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Inflation massiv im Anmarsch? Konkrete Gegenargumente

Redaktion

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Erst Deflation, dann Inflation? Was passiert mit unserem Geld?

Es geht um das Thema Inflation! Abseits vom menschlichen Leid beim Coronavirus ist aus finanzieller Sicht derzeit am Interessantesten, ob die Aktienmärkte einen erneuten starken Absturz erleben werden. Aber direkt danach steht bei immer mehr Menschen gerade in Deutschland die Frage im Raum, ob demnächst die Inflation anfangen wird zu grassieren. Denn wir alle haben es vernommen. Ob EZB, Fed, Bank of England, Schweizerische Nationalbank uvm. Alle machen das selbe. Die Fluttore sind voll geöffnet, es wird Geld gedruckt bis zum Geht nicht mehr. Das muss doch zwangsläufig zur Inflation führen?

Inflation im Anmarsch? Die Pro-Argumente

Hannes Zipfel hatte Anfang der Woche beschrieben, dass die Inflation sehr schnell kommen könnte (hier nachzulesen). Auch Dirk Müller spricht derzeit von einem anstehenden Inflationsschock. Und wer die letzten Monate die Szenarien von Markus Krall verfolgt hat, der kann eigentlich nur sagen: Bisher läuft es genau so ab wie von ihm beschrieben. Also wird es nun bald auch zu einer extrem starken Inflation kommen? (hier das aktuelle Gespräch von Markus Krall mit Marc Friedrich). Es ist klar. Die Notenbanken drucken Geld, immer mehr Geld. Geld ohne Ende. Alles wird geflutet, damit die Volkswirtschaften das Coronavirus durchhalten können. Dadurch und durch die Neuverschuldungen der Staaten sollte nach allem menschlichen Ermessen die tatsächliche reale Geldmenge ansteigen. Und wie gesagt, viele als Crash-Propheten abwertend betitelte Kritiker sehen deshalb die Inflation oder sogar die Hyperinflation im Anflug. Eine drastisch ausgeweitete Geldmenge treffe nämlich auf ein derzeit schrumpfendes Warenangebot. Dadurch sei die Inflation zwangsläufig, um es so einfach zusammenzufassen. Wie die folgende Grafik zeigt, ist die Geldmenge der Fed ja schon stark am Ansteigen.

Doch zu viel Deflation derzeit, was die Inflation ausbremst?

Zwar betonen zahlreiche Beobachter wie zum Beispiel Markus Krall, dass es jetzt erst einmal eine Deflation gebe, die danach in eine Hyperinflation umschwenken werde. Aber wird die aktuelle Deflationsphase deutlicher ausgeprägter sein als gedacht, und auch länger anhalten? Wird dadurch die anschließende Phase der Inflation verzögert, abgemildert, oder entfällt sie sogar? Da wäre zum Beispiel das derzeit eingeschränkte Warenangebot, dass von einigen Kommentatoren angesprochen wird. Es sei neben der höheren Geldmenge halt der entscheidende Trigger um in Kürze die Inflation in Gang zu setzen. Aber ist das wirklich so?

Die Regale der Lebensmittelgeschäfte sind voll. Aber es werden derzeit zum Beispiel keine neuen Autos produziert, was für ein sinkendes Warenangebot spricht. Dennoch kann man auch der Meinung sein, dass bis vor wenigen Tagen die Autohersteller noch fleißig weiter produziert haben – obwohl die Autonachfrage schon seit Wochen eingebrochen sein sollte. Dadurch sind die Halden der Hersteller jetzt vermutlich gut gefüllt. Werden die durch das Coronavirus verursachten Beschränkungen hierzulande in einigen Wochen aufgehoben, was wird dann passieren? Es könnte sein, dass die Autohersteller dann versuchen werden ihre Halden abzubauen, und Autos mit starken Rabatten anbieten. Dies würde deflationär wirken.

Online-Rabattschlacht hat begonnen

Ein Indiz, dass dies passieren könnte, erlebt man aktuell im Einzelhandel für Bekleidung, Schuhe etc. Die Läden sind geschlossen. Die großen Ladenketten und auch die großen Online-Händler übertrumpfen sich derzeit Tag für Tag im Netz mit immer größeren Rabatten für Konsumenten, die nun zuhause hocken und online shoppen. Der Rabatt kann derzeit nicht groß genug sein. Es riecht nach Deflation, und nicht nach Inflation! Man nehme Zalando, Deichmann, Otto, DefShop, Adidas uvm. 20 Prozent auf alles, so lautet derzeit oft der Slogan. H&M bietet derzeit im „Mid-Season Sale“ online 70 Prozent Rabatt. Es ist simpel. Die Einzelhändler sitzen auf vollen Lagern, und machen nun den großen Online-Abverkauf. Wer nicht mit massiven Preisnachlässen am Start ist, wird seine Ware nicht los?

Das Szenario lautet: Die Menschen kaufen jetzt online zu stark reduzierten Preisen, und kaufen dann in den nächsten Monaten deutlich weniger zu dann wieder normalen Preisen – weil sie ja jetzt online viel und günstig geshoppt haben. Und sollten die Deutschen derzeit nicht geneigt sein zu hohen Rabatten online einzukaufen, dann bleiben die Lager der Ladenketten weiter voll – und die Rabattschlacht im stationären Einzelhandel wird im Mai oder Juni um so größer, wenn die Geschäfte wieder öffnen dürfen. Kommt es so? Das sollte dann wohl eher deflationär wirken! Auch erwähnt zum Beispiel Markus Krall dieser Tage, dass sich die Preise für Nudeln in Supermärkten schon verdreifacht hätten, was ein Auftaktsignal für die Inflation sei. An einer flächendeckenden Verdreifachung der Nudelpreise sind (so möchten wir es neutral formulieren) Zweifel angebracht.

Öl und Strom wirken deflationär

Außerdem möchten wir an unseren Artikel vom Montag erinnern. Wir hatten dort bereits auf die zuletzt brutal gefallenden Preise für Öl und Strom hingewiesen. Diese Faktoren sollten erst einmal stark deflationär wirken. Die Frage lautet: Wie stark und wie lange wirkt diese Situation bei Bekleidungsartikeln, Benzin und Strom deflationär, und wann und wie stark folgt darauf die Inflation, verursacht durch die höhere Geldmenge? Wichtig: Wir wollen hier und heute nicht bewerten, ob die Inflation nun anrollt, oder ob sie ausbleibt. Wir möchten lediglich anmerken: Es könnte weniger schlimm kommen als erwartet, weil die aktuell vorhandene Deflation in den besprochenen Bereichen erstmal stark dämpfend auf die Preisentwicklung für die Endverbraucher wirkt.

Auch der Tagesspiegel hat sich vor Kurzem mit dem Thema befasst, ob nun durch das Gelddrucken der EZB die Inflation in Euroland anstehe. Zu Wort kam dort auch der Chefanlagestratege der Commerzbank. Er ist der Meinung, dass derzeit kaum ein Unternehmen seine Preise erhöhen werde. Schließlich kauften Verbraucher allein schon aufgrund der geschlossenen Geschäfte derzeit sehr viel weniger. Wer seine Waren jetzt loswerden wolle, der werde sie eher günstiger anbieten. Auch dämpfe der zuletzt stark gefallene Ölpreis die Inflation. Denn dadurch werde Tanken und Heizen günstiger. Sollte der Ölpreis unter 30 Dollar pro Barrel bleiben, könne die Inflation im Mai sogar auf null Prozent zurückgehen.

43 Kommentare

43 Comments

  1. Avatar

    Brett

    27. März 2020 17:21 at 17:21

    Haha wenn in Zentraleuropa 4/5 des Benzin & Heizölpreises Steuern sind hat der Rohstoff halt wenig Einfluss oder ist an irgeneiner Tankstelle in Europa der Preis um 80% gefallen? Hinzu kommt das noch neue CO2 Stwuern anstehen, die Verpacken wir dann schön im Preisrückgang…träum mal schön weiter das Gas oder Strom (der übrigens mangels Produktion aktuell auch viel günstiger wäre) beim Endkonsumenten ankommen, da sind noch genügend ideem Vorhanden GENAU das zu verhindern. Bimmiger wird das was sich aktuell nciht verkaufen lässt ja, wie halz Kleidet wo die Geschäfte zu sind bei Lebensmittel oder zB bei Desinfiektionsmittel sieht die Sache dann schon ganz anders aus….aber der Inföationswarenkorb kann ja dann so angepasst werden das alles wieder so Passt wie gewünscht

    • Avatar

      Lausi

      27. März 2020 19:20 at 19:20

      Bimmiger? Kleiner Tipp: Vor dem Abschicken noch mal durchlesen und ggf. die Rechtschreibfehler korrigieren.

      • Avatar

        BrettonWood

        28. März 2020 20:29 at 20:29

        Zu mühsam am Telefon Sorry

        • Avatar

          Stina

          21. April 2020 22:15 at 22:15

          Klingt ziemlich egoistisch gegenüber vielen Lesern. Haben Sie keinen PC, kein Pad, keine Tastatur? Oder einfach keine Zeit, keine Lust, verschwenden Sie keine Gedanken an andere?

  2. Avatar

    Kandoo

    27. März 2020 17:43 at 17:43

    Also zum Thema Inflation… sagen wir ich drucke 2,5 Billionen Dollar…das Geld trifft auf keine Waren…Ihr sagt Deflation….ich sage INFLATION……

  3. Avatar

    Marko

    27. März 2020 17:53 at 17:53

    „Das Szenario lautet: Die Menschen kaufen jetzt online zu stark reduzierten Preisen, und kaufen dann in den nächsten Monaten deutlich weniger zu dann wieder normalen Preisen – weil sie ja jetzt online viel und günstig geshoppt haben. “

    Das ist leider nicht richtig, die Welt ist nicht „online“, fragen wir mal einen 60 jährigen, wie man bei ebay, amazon usw einkauft ?!

    Fragen beendet ! Punkt !
    Und zweitens, man muss ein Nerd sein, um dringendst benötige Hygiene-Sachen zu erhalten, solche „Nerds“ gibt es, aber unter der „normalen Bevölkerung“? – Das glaubt Ihr, meine lieben Bären ???
    Die „Normalos“ haben erst Recht keine Chance. Welche Drogen nehmt ihr sonst so ? ;)

    Nur mal so… ? :D ;) ?

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      susiklatt

      27. März 2020 18:23 at 18:23

      in welcher Welt lebst Du, dass Du glaubst, dass ein 60jähriger nicht online shoppen geht?
      vor 30 Jahren, hat dieser wahrscheinlich im Job schon einen PC vor der Nase stehen gehabt und besser damit umgehen können als sein Boss

      • Avatar

        sabine

        28. März 2020 12:42 at 12:42

        Bin fast 60, sitz den ganzen Tag vor dem PC.

      • Avatar

        R. Franzke

        29. März 2020 14:56 at 14:56

        Hallo Susikatt,
        ich lebe in der Welt BRD/MV. Hier leben nach 30 Jahren DDR Beitritt zur BRD noch ca. 1,6 Mio Einwohner. Die Breitbandversorgung ab 50 MB/s beträgt ca. 30%, d.h. ca. 1,1 Millionen Einwohner
        haben von 0 (null) bis 6 MB/s ein Internetanschluss, im Alter von 6 bis 90 Jahre vor der Nase. Noch Fragen?
        Usedom

        • Avatar

          Michael

          1. April 2020 20:54 at 20:54

          Reicht nicht zum Streamen, zum Shoppen allemal…

      • Avatar

        Hans Glück

        1. April 2020 14:54 at 14:54

        Bin 70! Habe gestern Schuhe im Internet gekauft.

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    Macwoiferl

    27. März 2020 18:00 at 18:00

    Interessante Geschichte!!
    Ja, die Notenbanken drucken.
    Aber das Geld kommt ja nicht bei MENSCHEN an.
    Es arbeitet an der BÖRSE in den Händen weniger Spekulanten.
    Die horten es.
    Wie bereits seit 1994.
    Die Allgemeinheit ist auf Kurzarbeit gesetzt und wird eher ärmer.

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    susiklatt

    27. März 2020 18:13 at 18:13

    frisches Obst und Gemüse sind sehr teuer geworden,
    wenn die ERntehelfer fehlen, steigen die Preise noch weiter

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      Macwoiferl

      27. März 2020 18:49 at 18:49

      Wer kauft es dann zu hohen Preisen?
      Bei uns auf dem Land bauen alle selbst an…
      Hier sind Klopapier und Nudeln weg.
      Obst und Gemüse in rauen Mengen vorhanden!

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    Lausi

    27. März 2020 19:14 at 19:14

    Meine Vermutung: Die deflationäre Phase ist noch lange nicht zu Ende – aus den Gründen, die Herr Fugmann lang und breit in seinen Videos dargestellt hat. Anschließend kommt dann die Inflation, aber nicht aus den klassischen Gründen (Erhöhung der Umlaufgeschwindigkeit), sondern aufgrund einer Erschütterung des Fundaments, d.h. durch das schwindende Vertrauen in die Währung.

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      TraderBS

      28. März 2020 00:26 at 00:26

      Du meinst die Leute hauen das gesetzliche Zahlungsmittel raus, weil Sie das Vertrauen verlieren und dann erst gibt es Inflation? Grundsätzlich passiert das ja erst, wenn schon ein gewisses Level an Inflation erreicht ist. Bei Deflation passiert da herzlich wenig, denn das ist eine Einladung zum Weitersparen.

      • Avatar

        Lausi

        28. März 2020 11:11 at 11:11

        Du sprichst etwas Richtiges an: Was wird der Game-changer sein, der die Deflation in eine Inflation umschlagen läßt? Was wird bei den Massen den Vertrauensverlust (in die Währung) auslösen?

        Eines muss man bei dieser Corona-Krise auch sehen: Es wird relative Gewinner und relative Verlierer geben. Die Selbstständigen und Kleinunternehmen werden wohl die Arschkarte ziehen, da ihnen die Aufträge wegbrechen und die Pleite droht. Aber Angestellte bei Großunternehmen werden weiterhin ihr Gehalt beziehen – Beamte erst recht, und andere relative Gewinner sind auch vorstellbar. Mit anderen Worten heißt das: Sollte in ein paar Monaten die Pandemie-Welle abebben, dann düfte immer noch eine relativ große Anzahl an kaufkräftiger Kundschaft vorhanden sein. Und dieses trifft dann auf ein relativ knappes Angebot, da die Produktion hochfahren sicherlich seine Zeit benötigt. Und dadurch könnte genau das Level an Inflation erreicht werden, wie du sagst, das eine weitere Inflationsspirale triggert.

        Das wäre so eine Variante, die ich mir vorstellen könnte. Vieles wird wohl davon abhängen wie lange das Corona-Virus noch wüten wird. Sollte sich das über ein halbes Jahr hinziehen, oder noch länger, dann dürfte eventuell sogar eine inflationäre Entwicklung dadurch erstickt werden, und alles einfach zusammenbrechen.

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    leftutti

    27. März 2020 19:15 at 19:15

    Die zuletzt „brutal“ gefallenen Preise für Strom werden sich kaum negativ auswirken, weil alle Haushalte inflationär im November/Dezember 2019 motiviert wurden, neue und schweineteuere Tarife beim besten Anbieter für mindestens 1 Jahr festzunageln. Wobei ich mich nach wie vor seit Jahren frage, warum fallenden Strom- und Ölpreise so schlimm für unsere Realwirtschaft sein sollen? Verbraucher profitieren, Hersteller profitieren, mehr Geld für Konsum, weniger Ausgaben bei der Produktion.

    Aber da bin ich ein zu kleines Licht. Deshalb wollen wir an dieser Stelle auch nicht über künstlich „brutal“ gestiegene Öko-Strompreise der letzten 10 oder 20 Jahre sprechen, deren Anstieg prinzipiell durch nichts, außer Zukunfts-Einpreisung und Abzocke begründet liegt.

    Krall, der voll Knaller, hat die derzeitige Deflation bisher korrekt beschrieben. WOW!!!
    Alles wir billiger, jeder merkt es beim täglichen Einkauf.
    Woran hat er die „brutale“ Deflation gemessen? An vollen Supermarktregalen in seinem Lieblings-Supermarkt? An sinnlosen Halden flugunfähiger Flugzeuge und sinnloser 20-Liter-SUVs? Welche Zahlen legt Mühlhiasl 4.0 zugrunde?

    Ohne Krall kein Knall 🙈 😂

    • Avatar

      Petra

      28. März 2020 12:44 at 12:44

      Wo bleibt Lausi mit seinem Tipp (Durchlesen bevor wegschicken)?

    • Avatar

      Columbo

      21. April 2020 19:19 at 19:19

      @Leftutti

      Wenn ich beim Drachen angestellt bin, der einen großen Goldschatz bewacht und noch dazu von einer Revolution(welcher Art auch immer) träumeo, darf ich doch keine Deflation voraussagen😇.

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    Axel

    27. März 2020 19:34 at 19:34

    Berechtigte Kritik! So brilliant Dr. Kralls Analyse auch ist, verbietet sich blinde Obrigkeitshöhrigkeit!

    Die Mrd. (Bill),die abgerufen werden, bleiben ja nicht bei den Unternehmern/Arbeitern, sondern gehen für unmittelbare Kosten wie Miete und Lebensmittel drauf, so daß sich keine Geldmengen beim Konsumenten für eine entfesselte Kaufparty anstauen. Im Gegenteil: Viele Menschen werden äußerste Zurückhaltung üben, da sie nicht wissen, wie es finanziell weitergehen soll.
    Auch dürfte der Preis für Nudeln nach der Krise nicht 3,79 Euro und auch nicht 0,39 Euro sein, sondern eher bei 0,10 Euro, da alle von dem Hartweizenexzess den Schlund gestrichen voll haben und nun auf andere Produkte umsteigen.

    Auch gibt es keine Angebotsknappheit, welche die Preise in die Höhe schnellen läßt, sondern volle Lager, die zu Dumpingpreisen verschleudert werden.

    Allerdings wird die Geldflut ja irgendwo landen und muß angelegt werden. Welche Preisblasen dann entstehen, werden wir sehen.

    Mein bevorzugtes Scenario ist allerdings eine Reichen- und Vermögenssteuer, welche das erschaffene Geld nach überstandener Krise wieder dem Kreislauf entzieht und die Staatsschulden entlastet…

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      TraderBS

      28. März 2020 00:31 at 00:31

      Korrekt!

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    TraderBS

    28. März 2020 00:22 at 00:22

    Ja.

    Außerdem setzt Inflation voraus, dass die breite Masse des westlichen Kapitalimsus den drohenden Lohnausfall bei Arbeitslosigkeit überbrücken kann. Da allerdings die Ungleichverteilung gerade dort in vielen Ländern mittlerweile so groß geworden ist, hat die Mehrheit bereits nach nur 2-3 Monaten schon Versorgungsschwierigkeiten.

    Die Nachfrage und damit die Kern-Inflation steigt so nicht automatisch in den Himmel.

  10. Avatar

    mertahens

    28. März 2020 08:12 at 08:12

    In dem Bericht wir komplett die anrollende Arbeitslosigkeit ausgeblendet. Diese wird zu Mietausfällen führen, Vermieter finden keine Ersatzmieter mehr zum selben Preis, müssen die Mieten also senken. Demzufolge können Hypotheken von Vermietern an Banken nicht mehr schnell genug oder gar nicht mehr abgetragen werden, es wird viele Zwangsliquidierungen geben. Wer zu diesemZeitpunkt genug Cash ha, wird wieder günstig einkaufen können auf dem Immobilienmarkt. Kurz: dass die Immobilienblase platzt ist logisch und ergibt sich zwangsläufig aus dergerade entstehenden Massenarbeitslosigkeit.

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    Benedikt Müller

    21. April 2020 17:47 at 17:47

    Hallo ihr Lieben,

    ich finde es furchtbar wie jetzt das Inflations-Gespenst herausgeholt wird und damit grundsätzlich mal alle Menschen in diesem Land verunsichert werden! Das Herr Dr. Krall vielmehr eine politische Agenda verfolgt sollte spätestens jetzt jedem klar sein. Dieser Mann ist weit davon entfernt auch nur irgendwie neutral zu sein. Außerdem ist es so peinlich die jetzige Situation mit Zeiten aus dem 20. Jahrhundert – ihr erinnert euch, zwei Weltkriege + ausgebombte Industrie / Städte / Felder / usw. – zu vergleichen. Damals hatte Deutschland ein viel höheres Defizit, höhere Schulden, Drohungen seitens Frankreich bzgl. Anektionen … Ich mein, dass unter solchen Voraussetzungen ein Staat nach Vermögensabgaben etc. auch mal Pleite gehen kann sollte uns alle nicht wundern.

    Dauernd hört man, die Zinsen sind viel zu niedrig, oohh Notenbanksozialismus, ohh wir werden alle schleichend enteignet und wenn die Hyperinflation erst einmal kommt, dann werden wir alle direkt enteignet per Vermögensabgabe, mit dem Beisatz: „das war damals so“. … Und sowieso die Demokratie ist ja am Ende. Irgendwie werde ich den Gedanken nicht los, so manch einer wünscht sich den „starken Mann“ nach Deutschland zurück. Dabei haben doch gerade WIR keine guten Erfahrungen damit gemacht, egal!

    Sorry, aber man kann die jetzige Situation mal so gar nicht mit der des letzten Jahrhunderts vergleichen. Man triggert damit nur tiefsitzende Ängste der deutschen Bevölkerung, und meiner Meinung nach muss dahinter ein Politischer Gedanke stehen. -> Es gibt auch gewisse ökonomische Strömungen die dem ganzen Zustimmen aber naja, … dazu sage ich jetzt mal lieber nichts. Und joah was wäre denn die Alternative, erklärt mir das bitte einmal … Irgendwie wird immer ein Schuldiger gesucht. In der letzten Krise haben die Notenbanken zu spät reagiert, in der jetzigen haben sie ihr ganzen Pulver zu früh verschossen – Oh man sind die blöd. (Vorsicht, das war Ironie). Was die Notenbanken und die Fiskalpolitik heute machen ist sinnvoll und hat sich aus der Geschichte eben ergeben. Wir haben gelernt von früheren Krisen. Beispielsweise erhöhen wir jetzt nicht mehr die Zinsen wie 1929 während einer Wirtschaftskrise… Das würde nicht mal ein ultra-liberaler Fordern. Nein -> Leute die das behaupten wollen, dass das Friedensprojekt EU (Euro hängt gewissermaßen mit dran) scheitert. Wann lernen wir endlich aus unsrer europäischen Geschichte und finden kluge Lösungsansätze für unsere gemeinsame Zukunft? Kann mir das mal jemand erklären? Stattdessen verfallen wir in alte Denkmuster, wünschen uns den Nationalstaat, der uns ja so viel Frieden und prosperität gebracht hat, zurück und lassen Vollidioten an die Macht. (Vorsicht, da war Ironie dabei, ich hoffe ihr erkennt sie ;-) )

    Also, ihr merkt es vllt schon, ich gehöre eher zum Deflations-Camp :) Yuhuu, Deflation -> Nein, ist nicht schön!

    Fazit:
    Chillt euch alle mal. Die soziale Marktwirtschaft funktioniert… Ja, unsere Welt ist nicht perfekt. Lasst uns doch das beste daraus machen. Herr Dr. Krall grenzt einfach mal die Mehrheit der Menschen in unserem Land aus mit seiner Politisch-Wirtschaftlichen-Ideologie. Laut ihm sind es ja nur 16 mio Menschen die unser Land nach Vorne bringen. Das ist natürlich totaler Quatsch, denkt mal bitte länger über diesen Satz nach!

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      Kritisch on fire

      21. April 2020 18:08 at 18:08

      Sehr geschätzter Herr Müller!
      Ich muss schon sagen, sehr beeindruckend ihre Beschwichtigungen! Sind sie vielleicht Angestellter der EZB oder Abgeordneter zum EU-Parlament? Bin schon neugierig ihren Kommentar zu lesen wenn wir den Italexit erleben und sich der EURO, diese Fehlgeburt, in einem riesigen BIG-BANG in Luft auflöst. Vielleicht haben sie aber auch damit recht, dass nach 1000 Jahren div. Geldsystemen es diesmal funktioniert – ich habe da so meine (vielleicht berechtigten) Zweifel.
      Mal sehen und liebe Grüsse.
      P.S.: Dr. KRALL spricht von 18 Mio. Leistungsträgern die den ganzen Laden aufrecht erhalten, nur um der Wahrheit Gerechtigkeit zu verleihen!

      • Avatar

        Benedikt Müller

        21. April 2020 20:45 at 20:45

        Haha, nope!
        Arbeite für keine Regierung oder Notenbank. … und muss mich auch nicht hinter einem Pseudonym verstecken. ^^
        Das alles scheint ja nach Ihrer Auffassung ausgemachte Sache zu sein. Mein Glückwunsch zu der Erkenntnis, dass in der Vergangenheit Währungen gescheitert sind. Gelddrucken war dabei übrigens immer nur eine „Folge“ anderer Tatsachen wie beispielsweise eines Krieges. Man hat Geld gedruckt, weil die andere Alternative noch schlimmer gewesen wäre, also kein Geld drucken, aber egal. Des Weiteren hat es die letzten 1000 Jahre verschiedene Geldsysteme / Währungen / Politische Strömungen gegeben, die, wie wir ja hier differenzieren wollen, wir nicht alle über eine Kamm schweren können, und aus unterschiedlichen Gründen es diese heute nicht mehr gibt.

        Dann erklären Sie mir mal wieso wir im Euro-Raum eine niedrige Inflationsrate haben bei expansiver Geldpolitik… Selbst wenn wir die Asset-Price-Inflation mit rein rechnen, also Kaufpreise von Eigentumswohnungen … ist sie immer noch niedrig. Klar wäre sie dann etwas höher… aber noch nicht sooo hoch. Und dann erklären Sie mir mal bitte, wieso quasi alle Notenbanken, also auch die schweizerische, die schwedische, die amerikanische, etc. alle haben so niedrige Zinsen. … Selbst die, die nicht im Verdacht stehen Linke Politik oder bestimmte Interessen zu vertreten. Wieso machen die das?

        Ich denke die niedrigen Zinsen sind anhand von mehreren fundamentalen Faktoren wie beispielsweise der Demographie gerechtfertigt.

        16 oder 18… ich denke Sie wissen was ich meine! Dann bitte geht doch in Euer hochgelobtes „Besserverdiener-Land“, dann gibt es aber keine Putzfrau mehr für 10 € die Stunde, keinen Busfahrer, Keinen Kellner, keine Krankenschwester, niemand der euch pflegt im Alter … ich könnte die Liste ewig weiter führen. Und glaubt ihr wert besser dran! :)

        Auch ganz liebe Grüße

    • Avatar

      leftutti

      21. April 2020 23:18 at 23:18

      @Bendikt Müller, machen Sie sich keine allzu ernsten Gedanken über die Untergangspropheten und Reichsbürger. Deutschland sollte bereits vor vielen Jahren, nun jedoch ganz aktuell im März, dann im April, nach neuesten Erkenntnissen endgültig nun im Mai abgewickelt werden. Irgendwann wird es schon funktionieren, genau wie bei den 144.000 Wissenden an Gottes rechter Seite. Oder war es die linke Seite, weil rechts nur einer sitzen darf?

      Prof. All und Dr. Krotte und all die grottigen Leistungsträger haben doch irgendwo recht. Die maroden Firmen und Banken werden irgendwann Probleme bekommen. Welch weises Orakel da doch dahinter steckt. Die Briten, die Italiener, die Exiteers, oh weh, welch zerstörerisches Potenzial im Ggs. zu freien Staaten steckt in diesen Masochisten? Als leuchtendes Beispiel, möge uns ein langjähriges und stabiles Jobwunder von 22 Millionen dienen, derzeit und vorübergehend leicht irritiert innerhalb von 4 Wochen-Zahlen, die schnell überwunden werden müssen.

      Eigentlich auch keine osteuropäischen Erntehelfer mehr in Brexitannien, Arbeit für alle Einheimischen. Arbeit wäre genug, die plötzlich arbeitslosen Schlauschwätzer sind nicht für Feldarbeit geeignet. Make Bankers to Farmers, das mag noch etwas dauern. Naja, vielleicht nächstes Jahr. Bis dahin make puzzleheaded and woozy Blondies great again.

      P.S. Und immer an die 18 Millionen Leistungsträger denken, die jetzt in der Krise ihr obszönes Vermögen spenden, der Allgemeinheit helfen und vielleicht sogar ihre private Traum-Insel aufs Spiel setzen:
      https://www.n-tv.de/wirtschaft/Richard-Branson-verpfaendet-seine-Privatinsel-article21728599.html

      • Avatar

        Benedikt Müller

        23. April 2020 15:19 at 15:19

        Haha, Top! Harter Tobak!

  12. Avatar

    Columbo

    21. April 2020 21:45 at 21:45

    @Axel

    Davon bin ich auch überzeugt. Vermögensabgaben, bei unteren sechsstelligen Vermögen beginnend, damit man möglichst viele erwischt. Schuld hat niemand, früher war‘s der Feind, jetzt Corona. Das wird‘s dann gewesen sein.
    Und Helene Fischer wird weitersingen.

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    Kritisch on fire

    21. April 2020 22:12 at 22:12

    Schönen, Guten Abend, sehr geschätzter Herr Müller!
    Nun, es freut mich, dass sie zumindes bestätigen, dass expansives Gelddrucken in der Geschichte noch niemals erfolgreich war, wenngleich sie auch versuchen die Gründe für das Scheitern dieser Vorgänge anderwärts verorten – sei ihnen unbenommen!
    Die von ihnen angesprochene, niedrige Inflationsrate, und ich bin sicher dass sie das ganz genau wissen, ist wenig bis gar nicht aussagefähig, da sie auf Basis eines Wapenkorbes basiert der meinetwegen alles wiederspiegeln mag nur mit Sicherheit nicht die Wahrheit über tatsächliche Preissteigerungen im alltäglichen Leben. De facto sind wir in der westlichen Hemisphäre, vorallem aber im EURO-Raum doch am besten Weg der „Japanifizierung“. Jährlicher, effektiver Einkommensverlust mit am Ende stehender Verarmung der gesamten Gesellschaft.
    Nur weil weltweit alle Notenbanken den Weg der Niedrig.-oder Nullzinspolitik gehen heißt doch noch lange nicht, dass dieser Weg der Richtige ist. Meiner Auffassung und Überzeugung nach wird weltweit eine massive Wirtschaftskrise mit Massenarbeitslosigkeit und, hoffentlich nicht, auch mit bewaffneten Konflikten entstehen, da die Ami´s ihre Vorherrschaft bis zum Exzess verteidigen werden.
    Ihr letzter Absatz erschreckt mich ein wenig, da ich mit Sicherheit keiner derer bin die sich einer Oberen-Klasse zugehörig fühlen, der die von ihnen beschriebenen Ängeste hegt. Wovor ich aber gewisse Angst habe ist die Frage wohin sich unsere Gesellschaft nach dem Crash entwicklen wird. Nicht wegen mir selbst, da ich schon sehr, sehr lange auf der Welt bin, sondern wegen meiner Nachkommen.
    ABER, ich würde vorschlagen, wir warten die Zukunft der nächsten 12-24 Monate ab und machen dann einen kritischen Blick auf die Wirtschafts.-u. Gesellschaftsentwicklung um den Ausgang der beginnenden Verwerfungen zu beurteilen.
    Ich wünsche ihnen alles Gute für die Zukunft und,
    liebe Grüße!

  14. Avatar

    Benedikt Müller

    22. April 2020 11:48 at 11:48

    @Kritisch On Fire

    Sie legen mir Worte in den Mund, die ich nicht gesagt habe.

    Ich halte „Gelddrucken“ nicht für per se schlecht. Zum Beispiel ist es sehr gut, dass in den USA nun jeder einen Betrag zwischen 1.000 – 3.000 Dollar überwiesen bekommt. … Die Leute fangen sonst an zu plündern und schießen sich über den Haufen. Was denn auch machen wenn man Hunger hat aber kein Geld und man überall eine Waffe kaufen kann? -> Eine Gesellschaft sollte den Schwachen helfen.

    In dem Artikel oben geht es ja darum, ob uns eine Inflation oder eine Deflation in naher Zukunft ereilen wird. Ich schlage vor wir konzentrieren uns in der Diskussion auf diesen Punkt, da wir sonst nicht fertig werden. Sie reden hier einen kommenden Vertrauensverlust herbei, mit der Begründung auf das letzte Jahrhundert (Krall, Friedrich & Weik -> Vermögensabgaben, Währungscrash, etc.). Die Wirtschaftstheorien, welche diese Herrschaften vertreten stammen übrigens auch alle aus dieser Zeit, na Prost!
    Dahinter steckt meiner Meinung nach ein tiefsitzender Komplex der Deutschen, nämlich der Verlust ihres ach so romantisierten einstigen Großdeutschen-/ Kaiserreiches mit dem Anspruch auf einem Platz auf der großen Weltbühne. Und es tut mir Leid, aber man kann die beiden Situationen einfach nicht miteinander vergleichen, also Gestern und Heute! Nun aber wirklich zur Inflation :)
    Folgende Gleichung stimmt nicht:
    Inflation = steigende Geldmenge ; dies erzählen uns einige Liberale und zB die Österreichische Schule, aber es stimmt nicht.
    Damit Inflation entsteht muss die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes steigen, tut sie aber nicht, im Gegenteil sie nimmt eher ab! Wie so oft ist die Welt hier ein kleines bisschen komplexer, und die Herrschaften vor 100 Jahren waren eben nicht schlauer wie wir heute, und das ist auch gut so. :D

    Die EU ist eine Antwort auf die vielen Kriege der Vergangenheit auf unserem schönen Kontinent. Die Einführung der sozialen Marktwirtschaft war die Antwort auf die katastrophalen Zustände der Arbeiterklasse um 1900 (Manchester Kapitalismus, wo ja manche Liberale wieder hinwollen). … Woraus sich ja Sozialismus/ Kommunismus erst ergeben haben, quasi als Gegenbewegung. Ich nehme an das wollen Sie ja auch nicht. Ich meine jedenfalls, wir sind schlauer geworden und unsere Gesellschaftlichen Systeme wurden immer komplexer in der Hinsicht, dass neue Faktoren in die Kalkulation mit hinein fließen. Da ist doch die Soziale Marktwirtschaft mehr als nur ein guter Kompromiss :) UND JETZT kommt halt noch neben der sozialen die ökologische Komponente mit dazu, da muss man nicht Sozialismus rufen!

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      Benedikt Müller

      22. April 2020 18:20 at 18:20

      @ Kritisch On Fire
      …Aber ich nehme gerne Ihr Angebot an und lasse mich an meinen Aussagen in 12-24 Monaten messen. Hoffe ich habe einzelne Punkte jetzt nicht ausgelassen. Jdfs wünsche ich Ihnen und Ihren Nachkommen auch alles Gute.

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        Kritisch on fire

        22. April 2020 19:23 at 19:23

        Sehr geschätzter Herr Müller!
        Tut mir leid auf ihre Antwort nicht reagiert zu haben – war heute mit Gartenarbeit beschäftigt. Unser beider Standpunkte sind auch dermaßen unterschiedlich (hier ich der sich in Ordo-Liberalismus, irgendwo zwischen Hayek und Euken beheimatet fühlt und dort sie, der sich eher in der MMT zu Hause fühlt) , dass ich eigentlich keine Notwendigkeit dafür sehe die Standpunkte in weiteren Argumenten pro und contra hier in diesem Forum zu diskutieren. Mit ihrer Annahme meines Vorschlags bin ich sehr einverstanden und bin, warscheinlich wie sie auch, sehr neugierig auf die weitere Entwicklung.
        Liebe Grüsse aus dem Alpenland Österreich und somit keinerlei Komplex hinsichtlich vergangener, romantischer Weltmachtzeiten!

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          Benedikt Müller

          23. April 2020 10:18 at 10:18

          Ich verorte mich bei der Öko-Sozialen-Marktwirtschaft, nicht MMT. Wir werden sehen wie es weiter geht. Österreich war ja einst auch ein großes Kaiserreich mit gewissen Ambitionen und Sympathien zum deutschen Kaiserreich von daher schließt Sie das nicht gänzlich aus – also der Blick in die romantisierte Vergangenheit.

          Zum Inflationswarenkorb wollte ich auch noch etwas sagen. Ich hab das für mich selbst mal getestet, da je nach individuellen Konsumgewohnheiten ja ein anderes Ergebnis herauskommt. Bei mir persönlich kommt ein leicht erhöhter Wert heraus, da ich gewisse Dinge vermehrt konsumiere, welche sich schneller inflationieren, als der Bundesdurchschnitt. Aber es ist alles noch O.K. Übrigens wirkt sich die Globalisierung deflatorisch auf viele Waren, welche wir täglich konsumieren. Es wird einfach günstig im Ausland produziert. Der technische Fortschritt (Digitalisierung) wirkt sich auch deflatorisch auf die Preise. Überlegen Sie mal wie viel sie früher für Musik CD’s oder Schallplatten ausgegeben haben und heute können Sie für 10 € im Monat über Spotify nahezu jedes Lied auf der Welt streamen / hören, das Gleiche gilt für Netflix statt teuren DVD’s und VHS-Kasseten (Video), die sich zuhause stapeln – Nur um ein Beispiel mal genannt zu haben. Outsourcing, OnShore, Offshore, etc … all das drückt auf die Preise und wird seit Jahrzehnten praktiziert! Von daher muss man die offiziellen Inflationszahlen nicht zu 100 % glauben, aber dennoch denke ich sind sie ein guter Anhaltspunkt. Es kommt eben auch darauf an, was Sie individuell konsumieren… Fernreisen sind zB auch viel günstiger geworden. Heute kann sich fast jeder eine Flugreise leisten, was früher nur der Oberschicht vergönnt war. Übrigens sind die Kaufpreise und Mieten von Immobilien auch nur in den großen Städten deutlich angezogen (Deutschland), wo ja auch nur ich glaube 30% der Deutschen leben. … also die Debatte geht ein bisschen an der Mehrheit vorbei, aber egal!

          Am Ende ist jeder frei, dass zu glauben was er möchte. Aktuelle Forschungen gehen allerdings nicht mehr in die Ordoliberale Richtung. Die Zeiten haben sich wohl geändert. Was bleibt ist ein nostalgischer Gedanke, oder der Widerwillen neue Dinge anzunehmen, zu lernen und sich darauf einzulassen.

          Die Zinsen im EURO-Raum sind so niedrig, weil die EZB Währungspolitik für den ganzen Euroraum macht und nicht nur für Deutschland, und im Euro-Raum geht es vielen Ländern nicht so gut wie Österreich oder Deutschland. Das hat nichts mit einem dämonischen, gierigen Nationalstaat aus dem 20. Jahrhundert zu tun … was uns die Ordo-liberalen erzählen wollen. Aber, da haben Sie mitunter Recht, wir sind natürlich weit davon entfernt, das hier alles perfekt läuft. Die EU ist eben teilweise auch intransparent und undemokratisch (EU-Rat). Das sollte man vllt mal ändern :) Es gibt keine Alternative zur europäischen Integration, man muss halt nur richtig machen.

          Kurze Frage: angenommen Sie hätten zu Zeiten von Hayek und Eugen gelebt. Hätten Sie dann auch auf Wirtschaftstheorien vor 80 Jahren zurückgegriffen um die aktuelle Lage zu beschreiben und Lösungen zu finden? … aber das können wir dann ja in 12 – 24 Monaten nocheinmal aufgreifen ;-)

          • Avatar

            Kritisch on fire

            23. April 2020 11:23 at 11:23

            Also, nun doch nocheinmal vor Ablauf des Beobachtungszeitraumes, eine Antwort von mir zu ihre Frage im letzten Absatz:
            Warum um alles in der Welt wird dann seitens unserer Volksverräter, entschuldigung, VOLKSVERTRETER so nachdrücklich nach der Wirtschaftstheorie von Hr. John Maynard Keynes (ein Zeitgenosse von Hayek) gehandelt. Diese Theorie hat nachweislich noch niemals funktioniert und wird doch immer noch, sehr zu unser aller Leidwesen, verfolgt.
            Also, warten wir es ab bis die Banken gerettet werden müssen, tausende von unproduktiven Unternehmen Insolvenz anmelden müssen, die Arbeitslosigkeit durch die Decke geht und nach dem deflationären Schock die folgerichtige Inflation einsetzt. ABER, die ZB werden einfach all diese Probleme „wegdrucken“ – viel Vergnügen all jenen die das glauben!
            Als überzeugter Agnostiker glaube ich gar nichts sondern orientiere mich nach Fakten und die sind leider, leider wenig vielversprechend.
            LG aus A

  15. Avatar

    Benedikt Müller

    23. April 2020 15:18 at 15:18

    What..? Wo kam denn das her? :D O.K.

    https://www.sueddeutsche.de/kultur/sprache-volksverraeter-ein-unwort-im-woertlichen-sinne-1.3326922

    bisschen mehr mit Geschichte beschäftigen und dann gern wieder in den Diskurs einsteigen ;-)

    Sie scheinen ja wirklich so ein „Reichsbürger“ zu sein. Mit Ihnen zu diskutieren ist hoffnungslos.

  16. Avatar

    Kritisch on fire

    23. April 2020 16:03 at 16:03

    Sehr geehrter Herr Müller!
    Hab ich mir es doch gedacht, dass sie dieses „Stöckchen“ sofort aufnehmen werden um die „Rechte Keule“ zu schwingen. So wie es eben üblich ist unter den „Gutmenschen“. Ich darf sie beruhigen, bin weder Neonazi, noch sonst einer rechtsradikalen Gesinnung anhängig. Liberal-ja, National-nein! Wenn sie schon mit ihrem Geschichtswissen prahlen, bitte daran denken, dass der Begriff des Volksverrates ursprünglich aus dem 19 JH von Sozialisten geprägt wurde.
    Entschuldigen sie bitte die „Fallenstellung“ und wollen wir doch nicht annehmen, dass der Dikussionspartner seine Meinung mit der zur Gebote stehenden Höflichkeit formuliert, ohne den anderen zu desavouieren.
    LG aus A

  17. Avatar

    Benedikt Müller

    23. April 2020 17:45 at 17:45

    Sie haben den Begriff benutzt nicht ich. … Sie sagen Sie wären kein Nazi und kein Sozialist aber benutzen ihre Sprache? Sie sagen Sie sorgen sich um Ihre Nachkommen. Sind Sie vllt nur ein „besorgter Bürger“? ^^

    Sie hätten ja auch einfach sachlich die Frage zu Keynes stellen können, oder nicht? Es scheint mir eher so, dass Sie mich versuchen in eine Ecke zu stellen (und alle anderen Menschen die nicht Ihrer Auffassung zum Ordoliberalismus entsprechen… meiner Meinung nach denken Sie übrigens viel radikaler und Sie verstecken sich nur dahinter) nicht umgekehrt, da Sie es offensichtlich nötig haben sogenannte „Fallen“ in einer, naja, sagen wir relativ sachlichen Diskussion, auf zu Stellen. Sie sollten nicht von sich auf andere schließen… Sie wollen hier einfach nur geistige Brandstiftung betreiben und haben sich ganz offensichtlich selbst entlarvt. Ihr Chatname ist wohl wortwörtlich gemeint?

    Aber nur zu, dann füllen Sie doch bitte mal meine Bildungslücke und sagen mir wo, wann, und an welchen Beispielen der Keynesianismus versagt hat bzw unrecht hatte, mit fundierten Quellen versteht sich! Ich möchte dabei anmerken, dass ich von öko-sozialer-Marktwirtschaft sprach, welche zum Beispiel eine ökologische Komponente neben der sozialen beinhaltet, da wir eigtl. früher, aber spätestens seit den 70iger Jahren wissen, das natürliche Rohstoffe leider nur begrenzt zur Verfügung stehen – das haben Ihre beiden Kollegen mal eben ausgelassen. Darüber hinaus haben wir uns darauf verständigt den Fokus auf die Inflation zu legen, Sie erinnern sich? Ich verstehe Ihren Bezug zur Inflation nicht bzgl. des Keynesianismus. Wo ist denn die Inflation? Wo war sie denn die letzten Jahrzehnte? Was sie vorschlagen würde die Krise um die Sie sich „anscheinend“ so sorgen wahrscheinlich auslösen… daher haben Ihre Aussagen geradezu etwas Widersprüchliches.

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      Michael

      23. April 2020 18:44 at 18:44

      @Benedikt Müller, wenn ich Ihnen einen Tipp geben darf? Reiben Sie sich nicht auf in Diskussionen mit diesen rechtspopulistischen Pseudo“wissenschaftlern“. Am Ende erhalten Sie die altbekannten Textbausteine, Modewörter und den üblichen Müll aus den sozialen Medien, die schon seit Urzeiten verbreitet werden.

      Obwohl, darf man das Wort sozial überhaupt verwenden, ohne als Kommunist entlarvt zu sein? Ich revidiere vorsichtshalber auf frei-liberale alternativ-demokratische Quellen innerhalb dieses global-sozialistischen Sumpfes.

      Es endet immer in einer Endlosschleife, in der Sie gegen Treibsand und Windmühlen kämpfen.
      In Anlehnung an einen kürzlich veröffentlichten Kommentar: The Liars tweet tonight 🥴

  18. Avatar

    Kritisch on fire

    23. April 2020 20:21 at 20:21

    Ja, genau! Nieder mit den die Freiheit verteidigende. Was glauben die eigentlich, diese Liberalen und denkenden Mitmenschen? Wo uns doch die politische Klasse mit all ihren Werkzeugen vorgeben worüber und wie wir zu denken haben.
    Also, warten wir einfach mal ab, 12 – 24 Monate, wie gesagt!

    • Avatar

      Michael

      23. April 2020 21:22 at 21:22

      @Krittler on Fire, Nieder mit den die Freiheit verteidigende. Was glauben diese denkenden Mitmenschen eigentlich? Können sie noch nicht einmal schreiben, lassen wir sie 12- 24 Monate warten und nochmal in die Grundschule gehen, wie gesagt 🙈

  19. Avatar

    Benedikt Müller

    24. April 2020 09:45 at 09:45

    Liberalismus = Ideologie = kein Denken, sondern Glauben -> als selbsternannter Agnostiker geradezu humoristisch!

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Gastronomie-Krise: Harte Fakten, weniger Insolvenzen, großes Problem

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Umgedrehtes Glas

Es ist kein Geheimnis. Die Gastronomie ist zusammen mit anderen Branchen wie Reisebüros, Airlines, Solo-Selbständigen uvm von der Coronakrise brutal getroffen worden, frontal und mit voller Wucht. Für den Zeitraum März bis August hat das Statistische Bundesamt heute harte Fakten für die Gastronomie geliefert. Der Umsatz der Branche lag im Vergleich zu März bis August 2019 um 40,5 Prozent tiefer. Man überlege sich das Mal. 40 Prozent weniger Umsatz in so einem großen Vergleichszeitraum. Das kann doch eigentlich kein Unternehmer überleben.

Hinzu kommt, was inzwischen auch kein Geheimnis mehr ist, dass die Insolvenzen in Deutschland in den letzten Monaten deutlich geringer ausfielen als im Vorjahr. Dies lag einerseits an Finanzhilfen des Staates und am Kurzarbeitergeld. Aber vor allem lag es an der großen staatlich genehmigten Insolvenzverschleppung. Bis vor Kurzem war die Insolvenzantragspflicht nämlich seit März ausgesetzt. Nun aber dürften ab Oktober und ab Januar die Insolvenzzahlen vermutlich deutlich ansteigen. Zitat von den Statistikern:

Von März bis Juli 2020 meldeten in dieser Branche 753 Unternehmen Insolvenz an – das waren 126 weniger als im Vorjahreszeitraum und 135 weniger als von März bis Juli 2018. Ein Grund dafür ist, dass die Insolvenzantragspflicht für Unternehmen zum 1. März 2020 ausgesetzt wurde, was über alle Wirtschaftszweige hinweg zu einem Rückgang der Insolvenzen führte. Im Juli 2020 beantragten bundesweit 146 Gastronomie-Unternehmen Insolvenz, das waren 16,1 % weniger als im Juli 2019. Dieser Rückgang entspricht der Gesamtentwicklung: Insgesamt wurden im Juli 2020 in Deutschland 16,7 % weniger Insolvenzen angemeldet als im Vorjahresmonat.

Grafik zeigt Umsätze in der Gastronomie in der Coronakrise

Unsere Meinung dazu: Die Charts zeigen eine spürbare Erholung in der Gastronomie. Der größte Teil des Tals ist für einige Bereiche der Branche demnach durchschritten. Selbst wenn man annehmen würde, dass von nun an die Umsätze in der Gastronomie wieder laufen wie früher, ist für die breite Öffentlichkeit unsichtbar ein Riesenproblem für die Branche entstanden. Oft wurden Bankkredite und Ladenmieten gestundet. Sie müssen nun zusätzlich zu den wieder aufgenommenen monatlichen Zahlungen nachgezahlt werden. Und im Zuge der Krise haben viele Unternehmer Kredite in aufgenommen. Das bedeutet: Selbst wenn die Umsätze wieder laufen sollten, wäre die monatliche Kostenbelastung für viele Betriebe deutlich höher als vor der Krise, und für viele Unternehmer ist das wohl dauerhaft nicht tragbar. Eine auf mehrere Quartale ausgedehnte Pleitewelle könnte folgen, und das nicht nur in der Gastronomie.

Weitere Details zu Umsatzrückgängen in der Gastronomie von den Statistikern im Wortlaut:

Innerhalb der Gastronomie besonders stark betroffen waren all jene Lokale, die ihr Geld mit dem Ausschank von Getränken verdienen: In dieser Sparte fiel der Umsatz von März bis August 2020 um 45,5 % geringer aus als im Vorjahreszeitraum. Dagegen konnten Restaurants, Gaststätten und Imbisslokale offenbar mit Lieferdiensten und Ab-Haus-Verkäufen einen Teil des Gästeschwunds kompensieren: Hier lagen die Umsätze von März bis August 2020 um 29,3 % unter denen des Vorjahreszeitraums (Caterer: -42,1 %).

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Wie die Entwicklungsländer versuchen die Krise zu überleben

Hannes Zipfel

Veröffentlicht

am

Coronakrise sorgt in Entwicklungsländern für immense Probleme

Viele Schwellenländer standen bereits vor dem Ausbruch der Pandemie vor großen finanziellen Problemen. Einige von ihnen waren bereits unmittelbar vom Staatsbankrott bedroht. Wie gehen die Entwicklungsländer mit der Zusatzbelastung durch die Corona-Krise um, trotz bereits zum Teil überbordender Schuldenstände und weniger effizienter Staatsstrukturen und Sozialsysteme? Können sie die Krise finanziell überhaupt überleben oder lösen sie eine globale Pleitewelle bei Staaten aus?

Lage der Entwicklungsländer spitzt sich zu

Momentan schauen in Zeiten der Pandemie die westlichen Ökonomen vor allem auf die Entwicklungen vor der eigenen Haustür. Doch gerade das stark vom Export abhängige Deutschland sollte auch die Entwicklungen jenseits der Hauptabsatzmärkte Europa und USA im Auge behalten. Der Wachstumsbeitrag der Entwicklungsländer für die Weltwirtschaft betrug bislang immerhin drei Viertel des globalen Gesamtwachstums. Dieser Trend soll sich laut dem Analysehaus Ashmore und dem IWF auch in Zukunft fortsetzen (Daten aus 2019). Doch dazu müssen die Schwellenländer zunächst die Pandemie ökonomisch und gesellschaftlich überleben.

Grafik zeigt globalen Wachstumsbeitrag der Entwicklungsländer

Wuchsen die Ökonomien der als Schwellenländer eingestuften Staaten in den letzten 20 Jahren durchschnittlich um 5,9 Prozent pro Jahr, so droht ihnen im Jahr 2020 die erste Rezession mit einer wirtschaftlichen Kontraktion in Höhe von durchschnittlich 3,3 Prozent. Davon geht der Internationale Währungsfonds (IWF) in seiner aktuellen Publikation „Emerging And Frontier Markets: Policy Tools In Times Of Financial Stress“ aus. Doch es könnte noch viel schlimmer kommen, wenn sich die Konjunkturlage im Zuge wirtschaftlicher Einschränkungen durch die Pandemie nochmals verschlechtert und bereits jetzt stark geschwächte Länder weitere Belastungen verkraften müssen.

Besonders Staaten wie Venezuela, Argentinien, Pakistan, die Türkei, Chile, Indien etc. haben jetzt schon massive wirtschaftliche Probleme bis hin zu Währungskrisen und der teilweisen Zahlungsunfähigkeit zu meistern. Am Anfang der Pandemie hatte eine beispiellose Kapitalflucht eingesetzt, bei der innerhalb kürzester Zeit über 100 Milliarden US-Dollar von internationalen Investoren aus Schwellenländern abgezogen wurden. Die Situation war von der Dimension her damit bereits im Frühling 2020 dramatischer als während der Weltfinanzkrise. Länder wie Argentinien, die Ukraine und Chile gerieten an den Rand des Staatsbankrotts. Und so könnte die sich mit der Pandemie weiter ausbreitende Rezession lediglich der Vorbote einer neuen Schwellenländerkrise sein.

Ein globales Problem

Die Budgets und logistischen Möglichkeiten zur Stützung der heimischen Wirtschaft, zur Gesundheitsversorgung und zur Aufrechterhaltung sozialer Mindeststandards sind im Gegensatz zu den entwickelten Volkswirtschaften in den Schwellenländern deutlich geringer ausgeprägt und damit anfälliger für Krisen. Selbst der Kollaps einzelner Entwicklungsländer ist nicht mehr auszuschließen (Failed States).

Wird diese Entwicklung zum Massenphänomen, bekommen auch die Industrieländer ernste Probleme. Dabei geht es nicht nur um die finanzielle Kosten, die über die Anteile der Industriestaaten an der Weltbank und dem IWF in Form von Nothilfen oder Kreditstundungen gewährt werden, sondern auch um massive Migrationsbewegungen, die sich längst in Gang gesetzt haben und zu gesellschaftliche Spannungen führen können. So sind allein wegen der sich weiter zuspitzenden humanitären Katastrophe in Venezuela ca. 4,8 Millionen Menschen oder 15,6 Prozent der Gesamtbevölkerung seit 2016 aus dem Land geflohen. Diese Massenbewegung, auch bekannt als Bolivarian diaspora, wirkt sich auch auf die Aufnahmeländer belastend aus.

Dabei ist Venezuela alles andere als ein Einzelfall: Laut der UNO Flüchtlingshilfe waren noch nie so viele Menschen wie heute auf der Flucht vor Armut und bewaffneten Konflikten. Ende 2019 lag die Zahl der Menschen, die weltweit auf der Flucht waren, bei knapp 80 Millionen – mehr als ein Prozent der Weltbevölkerung. Im Vergleich zum Vorjahr waren das fast neun Millionen Menschen mehr. Seit 2010 hat sich die Zahl der Menschen auf der Flucht verdoppelt. Für das kommende Jahr wird mit einer deutlichen Intensivierung der globalen Fluchtbewegung in Folge steigender Armut gerechnet. Für die Entwicklungsländer und vor allem für ehemalige Kriegsgebiete wie Syrien bedeutet dies, dass für den Wiederaufbau und für die Erwirtschaftung von Wohlstand und Steuereinnahmen dringend benötigte Menschen dauerhaft verloren gehen.

Maßnahmen gegen den Kontrollverlust in den Entwicklungsländern

Der IWF und die Weltbank haben bereits im April Mittel mobilisiert, um die Corona-Folgen für die Entwicklungsländer abzufedern. Dadurch sind zunächst die akuten Zahlungsbilanzprobleme vieler ärmerer Länder abgemildert worden. Doch das war lange vor der zweiten Corona-Welle. Im Sommer war es durch Notkredite des IWF in Höhe von 100 Milliarden US-Dollar, die in Rekordgeschwindigkeit ausgezahlt wurden, noch gelungen, den sofortigen finanziellen Kollaps der Entwicklungsländer abzuwenden.

Zusätzlich zu den Notfallmaßnahmen des IWF hatten die G20-Staaten ein Schuldenmoratorium für die ärmsten 43 Entwicklungsländer beschlossen. Laut Weltbank sorgt diese Maßnahme in den betroffenen Staaten für eine Entlastung beim Schuldendienst von 11,5 Milliarden US-Dollar in diesem Jahr. Nun ist in Anbetracht der zweiten Corona-Welle bei den G-20-Staaten bereits eine Verlängerung des Schuldenmoratoriums bis Mitte 2021 im Gespräch. Doch auch das könnte nicht reichen, wenn die Pandemie und deren ökonomische Folgen den nach wie vor recht optimistischen Prognosen der IWF-Ökonomen folgen.

Geld spielt keine Rolle

Auch der am 27. Dezember 1945 gegründeten IWF war in seiner 75-jährigen Geschichte bisher noch nie mit einer derartigen Krise globalen Ausmaßes konfrontiert. Und so fordert die Direktorin dieser supranationalen Institution, Kristalina Georgieva, das Vermögen des Fonds von einer Billion Euro auf 2 Billionen Euro zu verdoppeln, da andernfalls im Zuge einer zweiten oder sogar dritten Corona-Welle dem Fonds die Mittel auszugehen drohen.

Doch woher kommt das Geld des Internationalen Währungsfonds (IWF)? Zum einen kann der IWF sogenannte Sonderziehungsrechte vergeben, die nichts anderes als Buchkredite der Institution an seine Mitglieder darstellen. Zum anderen kommt Geld (und Gold) über Quotenregelungen direkt von den Mitgliedsstaaten, die zu den Nettozahlern gehören, wie z B. Deutschland oder die USA. Diese Staaten müssen sich gleichwohl für die Zahlung dieser gigantischen Summen selbst zusätzlich verschulden. Da der private Kapitalmarkt diese Schuldenmassen zu für die Schuldner tragfähigen Zinsen nicht mehr schultern kann, springen die Notenbanken ein und drucken das Geld (digital).

Nichts anderes tun aktuell auch die Zentralbanken vieler Entwicklungsländer, um ihre Staaten flüssig zu halten. Da dies bei Staaten mit ohnehin schwachen Währungen gleichwohl gefährlich ist und schnell zu einem Kollaps des Außenwertes der Währung führen kann, müssen die Geldpolitiker der Schwellen- und Entwicklungsländer andere Wege zur Unterstützung der Wirtschaft und des Staates gehen.

Nahezu alle Zentralbanken senkten daher zunächst die Zinssätze. Die größten Notenbanken intervenierten an den Devisenmärkten, entweder mit eigenen Reserven oder mit Geldern des IWF bzw. US-Dollar-SWAP-Linien der US-Notenbank Fed. Etwa die Hälfte der Institute senkte die Mindestreserveanforderungen für Banken, um das Finanzsystem liquide zu halten und die Kreditbedingungen zu lockert. Rund 20 Zentralbanken der Entwicklungsländer haben zum ersten Mal überhaupt quantitative Lockerungen vorgenommen (Geldmengenausweitung), um Staats- und Privatschulden am Sekundärmarkt zu erwerben, die sonst keine Käufer mehr fanden.

Die Folgende Grafik zeigt sehr anschaulich, dass anders als in den Industrieländern mit vermeintlich starken Währungen die Notenbanken der Entwicklungsländer primär über qualitative Maßnahmen agierten. Aber nicht aus purer Vernunft, sondern weil ihnen schlicht und einfach das Privileg der momentan noch konsequenzlosen Gelddruckens in beliebiger Höhe verwehrt ist. Daher ist es nur fair, dass Staaten wie die USA oder Länder der Eurozone ihre Geldschöpfungsprivilege im Interesse der durch die Pandemie in Existenznöte geratenen Entwicklungsländer einsetzen.

Grafik zeigt Unterstützung der Notenbanken

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Bundesbank: Erholung der Industrie läuft, Dienstleistungen problematisch

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Deutschland Flagge

Die Bundesbank hat heute ihren Monatsbericht für Oktober veröffentlicht. Demnach verliert der wirtschaftliche Aufschwung deutlich an Schwung. Die Wirtschaftsleistung in Deutschland dürfte im dritten Vierteljahr 2020 stark angestiegen sein. Gemessen am vierteljährlichen Bruttoinlandsprodukt könnte die deutsche Wirtschaft damit bereits etwas mehr als die Hälfte des drastischen Einbruchs im ersten Halbjahr wieder wettgemacht haben. Trotzdem dürften noch etwa 5 Prozent im Vergleich zum Vorkrisenniveau vom letzten Vierteljahr 2019 fehlen.

Aus heutiger Perspektive dürfte sich die wirtschaftliche Erholung im laufenden Vierteljahr zwar fortsetzen, dabei jedoch eine erheblich langsamere Gangart einlegen. Die Industrie ist gemäß der Bundesbank-Aussagen nicht das Problem, sondern der Bereich Dienstleistungen, der ja von erneuten Corona-Restriktionen direkt betroffen ist. Die deutsche Exportindustrie profitiert derweil zum Beispiel durch die wieder gut laufende Konjunktur in China. Hier die Bundesbank mit ihrer Headline-Aussage zur Industrie:

Dem Monatsbericht zufolge hat die Industrie nach dem besonders starken Einbruch im Frühjahr bis Juli bemerkenswert aufgeholt. Im August habe die Erholung zwar eine Verschnaufpause eingelegt, im Mittel der Monate Juli und August sei die Industrieproduktion dennoch gegenüber dem stark gedrückten Frühjahrsquartal kräftig angestiegen (+13,5 %). Gleichwohl verfehlte sie das Vorkrisenniveau aus dem vierten Quartal 2019 immer noch um gut ein Zehntel. Die Auftragseingänge hätten jedoch weiter zugenommen und beinahe wieder das Vorkrisenniveau erreicht.

Und hier die Headline-Aussagen zum Dienstleistungssektor:

Während sich die Stimmung bei den Industrieunternehmen laut Umfrage des ifo Instituts etwas aufhellte, trübte sie sich bei den Dienstleistungsunternehmen im September zum ersten Mal seit dem Frühjahr wieder etwas ein, schreibt die Bundesbank. Insbesondere Branchen wie das Gastgewerbe dürften durch die zuletzt stark gestiegenen Infektionszahlen und die deshalb in einigen Regionen ausgeweiteten Eindämmungsmaßnahmen belastet werden. Die Fachleute gehen davon aus, dass die Wirtschaftsleistung im laufenden Vierteljahr wohl nur noch vergleichsweise wenig steigen wird.

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