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Dax: Polarisierung steigt, Allzeithoch bei dünnem Handelsvolumen

Der Dax am Allzeithoch

Mit einem Sprung von anderthalb Prozent hat der DAX in der letzten Woche die 16.000 Punkte Marke überwunden. Das US-Infrastrukturprogramm sorgte an den Finanzmärkten weltweit für gute Laune, da konnte weder die Delta-Mutation, noch die Hafenschließung in China etwas dran ändern.

Das Sentiment beim DAX

So stieg unser Anlegersentiment um 2% auf 3,4% an. Ab Werten von 4% sprechen wir von Euphorie, diese Werte sind derzeit noch nicht erreicht. Gute Laune bei steigenden Kursen, insbesondere bei neuen Allzeithochs, ist nachvollziehbar und somit noch kein Warnsignal.

Die Selbstzufriedenheit verharrt auf moderat positivem Niveau (1,1%). Ich habe den Eindruck, dass die Sommerzeit bei vielen Anlegern für defensive Positionierungen gesorgt hat: Zwar freuen sich Anleger über den Kursanstieg, doch sie haben nicht voll darauf gesetzt und partizipieren somit nur teilweise an den steigenden Kursen beim DAX.

Mit dem Sprung über 16.000 Punkte ist die Zukunftserwartung deutlich auf nur noch 1,2% zurück gegangen. Das war’s, könnte man nun daraus ableiten: der Sprung über 16.000 Punkte nimmt vielen Anlegern die Zukunftsvisionen. Wo soll es jetzt noch hingehen, fragt sich wohl der eine oder andere, der leicht Schwindelgefühle bekommt.

Dennoch ist die Investitionsbereitschaft auf 1,0% angestiegen (Vorwoche -0,3%). Dieses Verhalten überrascht auf den ersten Blick und lässt sich nur mit den tiefergehenden Fragen der animusX-Analyse klären: Die Investitionsquote ist diese Woche deutlich zurück gegangen, die Cashquote im Umkehrschluss nach oben gesprungen. Mit den ersten neuen Allzeithochs dieser Woche um 15.850 Punkte haben viele Anleger Gewinne realisiert und ihre Positionen aufgelöst. So sind sie nunmehr unterinvestiert und müssen dem Sprung über die 16.000 Punkte unbeteiligt zuschauen.

So zeigt die Investitionsbereitschaft, dass nun einige Anleger im DAX wieder aktiv werden wollen. Sie wollen ihre Positionen wieder aufstocken. Gleichzeitig ist jedoch auch die Shortquote deutlich angestiegen: Einige Anleger spekulieren nun auf einen Rücksetzer.

Das Euwax-Sentiment der Privatanleger ist diese Woche unter die Nulllinie gerutscht: Anleger sichern sich gegen fallende Kurse ab.

Das Put/Call-Verhältnis des DAX, das endlich wieder verfügbar ist, zeigt mit einem Wert von 1,4, dass Finanzprofis derzeit eher neutral positioniert sind. Selbiges lässt sich auch dem Put/Call-Verhältnis der CBOE in den USA ablesen: Nach vielen Wochen mit stark optimistischer Positionierung zeigt dieser Indikator nun eine neutrale Positionierung der US-Anleger an.

US-Fondsmanager haben unverändert zur Vorwoche 98% ihrer Mittel investiert. Da Fondsmanager über gehebelte Investments auch über 100% gehen können, ist ein Wert von 98% als vergleichsweise neutral anzusehen.

Auch das Bulle/Bär-Verhältnis der US-Privatanleger zeigt mit 5,5% eine neutrale Verfassung an. Dieser leicht optimistische Wert spiegelt die durchschnittlich leicht optimistische Grundhaltung von US-Anlegern wider.

Der technische Angst und Gier Indikator des S&P 500 notiert mit 42% ebenfalls im neutralen Bereich.

Die Stimmung gegenüber dem DAX, Gold und Bitcoin  – eine Interpreation

Neutral, neutral, neutral, … das Einzige, was sich interpretieren lässt, ist das Verhalten der Anleger, das ich aus den Investitionsquoten ableiten kann. Mit dem Sprung über die 16.000 Punkte steigt die Polarisierung: die einen wollen noch auf den angefahrenen Zug aufspringen, die anderen spekulieren auf einen baldigen Rücksetzer. Beide halten sich aber die Waage, so dass daraus kein Ungleichgewicht abgeleitet werden kann, das alleine, also ohne relevante Neuigkeiten, zu einer Richtungsentscheidung genutzt werden kann.

Das Handelsvolumen dieser Tage ist nicht nur beim DAX extrem dünn, wie meistens zu dieser Jahreszeit. Entsprechend würde ich diesem Umstand mehr Gewicht verleihen: Die 16.000 Punkte wurden von einer kleinen Minderheit überwunden. Für einen nachhaltigen Impuls zur Fortführung der Rallye braucht es aber viele Anleger. Ich wäre also vorsichtig mit neuen Investments auf diesem Niveau.

Das Goldsentiment zeigt nach dem Flashcrash zum Wochenbeginn deutlich Katerstimmung unter den Anlegern. Das Anlegersentiment notiert im extrem negativen Bereich, während die Zukunftserwartung gleichzeitig deutlich optimistisch ist. Das ist ein gutes Stimmungscocktail für steigende Kurse.

Beim Öl hingegen sieht es anders aus: Die Ölpreisrallye seit dem November des Vorjahres hat die Anlegerstimmung in ungeahnte Höhen katapultiert. Seit Juli entwickelt sich der Ölpreis jedoch rückläufig, die Stimmung ist eingebrochen. Gleichzeitig ist die Zukunftserwartung für die Ölpreisentwicklung bereits seit langer Zeit extrem negativ. Es gibt also wenig Überzeugung im Markt, während die Kurse purzeln. Nach einer so langen Rallye kann die nun begonnene Korrektur durchaus noch länger andauern, bevor ein Boden gefunden wird.

Stimmung und Erwartung unter Bitcoinern sind diese Woche in die Höhe geschossen. In den USA nimmt die Diskussion um eine Regulierung der Bitcoinwelt immer mehr Raum ein. Wenngleich die gesellschaftlichen Aussteiger am liebsten einen völlig freien Bitcoin hätten, weiß doch die Mehrzahl der Gesellschaft, dass eine gewisse Form der Regulierung benötigt wird und sogar hilfreich und vertrauensbildend sein kann.

Bei aktiver Beteiligung (https://www.animusx.de/) an den wöchentlichen Umfragen erhalten Sie die Ergebnisse (Grafiken nebst schriftlicher Auswertung) kostenlos.



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