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Europa

Deutschland vor dem Konjunkturabschwung – so redet sich die Bundesbank das schön

Redaktion

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am

Die Zahlen sind rückläufig, weil… und außerdem ist ja zu beachten, dass… und im Vergleich zu der anderen Zahl ist es ja nur halb so schlimm. Eigentlich sind ja die US-Statistiker Meister darin schlechte Zahlen gut zu reden (spöttisch gesagt „im August fiel zu viel Schnee“). Aber auch hierzulande gibt es Experten, die einige Dinge gut relativieren können!

Aber erst einmal ein Hinweis: Wir haben aktuell in Deutschland in der Tat eine sogenannte Phase der „Hochkonjunktur“. Alles läuft also in den großen wichtigen Kennzahlen total super, und das schon eine ganze Weile. Ignorieren wir hier mal „lästige Randerscheinungen“ wie zunehmende Leiharbeit, Altersarmut, Rentenlüge etc. Die großen wichtigen Zahlen wie BIP, Beschäftigung, Steueraufkommen etc sehen mehr als gut aus. Das ist positiv, und sollte als solches auch als gut befunden werden.

Doch die Schönredner, die am Liebsten jeden Konjunktuabschwung mit frischen Notenbank-Euros ersticken möchten, können noch so viel tun. Einen zukünftigen Abschwung können sie vielleicht verzögern oder schön reden – aber es gibt nun mal Konjunkturzyklen – es geht rauf, runter, rauf, runter. Das lässt sich nicht ändern. Und es läuft schon viel zu lange viel zu gut. Also ist der Abschwung schon längst überfällig.

Ob er hunderprozentig bald ins Haus steht, wissen auch wir nicht. Aber die Wahrscheinlichkeit nimmt doch immer mehr zu, dass es Ende 2018 losgehen könnte. Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe, die in den letzten Monaten hereinkamen, zeigten immer deutlicher, dass der deutschen Industrie demnächst Aufträge fehlen werden – was weniger Produktion und weniger Bedarf an Arbeitskräften bedeutet. Dieser Effekt wird sich wohl erst in mehreren Monaten zeigen, wenn die neuen Aufträge in tatsächliche Produktion umgewandelt werden – dann wird der Rückgang erst real sichtbar.

Heute hat die Bundesbank ihren Monatsbericht für Juni veröffentlicht. Darin nimmt sie nochmal Stellung zur ihrer stark nach unten revidierten BIP-Prognose vom letzten Freitag. Auch bespricht sie die rückläufigen Auftragseingänge der Industrie. Die Aussagen deuten auf einen spürbaren Konjunkturabschwung hin, so meinen wir es zumindest. Aber lesen Sie selbst, wie die Bundesbank versucht das alles als nur halb so schlimm hinzustellen. Zitat auszugsweise au dem aktuellen Bundesbank-Bericht:

Der Auftragseingang in der Industrie sank im April 2018 saisonbereinigt im Vormonatsvergleich kräftig (– 2½%). Gegenüber dem Durchschnitt der ersten drei Monate des Jahres gingen die neuen Bestellungen noch deutlich stärker zurück (– 3¼%). Ausschlaggebend dafür war die schwache Nachfrage nach Industrieerzeugnissen aus dem Inland (– 4¼%) und insbesondere aus dem Euroraum (–10½%), während der Orderzufluss aus Drittstaaten außerhalb des Euro-Währungsgebiets mit 2¾% merklich zulegte.

Werden die recht unregelmäßig eingehenden Großaufträge herausgerechnet, fiel der Rückgang insgesamt geringer aus (– 2¼%). Außerdem ist dann die Diskrepanz zwischen der Entwicklung im Euroraum, aus dem besonders wenige Großbestellungen eingingen, und dem übrigen Ausland deutlich weniger ausgeprägt. Nach Branchen aufgegliedert sah sich vor allem das Investitionsgütergewerbe (– 6½%), aber auch die Konsumgüterbranche (–1¾%) einem verminderten Kaufinteresse gegenüber. Einer spürbaren Mehrnachfrage erfreuten sich dagegen die Produzenten von Vorleistungsgütern (+ 1¾%).

Insgesamt setzte sich die Abwärtsbewegung bei den Auftragseingängen aus dem Winterquartal fort. Der besonders starke Rückgang im April dürfte aber wohl als Ausreißer anzusehen sein. Dafür spricht jedenfalls, dass die Unternehmen laut ifo Institut ihren Auftragsbestand im Mai deutlich positiver beurteilten als im Vormonat und damit wieder fast so gut wie im Januar 2018, als ein Rekordwert erreicht wurde. Auch die Auftragsreichweite verweilte im März auf dem höchsten Wert seit Beginn der Datenerhebung im Jahre 2015, den sie infolge des sehr lebhaften Orderzuflusses in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres erreicht hatte. Damit bleibt die Auftragslage in der deutschen Industrie bis jetzt wohl noch recht günstig.

Konjunkturabschwung? Arbeiter bei Siemens
Beispielfoto: Arbeit an einer Turbine von Siemens. Foto: Siemens (CC BY-SA 3.0)

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Europa

ifo Index schwächer – aber hätte viel schlimmer kommen können..

Markus Fugmann

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Soeben hat das ifo Institut den ifo Index für Januar veröffentlicht:

– ifo Geschäftsklimaindex 90,1 (Prognose war 91,8; Vormonat Dezember war 92,1)

– aktuelle Lage 89,2 (Prognose war 90,6; Vormonat war 91,3)

– Erwartungen: 91,1 (Prognose war 93,2; Vormonat war 92,8)

Na gut, schwächer als erwartet, aber viel besser, als es hätte im schlimmsten Fall kommen können! Sehr bullisch..

Dazu ifo in einer Pressemeldung:

„Die Stimmung in den deutschen Chefetagen hat sich verschlechtert. Der ifo Geschäftsklimaindex ist im Januar auf 90,1 Punkte gefallen, nach 92,2 Punkten im Dezember. Die Unternehmer beurteilten ihre aktuelle Lage schlechter als im Vormonat. Auch ihre Erwartungen fielen pessimistischer aus. Die zweite Corona-Welle hat die Erholung der deutschen Wirtschaft vorläufig beendet.

Im Verarbeitenden Gewerbe ist der Index nach zuletzt acht Anstiegen in Folge wieder gesunken. Dies war auf deutlich weniger optimistische Erwartungen der Industriefirmen zurückzuführen. Die aktuelle Lage bewerteten sie hingegen merklich besser. Die Kapazitätsauslastung stieg um 1,6 Prozentpunkte auf 81,8 Prozent. Sie liegt damit aber immer noch unter ihrem langfristigen Durchschnitt von 83,5 Prozent.

Im Dienstleistungssektor ist der Geschäftsklimaindikator merklich gesunken. Die Unternehmen korrigierten ihre Einschätzungen zur aktuellen Lage nach unten. Zudem nahm der Pessimismus mit Blick auf die kommenden Monate deutlich zu. Der Auftragsbestand, insbesondere im Bereich Transport und Logistik, entwickelte sich schwächer.

Im Handel ist der Geschäftsklimaindex eingebrochen. Der Indikator zur aktuellen Lage stürzte in den negativen Bereich. Dies war der stärkste Rückgang seit April 2020. Auch die Erwartungen fielen deutlich pessimistischer aus. Die Stimmung verschlechterte sich, teilweise massiv, in nahezu allen Einzelhandelssparten. Anders als im Dezember zeigten diesmal auch im Großhandel viele Indikatoren nach unten.

Auch im Bauhauptgewerbe verschlechterte sich das Geschäftsklima. Die Einschätzungen zur aktuellen Lage fielen etwas schlechter aus. Zudem blickten mehr Unternehmer pessimistisch auf die kommenden Monate.“

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Europa

Deutsche Wirtschaft „auf schwachem Fuß gestartet“: Einkaufsmanager

Markus Fugmann

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Soeben wurde der Einkaufsmanagerindex für deutsche Wirtschaft (Markit PMI; erste Veröffentlichung für Januar) veröffentlicht – einer der zentralen Indikatoren für die deutsche Konjunktur:

Gesamtindex: 50,8 (Prognose war 50,3; Vormonat war 52,0)

Verarbeitendes Gewerbe: 57,0 (Prognose war 57,5; Vormonat war 58,3)

Dienstleistung: 46,8 (Prognose war 45,3; Vormonat war 47,0)

Kurz zuvor war der Einkaufsmanagerindex aus Frankreich mit 51,5 für Gewerbe (Prognose war 50,5; Vormonat war 51,1) und mit 46,5 für Dienstleistung (Prognose war 48,5; Vormonat war 49,1) veröffentlicht worden.

Zu den Daten aus Deutschland kommentiert Phil Smith von Markit, das die Umfrage ausgeführt hat:

„Die deutschen Januar-Flashes sind keine große Überraschung. So lieferte die Industrie trotz leichter Abschwächung wieder starke Zahlen, während die Geschäftstätigkeit im Servicesektor infolge des Mitte Dezember eingeführten Lockdowns erneut rückläufig war. Alles in allem ist Deutschland auf schwachem Fuß ins neue Jahr gestartet und die Verlängerung der jüngsten Eindämmungsmaßnahmen bis mindestens Mitte Februar bedeutet, dass sich daran auch in den kommenden Wochen nicht viel ändern dürfte. Die Industrie ist weiter der Lichtblick, unterstützt vom nachhaltigen Wachstum der Exporte. Die Hersteller strotzen nur so vor Zuversicht, wie der Rekordwert bei den Geschäftsaussichten zeigt. Anscheinend lassen sie sich dabei auch nicht von den zunehmenden Unterbrechungen in den Lieferketten abschrecken, die im Januar zu einer beispiellosen Verlängerung der Lieferzeiten führte. Wir sehen jedoch bereits einen entsprechend kräftigen Anstieg der Kosten, wenngleich es angesichts stagnierender Verkaufspreise momentan keine Anzeichen für einen generell steigenden Inflationsdruck gibt.“

 

 

Die EInkaufsmanagerindizes als Parameter für die deutsche Wirtschaft

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Europa

Aktuell: EZB-Entscheidung veröffentlicht

Claudio Kummerfeld

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EZB-Tower in Frankfurt

Die EZB hat soeben ihre Entscheidung veröffentlicht.

Der EZB-Leitzins (Refinanzierungssatz) bleibt unverändert bei 0,00 Prozent. Der extrem wichtige Banken-Einlagenzins, auf den sich Banken bzgl. der Negativzinsen berufen, bleibt ebenfalls unverändert bei -0,50 Prozent. Die Marginal Lending Facility bleibt ebenfalls unverändert bei 0,25 Prozent.

Die Aufkaufprogramme für Anleihen und Liquiditätsspritzen für die Banken werden wie bisher fortgesetzt.

Um 14:30 Uhr folgt die PK von Christine Lagarde. Wir berichten dann umgehend über alle interessanten Aussagen. Hier das offizielle Statement der EZB zur jetzigen Entscheidung:

Zweitens wird der EZB-Rat die Ankäufe im Rahmen des Pandemie-Notfallankaufprogramms (Pandemic Emergency Purchase Programme – PEPP) fortsetzen. Dies hat einen Gesamtumfang von 1 850 Mrd €. Der EZB-Rat wird die Nettoankäufe im Rahmen des PEPP mindestens bis Ende März 2022 und in jedem Fall so lange durchführen, bis die Phase der Coronavirus-Krise seiner Einschätzung nach überstanden ist. Die Ankäufe im Rahmen des PEPP werden durchgeführt, um während der Pandemie die günstigen Finanzierungsbedingungen aufrechtzuerhalten. Wenn mit Ankäufen, die den Gesamtumfang des PEPP über den Zeithorizont der Nettoankäufe hinweg nicht voll ausschöpfen, günstige Finanzierungsbedingungen aufrechterhalten werden können, muss dieser Gesamtumfang nicht vollständig genutzt werden. Genauso kann der Umfang erforderlichenfalls auch rekalibriert werden, um günstige Finanzierungsbedingungen aufrechtzuerhalten und so dem negativen Schock der Pandemie auf die Inflationsentwicklung entgegenzuwirken.

Der EZB-Rat wird die Tilgungsbeträge der im Rahmen des PEPP erworbenen Wertpapiere mindestens bis Ende 2023 weiterhin bei Fälligkeit wieder anlegen. Das zukünftige Auslaufen des PEPP-Portfolios wird in jedem Fall so gesteuert, dass eine Beeinträchtigung des angemessenen geldpolitischen Kurses vermieden wird.

Drittens werden die Nettoankäufe im Rahmen des Programms zum Ankauf von Vermögenswerten (Asset Purchase Programme – APP) in einem monatlichen Umfang von 20 Mrd € fortgesetzt. Der EZB-Rat geht weiterhin davon aus, dass die monatlichen Nettoankäufe von Vermögenswerten im Rahmen des APP so lange fortgesetzt werden, wie dies für die Verstärkung der akkommodierenden Wirkung seiner Leitzinsen erforderlich ist, und dass sie beendet werden, kurz bevor er mit der Erhöhung der EZB-Leitzinsen beginnt.

Der EZB-Rat beabsichtigt, die Tilgungsbeträge der im Rahmen des APP erworbenen Wertpapiere weiterhin bei Fälligkeit für längere Zeit über den Zeitpunkt hinaus, zu dem er mit der Erhöhung der Leitzinsen beginnt, vollumfänglich wieder anzulegen und in jedem Fall so lange wie erforderlich, um günstige Liquiditätsbedingungen und eine umfangreiche geldpolitische Akkommodierung aufrechtzuerhalten.

Schließlich wird der EZB-Rat weiterhin reichlich Liquidität über seine Refinanzierungsgeschäfte zur Verfügung stellen. Insbesondere stellt die dritte Serie gezielter längerfristiger Refinanzierungsgeschäfte (TLTRO III) nach wie vor eine attraktive Finanzierungsquelle für Banken dar, wodurch deren Kreditvergabe an Unternehmen und private Haushalte unterstützt wird.

Der EZB-Rat ist nach wie vor bereit, alle seine Instrumente gegebenenfalls anzupassen, um sicherzustellen, dass sich die Teuerungsrate – im Einklang mit seiner Verpflichtung auf Symmetrie – auf nachhaltige Weise seinem Ziel annähert.

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