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Das glorreiche Scheitern der EZB

Markus Fugmann

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Von Markus Fugmann

Wir werden sicher heute wieder von Mario Draghi hören, wie erfolgreich doch die Politik der EZB sei. Aber die vermeintliche Liste der Erfolge dünnt zunehmend aus. Das einzige, was ein bißchen besser geworden ist, ist die Kreditvergabe in der Eurozone, allen voran in Italien. Abhanden gekommen sind dagegen die Gewinne der Aktienmärkte – die man seitens der EZB immer als Erfolg der Geldpolitik verkauft hatte.

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Klub der toten Dichter: das EZB-Führungsgremium
Foto: EZB

Aber sonst? Gähnende Höhen. Während sich die Bilanz der EZB aufgrund der QE-Käufe permanent ausweitet, bleibt die Inflation mickrig und wird wohl aufgrund der inzwischen drastisch abgestürzten Ölpreise bald wieder in den Minusbereich drehen. Die EZB hat dafür das schöne Wort „Minusinflation“ erfunden – weil der Begriff „Deflation“ streng verboten ist in Frankfurt.

Für die EZB ein riesiges Problem ist die einbrechende Inflationserwartung, die in den 5y5y-Swaps (also die Erwartung des Marktes, wie die Inflation in fünf Jahren über den Zeitraum der dann folgenden fünf Jahre sich entwicklt) sichtbar wird. Trotz aller Käufe sind diese Erwartungen derzeit im freien Fall:

https://twitter.com/Schuldensuehner/status/690067344417140736/photo/1

Das QE der EZB ist also ein teures Vergnügen mit minimalem Wirkeffekt. Wie sagte doch der EZB-Chefvolkswirt Praet kürzlich: „Wenn man Geld druckt, bekommt man immer Inflation. Immer!“

Ach hätte Praet doch bloß auf einen der größten lebenden Philosophen Deutschlands gehört – Mario Basler. Der ehemalige Fußball-Profi und jetztige Fußball-Trainer brachte nämlich eine große Wahrheit auf den Punkt, als er einst sagte:

„Ich mache immer das, was der Trainer sagt. Und manchmal mache ich was anderes“.

Ganz große Philosophie – wenn auch vermutlich unbeabsichtigt. Derzeit macht nämlich die Inflation und die Inflationserwartungen immer das, was die EZB will. Nur manchmal eben etwas anders. Und dieses manchmal ist – derzeit!

Also was tun, Mario? Einfach festhalten an der Ideologie. Ideologie ist die Kunst, sich in seiner Haltung durch Tatsachen und Realität nicht abbringen zu lassen. Und da ist der Römer und seine Gefolgschaft ganz groß. Denn würde man eingestehen, dass die Realität nicht so ist, wie die Ideologie sie haben möchte, könnte man gleich einpacken und das größte geldpolitische Experiment der Geschichte als gescheitert erklären. Aber das will natürlich niemand – man ahnt nämlich, dass da gar kein Rückweg mehr gangbar ist, wenn man die Büchse der Pandora einmal geöffnet hat.

Also hält man an der Ideologie fest, und erklärt, dass die Realität die Ideologie noch nicht verstanden hat, aber sicher noch verstehen wird. Man müsse da nur vertrauen. Es steht zu erwarten, dass die Botschaft Draghis genau so lauten wird heute: das wird schon, liebe Kinder, vertraut mir, glaubt mir.

Aber inzwischen ist der Glaube ein wenig angekratzt. Denn der Draghi-Put hat nicht wirklich funktioniert – das hat manche der großen Player am Markt Geld gekostet, und Geldverlust sorgt häufig für Erkenntnisgewinn. Man läßt sich jetzt nicht mehr abspeisen mit Glanzlichtern draghischer Philosophie wie dem meisterhaften Satz:

“Things may get better, or they may stay where they are, or they may get worse.”

Und so sei auf einen Artikel aus dem Jahr 2014 verwiesen („Draghi – der größte lebende Philosoph!“) – in dem ich andeutete, dass aus dem Messias Draghi bald ein (vom Markt) Gekreuzigter werden könnte:

Tiefgründigkeiten aus der Notenbank-Rhetorik..

Bitte fest anschnallen, jetzt kommt es knüppeldick philosophisch:

“Things may get better, or they may stay where they are, or they may get worse.”

Boah! Wer war das? Popper? Wittgenstein? Oder, noch moderner, Aristoteles?

Nein, wir dürfen uns glücklich schätzen, solch einen Denker als Zeitgenossen zu haben: Supermario Draghi. Heute geäußert, quasi nebenbei, auf der Pressekonferenz zur EZB-Ratssitzung.

Das Zitat vereint unendliche Denkräume mit römischer Eleganz. Ja, die Dinge können besser werden, oder gleich bleiben, oder auch schlechter werden. Warum mussten wir 2014 Jahre warten, bis wieder einer mit einer solchen Erleuchtung zu uns kommt?

Damit ist doch nichts weniger erreicht, als das Universum in einem Satz auf den Punkt zu bringen. Dagegen erscheint Hegels Dialektik wie Rosamunde Pilcher des frühen 19.Jahrhunderts!

Und woher empfängt Draghi solche Erleuchtungen? Das muß an seiner jesuitischen Vergangenheit liegen – er besuchte das Istituto Massimo, eine Kaderschmiede der römischen Jesuiten.

Aber Vorsicht Mario, die Menschheit ist undankbar und tendiert früher oder später dazu, ihre Messiasse ans Kreuz zu nageln. Wenn es eng wird, lieber wieder zurück zu Goldman Sachs – die sind unangreifbar und tun, laut ihres CEO Blankfein, auch das „Werk Gottes“. Denn Goldman Sachs ist die Kraft, die stets das Böse will – und Gutes schafft!

5 Kommentare

5 Comments

  1. Avatar

    V

    21. Januar 2016 11:13 at 11:13

    „Wenn man Geld druckt, bekommt man immer Inflation. Immer!“

    Herr Fugmann, Praet hat schon recht. Nur sieht man die Wirkung nicht, wenn die gegenwirkenden deflationären Effekte stärker sind als der Inflationseffekt des gedruckten Geldes.

    Der Satz von Draghi ist auch wahrscheinlich in diesem Zusammenhang zu sehen. Nämlich dass die EZB auf die Wirkung oder Nichtwirkung ihres Medikaments mit Höher- oder Niedriger-Dosierung reagieren wird.

    Zudem: Die EZB kann und sollte niemals ihr Scheitern eingestehen. Denn dann werden wir nie dagewesene Turbulenzen an den Märkten sehen. Das Endspiel lässt dann grüßen.

    • Avatar

      joah

      21. Januar 2016 12:19 at 12:19

      korrekt: Wir sind schon längst mitten in einer Inflation, denn die (Produkt-)Preise hätten (an vielen Stellen) schon deutlichst niedriger ausfallen müssen – sind sie aber nicht.

      Das Endspiel sollte sich auch ohne ein Eingeständnis der Zentralbanken ihres eigenen Fehlverhaltens abspielen. Kommt noch…

    • Avatar

      Jörg

      21. Januar 2016 13:31 at 13:31

      @V
      Ihre Behauptung: „‚Wenn man Geld druckt, bekommt man immer Inflation. Immer!‘ Herr Fugmann, Praet hat schon recht“ ist grundfalsch. Ihnen, user „V“, kann man diese Unkenntnis nachsehen, aber nicht diesem Praet! Dieser Praet dokumentiert mit seiner schwachsinnigen Behauptung nur, daß er als Volkswirt eine totale ‚Pfeife‘ ist (genauso wie der Laiendarsteller Schäuble)!

      1.) Schon der frühere Wirtschaftsminister Karl Schiller wies daraufhin, daß die Vergrößerung der Geldmenge völlig zwecklos ist, wenn diese nicht vom Wirtschaftkreislauf (nicht gemeint ist: ‚Spekulationskreislauf‘!!!) aufgenommen wird. Er bezog sich auf den Spruch „Man kann die Pferde zur Tränke führen, saufen müssen sie selber“ (https://de.wikiquote.org/wiki/Karl_Schiller ) und wies auf das Problem, das wir genauso auch heute wieder haben, mit seiner Anmerkung: „Die Pferde müssen wieder saufen“. D. h. das Problem ist auch heute wieder, daß die Pferde nicht saufen wollen/können, obwohl die „Tränke“ gestrichen voll ist. Noch mehr Wasser in die „Tränke“ zu kippen (die Geldmenge zu erhöhen, die Zinsen zu senken, usw.) ist völlig unsinnig und wirkungslos. Und zwar wirkungslos auch gerade m Hinblick auf eine Inflation! Siehe dazu auch den ausgezeichneten Artikel auf https://oconomicus.wordpress.com/2013/05/04/erlauterungen-zu-dem-geflugelten-ausspruch-die-pferde-wollen-nicht-saufen/ .

      2.) Hinzukommt dies: Wie auch die anderen in der EZB ist Praet ein Liberalist. Und mit Praets/Draghis schwachsinnigen Maßnahmen verhält es sich etwa so, als wurde ein Pastor von der Kanzel predigen: „Mit seiner Bergpredigt hatte Jesus allerdings Unrecht! Denn man sollte nie ‚die andere Wange hinhalten‘, sondern man muß selbstverständlich hart zurück- und zuschlagen!“. Während ein solcher Pastor alsbald von seinem Bischof einbestellt werden würde, schweigt die korrupte Liberalisten-Gemeinde zu den ihrer Liberalen-Ideologie tatsächlich diametral widersprechenden Manövern der EZB (und FED!).

      Und welchen „Jesus“ der Liberalisten meine ich? Ich meine Ludwig von Mises. Der hatte schon vor fast 100 Jahren unmißverständlich und klar zum ‚finalen Kollaps durch Kreditexpansion‘ dies analysiert:
      a) „Es gibt keinen Weg, den finalen Kollaps eines Booms durch Kreditexpansion zu vermeiden. Die Frage ist nur ob die Krise früher durch freiwillige Aufgabe der Kreditexpansion kommen soll, oder später zusammen mit einer finalen und totalen Katastrophe des Währungssystems kommen soll„.
      2.) „Durch Kunstgriffe der Bank- und Währungspolitik kann man nur vorübergehende Scheinbesserung erzielen, die dann zu umso schwererer Katastrophe führen muss. Denn der Schaden, der durch Anwendung solcher Mittel dem Volkswohlstand zugefügt wird, ist umso größer, je länger es gelungen ist, die Scheinblüte durch Schaffung zusätzlicher Kredite vorzutäuschen.

      Die EZB macht also genau das, wovor Ludwig von Mises eindringlich warnte! Bei der Pressekonferenz heute wird aber kein einziger Liberalist dem Draghi den Ludwig von Mises vorhalten. Denn diese wollen, wie Junkies, einfach nur mehr ‚Stoff‘.

  2. Avatar

    Masud79

    21. Januar 2016 13:12 at 13:12

    Herr Fugmann,
    Alles was sie sagen stimmt im Kern und hat Hand und Fuß
    Aber der Zynismus quillt zwischen jeder Zeile und Buchstabe gerade zu heraus :)

  3. Avatar

    Jörg

    21. Januar 2016 15:09 at 15:09

    WTI wieder unter 28 $

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Immobilien: Der Boom läuft immer weiter – aktuelle Daten

Claudio Kummerfeld

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Innenansicht eines Einfamilienhauses

Es ist wirklich erstaunlich. Auch wir bei FMW hatten zu Ausbruch der Coronakrise und im brutalen wirtschaftlichen Absturz im Frühjahr erwartet, dass auch der Markt für Immobilien beeinträchtigt sein wird. Schließlich haben derzeit ja zahlreiche Menschen massive Existenzängste, leben dank Kurzarbeitergeld auf Kante, oder haben als Selbständige ihre Existenz gleich ganz verloren. Da müssten die Preise für Immobilien doch eigentlich einbrechen? Die Nachfrageseite für Häuser und Eigentumswohnungen müsste so schwach sein, dass man spürbare Rückgänge bei den Preisen sehen müsste?

Nichts da. Offenbar bringt die große Gelddruck-Orgie der Notenbanken und die Alternativlosigkeit zu Aktien und Immobilien immer noch genug Anleger und Kaufwillige dazu, die Preise für Immobilien immer weiter klettern zu lassen. Und die Rettungsmaßnahmen der Bundesregierung sind wohl derart umfangreich, dass genug Menschen in prekären Situationen (Arbeiter in der Autoindustrie etc) noch nicht ihre Häuser verlieren, welche auf dem Markt folglich auch nicht für ein Überangebot an Häusern und Eigentumswohnungen sorgen können.

Preise für Immobilien weiter am Steigen

Aktuelle Zahlen der Anbieter F+B sowie Dr. Klein zeigen weiter steigende Preise für Immobilien. Der F+B-Wohn-Index Deutschland als Durchschnitt der Preis- und Mietentwicklung von Wohnimmobilien für alle Gemeinden in Deutschland stieg im 3. Quartal 2020 im Vergleich zum Vorjahresquartal um 5,6 Prozent. Wie gesagt, diese Steigerung von +5,6 Prozent kommt zustande, weil ich auch Mieten enthalten sind. Und die sind dank Corona doch tatsächlich leicht rückläufig mit -0,9 Prozent im Quartalsvergleich (und noch +0,1 Prozent im Jahresvergleich).

Mieten bremsen nur den Gesamtschnitt aus Immobilienpreisen + Mieten

Im Bundesdurchschnitt gehören damit exorbitante Mietensteigerungen laut F+B endgültig der Vergangenheit an. Auch die Betrachtung der Top 50-Standorte in Deutschland mit dem höchsten Mietenniveau lege eine ähnliche Interpretation für diesen Trend nahe. So seien im Vergleich zum Vorquartal in 28 der 50 teuersten Städte Deutschlands die Mieten bei der Neuvermietung gesunken (im Vergleich der Quartale Q2/2020 zu Q1/2020 betraf dies 18 Städte). Im Vergleich zum Vorjahresquartal 2019 gab es reale Mietpreisrückgänge in 10 der teuersten 50 Städte. Nach Beobachtungen von F+B hätten die Corona-bedingten wirtschaftlichen Verwerfungen als Nachwirkungen des ersten Lockdowns vom Frühjahr 2020 zu noch stärkeren Rückgängen bei den Mieten geführt, wenn es die staatlichen Unterstützungsmaßnahmen nicht gegeben hätte. Wir möchten ergänzen: Hunderttausende Wohnungen in Berlin sind vom dortigen Mietendeckel betroffen, was die Mietpreisentwicklung bundesweit ebenfalls beeinflusst. F+B bespricht dieses Thema in seiner Veröffentlichung ebenfalls.

Nachfrageschub

Im Vergleich zum dritten Quartal 2019 liegen die Preissteigerungen bei Eigentumswohnungen laut F+B mit 5,5 Prozent weiterhin deutlich hinter den Ein- und Zweifamilienhäusern mit 8,6 Prozent. Eigenheime dominieren damit endgültig die Gesamtperformance des Wohn-Index von F+B. Man sei der Auffassung, dass die Corona-Pandemie hier einen zusätzlichen und offenbar auch nachhaltigen Nachfrageschub – bei gleichzeitig beschränktem Angebot – erzeugt hat, so F+B. Im Chart sehen wir seit dem Jahr 2004 die Preisentwicklung verschiedener Arten von Immobilien seit dem Jahr 2004. Eigentumswohnungen liegen langfristig klar in Führung.

Entwicklung der Preise für Immobilien seit dem Jahr 2004

Preise in Nordrhein-Westfalen steigen weiter

Der Anbieter Dr. Klein berichtete erst vor wenigen Tagen, dass das Volumen pro Immobilienkredit neue Rekordhochs erreicht hat (hier die Details). Heute berichtet Dr. Klein über die neuesten Preisentwicklungen für Immobilien in Nordrhein-Westfahen. Der bis 2015 zurückreichende Chart zeigt auch jetzt keinen Abknick bei der Preisentwicklung. Im mondänen Düsseldorf dürfe es gerne ein bisschen mehr sein – auch bei den eigenen vier Wänden: Der Trend gehe hin zu mehr Exklusivität und Geräumigkeit. Köln und Dortmund vermelden indessen neue Rekorde bei den Immobilienpreisen. Die Details finden Sie beim Klick an dieser Stelle.

Preise für Immobilien in Nordrhein-Westfalen

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BioNTech, Pfizer und Moderna, erfüllen sich die Impfstoff-Erwartungen?

Wolfgang Müller

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am

Erfüllen sich die hohen Erwartungen an die Impfstoffe von BioNTech und Pfizer sowie Moderna? Die Börsen sind im Jahresendspurt: Immer wieder werden derzeit die aktuellen Wirtschaftsdaten als Indikatoren herangezogen, verbunden mit dem großen Optimismus vieler Investoren, die nach Korrektur schreien. Aber dies ist neben dem monetären Faktor nicht der entscheidende Treiber für Börsenkurse. Es zählt die mittelfristige Aussicht, auch wenn man in einer Rezession oder in einem Lockdown etwas anderes verspürt. Was die Märkte antizipieren, sind die Fortschritte in der Impfstoffentwicklung und deren Anwendung. Dies kann man auch aus einem Interview schlussfolgern, welches eine Reporterin der Welt am Sonntag aktuell mit dem Chef von Moderna, Stéphane Bancel, geführt hat.

BioNTech & Co: Die große Wende bis zum Sommer 2021

Bei aller Skepsis über die Geschwindigkeit und Validität der Entwicklung eines Impfstoffes ist es nicht zu übersehen: Die Nachrichten über den Fortgang des Kampfes gegen Covid-19 überschlagen sich, Unternehmen für Unternehmen berichtet von den Ergebnissen aus der klinischen Studie-3 und der baldigen Beantragung für eine Zulassung des eigenen Vakzins. Es ist daher sicher interessant, was der langjährige Chef eines der Unternehmen an vorderster Front dazu zu sagen hat, auch unter Berücksichtigung der subjektiven Darstellung des eigenen Unternehmens. Hier die Kernaussagen des CEOs von Moderna:

Der Chef von Moderna fühlt sich von der Erstmeldung von BioNTech und Pfizer nicht überfahren. Man bräuchte mindestens vier oder fünf Unternehmen, um die Welt mit 7,6 Milliarden Menschen impfen zu können.

Bemerkung: Fraglich, ob es zur Impfung von so vielen Menschen durch westliche Impfstofffirmen kommt. China impft sich selbst (1 Mio. Chinesen wurden schon geimpft), ebenso Russland. In Indien sind 750 Millionen Menschen unter 25 Jahre alt, ein ähnliches Verhältnis dürfte auch für den Milliardenkontinent Afrika gelten. Und wie viele Menschen werden sich einer Impfung verweigern?

Zur Frage, warum BioNTech/Pfizer schneller waren: Pfizer sei100-mal größer als Moderna, man habe vorher noch nie eine Studie mit 30.000 Menschen durchgeführt. Zudem wurde das Vakzin gemeinsam mit der US-Gesundheitsbehörde NIH entwickelt und mit staatlichen Stellen dauere es etwas länger, sich untereinander abzustimmen.

Der US-Staat hat Moderna mit einer Milliarde Dollar unterstützt, aber man brauche das Geld, um im kommenden Jahr eine Milliarde Impfstoffdosen herzustellen. Für die Beschaffung von Grundmaterialien.
Zum Impfstoffpreis: Man werde zwischen 25 und 37 Dollar aufrufen, je nachdem, wie viel die Regierungen bei Moderna bestellen. Damit liege man im Bereich wie bei einer Grippeimpfung, die zwischen 10 und 50 Dollar kostet. Das sei ein fairer Preis, wenn man bedenkt, wie hoch die Kosten für das Gesundheitssystem sind, wenn ein Mensch schwer an Covid-19 erkrankt. Die teuerste Impfung der Welt sei derzeit Pfizers Impfstoff Prevnar gegen Pneumokokken mit 300 Dollar je Dosis.
Zur Dauer der Impfung: Das hänge davon ab, wie viele Impfstoffe das Rennen machen. Wenn es beim Impfstoff von BioNTech und Moderna bliebe, würde es bis zum nächsten Sommer dauern, bis allein die Menschen in Europa und den USA geimpft sind. Für den Rest der Welt würde es vermutlich bis Ende 2022 dauern.
Bemerkung: Reichlich optimistisch, so viele Menschen (mehr als eine halbe Milliarde, auch wenn sich viele verweigern) innerhalb von sechs Monaten zu impfen.

Zur Hektik bei der Notzulassung: Bancel betrachtet jede Morgen die Zahlen der John-Hopkins-Universität. Es gebe täglich weltweit 11.000 Coronaopfer und dies dürfte sich im nächsten Monat noch steigern. Die Impfung habe bereits bewiesen, dass sie wirke und sicher sei. mRNA werde innerhalb von 48 Stunden nach der Impfung im Körper abgebaut, das Lipid als Trägerstoff ebenfalls. Danach sei man geschützt vor Covid und den teilweise schlimmen Langzeitfolgen. Deshalb sei seine Entscheidung klar.

Beim Vergleich mit Biontech-Chef Ugur Sahin: Bancel bezeichnet sich selbst als nicht besonders guten Verkäufer. Was er aber könne sei komplizierte Wissenschaft einfach zu erklären. Zum Beispiel warum mRNA die größte medizinische Revolution seit der Erfindung von kleinen Molekülen wie Aspirin sei.
Zum Stand der Genforschung: Man lebe im Zeitalter der Sequenzierung. Es würde nur fünf Dollar und ein paar Stunden Zeit kosten, bis man das Genom eines Virus entschlüsselt habe, dank mRNA habe man jetzt die Möglichkeit, sehr schnell wirksame Medikamente zu machen. Dies katapultiere die analoge Medizin in das Zeitalter der Digitalisierung. Dieser Erfolg sei aber nicht über Nacht gekommen, wie viele Leute denken. BioNTech und Moderna arbeiten daran seit zehn Jahren.
Bei der ultimativen Frage nach dem eigenen Impfzeitpunkt sagt Bancel: Er könne es gar nicht abwarten, hätte das gern schon vor Monaten getan, denn er wolle sein altes Leben zurück.

Fazit

Egal, wie man die Aussagen eines Unternehmensvorstands zum eigenen Produkt bewertet. Es ist schon erstaunlich, wie konkret die Informationen zu dem Jahrhundertprojekt Impfstoffentwicklung gegen Covid-19 bereits gediehen sind. Sollte es tatsächlich keine gravierenden Nebenwirkungen des Impfstoffes geben, so könnte man tatsächlich von einer Normalisierung der Verhältnisse im Hinblick auf die Pandemie bereits im Jahre 2021 rechnen. Sollte es tatsächlich dazu kommen, wäre es ein neuer Meilenstein in der Entwicklung des medizinischen Fortschritts der Menschheit. Noch ist Vieles im Konjunktiv.

Erfüllen die Impfstoffe von BioNTech oder Moderna die hohen Erwartungen?

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Warum für Deutschland im Winter eine technische Rezession ansteht

Claudio Kummerfeld

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Leere Restaurants im zweiten Lockdown befeuern die Rezession

Die Industrie liefert wieder, und China als Abnehmer deutscher Waren hilft kräftig mit bei der Erholung der Konjunktur. Aber es ist klar. Die Dienstleistungen vermasseln derzeit der deutschen Wirtschaft die tiefgreifende Erholung. Die Rezession steht bevor oder startet wohl gerade wieder, und das Bruttoinlandsprodukt könnte schrumpfen. Und das nicht nur, weil die Dienstleistungen wie Gastronomie wegen dem aktuellen „kleinen“ Corona-Lockdown zu großen Teilen gar nicht stattfinden. Nein, da ist noch ein Faktor, der auf den ersten Blick übersehen werden kann.

Bevorstehende Rezession befeuert durch höhere Mehrwertsteuer

Eine aktuell womöglich schon gestartete technische Rezession für diesen Winter dürfte ab Anfang Januar verschärft werden. Denn ab 1. Januar wird die seit Juli 2020 geltende Mehrwertsteuersenkung wieder rückgängig gemacht. Dann dürften die Verbraucherpreise wieder steigen. Wer schon lange Zeit vor hatte einen neuen Fernseher, Küche, Auto oder sonstige hochpreisige Einrichtungsgegenstände anzuschaffen, hat dies wohl schon in den letzten Monaten getan, und dabei nette Mehrwertsteuerbeträge gespart. Umso kräftige dürfte der Konsumrückgang ab Januar ausfallen. Oder darf man mutmaßen, dass die Politik in Berlin dem noch schnell entgegenwirkt, und die Mehrwertsteuer bis zum Sommer 2021 auf reduziertem Niveau belässt? Die Kurzarbeiter-Regelung hat man ja schließlich auch gerade erst bis Ende 2021 verlängert.

Dr. Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, bringt es in einer aktuellen Kurzanalyse auf den Punkt. Warum er sich gerade jetzt äußert? Heute um 10 Uhr wurde mit dem ifo-Index das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer veröffentlicht (hier die Details). Er fiel von 92,5 auf 90,7 Punkte. Die Zahlen waren zwar leicht besser als gedacht, aber eben doch schlechter als im Vormonat. Wie der Chart (geht bis 2016 zurück) zeigt, geht es aktuell wieder leicht bergab mit dem Geschäftsklima in Deutschland.


source: tradingeconomics.com

Experte spricht von bevorstehender technischen Rezession

Deutschland droht eine technische Rezession, das Winterhalbjahr wird hart. Das kann durch die robuste Entwicklung in der Industrie kaum verhindert werden. Erst die wärmeren Temperaturen im Frühling und die Impfungen werden die Wirtschaft vor allem in der zweiten Jahreshälfte deutlich anziehen lassen, so Jörg Krämer. Ein Monat Lockdown koste fast ein Prozent Wachstum beim Bruttoinlandsprodukt. Krämer erwartet eine technische Rezession im Winterhalbjahr, auch wenn sich das verarbeitende Gewerbe super halte. Im folgenden Chart der Commerzbank sehen wir, wie die Industrie in gelb weiter ansteigt, während die Dienstleistungen wieder abschmieren.

Chart zeigt Tendenz der Rezession dank schwachen Dienstleistungen

Laut Jörg Krämer ist ein Abwärtstrend bei den Corona-Neuinfektionen noch nicht erkennbar. Die Bundesländer dürften den Lockdown nach seiner Meinung bis mindestens Weihnachten verlängern und die Kontaktbeschränkungen verschärfen. Sehe man von möglichen Lockerungen rund um Weihnachten ab, dürfte der Lockdown mindestens bis Ende Dezember gelten. Weil die kalte Jahreszeit die Infektionen begünstigt, erwarte man, dass Restaurants, Kneipen, Hotels, Fitness-Center etc auch während des ersten Quartals überwiegend geschlossen bleiben.

Basierend auf dem Anteil der betroffenen Branchen an der gesamten Wertschöpfung drücke ein Monat Lockdown das quartalsweise Bruttoinlandsprodukt wie gesagt um fast 1 Prozent. Entsprechend dürfte laut Jörg Krämer das Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal um 2 Prozent schwächer ausfallen als ohne Lockdown – es werde vermutlich schrumpfen. Das dürfte die robuste Entwicklung in der Industrie nicht verhindern. Auch im ersten Quartal, das ohnehin durch die Mehrwertsteuererhöhung zum 1. Januar belastet wird, sei kaum mit einem Plus zu rechnen. Deutschland drohe eine technische Rezession. Die Wirtschaft gehe durch ein hartes Winterhalbjahr, bevor die wärmeren Temperaturen und die Impfungen die Wirtschaft vor allem in der zweiten Jahreshälfte deutlich anziehen lassen.

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