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Dax: Seltsame Stimmung trotz Allzeithoch in der letzten Woche!

Wieder einmal zeigt das Wochenplus von 1,5% im DAX nicht die ganze Dramatik, die sich in der abgelaufenen Woche auf dem Börsenparkett abgespielt hat: Am Mittwoch wurde ein neues Allzeithoch bei 14.194 Punkten erreicht, doch seither sorgten die Zinsängste für einen Ausverkauf, der die Hälfte des Wochengewinns zunichte machte. Gefühlt ist der Ausbruch auf neue Hochs, der eigentlich eine neue Aufwärtsdynamik starten sollte, misslungen. Schauen wir mal, wie die Stimmung der Anleger darauf reagiert.

Das Aktiensentiment ist von -2,4 in der Vorwoche leicht auf -1,4 angestiegen, zeigt damit jedoch weiterhin eine relative Niedergeschlagenheit an. In einer Woche, in der vom Dax ein neues Allzeithoch erklommen wurde, ist eine so depressive Stimmung bemerkenswert.

Auch die Verunsicherung, die in der Vorwoche mit einem Wert von -5,2 sehr groß war, ist in dieser Woche lediglich auf -3,3 angestiegen. Von Selbstzufriedenheit sind Anleger weit entfernt.

Die Erwartung für die weitere Entwicklung im DAX in drei Monaten ist leicht auf 3,2 zurück gekommen: Optimisten dominieren weiterhin klar die Erwartungshaltung der Anleger, der Optimismus ist weiterhin groß. Ich schreibe das der Aussicht auf die Impfungen zu, die der Corona-Pandemie in absehbarer Zeit ein Ende setzen werden.

Und auch die Investitionsbereitschaft ist mit einem Wert von 1,6 nach 2,3 in der Vorwoche weiterhin groß. Es ist also davon auszugehen, dass Kursrückschläge frühzeitig gekauft, und somit abgefangen werden.

Das Euwax-Sentiment der Privatanleger zeigt mit einem Wert von -2 leichte Absicherungsneigung der Anleger an. Es wird also wieder weniger auf steigende Kurse gewettet, vielmehr versucht man die erzielten Buchgewinne mit Put-Scheinen abzusichern. In den vergangenen zwölf Monaten war die Absicherungsneigung der Privatanleger jedoch meistens wesentlich größer, Werte von -5 waren die Norm, Extremwerte von -13 wurden erreicht.

Das Put/Call-Verhältnis der CBOE zeigt für US-Anleger hingegen weiterhin eine extrem bullische Positionierung an. Insbesondere für Aktien gehen US-Anleger von steigenden Kursen, also von einer Fortsetzung der Rallye aus.

US-Fondsmanager hingegen sind da vorsichtiger, die Investitionsquote wurde diese Woche auf 65% stark zurückgefahren. In der Vorwoche stand sie noch bei 85%, vor zwei Wochen sogar bei 108%.

Bei den US-Privatanlegern hingegen haben die Bullen weiterhin das Sagen: Das Bulle/Bär-Verhältnis steht bei 15% zugunsten der Bullen.

Der technische Angst & Gier Indikator des S&P 500 zeigt mit einem Wert von 48% eine neutrale Marktverfassung an. Auch der Short Range Oscillator des S&P 500 ist mit -2 noch im neutralen Bereich.

Interpretation der Stimmung gegenüber dem Dax

Puh, nicht einfach zu interpretieren: Zum einen gibt es Unterschiede zwischen der Stimmung in Deutschland (verhalten) in Sachen Dax und der Stimmung in den USA (zu bullisch). Zum anderen würde ich eine wesentlich bessere Anlegerstimmung in Deutschland als nachvollziehbar beschreiben, denn wir haben immerhin diese Woche beim Dax ein neues Allzeithoch erreicht. Doch irgend etwas schein die Anleger zu stören.

Seit der Impfstoffrallye im November und Dezember folgte Ende Januar ein heftiger Rücksetzer im DAX von 14.000 auf 13.400 Punkte, um direkt im Anschluss wieder auf 14.000 Punkte zu steigen. Seither pendelt der DAX seitwärts, erklomm nur mit großer Mühe ein neues Allzeithoch, verpasste jedoch mehrere Gelegenheiten, die Impfstoffrallye fortzusetzen.

Nun steigen die Zinsen, die Rotation raus aus den Corona-Gewinnern und rein in die zyklischen Industrieaktien ist weiterhin voll im Gange. Die Frage, die sich nun stellt, ist: Bleibt es bei der kurzen, aber heftigen Korrektur vom Januar, oder müssen wir erneut die verschiedenen Stimmungen einer Korrektur durchlaufen: Euphorie, Ignoranz, Angst, Kapitulation, Akzeptanz des neuen, dann jedoch tieferen Kursniveaus. Das ist der Kreislauf, den die Stimmung der Anleger durchlaufen, wenn eine ausgewachsene Korrektur an den Märkten wütet.

Diese verschiedenen Stimmungen können auch im Rahmen einer Seitwärtsbewegung durchlaufen werden, das nimmt jedoch wesentlich mehr Zeit in Anspruch, als wenn wir einen apokalyptischen Ausverkauf mit Angst und Panik sehen.

Für eine Wiederaufnahme der Rally beim Dax scheint die Stimmung derzeit noch zu wenig negativ zu sein: Mehrere Anläufe auf das Allzeithoch, und nun auch das knappe Überspringen des Allzeithochs wurden stets für Gewinnmitnahmen genutzt. Es wird immer fraglicher, ob ein nachhaltiges Überwinden des Allzeithochs mit einer anschließenden neuen Dynamik für die Fortsetzung der Rally „ohne Anlauf“ gelingen kann. Anlauf, oder anders ausgedrückt: Wer hoch springen möchte, muss zuvor tief in die Knie gehen.

Die Aussicht auf ein Ende der Corona-Pandemie ist jedoch ein so stark positiver Einfluss, dass ein heftiger Rückschlag bislang stets frühzeitig von Kaufinteressenten aufgefangen wurde.

Seitwärtsbewegungen können nervenzehrend sein, wie wir in diesen Wochen erleben. Derzeit spricht einiges dafür, dass unsere Nerven noch ein wenig strapaziert werden müssen, bevor die Rally beim Dax fortgesetzt werden kann.

Trotz Allzeithoch ist die Stimmung gegenüber dem Dax nicht euphorisch



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1 Kommentar

  1. Ich finde Analysen mit Abstand betrachtet immer witzig. Vor allem wenn es doch anders kommt als gedacht. Meistens dauert es einige Wochen oder Monate, bis es dann anders kommt. Deshalb, bitte verzeiht es mir, finde ich es wirklich bemerkenswert, dass diese Einschätzung nicht mal einen Tag gehalten hat – was aber keines Falls am Autor liegt. Ich selbst konnte die verschiedenen Indikatoren auch nicht deuten. Außerdem muss der Dax erstmal zeigen, ob er hält was er verspricht. Vor allem am Turnaround Tuesday.

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