Folgen Sie uns

Europa

Deutsche Konjunktur: Wirtschaft wieder in Schrumpfung?

Avatar

Veröffentlicht

am

Schrumpft die deutsche Konjunktur wieder? Wochenlang hatte man im Herbst 2019 darüber spekuliert, ob es in Deutschland zu einer technischen Rezession, also zu einer schrumpfenden Wirtschaft in zwei Quartalen, kommen wird. Es war nicht der Fall, ein kleines Plus im dritten Quartal rettete die Bilanz. Doch jetzt kamen einige schwache Konjunkturdaten, vornehmlich für den Dezember. Beginnt das Zitterspiel von Neuem? Zumal es für das erste Quartal des Jahres 2020 nicht rosig aussieht, ein Virus hält die Welt in Atem und die Weltwirtschaft in Schach.

Deutsche Konjunktur: Die unschönen Dezemberdaten

Da wurden einige ganz schön aufgeschreckt: Das Bundeswirtschaftsministerium meldete für den Dezember einen Produktionseinbruch von 3,5 Prozent im Bereich Industrie, Bau und Energieversorger. In einem Vergleich war dies das größte Minus seit der Finanzkrise 2009. Dabei hatten sich einige Frühindikatoren seit dem Frühherbst (Ifo, DIW-Barometer) stabilisiert, so dass man bereits von einem ganz zaghaften Anspringen der Konjunktur ausgehen konnte. Auch wenn die Exporte im Dezember etwas zugelegt hatten, ruft dies bereits Ökonomen wie Ralph Solveen von der Commerzbank oder Andreas Scheuerle von der Deka-Bank auf den Plan, die von der Möglichkeit einer Stagnation oder Schrumpfung für die deutsche Konjunktur in Q4 sprechen.

Hinzu kommen die Erwartungen für das Wachstum der Weltwirtschaft, die bereits auf die kritische Schwelle von 3,0 Prozent abgesenkt wurden, einem Wert der für manche Industriestaaten die Grenze zur Schrumpfung der eigenen Wirtschaft markiert. Zum Ende dieser Woche werden wir schlauer sein, wenn die offiziellen Daten für das deutsche BIP im Schlussquartal 2019 veröffentlicht werden.

Deutschlands abnehmende Exportdaten

Es sind wie immer sehr entscheidende Daten zu Deutschlands Exportwirtschaft: Im Dezember waren die Ausfuhren im Vergleich zum Vormonat um 0,1 Prozent gestiegen, nachdem die Novemberdaten mit minus 2,2 Prozent enttäuscht hatten. In Summa bedeutet die für den Ex-Exportweltmeister Deutschland – ein Titel, den schon seit Längeren China innehat – ein Wachstum im Jahr 2019 von 0,8 Prozent auf 1,327 Billionen Euro. Verbunden mit einem gewaltigen Handelsbilanzüberschuss, der gerade Donald Trump in Rage bringt. Das Ifo-Institut geht für 2019 von 293 Milliarden Dollar Handelsüberschuss aus oder umgerechnet 7,6 Prozent .

Allerdings verknüpft sich mit diesen Zahlen eine sehr deutliche Entwicklung für Deutschland in puncto Exportwachstum: Dieses hatte 2017 noch 6,2 Prozent betragen, 2018 3,0 Prozent und 2019 noch 0,8 Prozent. Und seit einigen Wochen liegt das Damoklesschwert Coronavirus über dem Welthandel.

Fazit

Normalerweise wäre alles bereitet für eine heftige Korrektur an den Aktienmärkten. Schlechte Daten zu Jahresende, aktuelle Meldungen von Produktionskürzungen, Werksstilllegungen und Beeinträchtigungen der Warenketten infolge des Coronavirus. Deutschland könnte bereits im Schlussquartal 2019 wieder in eine Schrumpfungsphase geraten. sein. Noch domimniert die Hoffnung auf eine gewaltige Rally nach Abklingen der Lungenseuche und einen heftigen Aufholprozess, insbesondere im arbeitsintensiven China, in dem Arbeitsvorschriften keine so große Rolle spielen. Dann arbeitet man halt eben mal 60 Stunden pro Woche.

Wenn da nicht diese absolute Sondersituation wäre: Groß- und Kleinanleger wollen, dass sich ihr Kapital vermehrt und dies geschieht nicht bei einem Referenzzinssatz der zehnjährigen Bund von -0,4 %. Noch stehen die Zeichen nicht auf Rezession für die deutsche Konjunktur, wo es in jedem Fall zu Kursabschlägen kommt. Auf der anderen Seite steht bereits in gut zwei Monaten eine weitere Geldspritze in Gestalt der Dividendensaison in Deutschland bevor, in der alleine die Daxwerte 37 Milliarden Euro an Dividenden ausschütten werden (Deutschland gesamt 50 Milliarden Euro, Europa 360 Milliarden Euro). Siemens, als Ausreißer, machte in der letzten Woche mit 3,90 Euro pro Aktie nach der Hauptversammlung den Annfang.

Dennoch: Deutschland ist ein Spielball der Weltwirtschaft wegen der Exportlastigkeit seiner Industrie und der DAX ist so etwas wie ein Call auf die Weltwirtschaft. Sollte man das Coronavirus nicht in kurzer Zeit in den Griff bekommen, muss es zu einem Einbruch in unseren Aktienindizes kommen, die Produktionszahlen werden es zutage fördern, Dividendensaison hin oder her.

Erinnern wir uns an den Spätsommer 2019, als Sorgen über ein Abgleiten Deutschlands in eine technische Rezession kursierten und der DAX von 12600 auf 11.280 Punkte abgesackt war.

So dreht sich damit derzeit alles um die Frage, inwieweit die Lungenseuche das Weltwirtschaftswachstum beeinträchtigen wird. Hunderte von Analysten und noch wesentlich mehr Anleger versuchen Tag und Nacht Informationen von Medizinern, Virologen und Unternehmenschefs zu erhalten, um sich darüber ein Bild zu machen. Was aber angesichts der Zustände in einem Land mit 1,4 Milliarden Menschen nicht so einfach möglich sein dürfte. So bleibt Vieles im Spekulativen, mehr noch als es ansonsten der Fall wäre.

Die deutsche Konjunktur hat sich zuletzt offensichtlich wieder deutlich abgekühlt

Hier klicken und kommentieren

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Europa

Verbraucherpreise Eurozone dritten Monat in Deflation, BIP besser als erwartet

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Geldbörse in der Klemme

Soeben wurden als Vorabschätzung die Verbraucherpreise für die Eurozone für den Monat Oktober veröffentlicht. Im Jahresvergleich sinken sie um 0,3 Prozent nach -0,3 Prozent und -0,2 Prozent in den beiden vorigen Monaten. Also sehen wir den dritten Monat in Folge Deflation! Das Minus der Energiepreise wird wieder größer mit -8,4 Prozent im Jahresvergleich. Die Verbraucherpreise für Lebensmittel können von +1,8 Prozent auf +2,0 Prozent sogar zulegen, aber die Energie zieht den Schnitt weiter runter. Der Schnitt wird auch durch die deutsche Mehrwertsteuersenkung (wirksam seit Juli) negativ beeinflusst.

Grafik zeigt Details der Verbraucherpreise in der Eurozone im Oktober

BIP für Eurozone weniger schlimm als gedacht

Zusammen mit den Verbraucherpreisen wurden vorhin auch frische Daten für das Eurozonen-Bruttoinlandsprodukt für das 3. Quartal veröffentlicht. Die Wirtschaftsleistung wächst im Quartalsvergleich um 12,7 Prozent (+9 Prozent erwartet). Im Jahresvergleich ist es ein Minus von 4,3 Prozent (-7 Prozent erwartet). Also wie beim deutschen BIP – die Lage scheint etwas weniger schlimm zu sein als erwartet.

Grafik zeigt BIP in Eurozone

weiterlesen

Europa

Aktuell: BIP Deutschland besser – Lagarde hatte es „geleaked“

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Das BIP in Deutschland (1.Veröffentlichung 3.Quartal) ist zum Vorquartal mit +8,2% besser ausgefallen wie erwartet (Prognose war +7,3%).

Zum Vorjahresquartal (preis- und kalenderbereinigt) sank das deutsche BIP um –4,2% (Prognose war -5,2%).

Damit wie in Frankreich die Erwartungen übertroffen – Christine Lagarde hatte das gestern auf der EZB-PK bereits „geleaked“..

Dazu schreibt Destatis:

„Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist im 3. Quartal 2020 gegenüber dem 2. Quartal 2020 – preis-, saison- und kalenderbereinigt – um 8,2 % gestiegen. Das Wachstum war sowohl von höheren privaten Konsumausgaben, mehr Investitionen in Ausrüstungen als auch von stark gestiegenen Exporten getragen. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, ist die deutsche Wirtschaft damit nach dem historischen Einbruch des Bruttoinlandsprodukts im 2. Quartal 2020 infolge der einsetzenden Corona-Pandemie zwar deutlich gewachsen. Im Vergleich zum 4. Quartal 2019, dem Quartal vor der globalen Corona-Krise, lag das preis-, saison- und kalenderbereinigte BIP im 3. Quartal 2020 jedoch 4,2 % niedriger. „

Das BIP in Deutschland erholt sich zum Vorquartal

weiterlesen

Europa

Einzelhandelsumsätze in der Krise: Viele Gewinner, ein Verlierer

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Leeres Einkaufszentrum

Die Einzelhandelsumsätze haben in der Coronakrise nicht gelitten. Sie ziehen sogar deutlich an. Wenn man nachdenkt, kommt man schnell drauf. Die Menschen gehen deutlich seltener ins Restaurant, in Bars, auf Events etc. Folglich wird deutlich mehr zuhause gekocht. Folglich werden mehr Lebensmittel eingekauft als im Vorjahr. Diesen Effekt sieht man in den heute veröffentlichten Daten des Statistischen Bundesamts.

Im September lagen die gesamten Einzelhandelsumsätze gegenüber dem Vorjahresmonat 6,5 Prozent höher. Im Vergleich zum Februar 2020, dem Monat vor Ausbruch der Corona-Pandemie in Deutschland, war der Umsatz im September 2020 kalender- und saisonbereinigt real 2,8 Prozent höher. Der Einzelhandel mit Lebensmitteln, Getränken und Tabakwaren setzte real 6,8 Prozent und nominal 9,6 Prozent mehr um als im September 2019. Dabei lag der Umsatz bei den Supermärkten, SB-Warenhäusern und Verbrauchermärkten real 7,0 Prozent über dem des Vorjahresmonats. Der Facheinzelhandel mit Lebensmitteln (wie zum Beispiel der Facheinzelhandel mit Obst und Gemüse, Fleisch, Backwaren oder Getränken) setzte im entsprechenden Vergleich real 4,9 Prozent mehr um.

Einzelhandelsumsätze bei Nicht-Lebensmitteln

Auch die Einzelhandelsumsätze außerhalb der Lebensmittel profitiert. Aber mit einer Ausnahme. Möbel und sonstige Einrichtungsgegenstände laufen gut mit +11 Prozent, der gesamte Online-Versandhandel läuft blendend mit +21 Prozent. Aber der Bereich Bekleidung und Schuhe verliert 7,3 Prozent an Umsatz. Waren- und Kaufhäuser verlieren 9,9 Prozent an Umsatz. Die Kombination dieser beiden Zahlen zeigt ganz klar, dass Karstadt und Co die Verlierer der Krise sind. Wenn Klamotten, dann werden sie in dieser Krise eher online gekauft.

Grafik zeigt Details der Einzelhandelsumsätze im September

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage

Wenn Sie diese Webseite weiter verwenden, stimmen Sie automatisch der Verwendung von Cookies zu. Zur Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um Ihnen das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen