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Coronavirus: Taugt Südkorea als Vorbild für eine Exit-Strategie?

Taugt Südkorea als Vorbild im Kampf gegen das Coronavirus?

Das Coronavirus droht die deutsche Wirtschaft trotz staatlicher Hilfen sehr stark zu belasten. Umso länger die Epidemie andauert, umso größer werden die Verwerfungen. Südkorea zeigt mit seiner Nulltoleranzpolitik, wie man die Seuche binnen weniger Wochen in den Griff bekommen kann.

Das Coronavirus fordert in Südkorea trotz der Nähe zu China weitaus weniger Opfer

Mit einer konsequenten Strategie ist es in Südkorea gelungen, die Kurve der Neu-Infizierten innerhalb kürzester Zeit abzuflachen und die Epidemie unter Kontrolle zu bringen. Trotz der räumlichen Nähe zum Herkunftsland des Virus und den engen wirtschaftlichen Verflechtungen mit China liegt die Zahl der Infizierten mit aktuell 9.333 Fällen deutlich unter denen anderer Industriestaaten. Das ostasiatische Land hat ca. 52 Millionen Einwohner. Staaten mit ähnlich großer Bevölkerung, wie z. B. Spanien (46,8 Mio.) oder Italien (60,5 Mio.), haben vielfach höhere Infektions- und Opferzahlen zu beklagen. Südkorea hat ein gemäßigtes, kontinentales Übergangsklima mit starken jahreszeitlichen Schwankungen. Die saisonalen Temperaturverläufe sind ähnlich wie in Deutschland. Abgesehen vom Sommermonsun und tropischen Wirbelstürmen ist das Wetter vergleichbar. Aktuell herrschen in der Hauptstadt Seoul mit tagsüber ca. 10 Grad Celsius Temperaturen wie in Berlin oder dem aktuell stark betroffenen US-Bundesstaat New York. Die Luftfeuchtigkeit ist mit 34 Prozent nahezu identisch mit der in Berlin.

Von der wirtschaftlichen Struktur her ist Südkorea ebenfalls am ehesten vergleichbar mit Deutschland, das mit ca. 82,8 Millionen Einwohnern aktuell aber gut fünf Mal mehr Infizierte aufweist. Doch anders als in Deutschland wird in Südkorea die Bevölkerung permanent und flächendeckend überwacht und auf SARS-CoV-2 getestet. In Deutschland werden hingegen bis jetzt nur Menschen getestet, die dies von sich aus selbst veranlassen oder Menschen mit klaren Symptomen und gefährdete Personen aus deren Umfeld. Auch die Zahl der Todesopfer liegt mit aktuell 139 in Südkorea unter der Sterblichkeitsrate in anderen betroffenen Staaten. In Deutschland sind aktuell 281 Tote zu beklagen, in Italien und Spanien um ein Vielfaches mehr. In Italien ist die Sterblichkeitsrate mit über 10 Prozent sogar zehn Mal höher als in Südkorea mit ca. 1 Prozent (sogar Boris Johnson ist jetzt positiv getestet worden).

Wirksame Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus

Vom Bekanntwerden der ersten Fälle am 19. Februar bis zum Scheitelpunkt der Epidemie am 3. März mit 851 neuen Fällen sind in Südkorea nur sieben Wochen vergangen. Aktuell hat sich die Zahl der Neuinfizierten auf 100 pro Tag eingependelt. Dazu führt das Land täglich ca. 15.000 Tests auf das Coronavirus durch. Aktuell kommt Deutschland nicht einmal auf einen Bruchteil dieser Anzahl. Das liegt neben der Verfügbarkeit an Test-Kits auch an den vorhandenen Laborkapazitäten. Hoffnung auf Besserung macht aber ein von Bosch neuentwickelter Schnelltest für das Coronavirus.

Die Devise in Südkorea lautet: „Testen, testen, testen“. Das Land hat aus dem Ausbruch von MERS im Jahr 2015 gelernt und sein Gesundheitskontrollsystem neu organisiert. Südkorea verfügt über eine hoch entwickelte Biotech-Industrie, die schnell und in ausreichender Menge Test-Kits für das Coronavirus produziert. Darüber hinaus hat das Land eine gut ausgebaute medizinische Infrastruktur mit ausreichend großen Kapazitäten auch für Krisenfälle.

Das Tragen von Gesichtsmasken ist wie in anderen asiatischen Ländern in Zeiten von Epidemien und selbst im normalen Alltag fast selbstverständlich. Nicht nur in großen Metropolen wie Seoul, Busan oder Gwangju gehören die Mund- und Nasen-Masken zum Stadtbild. Wer keine Maske trägt, wird in Zeiten einer Epidemie schief angeschaut oder sogar direkt darauf angesprochen. Die Masken hemmen die Verbreitung von Viren und entlasten somit das Gesundheitssystem. Dies wiederum hilft, die Sterblichkeitsraten zu verringern. Die Versorgung mit Masken verschiedener Sicherheitsgrade und Zertifizierungen ist in Südkorea, anders als hierzulande, in ausreichenden Mengen sichergestellt.

Die Schattenseite des erfolgreichen Krisenmanagements in Südkorea

Allerdings verbirgt sich hinter dem erfolgreichen Krisenmanagement in Sachen Coronavirus in Südkorea auch eine dunkle Seite: der massive Einsatz von Überwachungstechnologie. Es werden Bankdaten geprüft, Mobiltelefone angezapft und in den Großstädten nahezu flächendeckend Überwachungs- und Wärmebildkameras eingesetzt. So werden potenzielle „Risikopersonen“ identifiziert und sofort unter Androhung von strafrechtlichen Sanktionen zum Test „gebeten“.

Da COVID-19 bei den meisten Menschen einen leichten Krankheitsverlauf nimmt, kontaktiert nur ein kleiner Teil der Infizierten die Gesundheitsbehörden von sich aus, um einen Test auf das Coronavirus durchführen zu lassen. Viele Patienten mit leichten Symptomen, insbesondere jüngere, bemerken nicht, dass sie erkrankt sind und andere infizieren. Hier kommt in Südkorea die Smart-City-Infrastruktur zum Einsatz. Ziel dieser Technologie ist es, herauszufinden, wo Infizierte sich aufhielten und mit wem sie Kontakt hatten.

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1 Kommentar

  1. „In südkoreanischen Städten werden Millionen dieser Überwachungskameras mit Gesichtserkennungs- und Wärmebildfunktionen eingesetzt – schätzungsweise fünf Kameras pro Einwohner. Ob ein solches Vorgehen mit der Mentalität in liberalen westlichen Staaten vereinbar ist? Angst macht bekanntlich gefügig.“

    Was die „Gefügigkeit der Angst“ angeht, so heißt es, dass sich die Leute überraschend schnell an technische Systeme gewöhnen und sie im Hintergrund einordnen. Eine Technokratie in der ein paar Funktionäre Platzverweise und Hausarrest verordnen können und die man gegen die gefühlte Sicherheit tauscht vor Taschendieben und Corona-Viren geschützt zu sein ist letztlich banal.

    Die Einwände sind dennoch nicht ganz von der Hand zu weisen. Einem Land, in dem Mehl und Klopapier gehortet wird, dass selbst in Hamsterkäufen noch Askese beweist, ist alles zuzutrauen. Früher wollte es die Welt erobern oder zumindest den Osten entvölkern, um für sich Lebensraum zu schaffen, jetzt würden es am liebsten durch maximale Völkervermischung und Aufgehen in Europa aus der Welt scheiden und die Erinnerung an sich tilgen – die Schande, die seine eigene Fortexistenz für es selbst ist, während sich alle anderen schon daran gewöhnt haben.

    Die Deutschen sind halt mystisch-totalitär und sie haben ein seltenes Talent entwickelt aus ihrer Verklemmtheit Wollust zu schöpfen. Die asiatische Haltung kann man charakterisieren als eine der „Gesichtswahrung“ und das hat gerade nichts konfessionelles. Die Oberfläche ist wichtig. Umgekehrt liegt uns die Selbstentblößung und im Gegenzug das Stasi-mäßige, die Neugierde auf das Leben der Anderen, denen man unter der Maske des Bekenntnisses zum einzig richtigen Standpunkt ( dem Klassenstandpunkt, dem Konsens der Wissenschaftler, … ) bürgerlich-reaktionäres Gedankengut zutraut. Im Gegenzug führt die Angst, von den Klerikern des Falschdenkens, Falschmeinens und Falschfühlens überführt und in die Grube geworfen zu werden, zum Misstrauen gegen Kommunikationstechnologien, wie zur Anrufung der „liberalen Gesellschaft“, so als wäre das Wort „liberal“ ein mächtiger Talisman, der vor der natürlichen Neigung zum Totalitarismus schützt. Na ja, vielleicht tut er das ja wirklich …?

    Im Grunde ist das alles tragisch und unausweichlich. Man muss es nur nicht generalisieren und allen anderen die eigene Psychopathologie überstülpen.

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