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Coronavirus: Kommt die koordinierte Aktion der Notenbanken?

Wolfgang Müller

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Die Börsenreaktionen auf die weltweite Ausbreitung des Coronavirus hat erkennbar Spuren hinterlassen. Bei Regierungen, großen Wirtschaftsorganisationen, Ökonomen, Anlegern und natürlich den Notenbanken. Schließlich ist man sich bewusst darüber, dass sich aus einem Börseneinbruch eine Rezession entwickeln kann, allein wegen des großen Vermögenseffekts nach der jahrelangen Hausse. Auch unterstützt durch die Kaskade an wirtschaftlichen Schreckensnachrichten, die Tag für Tag durch die Medien verbreitet werden.

Coronavirus und ie aktuellen Wirtschaftszahlen

Bereits im Januar war es abzusehen, dass der Wirtschaftsriese China in eine Lähmung verfallen würde. Nach der Totalsperrung des Epizentrums der Virusinfektion, Wuhan, ging es Schlag auf Schlag mit den Quarantänemaßnahmen, die zu einem weitgehenden Stillstand der chinesischen Wirtschaft geführt haben. Zuletzt bestätigt mit dem Einbruch der Kfz-Verkäufe um 92 Prozent im Monat Januar. Wie konnte man da überrascht sein, dass die chinesischen Einkaufsmanagerindizes (Caixin und der staatliche PMI 40,3 bzw. 35,7) für den Monat Februar so richtiggehend „absoffen“? Ein Wert von 50 würde Wachstum bedeuten – und wo soll das bei leeren Fabriken herkommen?

Auch hinkt der Vergleich mit den vergleichbaren Zahlen von 2008/09. Damals brach die Wirtschaftsnachfrage durch die Bankenkrise weltweit ein, aktuell werden Produktion, Tourismus und Konsum durch die Notmaßnahmen infolge Covid-19 unterbunden. Natürlich hatte sich das Wachstum der Volkswirtschaften in vielen Regionen schon deutlich abgeschwächt, mitverursacht durch einen Handelskrieg, um „America great again“ zu machen.

Gut erkennbar an Koreas Exporten, die bereits 14 Monate in Folge gefallen sind, der Februar dürfte der 15. Monat sein. Japan, Südkorea, Hongkong, Italien, Deutschland: in vielen Ländern ist ein rezessives erstes Quartal schon eine ausgemachte Sache.

Australiens Superzyklus wankt

Down Under erlebt den längsten Aufschwung der modernen Wirtschaftgeschichte. 28 Jahre ohne Rezession, aber jetzt ist der Superzyklus in Gefahr. Der Coronavirus bedroht Australien wirtschaftlich ganz besonders, schließlich ist die rohstofflastige Wirtschaft sehr von Chinas Nachfrage abhängig und die lahmt derzeitig gewaltig. Da besteht Gefahr im Verzug für die Ökonomie des Riesenlandes mit seinen über 7,6 Millionen Quadratkilometern, bei gerade mal 25 Millionen Einwohnern. Australiens Notenbank hat heute Nacht bereits versucht, sich mit einer Zinssenkung gegen den Abschwung stemmen.

Eine koordinierte internationale Notenbank-Aktion vor der Tür?

Es gibt einen großen Unterschied zur Finanzkrise 2018. Damals waren sich die großen Notenbanken nicht einig, jetzt plant man eine koordinierte Aktion in den nächsten Stunden und Tagen. Ob die Märkte da vorher nochmals abverkaufen? Allerdings lag in der Finanzkrise das Problem im Finanzsektor, diesmal ist es ein Angebots- und Nachfrageschock, verursacht durch ein Virus.

Gewohnt optimistisch hingegen US-Präsident Trump, der auf die Frage eines Journalisten zu möglichen staatlichen Stützungsmaßnahmen hinsichtlich der Ausbreitung des Coronavirus antwortete: „Die US-Wirtschaft ist so stark, sie braucht keinen fiskalischen Stimulus.“

Deutschlands Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus

Während man sich in der letzten Woche noch überschlagen hatte, mit Prognosen und Spekulationen über die Lungenkrankeit, ihrer Gefährlichkeit sowie ihrer Todesrate, so hat man verbal deutlich abgerüstet. Professor Dorsten, Virologe an der Berliner Charité, hatte noch vor Kurzem davon gesprochen, dass sich 60 bis 70 Prozent der deutschen Bevölkerung mit dem Coronavirus infizieren könnten, allerdings auf Zweijahressicht. Jetzt hat er in den letzten Pressekonferenzen deutliche Töne der Beruhigung angeschlagen.

Plötzlich spricht man davon, dass Covid-19 weniger gefährlich sei als SARS.

Die meisten Betroffenen hätten nur leichte Erkältungssymptome mit Frösteln und Halsschmerzen oder gar keine. Doch 15 von 100 Infizierten erkranken laut Robert-Koch-Institut (RKI) schwer. Dann drohen Atemprobleme oder eine Lungenentzündung.

Zudem Professor Dorsten: Man sei derzeit in einem Korridor in der Sterblichkeit von 0,3 bis 0,7 Prozent.

Fazit

Wenn das keine Volatlität an den Märkten ist! Erst die Katastrophenwoche Ende Februar und dann am gestrigen Montag der größte Punkteanstieg des Dow Jones in seiner Geschichte mit plus 1293 Punkten. Natürlich nur in Punkten gerechnet, nicht in Prozenten, denn der ehrwürdige Index sah in seiner langen Geschichte schon weit über 50 Anstiege zwischen fünf und 15 Prozent (an einem einzigen Handelstag).

Nach einem Börsenjahr 2019, in dem das Barometer VIX monatelang leblos bei 12 bis 15 Punkten am Boden lag, jetzt der Sprung auf über 49 Punkte und dann der rasche Rückgang auf 33 Zähler – es ist vorbei mit der trügerischen Ruhe an den Märkten. Gestern lief trotz der weiteren Verbreitung des Coronavirus die erwartete Shortsqueeze, da man sich vor dem Wochenende abgesichert hatte, koste es was es wolle. Trotz der Kursrally des Dow Jones mit fast 1300 Punkten, liegt der Fear&Greed-Index mit 12 Punkten noch im Panikmodus. Den Anlegern steckt der Schreck noch in den Knochen nach einer Woche mit einer unglaublichen Serie von Punktabschlägen: Der Wochenverlauf: Montag minus 1031 Punkte, Dienstag minus 879, Mittwoch minus 123, Donnerstag minus 1190 und am Freitag noch versöhnliche minus 357 Punkte, nach einem Rebound aus einem tiefen Tal.

Aber jetzt kommen erst einmal die Notenbanken – mit Ansage. Gilt noch immer der Spruch dessen Nichtbeachtung in der Vergangenheit so viel Geld gekostet hat: „Donˋt fight the Fed“?

Reagieren die Notenbanken heute in einer konzertierten Aktion auf das Coronavirus?

7 Kommentare

7 Comments

  1. Avatar

    Macwoiferl

    3. März 2020 10:06 at 10:06

    Die Gestützte Marktwirtschaft, prima.
    Eine Auslese findet nicht mehr statt.
    Wo es früher Konkurse gab regiert heute der Pan-Sozialismus.
    So schleppt man marode Systeme durch bis in die Endzeit.
    Jeder Unternehmer bekommt einen Bank-Vertreter mit Scheckdrucker nebenangestellt.
    Wir retten ITB, Münchner Handwerksmesse, Schweinemastbetriebe, KFZ-Werkstätten, Skilifte, Metzgereien.
    Es läuft schlecht? Warte, hier kommt der Scheck vom Staat.
    Was schimpft ihr hier, liebe Leser, auf Hartz4-Heinz, der von der Stütze Urlaub macht?
    Und lasst euch eure Portfolios hochkaufen vom: Staat?

    Noch vor drei, vier Jahren gab es eher vereinzelte „Rettungseinsätze“.
    Heute sind EZB, FED und Co die permanenten Market-Maker im Dauereinsatz.

    • Avatar

      Mr. Bean

      3. März 2020 12:43 at 12:43

      Chapeau!!!
      Absolut richtig zusammengefasst.

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    frank

    3. März 2020 11:27 at 11:27

    Ich überlege, nochmal short zu gehen wenn die Kurse aufgrund der Interventionen der Notenbanken nach oben gehen. Was meint ihr?

    Einerseits könnten die Notenbanken die Kurse wieder nach oben treiben bzw. stabilisieren. Andererseits ist es fast schon sicher dass die Fallzahlen in Europa und den USA bald nach oben schnellen und damit die Berichterstattung.

    • Avatar

      Mr. Bean

      3. März 2020 12:53 at 12:53

      Sehe ich auch so. Fahren wir jetzt alle nach Disneyland Paris, nur weil die Notenbanken die Zinsen senken? Das ist ein ganz anderes Game als 2008.
      Des Weiteren macht Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern nichts, um die Pandemie zu verhindern.

      Anschnallen!

    • Avatar

      Segler

      3. März 2020 14:45 at 14:45

      Hallo Frank,
      Von mir wurden in knapper Form formulierte Einschätzungen erbeten.
      Anhand Ihrer Fragestellung will sie liefern.

      Ich schicke folgende Tatsachen voraus:
      – Die aktuell in allen Märkten (Speziell in den Rohstoffmärkten) extrem hohe Volatilität erschwert ein vernünftiges Stopmanagement sowohl beim Entry und noch mehr im Exit, bzw. erschwert deren Berechnung für jene, die nach charttechnischen Gesichtspunkten operieren.
      – Die extrem hohe Vola ist gleichbedeutend mit hohen Prämien für Optionen und Optionsscheine. Wer zum jetzigen Zeitpunkt KAUFT (egal, ob Puts oder Calls) zahlt einen sehr hohen Aufpreis für den Hoffnungswert.
      Sowohl der zwangsläufig kommende Rückgang der Vola wie der Zeitwertverfall sprechen gegen Optionen (wenn man auf der Käuferseite steht)

      Meine Einschätzung:
      1.) Der Rebound im Index S&P wird bis in die Spitze des Mittwochsprofiles laufen (ca. 3165-3170, anschliessend eine Weile auf dem Point Of Ccontrol des Mittwochsprofiles verharren (ca. 3140)
      2.) Die hohe Vola wird sich zunächst abbauen

      Beim Erreichen der 3160 kann man diese Tradingidee umsetzen.
      AAAber: Nur wenn der Preis erkennbar mit dünner werdenden Volumen in die Spitze des Profiles läuft und ein reject erkennbar wird.
      Ansonsten schiesst er schnell auf die 3240 hinauf

      Mein Tipp:
      Legen Sie sich Sierra Chart zu (sehr günstig) und beziehen die notwendigen Daten von ihrem Broker (in meinem Fall InteractiveBrokers).
      Dorman, Tastyworks etc. geht natürlich auch.
      Sierra beinhaltet recht passable volume profiles.
      Wenn Sie templates dazu benötigen, lassen Sie es mich wissen. Sie bekommen sie von mir geschenkt :-)

      3. Generell ist zum aktuellen Umfeld der allseits hohen Vola ein Rückgang zu erwarten.
      Efahrungsgemäss folgt ein bis drei Wochen später eine weitere Welle hoher Volatilität. Dort gilt es dann die Vola zu shorten, wenn man mehr Sicherheit als zum heutigen Zeitpunkt haben will.

      Für jene Kritiker, die mir zuviel unkonkretes vorwerfen, lasse ich einmal die Hosen herunter:
      In meinem konkreten Fall halte ich seit Freitag nachmitag 18600 Stück VXX short mit einem Verkaufspreis bei 24,35.
      Ich werde sie halten, bis der VXX ca. auf 8 gefallen sein wird.
      Dies kalkuliere ich grob für den Zeitraum August/September 2020

      Zurück zu Frank:
      Wer abschätzen kann, wann der upmove übertrieben ist, kenn gern shorten – entweder mit einem ETF, oder gehebelt mit einer Long Put Option.
      Im anschliessenden Downmove wird die Vola noch zunehmen. Dies treibt zusätzlich den Preis in die Höhe und damit den Gewinn.
      Ein Trailing Stop bietet sich dann an.
      Viel Erfolg
      Beste Grüsse

  3. Avatar

    Jan

    3. März 2020 11:38 at 11:38

    Ach ja, die Notenbanken! Sehr interessant und aufschlussreich finde ich folgenden Artikel bzw. Kommentar. Hier ist sehr gut zu erkennen, wie die gepushte Kreditvergabe, die Stimulierung der Konjunktur in Form von Krediten an die Wirtschaft in der Realität so abläuft (oder eben nicht).

    https://www.handelsblatt.com/meinung/gastbeitraege/gastkommentar-das-ende-von-streetscooter-ist-ein-armutszeugnis-fuer-deutschland/25599856.html?ticket=ST-2230697-6gULhgxbxnU9wKmDpUHE-ap1

  4. Avatar

    Kritisch on fire

    3. März 2020 21:14 at 21:14

    Bericht von Reuters – O-Ton Peter Altmeier:
    Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hat kleinen Betrieben wegen der Coronavirus-Epidemie Hilfen in Aussicht gestellt. „Wir tun alles, damit dieses Virus die Wirtschaft in Deutschland nicht flächendeckend trifft“, sagte der CDU-Politiker am Dienstag. „Dazu werden wir die Liquiditätsspielräume von Unternehmen, insbesondere von kleinen und mittleren sicherstellen.“ Details nannte Altmaier nicht. Das Wirtschaftsministerium sichert aber Exporte regelmäßig mit Garantien ab, ebenso Investitionen im Ausland. Außerdem gibt es zahlreiche Fördertöpfe für Unternehmen.

    Bereits beschlossen habe die große Koalition verbesserte Abschreibungsbedingungen für digitale Wirtschaftsgüter, ergänzte Altmaier. Jetzt müssten steuerliche Verbesserungen von Personengesellschaften folgen, oft sind das familiengeführte Unternehmen. „Hierzu ist das Bundesfinanzministerium gefordert. Wichtig ist, dass wir hier jetzt schnell vorankommen.“

    Die Spitzen der großen Koalition tagen am Sonntag. Dabei könnten konkrete Maßnahmen beschlossen werden, zumal es Haushaltmittel im Volumen von 17 Milliarden Euro gibt, die noch nicht konkret vom Bund verplant sind.
    Also, jetzt wird die Zobifizierung noch verstärkt. Wie sagte schon Dr. KRALL:“ Die Banken werden (unterstützt durch die Regierung) allen die nicht bei 3 am Baum sind Kredite zu äußerst günstigen Kondidionen anbieten. Und annehemn werden diese Kredite natürlich jene Unternehmen die ohnehin schon am Ende sind.
    Man könnte fast meinen Dr. KRALL hätte wider seiner Beteuerungen doch eine Glaskugel!

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Finanznews

Aktien: Generation Z und die Spekulation! Marktgeflüster (Video)

Die Generation Z (ab 1995 Geborene) macht wieder Schlagzeilen und pusht auch heute wieder bestimme Aktien nach oben. Das böse Ende aber wird kommen..

Markus Fugmann

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Die Generation Z (ab 1995 Geborene) macht auch heute wieder Schlagzeilen und pusht wieder Aktien wie Gamestop oder Beyond Meat nach oben. Diese Generation Z wird nicht nur den Klimawandel ausbaden müssen, sondern ahnt auch, dass sie seit langer Zeit die erste Generation sein wird, für die der Kuchen nicht größer, sondern vermutlich kleiner sein wird. Und diese Generation Z wähnt sich nun durch die Fed und andere Notenbanken in einem Casino, in dem man ohne Risiko zocken könne – weil Aktien angeblich immer steigen. Aber an der Börse hat die Mehrheit schon immer verloren, und das wird diesmal nicht anders sein..

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Robuste Ergebnisse auf breiter Front

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Die gemeldeten und heute Abend anstehenden Quartalszahlen sind heute ein wichtiges Thema.

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Aktien

Wall Street: Kommen jetzt Regulierungen durch die Biden-Regierung?

Wird es für die Wall Street unter Biden sehr viel schwieriger als unter Trump? Was passiert mit den Monopolen der großen Tech-Firmen?

Wolfgang Müller

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Wird es für die Wall Street unter Biden sehr viel schwieriger als unter Trump? Bereits seit Monaten wird darüber spekuliert, wie eine demokratische Regierung den großen Techfirmen mit ihren monopolartigen Stellungen zu Leibe rücken wird. Schon die Bildung der Regierung wird Hinweise darauf geben, viele designierte Minister haben bereits in der Regierung unter Barack Obama politische Posten bekleidet.

Die Wall Street und der Abbau der Regulierungen

Die Ära Trump war für die Wall Street geprägt von Deregulierungen, insbesondere im Finanzsektor, was natürlich den oberen Einkommensklassen zugute kam – trotz seiner Beteuerungen dem Establishment auf den Leib rücken zu wollen. Joe Biden hat bereits im Wahlkampf davon gesprochen, gegen die wachsende Ungleichheit im Lande vorgehen zu wollen, was zwangsläufig auf einen Machtkampf mit der Wall Street hinauslaufen würde. Jetzt hat er aber mit der neuen Finanzministerin Janet Yellen, der einstigen Notenbankchefin, eine Entscheidung gefällt, die eher Kontinuität als Radikalität in Finanzfragen erwarten lässt. Sie unterstützt natürlich das Corona-Hilfspaket von 1,9 Billionen Dollar, zu dem die Ministerin vor dem Senat betonte, dass diese Verschuldung mehr nutze, als dass sie schade. Ihre Zielstellung seien mehr und besser bezahlte Jobs und höherer Wohlstand für mehr Amerikaner.

Die letzten Personalentscheidungen deuten aber daraufhin, dass man die Wall Street doch in Teilbereichen stärker regulieren wolle.

Chef der Börsenaufsichtsbehörde SEC soll Gary Gensler werden, ein Mann, der schon von 2009 bis 2014, also unter der Präsidentschaft von Barrack Obama, die Aufsicht über die Derivate CFTC innehatte. Er hatte damals die Untersuchungen bei den Manipulationen des Zinssatzes Libor geleitet und die Finanzreform umgesetzt. Er gilt als harter Hund in der Szene, aber wie könnte es auch anders sein – er hatte zuvor schon 20 Jahre bei Goldman Sachs gearbeitet.

Die Aufgaben der SEC dürften gewaltig sein, im Stadium der derzeitigen Spekulationsauswüchse. Zum Beispiel bei den Special Purpose Acquisition Companies, kurz SPAC genannt. Firmen, die zunächst Kapital über einen Börsengang einsammeln, um das Geld in die Übernahme eines noch nicht feststehenden Unternehmens zu investieren. Ein kaum regulierter Bereich, bei dem es wieder auf Kosten der Kleinanleger gehen könnte. Bereits in den ersten drei Wochen wurden im Bereich der SPACS schon wieder 56 solcher Mantelfirmen an die Börse gebracht und 16 Milliarden Dollar an Geldern eingesammelt. Nach 300 Firmen im Jahr 2020.

Was Gensler auch besonders auszeichnet, sind seine Kenntnisse im Bereich der Kryptowährungen – einem Thema, über welches er auch an seiner Universität gelehrt hat. Er hat sich zur Szene schon sehr kritisch geäußert und wird sich ganz besonders mit Fintech-Unternehmen und Kryptowährungen befassen.

Unterstützt wird Gensler von Rohit Chopra, der Chef der Verbraucherschutzbehörde für Finanzprodukte (CFPB) werden soll, die nach der Finanzkrise gegründet wurde.

Der Mann hatte sich bereits in in seiner Zeit bei einer anderen Behörde gegen die Macht der großen Tech-Konzerne ausgesprochen. Er stimmte für die Klage der Behörde gegen Facebooks ungesetzliche Monopolisierung, der sich auch eine Gruppe von Generalstaatsanwälten angeschlossen. Unter Trump war der Einfluss der Verbraucherschutzbehörde deutlich zurückgefahren worden.

Chef der Bankenaufsicht (OCC) soll Michael Barr werden, ein Mann der auch schon im Finanzministerium zu Obamas Zeiten gearbeitet hatte und nun auf 1200 Banken ein Auge werfen soll.

Die Personalauswahl Bidens zeigt in jedem Fall, dass dem Schutz der Verbraucher zulasten der großen Firmen mehr Bedeutung zukommen wird – und das könnte ein Problem für die Wall Street werden.

Fazit

Wieder einmal stellt sich bei einer neuen Regierung die Frage, wie viel von den Programmpunkten aus dem Wahlkampf im politischen Kampf und vor allem gegen das mächtige Kapital der Wall Street in den USA umgesetzt werden kann. Wer glaubt, dass es jetzt zu einer größeren Umverteilung von Wall Street zu Main Street kommen würde, dürfte ein bisschen blauäugig sein. Bidens Mannschaft besteht aus vielen älteren Semestern, die schon unter Barrack Obama im Einsatz waren.

Außerdem spielen die Wall Street und die Kapitalmärkte in den USA eine viel dominantere Rolle als in allen anderen Industriestaaten der Welt. Es dürfte kaum Gouverneure, Senatoren und Politiker in führenden Positionen geben, die nicht auf einem großen Aktienpaket sitzen. Den Ast ansägen, auf dem man selbst sitzt? Das beste Beispiel ist doch die ehrwürdige Sprecherin der Demokraten, die bereits 80-jährige Nancy Pelosi. Wenn die Grande Dame der US-Demokraten sogar eine halbe Million Dollar für Optionen auf die Tesla-Aktie gesetzt hat, erst vor Kurzem und bereits in der Gewissheit in Regierungsverantwortung zu stehen, was werden wohl die anderen Abgeordneten in ihrem Vermögensdepots haben? Bestimmt kein gefülltes Girokonto, wie unser Finanzminister.

Ergo: Regulierungen an der Wall Street werden kommen, aber wohl immer noch mit Schonung des Aktien-Wunderlandes USA.

Wird die Biden-Regierung die Wall Street bald stärker regulieren?

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