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Dax: Bärenmarktrally? Die Negativserie der Stimmung

Bislang dominiert noch Skepsis das Geschehen, es ist also noch Luft nach oben vorhanden

Dax Negativserie Bärenmarktrally

Nach fulminanten +3,5% in der Vorwoche beendete der DAX die letzte Woche nahezu unverändert. Die fulminante Rallye vor einer Woche hatte nicht ausgereicht, um die schlechte Laune der Anleger aus dem Weg zu räumen. Mal schauen, ob unsere Umfrageteilnehmer vielleicht mit etwas Verzögerung positiv auf die Entwicklung der Vorwoche reagieren.

DAX: Ist das nur eine Bärenmarktrally?

Tatsächlich ist das Anlegersentiment von -0,9 in der Vorwoche auf +0,4 angestiegen. Erstmals nach 21 Wochen mit negativem Sentiment verzeichnen wir heute wieder ein positives Anlegersentiment.

Auch die Verunsicherung hat sich nunmehr verflüchtigt: Nach -2,3 in der Vorwoche verzeichnen wir heute einen Umfragewert von +0,1. Selbstzufriedenheit sieht anders aus, aber immerhin ist die Verunsicherung weg.

Die Erwartung an die DAX-Entwicklung in drei Monaten ist jedoch wieder ins Negative gerutscht (-0,8). Pessimisten melden sich zu Wort, dass es sich bei den Kursgewinnen nur um eine Bärenmarktrallye handeln könne.

Dennoch ist die Investitionsbereitschaft mit +1,7 ein Zeichen dafür, dass einige Anleger von dieser Bärenmarktrallye profitieren möchten.

Das Euwax-Sentiment der Privatanleger ist nach dem Kursanstieg abgerutscht (-5), Absicherungskäufe wurden umgehend getätigt, um die zarten Kursgewinne nicht gleich wieder zu riskieren. Auch institutionelle Anleger, die sich über die Eurex absichern, haben verstärkt Put-Absicherungen gekauft. Das Put/Call-Verhältnis ist auf 2,9% angestiegen.

US-Anleger hingehen haben ihre Vorbehalte reduziert, das Put/Call-Verhältnis an der CBOE ist stark rückläufig, wenngleich noch immer auf relativ hohem Niveau. Die Absicherungsneigung zum Kriegsausbruch wird also nicht mehr erreicht, aber noch immer sind US-Anleger sehr vorsichtig.

US-Fondsmanager haben ihre Investitionsquote bei 34% belassen, verfügen also weiterhin über extrem viel Cash.

US-Privatanleger haben ein Bulle/Bär-Verhältnis von -5%. Nachdem wir in diesem Jahr bislang überwiegend extrem negative Werte gesehen haben, ist das doch zumindest mal eine moderate Stimmungsaufhellung. Der Bullenanteil ist um 60% auf 32% angesprungen, das Lager der Bären hat sich auf 37% stark geleert (zuvor 54%).

Der technische Angst und Gier Indikator des S&P 500 hat sich auf 27% erholt und somit die Phase der extremen Angst verlassen.

Interpretation der Stimmung zum DAX

Da wir in den vergangenen Wochen extrem negative Sentimentwerte hatten, habe ich in der Historie meiner Sentimentdaten geforscht, wie sich der DAX nach einer entsprechend extrem negativen Marktphase entwickelt hat:

Dax Stimmung Prognose
Abbildung: Prognose der DAX-Entwicklung, abgeleitet aus vergleichbar negativen Stimmungswerten in der Vergangenheit

Die rote Linie kennzeichnet die Sentiment-Entwicklung der vergangenen Wochen. Die graue Linie links entspricht der relativen DAX-Entwicklung. Nach rechts werden dann die einzelnen Ereignisse gestrichelt in grau abgetragen, wie sich der DAX im Anschluss an in der Vergangenheit vergleichbar negativen Marktphasen entwickelt hat. Die grüne Linie zeigt die durchschnittliche Entwicklung dieser 20 Ereignisse. In der Vergangenheit ist der DAX also in den folgenden 6 Monaten um durchschnittlich 9,8% angestiegen. Das ist doch mal eine schöne Aussicht, oder?

Aber die grau gestrichelten Linien zeigen auch: Nicht immer folgte eine Rallye, es gab seit 2006 auch einige Ereignisse, in denen die Kurse anschließend noch heftiger gefallen sind.

Die negative Stimmungslage hat sich in der Vorwoche in steigende Kurse entladen, die von Anlegern ungläubig beobachtet wurden. In der nun abgelaufenen Woche haben Anleger die positive Entwicklung registriert, die Stimmung hat sich aufgehellt, obwohl der DAX letzte Woche unverändert aus dem Rennen gegangen ist.

Wir sind noch weit entfernt von Stimmungswerten, die eine Fortsetzung der Rallye belasten würden. Im Gegenteil, die lange Phase der negativen Stimmungswerte benötigt eine lange Phase der positiven Stimmung. Bislang dominiert noch Skepsis das Geschehen, es ist also noch Luft nach oben vorhanden.

Diese Sichtweise wird auch insbesondere durch die hohe Cashquote der US-Fondsmanager bestätigt. Die Rallye kam überraschend, nur wenige Anleger konnten an ihr partizipieren. Es könnte also eine Marktphase folgen, in der immer mehr Anleger Schwankungen am Aktienmarkt zum sukzessiven Aufbau von Positionen nutzen. Damit ist ein plötzlicher, erneuter Kurseinbruch derzeit weniger wahrscheinlich … natürlich nur solange es keine Hiobsbotschaften gibt.



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12 Kommentare

  1. Nur ein Schwerkranker,der vom Himmel träumt sieht Luft nach oben, ein gesunder fundamentaler Denker sieht eher tiefe Abgründe.
    DAX ca. 10% vom Hoch bei dieser Gemengenlage ? ? Bitte Börsen schliessen und Alles ins Casino transferieren !

    1. Oder den Blog auf diejenigen beschränken, die ein Minimum von den Börsenmechanismen verstehen.😜

  2. Börsenmechaniker

    Wenn man den Mechanismus kennt, der in den letzten 10Jahren die orbitanten Kurssteigerungen produzierte, könnte man trotzdem zum Schluss kommen, dass nach 8 bis 10% Rally die Luft sehr dünn wird ,vor allem wenn sie noch von Schiesspulver verseucht ist.
    Ich gehe davon aus, dass alle NEUBÄREN wie Ray Dalio und Co.die erwähnten Börsenmechanismen auch kennen.Ich kann mich nicht erinnern,dass jemand von diesen BÖRSENMECHANISMUS- KENNERN die Korrektor seit Anfang Jahr voraussagte.

  3. Wow, so viel Pessimismus, wie aus den drei obigen Kommentaren herausspült, habe ich selten erlebt. Wenn ihr drei Eure aktuelle Positionierung überdenkt, was werdet ihr als nächstes tun:

    1. die ohnehin bereits große Short-Position, die ihr sicherlich habt, wenn ihr handelt wie ihr schreibt, noch weiter vergrößern?
    2. Die große Shortposition eindecken?
    3. Gar nichts

    Ich befürchte, es wird auf Punkt 2 & 3 hinauslaufen. Zumindest auf Sicht von einigen Wochen gibt es einfach zu Wenige, die weitere Verkäufe / Leerverkäufe tätigen.

    1. @Stephan Heibel. Da haben Sie aber meinen Kommentar missverstanden. Ich bin Ihrer Meinung und mein etwas sarkastischer Kommentar war an @Lagarde Fan gerichtet, der (die) wieder einmal den unsinnigen Vergleich mit einem Casino hergestellt hat. Weil so börsenspezifische Reaktionen, resultierend aus einer Short Squeeze in Koinzindenz mit großer Marktangst, großen Absicherungen und großen Cashbeständen nicht verstanden wurden.
      Lassen Sie sich nicht beirren in Ihrer tollen Arbeit im Sinne der Behavioral Finance.
      Grüße

      1. Oh, tatsächlich, sorry, der Sarkasmus war so fein, dass ich ihn beim ersten Lesen übersehen habe. Vielen Dank für die Klarstellung :-) und noch mehr Dank für das Lob.

  4. @ Stephan Heibel, als alter Bär fühle ich mich wie von einem Bullen angebrüllt.Zu meiner Lage.Als vorsichtiger Shorter ( aus Angst vor den gefährlichen Bärenmarktrallys) habe ich seit Herbst mit einer kleinen Position als Swingtrader ( 2Mini S&P) über 100 k netto gemacht.Der grösste Gewinn startete genau nach der letzten Rally bei ca.4600P. ( ähnlich wie jetzt.)Zur Zeit bin ich wieder mit kleiner POS. Short und beginne mit dem Aufbau einer Long POS in US Bonds.Es würde mich freuen wenn die Aktien noch höher kommen um aufzustocken..( Ihre Ansicht, was auch möglich ist.)
    Wenn ich sehe,dass die meisten Profis die Depots ihrer Kunden seit Anfang Jahr arg dezimiert haben, so bin ich mit meiner pessimistischen Einschätzung sehr gut gefahren.
    Wenn sie schon so selbstsicher auftreten könnte sie vielleicht ihren Kontostand verglichen mit Januar 22 kommunizieren.Herr Fugmann wird es überprüfen.

    1. Wir sind uns offensichtlich einig, dass zumindest kurzfristig die Kurse noch höher laufen können. viele Probleme sind bekannt und es wird nach Lösungen gesucht. In den kommenden Wochen/Monaten wird sich mMn zeigen, ob die Lösungen greifen, oder aber ob wir in ein Chaos (Hyperinflation, Krieg, …?) versinken. In den vergangenen Jahrzehnten wurden stets Lösungen gefunden, die Chaos verhinderten. Wird es diesmal misslingen? Wir werden sehen.

      Meine Performance wird jedes Jahr veröffentlicht:
      https://www.heibel-unplugged.de/heibel-ticker-vs-dax-portfolio-entwicklung-und-jahresvergleich/

      Im laufenden Jahr bin auch ich auf dem falschen fuß erwischt worden – nicht in dem, was ich empfohlen habe, aber in dem, was ich gemacht habe. Es ist ein Unterschied, zu schreiben und zu handeln. In den vergangenen 20 Jahren haben meine Kunden mir immer wieder bestätigt, dass ich besser schreibe :-) „Gemacht“ habe ich durchschnittlich p.a. +11%, insbesondere deswegen, weil ich Tiefs sehr gut erkenne. Bei Hochs hapert’s noch, daher bin ich aktuell in diesem Jahr bei -15%. Da ich Einzeltitel halte, und diese möglichst lange, also mich eher als Investor sehe, gehören zwischenzeitliche Verluste jedoch dazu. Mein Portfolio ist aktuell so aufgestellt, dass ich (hoffentlich) in der nächsten Rallye stärker profitiere, als der breite Markt. Aktuell sieht’s so aus, als passt das.

  5. @ Stephan Heibel, meine Anerkennung ,dass sie mindestens zugeben,die Wende trotz Ankündigung der Notenbanken nicht erwischt zu haben . ( Der erste der sich getraut ). Anderseits war es in den letzten Jahren leicht die Tiefpunkte zu erkennen,denn alle Dips lösten sich mittelfristig ins Positive und ALLE KÄUFER lagen immer richtig.Trotzdem scheinen mir die 400% Performace in Bezug zu den Ami – Indices nicht erschreckend hoch.
    Da sich ihre Karriere in der grössten Notenbank gepushten Ära abspielte steht ihre Krönung noch aus.Erwiesenermassen scheidet sich der Spreu vom Weizen in längeren Baissephasen, die sie anscheinend noch nicht durchlebt haben.Das Risiko, dass sie mit eher bullischen Genen in längeren Quer- oder Baissephasen an Glanz verlieren ist gegeben.

  6. ;-) Na klar, genauso wie das Risiko, die notenbankgetriebene Rallye zu verpassen, gegeben war :-)

  7. Auffi gehts nicht immer

    Die wahrscheinlichste logische Variante hat Herr Heibel anscheinend nicht auf dem Plan.Die grossen Shorteindeckungen / Gewinnmitnahmen sind nach starkem Überverkauf bei wichtigen Stützen passiert. All diese Eindeckungen inkl.Longtrader haben die Rally ausgelöst. Nach 7 bis 10 % Bärenmarktrally werden die echten Käufer wieder fehlen und die Bären kommen wieder aus der Höhle.Es werden also eher die Käufer als die Verkäufer fehlen.Der Boss des weltweit grössten Fonds der Welt ( norwegischer Staatsfonds) ist erstmals negativ für Aktien.( Zu hören bei den Videos von Lars Erichsen)

  8. @ Si tacuisses, der Börsenmechsnismus funktioniert jetzt anders seit die Fed den Schnellgang blockiert hat. Bin ich jetzt wieder zugelassen beim Blog ?

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