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Der „Konstruktionsfehler“ des Dax – oder warum der Vergleich zwischen dem Dax und dem S&P 500 unsinnig ist

Während sich in den ersten acht Jahren nach der Finanzkrise zwischen dem DAX und dem S&P 500 ein ziemlicher Gleichlauf konstatieren ließ, hat sich seit Ende 2017 eine markante Schere geöffnet. Was passierte zu dieser Zeit? Richtig, die Steuerreform wurde in Kraft gesetzt, mit der Senkung der Unternehmenssteuern in den USA von 35 auf 21 % (um 40 %), was den amerikanischen Leitindex deshalb um über 16 % davoneilen ließ.

Auf 20-Jahressicht liegt die Performance des DAX sogar vor dem US-Pendant. Wie das?

 

Ein eigentlich unsinniger Vergleich

Der DAX ist ein Performance-Index, in dem die Dividenden jedes Jahr hineingerechnet werden, während diese beim S&P 500 als Ausschüttung entfallen. Der S&P 500 spiegelt die Wertentwicklung von ca. drei Viertel des amerikanischen Aktienmarktes wider und dies eben ohne Berücksichtigung der Dividendenzahlungen. Wie sieht nun der Vergleich der beiden Kursindizes (Kurs-Dax und S&P 500) aus?

Der Kurs-Dax stünde aktuell (21.3.2019) bei einem Stand von 5279 Punkten, sein Hoch am 7. März 2000 lag bei 6266 Punkten – also sogar ca.18% höher als heute. Der S&P 500 hätte sich hingegen in diesem Zeitraum knapp verdoppelt (von 1400 Punkten auf über 2800).

 

Was sind die Gründe für diese Underperformance?

Da sind aus meiner Sicht vier wesentliche Gründe anzuführen.

Im Jahr 2000 gab es eine totale Überbewertung von fünf Aktien. Es handelt sich um die deutsche Telekom, die Deutsche Bank, die Allianz und die Münchner Rück. Dies wird sofort klar, wenn man sich die Aktienhöchststände diese Unternehmen zu dieser Zeit ansieht. Telekom (103,90 €), Deutsche Bank (100,65 €), Allianz (383 €) und Münchener Rück (365 €). Und diese Dax-Werte liegen gegenüber dieser Zeit noch immer zwischen 30 und über 90% im Minus.

Der zweite Grund ist die oben erwähnte Steuerreform von Donald Trump, die den US-Werten einen nochmaligen Schub gegeben hat.

Als weiteren Grund muss man natürlich die Aktienrückkäufe (Buybacks) der US-Unternehmen anführen, die in ihren Dimensionen schon kursmanipulative Züge angenommen haben.

Der vierte und letzte Grund liegt in der Struktur des exportlustigen DAX, der gerade durch den aktuellen Handelskrieg Donald Trumps gegen China und den Rest der Welt mit am stärksten gelitten hat.

 

Fazit

Es hätte sich in den letzten Jahren, auch unter Berücksichtigung des Währungsrisikos, sehr gelohnt in dem S&P500 investiert gewesen zu sein, besser als im heimischen DAX. Der langfristige Vergleich beider Indizes verschleiert diese Konstellation. Allerdings könnte sich das schuldenfinanzierte Ultrawachstum des US-Leitindex (nicht nur wegen der Buybacks) in einer deutlichen Korrektur entladen. Der Dax hat dennoch einen Konstruktionsfehler.

„Wait and see!“

 

Foto: Deutsche Börse AG



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4 Kommentare

  1. Der DAX wird seinen Rückstand schon irgendwann einmal wieder aufholen. Deshalb bin ich auf lange Sicht im DAX long und in den US-Indizes short. Auch im Falle eines Crashs dürfte ich mit diesen gegensätzlichen Positionen gut aufgestellt sein.

  2. @ Hesterberg, ich bin mit ihren Einschätzungen zu 99,9% einverstanden, aber mit DAX Long u.US-Aktien Short sähe ich nur kurzfristig einen Sinn, denn wenn es richtig shäppert wird die US-Börse Alles mitziehen.
    Zum Nachhinken des Daxes gibt es einige Gründe. Vor wenigen Tagen als er scheinbar am Aufholen war u.die 10800 er überschritt, kam wieder die leidige US Verurteilung des geerbten Problems von Bayer , während natürlich die Boeing Aktie sich relativ gut hält, weil die Restwelt der US Firma natürlich keine Bussen aufbürdet, die sogar die Firma ruinieren könnte.Zudem sind die EU- Börsen ein wenig realistischer u.preisen eine kommende Rezession schon eher ein während die Amis noch von der Abschaffund der Zyklen durch den Gröpaz träumen. Dass auch ein Handelsabkommen China USA für die EU eher nachteilig wäre ,ist auch ein Faktor. Über das klitze kleine Boeing Problem hört man überhaupt Nichts mehr !
    Meine Meinung, der DAX als Frühindikator ( Wolfgang M) ist nicht im Rückstand, die Amis sind im Rückstand mit der Korrektur

    1. @Beobachter
      Danke!
      Ja, die Amerikaner sind im Rückstand mit einer Korrektur. Und wie man im Dezember schon sehen konnte, knallt es auf der anderen Seite des Atlantiks dann vermutlich viel heftiger als in Deutschland oder anderen Ländern, in denen weit weniger übertrieben wurde. Und wenn es richtig knallt, haben die US-Amerikaner zusätzlich auch noch das Problem, dass sie viel zu stark in Aktien investiert sind. Die Panik kann dann ungeahnte Ausmaße annehmen und ist durch keine Notenbank mehr steuerbar.

  3. Schöner Artikel! Es wäre toll, wenn Herr Fugmann diesen auch lesen würde, den die tägliche Übereinanderlegung dieser Charts nervt schon sehr und unsinnig ist das ohne Zweifel auch.
    MfG Timo Merten

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