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Dax seit Paris-Terror +420 Punkte – perfider Anstieg, Zufall, oder Hoffnung?

FMW-Redaktion

Der Dax hat gestern früh mit einem für das geschehene Attentat in Paris noch kleinen Gap von 140 Punkten eröffnet. Von da aus hat er bis jetzt stramm 420 Punkte zugelegt. Ein perfider Anstieg? Aber basierend worauf? Oder nur Zufall? Oder ein Anstieg entstanden aus aktuellen Wirtschaftsdaten? Eine kleine Spurensuche…

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Die erste normale Reaktion nach den Terroranschlägen in Paris am Freitag Abend war es zu fallen. Dann werden sich viele Börsianer daran erinnert haben, dass z.B. nach den Terroranschlägen in London börsentechnisch gar nichts passierte. Auf die Realwirtschaft in UK hatten diese Anschläge keine Auswirkung. So ist es nachvollziehbar, dass der Dax schon gestern früh in der Vorbörse dieses Gap wieder schloss.

Aber warum dann dieser imposante schnelle Anstieg gestern und heute? In Japan z.B. wird die Konjunkturseite immer düsterer und man erwartet immer stärker weitere Geldschwemme-Maßnahmen der dortigen Notenbank. Und gerade gestern konnte man von EZB-Offiziellen erneut deutliche Worte vernehmen, die für die Eurozone ab Dezember auch mehr Gelddruckerei erwarten lassen. Das mag positiv auf die Aktienmärkte eingewirkt haben.

Aber kann es nicht doch sein, dass irgendeine eine unterschwellige Hoffnung mitschwingt? Aber was für eine Hoffnung? In Paris z.B. wurden in den letzten drei Tagen bereits diverse Buchungen für Events ausländischer Unternehmen storniert. Zu erwarten ist ganz real, dass nicht nur in Frankreich, sondern auch im Rest Europas ein Effekt einsetzt, der in New York nach 9/11 zu sehen war: Viele Menschen bleiben zuhause und gehen nicht mehr in Restaurants oder Bars. Das bedeutet natürlich weniger Konsum, zurückgehende Wirtschaftsleistung usw. Kann also durch den Terroranschlag in Paris so mancher Marktteilnehmer die Hoffnung hegen, dass die EZB sich „noch mehr“ genötigt fühlt ihre Geldschwemme auszuweiten, und zwar noch höher und länger als ohnehin schon geplant?

Dieser Gedankengang wird, so darf man es vermuten, in den +420 Punkten der letzten beiden Tage enthalten sein. Messbar ist das natürlich nicht. Heute kommt ein positiver ZEW-Index sowie ein weiter schwacher Euro dazu. Der Dollar-Index, der die Bewegung des US-Dollar gegen einen Korb von Währungen darstellt, steigt gerade seit Oktober zügig an von 94 auf jetzt 99,7 (98,8 am Freitag Abend) – eine kleine Flucht in die vermeintliche Sicherheit des Dollar also. Insgesamt sieht man gestern und heute eine merkwürdige Mischung vieler Faktoren mit dem unguten Gefühl, dass der Terror in Paris bei vielen die Hoffnung weckt, dass die EZB noch viel mehr Geld pumpen wird als eh schon angedacht um durch den Terror (vielleicht) verursachte Konjunkturdellen vorzubeugen.




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