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Coronavirus: Die Kehrseite der Schutzmaßnahmen

Ein Drittel der weltweit werktätigen Bevölkerung geht derzeit nicht zur Arbeit. Über die ökonomischen und psychologischen Folgen der Coronakrise

Das Coronavirus ist zu einer Pandemie geworden, die für die meisten Menschen mit harmlosen Folgen abklingt, für eine nicht unbeträchtliche Gruppe jedoch leider mit tödlichen Konsequenzen. Würde man nichts gegen sie tun, so käme man – bei einer Bevölkerung von derzeit 7,7 Milliarden Menschen, bei einer Infektionsrate von 60-70 Prozent und davon wiederum 5 Prozent an schweren Fällen – auf eine gewaltige Anzahl von möglichen Toten in dieser Welt. Andererseits wird auch ein Stillstand der Weltwirtschaft über eine längeren Zeitraum zu unglaublichen Folgen führen – nicht nur zur Einkommenseinbußen, sondern auch zu Millionen von Toten, wie Studien von Hilfsorganisationen prognostizieren.

Coronavirus und die Folgen des Wirtschaftseinbruchs

Tag für Tag steigen die Infektionszahlen mit dem Coronavirus, man hat die Schwelle von 1,5 Millionen erreicht und die Zahl der mit oder an Corona gestorbenen Menschen hat die 88.000 überschritten. Kein Vergleich mit der Sars-Infektion von 2002/03, bei der 774 Menschen weltweit ums Leben kamen. Regierungen aus aller Welt stehen unter Schock und haben zum Teil heftigste Eindämmungsmaßnahmen angeordnet, vor allem um die Geschwindigkeit der Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen (flatten the curve) – ansonsten würde ein Mangel an Intensivbetten und Beatmungsgeräten zu einem massenhaften Tod von Menschen führen.

Eine Studie des Imperial College in London Mitte März hatte nicht nur Großbritannien, sondern auch andere Länder aufgeschreckt: Eine Herdenimmunisierung ohne Schutzmaßnahmen würde auf der Insel zu 500.000 Toten führen und auf der Welt auf bis zu 40 Millionen. Daraufhin hat die Regierung in London die vorherige Strategie geändert und Eindämmungsmaßnahmen angeordnet – wie viele andere Staaten auch.

Dies hat dazu geführt, dass wegen des Coronavirus ein Drittel der weltweit werktätigen Bevölkerung derzeit nicht zur Arbeit geht, wie in verschiedenen Studien errechnet wurde. Was dies für Folgen für die einzelnen Volkswirtschaften hat, gleicht einem Rätselraten. Ökonomen fußen ihre Rechnungen auf Modellen, die auf früheren Krisen basieren – und da gibt es kaum Vergleichsmöglichkeiten. Moderate Prognosen gehen von einer Schrumpfung von fünf Prozent für Deutschland und von zwei Prozent für die Weltökonomie aus. Wer aber kann eine seriöse Prognose über Zeitpunkt und Ausmaß der Wiederaufnahme der wirtschaftlichen Aktivitäten erstellen, wenn es so viele Variable gibt?

Zuletzt kann niemand die Reaktionen der Bürger einschätzen, wie diese sich nach der Krise verhalten werden. Beginnen Sie zu sparen oder holen Sie alles nach, was Ihnen in der letzten Zeit entgangen ist, die teure Urlaubsreise, den geplanten Kauf eines Kfz und ähnliche Vorhaben?

Eines steht aber fest: Desto länger der Lockdown der Wirtschaft andauert, umso gravierender werden die Auswirkungen auf Mensch und Wirtschaft sein – und es wird einen Punkt geben, bei dem der Wirtschaftseinbruch höhere Verluste an Menschenleben hervorruft, als durch das Coronavirus selbst.

Der Hunger dieser Welt

Besonders betroffen sind wieder einmal die Armen dieser Welt. Hilfsorganisationen gehen bereits davon aus, dass durch eine Rezession in der Weltwirtschaft 35 bis 65 Millionen Menschen in die bittere Armut abrutschen werden.

Das International Food Policy Research Institute in Washinghton hat dies zu berechnen versucht, mit dem Ergebnis, dass durch jeden Prozentpunkt, um den das globale Wirtschaftswachstum zurückgeht, die Zahl der Menschen in absoluter Armut um 1,6 bis drei Prozent zunimmt. Bei einer Rezession von drei Prozent wären das 4,8 bis neun Prozent und damit diese gewaltige Zahl an Notleidenden.

Die Welthungerhilfe spricht aktuell von 820 Millionen an Hunger leidenden Menschen. Dies wird an der Summe von 1,90 Dollar festgemacht, die ein Mensch pro Tag für sein Leben zur Verfügung hat.

Besonders treffen wird es die Bevölkerung in Afrika, Südostasien und vor allem Indien. Vielen Menschen könnten dort den Hungertod erleiden.

Während in Deutschland und anderen Industrienationen Arbeits- und Sozialämter über die Krise am Arbeitsmarkt hinweghelfen, gibt es in vielen Entwicklungs- und Schwellenländern dieses Sicherheitsnetz nicht.

Berichte aus Indien zeigen, wie Millionen Wanderarbeiter in ihre Dörfer zurückgeschickt geschickt werden. In anderen Ländern, wie Indonesien, Thailand oder den Philippinen fehlen für Millionen die Einnahmen aus dem Tourismus.

Kurzum: Die ohnehin schwierige Ernährungslage wird nun durch die verhängten Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus weiter verschlimmert. Zumal auch ein Anstieg der Lebensmittelpreise die Lage verschärft, nicht zuletzt durch manch Hamsterkäufe ängstlicher Bürger aus den Industriestaaten. Überall stehen Existenzen auf dem Spiel, aber Hilfsorganisationen sprechen schon davon, dass es mehr Hungertote geben könnte als Corona-Opfer.

Coronavirus: Einsamkeit, häusliche Quarantäne und die Folgen

Während es beim Lockdown in vielen Staaten um das Überleben von Menschen geht – durch eine Unterversorgung der elementaren Grundbedürfnisse –  so entstehen auch bei einem Re-Start der Wirtschaft bei gleichzeitiger Isolierung der Risikogruppen (Cocooning) weitere Probleme.

Die Isolation von Menschen vor allem der älteren Bevölkerung hat vielschichtige gesundheitliche Folgen. Das Verbot des Besuchs älterer Bürger in Altenheimen schützt diese zwar vor eine Infektion mit dem Coronavirus, löst bei vielen aber depressive Stimmungen aus. Dies schwächt wiederum deren Immunsystem mit der Folge, dass sie an den anderen Erregern sterben, die immer in Gemeinschaftseinrichtungen zirkulieren. Es gilt für alle Menschen:

Ängste und Depressionen produzieren unter anderem Cortisol, welches das Immunsystem schwächt. Das ist auch eine Kehrseite einer kontrollierten Panik, die von Behörden aufrechterhalten wird, um alle Menschen – vor allem die Leichtsinnigen – vor einem zu laschen Umgang mit den Vorsichtsmaßnahmen abhalten sollen. Psychologen bringen es so auf den Punkt:

Es ist nicht die realistische, sondern die dramatische Gefahr (z.B. ein Autounfall, im Vergleich zu einem Flugzeugabsturz), der unser limbisches System stimuliert und unsere Ängste prägt.

Wenn ich von vielen Tausend durch das Coronavirus Verstorbene lese, bekommen ich Zweifel darüber, ob ich eine Ansteckung verkraften könnte – auch wenn sich bei genauerer Analyse zeigt, dass viele Verstorbene schon vor der Infektion chronisch krank waren und im Grund nicht an, sondern mit dem Coronavirus gestorben sind.

Die Ausgehverbote der Regierung und die milden Quarantänemaßnahmen mit den Folgen für die Arbeitsplätze haben bereits zu Folgen in vielen Familien geführt. Jugendämter und Fraueneinrichtungen warnen vor Gewalt in der Familie, vor allem wenn der „Lagerkoller“ länger anhalten sollte. Psychiater fürchten sogar schon einen Anstieg der Selbstmordrate.

Das Problem mit der älteren Bevölkerung und den Altenheimen bleibt auch nach dem 20. April erhalten, wenn man mit ersten Lockerungen der Eindämmungsmaßnahmen beginnen sollte. Wir haben in Deutschland über 17 Millionen Menschen, die älter als 65 Jahre sind. Davon sind etwa drei Millionen pflegebedürftig und 800.000 werden in Pflegeheimen voll stationär betreut. Man wird die Risikogruppen noch eine lange Zeit besonders vor dem Cornavirus schützen müssen.

Der 80-jährige und langjährige Abgeordnete der Grünen, Christian Ströbele, drohte schon einmal mit einer Verfassungsklage, sollte es während der Corona-Krise zu einer Benachteiligung der sogenannten Risikogruppe kommen. Damit bezog er sich natürlich auf mögliche Ausgangsbeschränkungen (Cocooning) älterer Menschen, wenn man die jüngere Bevölkerung schrittweise wieder ins Berufsleben integrieren wird.

Fazit

Eindämmung, so gut es geht, um das Gesundheitssystem vor dem großen Kollaps zu bewahren und anschließend ein schrittweises baldiges Wiederhochfahren der Wirtschaft („Hammer and Dance“, lautet der internationale Fachausdruck) – das muss die Devise sein. Ein monatelanger Lockdown hätte, wenn die Prognosen der Forscher auch nur ansatzweise einträten, erheblich schrecklichere Folgen. Deshalb geht es künftig wahrscheinlich um eine baldige, wohldosierte Rückkehr ins Wirtschaftsleben mit all den Restmaßnahmen, um schlussendlich nicht die sprichwörtliche Wahl zwischen Pest und Cholera zu haben.

Das Coronavirus und die Folgen des lockdowns



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4 Kommentare

  1. Wenn man dem Ganze einen mystischen Touch geben will: Welches Organ wird von dem Corona-Virus angegriffen? Die Lunge. Und was ist die Lunge der Erde? Sind das nicht die Wälder? Ein Baum ist im Aufbau durchaus mit einer Lunge vergleichbar. Wenn dieses Virus die Rache der geschundenen Natur und Wälder sein sollte, dann Gute Nacht. Einiges scheint darauf hinzudeuten.

    Dieses Virus würgt jegliche wirtschaftliche Aktivität ab. Ein Abfallen um 50 bis 80% der Wirtschaftsaktivitäten scheint eine realistische Schätzung zu sein. Das ist relativ einmalig in der Geschichte. Das Virus greift direkt das Herz der Marktwirtschaft an und legt es lahm. Dem Kapitalismus und der Ausbeutung/Zerstörung der Natur wird damit ein Ende gesetzt. Man hat fast das Gefühl, dass das Virus dabei sehr intelligent und effektiv vorgehen würde.

    Sollten die Virologen und Epidemiologen Recht haben, dass eine hohe Durchseuchung der Bevölkerung unvermeidbar ist, dann würden wir erst am Anfang einer langen und großen Pandemie stehen. Jede Lockerung der Kontaktsperren würde gleich wieder zu einem Anstieg der Infizierten und Toten führen. Das kann selbst eine gesunde Volkswirtschaft nicht verkraften, und schon gar nicht eine hochverschuldete und blasenbildende wie die jetzige.

    Der Schaden in finanzieller Sicht wird immens sein. Aberwitzige Summen werden von den Notenbanken in den Markt und an die Verbraucher gepumpt. Aber selbst diese Summen werden möglicherweise nicht ausreichen um den entstandenen Schaden auch nur halbwegs auszugleichen – und so wird die Deflation weiter am Drücker bleiben. Und als Todesstoß kommt dann die platzende Alles-Blase, die von dem Corona-Virus angestochen wurde. Vielleicht geht es ja mit der BBB-Bombe los. Es wundert mich nicht, wenn einige schon vor Revolution und Anarchie warnen.

    1. @Lausi, aus diesen Gründen wird man die Kontaktsperren immer schneller und weiter in sukzessiven Schritten öffnen. Bis jene mysteriöse Durchseuchung und Herdenimmunität erreicht ist, wobei dann immer noch 30 bis 40% an antikörperlosen Menschen verbleiben. Und wenn dieses Ziel dann endlich erreicht ist, mutiert das Virus, und all die schönen Antikörper sind für die Katz‘ 😳

  2. Ein sehr nachdenklicher Ken Jebsen, ganz offensichtlich schockiert darüber, wohin Deutschland gerade steuert. Sehenswert! Wird die Meinungsfreiheit in Deutschland bald kassiert? Wird man Freidenker wie ihn, Markus Krall, Niklas Lotz und viele andere bald mundtot machen?

    https://www.youtube.com/watch?list=RDCMUCr6VVXep3Fs5EOtjMK3i2AQ&v=toN-SDWC7EI&feature=emb_rel_end

    1. Mit brauner Keule kann man in Merkel-Germoney jeden Systemkritiker und Freidenker mundtot machen. Antifaschistischer Schutzwall a la DDR halt.

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