Anleihen

Das ist ein Grund, warum sich die Aktienmärkte schwer tun werden..

FMW-Redaktion

Die Medien fokussieren sich – wie immer – auf die Aktienmärkte, wenn sie über die Entwicklungen an den Finanzmärkten berichten. Aber die eigentliche Party findet woanders statt, nämlich am Markt für europäische Unternehmensanleihen. Das zeigt sich ganz deutlich auch an den Kapitalströmen in den letzten acht Wochen: so zogen Investoren in diesem Zeitraum 17 Milliarden Dollar aus Aktienfonds ab, während Anleihefonds, die sich auf Anleihen von bonitätsstarken Firmen fokussieren, Zuflüsse im Volumen von 10,6 Milliarden Dollar verzeichneten. Der große Trend geht also weg vom Aktienmarkt, hin zum Markt für Unternehmensanleihen.

Der Grund dafür ist klar: die EZB hatte Anfang März angekündigt, Unternehmensanleihen von bonitätsstarken Unternehmen zu kaufen und dann am letzten Donnerstag die Details dieser geplanten Käufe kommuniziert. Seit die EZB diese Absicht angekündigt hat, sind die Renditen, also die Risikoprämien für diese europäischen Unternehmensanleihen Anleihen von durchschnittlich 1,3% auf nun 1,0% gefallen. Klingt nach nicht viel, ist es aber in der Welt der Anleihen.

Viele sind, im Wissen dass die EZB als Käufer an den Markt kommen wird, auf diesen Zug augesprungen. Die Absicht ist klar: man kauft, und verkauft dann teurer weiter an die EZB. Für die Unternehmen der Eurozone, deren Anleihen auf der Kaufliste der EZb stehen, sind das traumhafte Zeiten: sie können sich so günstig verschulden wie noch nie!

Das zeigt das Beispiel von Unilever, die heute als erste großes Unternehmen nach Verkündung der Details durch die EZB Anleihen am Markt platziert haben. Und die Konditionen lassen aufhorchen: Anleihen mit Laufzeit bis 2010 bieten 0% Zinsen. Anleihen mit Laufzeit
von acht Jahren bringen einen Zins von 0,5% und eine Rendite von 0,7%, für zwölf Jahre Laufzeit zahlt Unilever einen Zins von 1,125% und eine Rendite von 1,21%. Insgesamt nahm Unilever damit 1,5 Milliarden Euro ein – und hätte noch viel mehr Geld aufnehmen können, denn die Kaufangebote seitens der Investoren lagen bei vier Milliarden Euro. Die Nachfrage war also mehr als doppelt so hoch wie das Angebot – auch das spricht Bände.

Das alles dürfte ein Stück weit auf Kosten der Aktienmärkte gehen: denn der Kauf solcher Anleihen ist weitgehend risikofrei – schließlich ist mit der EZB ein ganz dicker Wal auf der selben Käuferseite. Und so ist es nicht auszuschließen, dass Investoren bald bereit sein werden, auch für längerlaufende Unternehmensanleihen eine Negativrendite in Kauf zu nehmen – ähnlich etwa wie bei Staatsanleihen Deutschlands. Die großen Fische aber unter den Investoren haben sich ganz offensichtlich entschieden, dem großen Wal vorauszuschwimmen – dagegen dürfte dann der Aktienmarkt immer mehr das Spielfeld der kleineren Fische werden..



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