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Die heutigen US-Arbeitsmarktdaten und die Reaktion der Märkte

FMW-Redaktion

Nach den gestrigen ADP-Arbeitsmarktdaten, die mit 153.000 neuen Stellen unter der Erwartung geblieben waren, sind die Erwartungen an die heutigen US-Arbeitsmarktdaten gedämpft. Das zeigt sich etwa bei den US-Anleihen, deren Renditen nach den gestrigen ADP-Zahlen wieder deutlich fielen: die 10-jährige US-Anleihe fiel auf 2,34%, der niedrigste Stand seit dem 08.Dezember. Noch stärker der Fall der Renditen bei der 30-jährigen US-Anleihe, die nun wieder unter der 3%-Marke rentiert – und damit so niedrig wie seit November nicht mehr. Und da die Renditen bei den länger laufenden US-Anleihen schneller fallen als bei den kürzer laufenden Anleihen, verflacht sich die US-Zinskurve wieder deutlich – diese ist nun sogar flacher als am US-Wahltag, was Banken tendentiell belastet, sich aber am Markt noch nicht auswirkt, weil die Hoffnungen groß sind, dass Trump die große De-Regulierung im Finanzsektor starten wird.

Aber es mehren sich doch zunehmend die Zweifel, dass Trump so ohne weiteres Vollgas geben kann. Offenkundig werden die Widerstände innerhalb des US-Kongresses gegen die Pläne Trumps derzeit größer – es könnte also alles viel langsamer gehen, als die Wall Street denkt – und eingepreist hat. Denn es ist etwas anderes, wenn Trump mit seinen Twitter-Kommentaren die Märkte bewegt, aber die Umsetzung von Trumps Plänen nach seinem Amtsantritt angesichts eines riesigen Apparates in Washington sicher nicht so schnell gehen wird wie ein schnell rausgeschossener Tweet. Genau das spielen die US-Anleihemärkte, die US-Aktienmärkte dagegen fallen zwar nicht nachhaltig, kommen aber auch nicht mehr wirklich nach oben.

Für die heutigen US-Arbeitsmarktdaten liegt die Konsenserwartung im Bereich 170.000 bis 180.000 bei einer Arbeitslosenquote von 4,7%. Die Optimisten argumentieren mit den zuletzt überwiegend guten Konjunkturdaten (ISM etc.), verweisen auf das starke Weihnachtsgeschäft und sehen vor allem voraus, dass der Einzelhandel in den USA viele Jobs geschaffen habe. Die Pessimisten verweisen auf die schwachen Beschäftigunskomponenten bei den ISM-Indizes und die fortgeführten Anträge auf Arbeitslosenhilfe, die so hoch sind wie seit vier Monaten nicht mehr.

So oder so: die Reaktion der Märkte heute ist etwas „tricky“. Sind die Daten zu stark (also weit über 200.000 neue Jobs), dann dürfte das für die Aktienmärkte ein Problem sein, nachdem die Fed dezidiert auf ein „Unterschießen“ der Arbeitslosenquote als Grund für schnellere Zinsanhebungen verwiesen hatte. Derzeit preisen die Fed Fund Futures die nächste Zinsanhebung im Mai ein – und gehen von nur ingesamt zwei Anhebungen in 2017 aus (die nächste dann im Dezember 2017; die Fed selbst erwartet bekanntlich drei Anhebungen). Zinsangst also könnte dann die Aktienmärkte nach erster Freude drücken.

Fallen die Daten jedoch zu schwach aus, würde das die Konjunktur-Sorgen verstärken – aber die Aktienmärkte dürften nach einer ersten Enttäuschung dann wieder steigen. Am besten wäre also ein Wert knapp unter oder um die 200.000 neuen Stellen bei einer Arbeitslosenquote von 4,7%. Zu achten ist auch auf die US-Stundenlöhne!

Hier die Schätzungen der Banken:



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