte diese Summe gegenüber Q3 trotz der Diskussion um Strafzinsen noch um 48 Milliarden Euro gesteigert.

Das zweite Standbein sind Versicherungen und Altersvorsorgeprodukte in Höhe von 2331 Milliarden Euro, 18 Milliarden Euro mehr als im dritten Quartal.

Interessant auch der Blick auf das Volumen der Privathaushalte in Aktien und Investmentfonds. Es waren 703 Milliarden Euro in Aktien und 680 Milliarden Euro in Investmentfonds. Damit wird auch etwas die ausländische Ausrichtung erkennbar, allerdings ging die absolute Zahl der Aktionäre um 660.000 Anleger zurück, nach Anstiegen in den Jahren 2017 und 2018.

Der Absturz an den Börsen

Als die internationalen Aktienmärkte Ende Februar 2020 innerhalb von gut zwei Wochen um 24 Billionen Dollar abgestürzt waren, hatte es die Deutschen nicht so stark betroffen wie zum Beispiel die US-Bürger. Hierzulande ist die Aktionärsquote einfach viel geringer als in anderen Ländern (8 Prozent direkte Aktienbesitzer, 15 Prozent insgesamt inklusive Fonds), auch betrug die Marktkapitalisierung unserer Aktienmärkte (Dax, MDax, TechDax, SDAX) gerade einmal zwei Billionen Euro – bei weitem nicht einmal ein Zehntel des S&P 500. Was sich langfristig in der Vermögensbildung über Jahrzehnte als Nachteil erweist, ist „zunächst“ bei einem Aktiencrash erst einmal ein Vorteil.

Wie sieht die Verschuldung der Privathaushalte aus?

Die niedrigen Zinsen führen erfahrungsgemäß zu einem Anstieg der Verschuldung der Haushalte, allerdings war diese gegenüber dem dritten Quartal 2019 gesunken. Die Bundesbank errechnete die Verschuldung der Privathaushalte Ende 2019 auf 1876 Milliarden Euro.

Dies bedeutet aber gleichzeitig, dass das Geldvermögen der Deutschen (nach Abzug der Schulden) vor der Coronakrise dennoch um 111 Milliarden auf rund 4583 Milliarden Euro gestiegen war.

Thema Vermögensverteilung

Wie das Vermögen der Deutschen verteilt ist, wird in der Jahresaufstellung der Bundesbank nicht erwähnt. Es ist ein heikles Thema, in vielen Ländern. Aber aus anderen Studien des letzten Jahres (DIW) ging hervor, dass die oberen zehn Prozent mit 56 Prozent mehr als die Hälfte dieses Vermögens besitzen.

Weitere 40 Prozent der Bevölkerung hätten einen Anteil von 42 Prozent daran gehabt, während die ärmere Hälfte dagegen nur einen Anteil von 1,3 Prozent aufweisen kann.

Der Immobilienbesitz macht den großen Unterschied, diese Inhaber profitieren  von den Vermögenszuwächsen am deutlichsten, auch wenn der Immobilienbesitz nicht in der Vermögensaufteilung der Berechnung der Bundesbank berücksichtigt ist. Hier liegt aber ein kleines Problem, wenn man Länder in ihrem Vermögen vergleichen will. Denn in Deutschland besitzen nur etwa 44 Prozent der Privathaushalte Wohneigentum, eine Quote, die in südlichen Ländern teils deutlich höher liegt.

Fazit

Egal wie lange der Lockdown für die Wirtschaft in Folge von Covid-19 auch sein wird, steht eines dennoch fest: Die Coronakrise wird Vermögen vernichten und den Bürgern insbesondere im Nachgang viel Geld kosten. Sei es in Form höherer Steuern, Zwangsabgaben, Verlusten an den Kapitalmärkten oder durch einen Anstieg der Inflationsraten. Deutschland hat als Exportnation viel zu verlieren, aber auf der anderen Seite auch eine Bevölkerung, die zu einem Teil ein Polster für schlechte Zeiten geschaffen hat. Nichts anderes sagt der aktuelle Vermögensbericht der Bundesbank aus. Viele Menschen stellen sich dennoch die Frage: Wann ist ein Staat pleite?

Wirklich pleite ist ein Staat erst dann, wenn er selbst verkündet, dass er seine Schulden nicht mehr bedienen kann, weil ihm kein anderes Land, kein Bürger und keine Bank mehr freiwillig Geld leiht. Oder wenn er es nicht mehr schafft, neue Kredite aufzunehmen. Davon scheint Deutschland auch in Zeiten der Coronakrise doch noch ein ganz schönes Stück weit entfernt zu sein.

Über die Coronakrise und ihre Auswirkungen auf das Geldvermögen der Deutschen

5 Kommentare

5 Comments

  1. Avatar

    sabine

    20. April 2020 11:28 at 11:28

    Buffet wird immer gelobt für seine Vorgangsweisen, seit 2 Jahren hortet er Cash. Also liegen wir Deutsche manchmal doch gar nicht so blöd mit unseren Spareinlagen. Auch haben wir dadurch weniger verloren als das Aktienprofi-Land USA. Paßt doch.
    We are the champions, nicht die von dem BadenBadener regierten!

    • Avatar

      jürgen

      20. April 2020 15:25 at 15:25

      nun ja, Sabine..die Spareinlagen verlieren ja auch an Wert, nur die Zahl bleibt gleich…wir haben einen Negativzins von 1,5-2%… bei 100 000 Vermögen verlieren wir als0 bis 2000 Euro im Jahr,gut 150 Euro pro Monat.
      Da kommt man gar nicht so schlecht, wenn man doch viele Aktien hat und hat die dann bei Corona-Beginn mit Puts gesichert. An der 8100 war wahrscheinlich, dass der Markt erstmal stoppt, dort Puts raus und mit steigenden Aktien dann wieder geld verdient….haben wohl viele so gemacht

  2. Pingback: Aktuelles vom 20.04.2020 – Teil 2 | das-bewegt-die-welt.de

  3. Avatar

    sabine

    20. April 2020 21:45 at 21:45

    Naja, der heutige Ölcrash zeigt auch,
    – daß die Produktionen weniger Bedarf haben und crashen (was eigentlich ja klar war! Ich arbeite bis Juni halbe Woche homeoffice. Ab wann wieder produziert wird, erfahr ich noch),
    – daß so auch die Löhne crashen werden,
    – was etwas später auch die Aktien erreichen wird bzw. die ganze Finanzindustrie.
    Marc Faber sagt, daß bei dieser Krise alle verlieren werden. Man solle schauen, daß man so wenig wie möglich verliert. Ein Freund hat mir Ende Februar erzählt, daß er mit Aktien von Anfang 2019 bis Anfang 2020 – 80.000€ Gewinn gemacht hat. Ich weiß nicht, ob das viel ist, aber jedenfalls waren das nicht realisierte Gewinne, hab ich ihm gesagt. Jetzt ist er wohl im Minus, aber wesentlich mehr, als er mit einem Sparbuch gewesen wäre. Ich erinner mich noch an die Telekomaktie, der absolute Renner. 14,57€ war der Einstiegspreis, ging dann auf 103,50€ (Tulpenniveau), und wir sind jetzt bei 11,92€ (1999 bis 2011 etwa 7,30€ / Aktie Dividende. Danach weiß ich nicht.). Ich liebe Bargeld. Aktienmärkte laufen viele Jahre gut, und dann crasht es, bei denen die meisten mehr verlieren, als man vorher gewonnen hat. Stressfrei ist anders.
    Englisches Sprichwort: Die Mehrheit hat nicht recht, sonst wär die Mehrheit reich.

    • Avatar

      sabine

      20. April 2020 21:50 at 21:50

      Ich will damit nicht sagen, daß man mit Aktien nicht Geld verdienen kann. Aber es ist eher etwas für Leute wie Markus Fugmann, Marc Faber oder Markus Koch, die den ganzen Tag mit Aktien & Co zu tun haben, dafür einen Riecher entwickelt haben und sich auch sehr gut auskennen.
      Die Masse sollte die Finger davon lassen. Auch ETFs oder so’n Zeugs hilft da nix. Die Händler müssen ja auch von etwas leben, wo soll da der Mehrgewinn herkommen?

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Negativzinsen und Druckerpresse: Auswirkungen auf Menschen und Schrottunternehmen

Claudio Kummerfeld

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Negativzinsen helfen Schrottfirmen und schaden den Sparern

Die Druckerpressen von EZB, Federal Reserve und Co laufen auf Hochtouren. Und dank dem neuem US-Präsidenten Joe Biden (Vereidigung am 20. Januar) dürfte das Tempo an neu geschaffenem Geld und neuer Staatsverschuldung nochmal Fahrt aufnehmen. Auch die Eurozone steht dem mit der EZB in Nichts nach. Die Null- und Negativzinsen bleiben weiter dort wo sie sind, und das auf lange Zeit. Das haben die Notenbanker auf beiden Seiten des Atlantiks klar gemacht. Was passiert, wenn Negativzinsen und Druckerpresse auf Menschen und Schrottunternehmen treffen? Hier kurz und knapp zwei Beispiele.

Die Schrottunternehmen werden auch gerne als Zombieunternehmen bezeichnet. Dies sind Unternehmen, die zum Beispiel noch nicht mal genug Geld verdienen um ihre Zinslast auf Kredite bedienen zu können. Oder sie überleben nur noch dank Staatshilfen, aber nicht aus strukturell echten Einnahmen. Wer Schrott ist, muss am Kapitalmarkt für Schulden eine höhere Risikoprämie zahlen. Denn der potenzielle Käufer von Schrottanleihen will sich das höhere Risiko einer Nicht-Zurückzahlung der Anleihe natürlich honorieren lassen. Von daher notieren die Renditen von Junk Bonds (Anleihen begeben von Unternehmen mit zweifelhafter Bonität) immer deutlich höher als die von gut angesehenen Unternehmen.

Derzeit aber, wo die Notenbanken alles mit frisch gedrucktem Geld überschwemmen und wo die Negativzinsen alles runterdrücken, da profitieren auch die Zombieunternehmen von immer weiter fallenden Renditen für ihre Schulden. Wie der folgende zehn Jahre zurückreichende Chart zeigt, ist die durchschnittliche Rendite für Junk Bonds in den USA auf ein neues Rekordtief von 4,45 Prozent gesunken, mehr als zwei Prozentpunkte unter dem Zehnjahresdurchschnitt. Die Zombies freuen sich also über immer geringere Kosten für ihre Schulden.

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Der Spar-Michel zahlt die Zeche

Man erinnere sich noch zurück, als hier und da die aller erste Sparkasse oder Volksbank Negativzinsen für Kontoguthaben einführte. Was gab das für einen Aufschrei. Heute ist das Alltag. Und die Lawine rollt immer weiter. Die ganz frische Veröffentlichung des Portals Biallo zeigt, dass auch die Direktbanken immer stärker auf den Zug aufspringen. 240 Banken insgesamt kassieren mittlerweile Negativzinsen im Privatkundenbereich, bei Firmenkunden sind es 317 Geldhäuser. Beim sogenannten Verwahrentgelt gelten in der Regel bestimmte Freibeträge, die von 5.000 Euro bis zu Millionenbeträgen reichen. Elf Geldhäuser langen bereits ab dem ersten Euro zu. Die DKB folgt aktuell der ING und führt ab sofort einen Negativzins in Höhe von minus 0,5 Prozent ein – für Einlagen ab 100.000 Euro auf dem Tagesgeld- und Girokonto. Wie bei der ING sollen Bestandskunden erst mal nicht betroffen sein.

Damit dürfte die Negativzins-Welle, die derzeit auf Sparer zurollt, noch mal deutlich an Fahrt gewinnen. Denn laut jüngsten Recherchen von Biallo haben auch große Regionalbanken in Hamburg, München und Köln zuletzt einen Strafzins für private Einlagen eingeführt. Erst gar keine Negativzinsen, jetzt gibt es immer mehr, aber mit Freibeträgen. Da das Umfeld aus Null- und Negativzinsen noch jahrelang anhalten wird, und da die Banken margentechnisch unter immer größerem Druck stehen, darf man annehmen, dass diese Freibeträge in Zukunft stetig verringert werden, und dass auch immer öfter von Bestandskunden Negativzinsen kassiert werden, und nicht nur von Neukunden.

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US-Arbeitsmarktdaten im Detail: Extrem schwach! Der Amazon-Effekt in brutaler Klarheit

Claudio Kummerfeld

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USA Flagge und Adler

Die US-Arbeitsmarktdaten wurden um 14:30 Uhr veröffentlicht mit einem Zuwachs von 245.000 Stellen für November, was deutlich schlechter war als erwartet (Prognose 470.000). Bezüglich der Gesamtzahl von 245.000 neuen Stellen gab es einen Abbau von 99.000 Stellen beim Staat. Somit gibt es im November 344.000 neu geschaffene Stellen im Privatsektor. Im Verarbeitenden Gewerbe gab es insgesamt einen Zuwachs von nur 55.000 Stellen. Im Untersektor Bergbau lag die Veränderung bei +1.000. Auf dem Bau waren es +27.000 Stellen, und in der Industrie +27.000. Die folgende Grafik zeigt die gesamten Daten für das Verarbeitende Gewerbe im November.

Zum Vergrößern bitte die Grafiken anklicken.

Grafik zeigt US-Arbeitsmarktdaten für November im Detail

Verbleibt bei den neu geschaffenen Stellen im November noch ein Plus von 289.000 Stellen im US-Dienstleistungssektor. Ein sehr schwacher Wert nach +783.000 im Oktober. Der Einzelhandel baute 34.700 Stellen ab. Das ist dramatisch, wo der Sektor doch als einer der Jobmaschinen gilt. Elektronikgeschäfte bauten netto 11.300 Stellen ab, Sport- und Buchgeschäfte 12.100 Stellen, und Kaufhäuser sowie große Supercenter (Walmart etc) verloren netto 20.800 Stellen. Gleichzeitig explodieren die Neueinstellungen bei Amazon und Co (also vor allem Amazon). Alleine im November wurden netto 81.900 neue Kurierfahrer eingestellt, und 36.800 Mitarbeiter in Warenlagern.

Grafik zeigt Details zu Job-Änderungen im US-Einzelhandel

Der Sektor „Professional and Business Services“ konnte 60.000 Stellen hinzugewinnen (sehr schwach), wobei hier alleine fast 70.000 neue Jobs bei Zeitarbeit und Hilfsarbeit entstanden. Andere Teilsegmente in dem Bereich bauten also eher Stellen ab. Der Bereich „Pflege und Bildung“ ist mit nur +54.000 Stellen auch sehr schwach dabei. Wobei der Bereich Bildung 5.700 Stellen abgebaut hat. Die Pflege schuf 59.600 neue Stellen. Der mit Abstand größte Einzelposten, wenn es um das schnelle Schaffen neuer Jobs in den USA geht, ist in der Regel der Bereich „Freizeit und Bewirtung“, also Restaurants, Freizeitparks etc.  Hier ist die Schaffung neuer Stellen im November extrem schwach ausgefallen mit gerade mal +31.000. Innerhalb dieses Segments wurden bei Restaurants und Bars sogar 17.400 Stellen abgebaut. Die zweite Corona-Welle lässt grüßen.

Grafik zeigt Details zu verschiedenen US-Jobdaten

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Coronavirus: Herdenimmunität, ein Geduldsweg, vor allem in Deutschland

Wolfgang Müller

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Die Impfung gegen das Coronavirus nimmt immer mehr Gestalt an, nicht nur in China, in Russland, in der Türkei, ab Montag in Großbritannien, aber bald auch in Deutschland. Endlich die Plage loswerden, immun werden, so die berechtigte Hoffnung Vieler. Eines aber spricht gegen eine rasche Herdenimmunität, auch in Deutschland – die Bereitschaft zur Impfung.

Coronavirus: Aktuelle und künftig Immunisierte

Betrachtet man sich die aktuellen Infektionszahlen, so erkennt man große Unterschiede bei den offiziell registrierten Infizierten mit dem Coronavirus. In den USA ist bereits jeder 23. Bewohner positiv auf Covid-19 getestet worden, in Frankreich jeder 29., in Spanien jeder 27., in Belgien und Tschechien jeder 20. – und in Deutschland? Jeder 76. Einwohner, bei einer Dunkelziffer von vielleicht Faktor drei bis vier, nach Einschätzungen von Virologen. Bleiben also noch über 78 Millionen, die es geschafft haben, sich vor dem Coronavirus zu schützen. Aber was ist mit den USA, wo selbst der Leiter der nationalen Seuchenschutzbehörde von einer Dunkelziffer mit unglaublichem Faktor 10 sprach? Wenn dies zuträfe, hätten schon unglaublich viele Amerikaner die Sache bereits überstanden. Worüber das deutsche Gesundheitswesen eigentlich sehr stolz sein kann, bringt aus jetziger Sicht einen zusätzlichen Nachteil bei der Herdenimmunität.

Die derzeitige Abneigung der Bundesbürger gegen die Impfung

Auch wenn es bereits einen gewaltigen Aufbau für die über 400 Impfzentren in Deutschland gibt, von denen kürzlich die Rede war und die ab 15. Dezember funktionsfähig sein sollen, wird das Thema Massenimpfung eine große Aufgabe werden. Es leben bereits über 83 Millionen Menschen in diesem Lande und bis die so oft zitierte 60 Prozent-Rate erreicht ist, könnte es doch eine Zeit dauern. Zumal mit der Entwicklung der Impfstoffe die Zahl der Impfwilligen sogar abgenommen hat. Eine repräsentative Umfrage hat ergeben, dass derzeit nur 53 Prozent der Bundesbürger zu einer Impfung gegen das Coronavirus bereit sind.

Man bräuchte aber selbst bei einem 100-prozentigen Schutz 60 Prozent der Bevölkerung, die bei der Impfung mitmachen. Bei der bisher verkündeten Wirksamkeit von 95 Prozent sogar noch einige Prozent mehr.

Sicherlich gibt es viele Skeptiker, die sich berechtigt Sorgen um die Nebenwirkungen machen, die man derzeit bei der geringen Probandenzahl gewiss noch nicht ausschließen kann. Die Anzahl sollte aber abnehmen, wenn die Impfungen gut funktionieren. Ein paar Sonderfälle aber, in den Medien verbreitet, schon könnte die Bereitschaft abnehmen. Aber es gibt auch die radikalen Impfgegner, auch Gentechnikgegner, die bis zu einer Herdenimmunität immer noch eine Gefahr darstellen, als mögliche Spreader des Coronavirus.

Die Impfung ist ein gewaltiger Schritt – aber kein Wundermittel, welches in kurzer Zeit die Normalität versprechen kann. Man weiß heute noch nicht, wie lange ein Schutz wirksam sein wird und ob man als Geimpfter nicht doch noch als Virenspreader in Frage kommt. Es wird bei aller Freude über die Impfung noch einiges an Geduld brauchen, denn es werden bestimmt in kurzer Zeit Meldungen entstehen, die contra Impfung verwendet werden können. Zum Beispiel von Menschen, die plötzlich nach der Impfung schwer erkranken, weil sie vor der Impfung noch keine Symptome verspürt haben. Das allgemeine Gesundheitsrisiko bleibt, ebenso das „Fake News-Risiko“ in den sozialen Medien.

Die kommende natürliche Spaltung der Gesellschaft

Es ist sicherlich nicht an der Zeit, um sich allzu viel Gedanken über ein mögliches Zukunftsproblem im Zusammenhang mit der Bewältigung der Corona-Krise zu machen. Aber die Fragestellungen könnten schneller kommen, als man jetzt glaubt. Was passiert mit den Millionen, die es bald geben wird, die geimpft sind und immunisiert: sollen diese weiter Maske tragen und die vielen Sonderregeln beachten? Wird anfangs sicherlich aus Solidarität funktionieren, aber es werden ja täglich mehr. Gar nicht zu reden von den vielen Branchen, die von dem Zusammentreffen vieler Menschen profitieren, wie Tourismus, Kultur, Festveranstalter, diese werden sicherlich die Rückkehr zur Normalität fordern. Es werden sich Gruppen bilden, aber was passiert mit den Verweigerern einer Impfung?

Viele Fragen, nicht nur für den Ethikrat.

Fazit

Die letzten Monate haben gezeigt, wie lange es dauern würde, bis eine natürliche Herdenimmunisierung dem Coronavirus den Garaus machen könnte. Vor allem in Deutschland. Selbst bei 10.000 kontrollierten Fällen pro Tag (3,6 Mio/Jahr) wären es viele Jahre, bis man eine Herdenimmunität erreicht hätte. Ein Kollaps nicht nur für die Wirtschaft und viele Branchen, sondern auch eine unerträgliche Lage für die Menschen und dem Leben in ständiger Angst.

Es geht nicht um die Jugend – in Deutschland gibt es bereits über 21 Millionen Rentner und viele Risikogruppen unterhalb dieser Altersgruppe. Klar gibt es die berechtigten Bedenken über Nebenwirkungen, aber bei einer Impfquote von gut 50 Prozent würde man in Deutschland noch sehr lange mit SARS-CoV-2 leben müssen. Ohne wirksamen Impfstoff gegen das Coronavirus hätte aber gerade Deutschland ein längeres Problem. Es sollte sich eigentlich jeder über den medizinischen Fortschritt freuen, auf die Wirksamkeit der Impfung hoffen und sich auf eine baldige Rückkehr zu sozialen Gewohnheiten des Miteinanders innerlich einstellen. Es dürfte allerdings noch ein gerüttelt Maß an Geduld erfordern.

Über das Coronavirus und Herdenimmunität

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