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Dax: Die Pessimisten gewinnen die Oberhand

Dax - Pessimisten haben die Oberhand

Beim Dax gewinnen nun die Pessimisten die Oberhand!

Da wurden einige Anleger vom Window-Dressing auf dem falschen Fuß erwischt. In den letzten Tagen des Jahres 2021 wurden insbesondere diejenigen Titel nach oben gejubelt, die ohnehin bereits auf hohen Jahresgewinnen saßen. Ungeachtet des veränderten Marktumfelds, in dem die steigenden Zinsen dazu führen, dass hoch bewertete Aktien verkauft werden, konnten gerade die hoch bewerteten Aktien bis zum Jahreswechsels nochmals zulegen.

DAX: Die Stimmung hat gedreht

Die Euphorie reichte noch für den ersten Handelstag im neuen Jahr, doch dann begannen Technologiewerte, am zweiten Handelstag dann auch weitere Branchen mit dem Sinkflug. Wenn wir berücksichtigen, dass gerade die größten Konzerne in der Pandemie nochmals deutlich zugelegt haben, wird schnell offensichtlich, dass viele Anleger in den Werten investiert sind, die jetzt ausverkauft werden. Die vielen kleinen Titel, die in den vergangenen zwei Jahren vergessen wurden, können sich zwar derzeit recht gut behaupten. Doch da diese nur selten in den Portfolios der Anleger liegen, reicht das nicht aus, um gute Laune zu verbreiten.

Im Gegenteil, das Anlegersentiment gegenüber dem DAX ist in der zweiten Woche des jungen Jahres erneut zurückgegangen. Mit einem Wert von -1,8 ist die Stimmung nun wieder so schlecht wie Anfang Dezember, als Omikron entdeckt wurde und für einen Ausverkauf sorgte.

Auch die Verunsicherung wächst in der zweiten Woche des Tech-Ausverkaufs weiter auf -2 an. Damit sind wir zwar noch weit entfernt von den Werten um -5 bis -6, die wir Anfang Dezember verzeichneten. Dennoch zeigt die zunehmende Verunsicherung, dass viele Anleger von der aktuellen Entwicklung auf dem falschen Fuß erwischt wurden.

Die Verunsicherung führt zu Zweifel an der ehemals optimistischen Erwartungshaltung. Diese ist nun ins Minus gerutscht (-0,2). Das war nicht einmal Anfang Dezember der Fall. Am Konjunkturaufschwung, der die Aktienmärkte mit weiter nach oben zieht, haben seit Oktober nur sehr wenige gezweifelt. Doch das hat sich nun geändert.

Und so ist die Investitionsbereitschaft beim DAX auf einen Wert von -0,7 gesackt. Das ist die niedrigste Investitionsbereitschaft seit Mai 2021, als die Impfstoffrallye bei vielen Anlegern für Höhenangst gesorgt hatte.

Das Euwax-Sentiment der Privatanleger notiert mit einem Wert von -4 im leicht negativen Bereich, es dominieren bei den Finanzprodukten leicht die Absicherungsprodukte. Das gleiche Bild zeigt sich auch an der Eurex, wo sich die Profis absichern: Das Put/Call-Verhältnis von 2,0 zeigt eine leichte Absicherungsneigung der Profis.

In den USA sieht es ähnlich aus, wenn auch nicht so extrem. Das Put/Call-Verhältnis ist dort seit Mitte Dezember von der extrem bullischen Ausrichtung in den neutralen Bereich zurückgekehrt.

US-Fondsmanager haben ihre Investitionsquote auf 75% reduziert. Bereits Anfang Dezember wurde die Investitionsquote vorübergehend auf 52% gesenkt, um jedoch zum Jahreswechsel wieder über 80% hochgefahren zu werden. Nun wird wieder der Rückwärtsgang eingelegt.

Das Bulle/Bär-Verhältnis der US-Privatanleger zeigt mit einem Wert von -13% einen Überhang der Bären auf. Pessimisten dominieren also auch in den USA das Börsenparkett.

Der technische Angst und Gier Indikator des S&P 500 zeigt mit einem Wert von 52 eine neutrale Verfassung an. So auch der Short Range Oscillator des S&P 500, der für gewöhnlich wesentlich stärker schwankt. Dieser zeigte zum Jahreswechsel, also nach dem Window Dressing, eine stark überkaufte Marktverfassung an, so dass die folgende Korrektur diesem Indikator abzulesen war.

Interpretation der Stimmung zum DAX

Vor einer Woche schrieb ich, dass mir die rückläufige Erwartungshaltung der Anleger Sorge bereitet. Daran hat sich nichts geändert und im Technologie- und Gesundheitssektor sehen wir die roten Vorzeichen dieser Woche. Auch wenn die Stimmung inzwischen ebenfalls deutlich ins Minus gedreht ist, reicht dies noch nicht für einen Boden beim DAX, bzw. ein Ende der holprigen Börsenphase aus.

Ein Boden kann auf zwei Arten erzeugt werden: Entweder es zeigt sich eine fundamentale Entwicklung, die den Optimismus bei den Anlegern hebt. Starke Konjunkturdaten wären dafür geeignet. Oder aber die Aktienmärkte erleben einen panikartigen Ausverkauf, bei dem am Ende alles aufs Parkett geworfen wird, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Sprich: Jegliche Spekulationen würden aufgelöst. Auch Positionen, von denen der Aktionär langfristig nicht vollständig überzeugt ist, würden dann verkauft werden. Das wäre dann ein finaler Ausverkauf, der dann endet, wenn nichts mehr zu verkaufen ist. Das ist ein Unterschied zum ersten Szenario, wo der Ausverkauf durch aufkommendes Kaufinteresse enden würde.

Seit dem Corona-Crash endete jeder Ausverkauf auf die erste Art und Weise. Nach 5%-7% Minus gab es nicht nur beim DAX stets Schnäppchenjäger, die mit ihren Käufen für einen Boden sorgten. Nur dreimal war ein solcher Ausverkauf größer als -10%. Und jeder, der in einen solchen Ausverkauf hinein verkaufte, konnte sich schon wenige Tage später über die Kursgewinne freuen.

Wenn wir berücksichtigen, dass seit dem Corona-Crash sehr viele neue, unerfahrene Aktionäre über Trade Republic, in den USA über Robinhood, an die Börse gekommen sind, können wir uns darauf einstellen, dass diese jungen Anleger das zweite Szenario, das ebenfalls nicht selten ist, noch nie erlebten. Die Frage ist daher nicht ob, sondern wann wir mal wieder einen Ausverkauf erleben, der in Panik mündet.

Daher sind die Sentimentdaten dieser Woche kritisch zu interpretieren. Zwar gibt es bereits einen recht großen Pessimismus sowohl in Deutschland als auch in den USA und sowohl unter Privatanlegern als auch unter den Profis. Doch es fehlt die Zuversicht, um diesen Pessimismus in Aktienkäufe zu wandeln, die frühzeitig die aktuell holprige Börsenphase beenden.

Am Ölmarkt ist eine divergierende Entwicklung zu beobachten: Der Ölpreis ist über 80 USD/Fass gesprungen, die Stimmung notiert im Bereich der Euphorie. Anleger freuen sich über das hohe Niveau am Ölmarkt. Doch die Zukunftserwartung ist gesunken, der Wert notiert nahe der Nulllinie. Weitere Kursgewinne für das Öl werden also nicht erwartet. Damit ist nun zu befürchten, dass die Ölrallye kurzfristig keinen weiteren Zündstoff erhält und ausläuft.

Beim Bitcoin steigt die Zukunftserwartung hingegen stark an, die Stimmung war nun viele Wochen in Folge am Boden. Ich werte dies als Zeichen dafür, dass das aktuelle Kursniveau im Bitcoin, aktuell knapp über 42.000 USD, vielen Anlegern bereits günstig genug für Käufe erscheint.

Hinweis: Bei aktiver Beteiligung (https://www.animusx.de/) an den wöchentlichen Umfragen erhalten Sie die Ergebnisse (Grafiken nebst schriftlicher Auswertung) kostenlos

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