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Die neuen ESMA-Vorschriften und der CFD-Handel

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Ein Gastbeitrag von Ivan Gowan, CEO von capital.com

 

CFDs: Auswahl der richtigen Investitionsplattform

Das Jahr 2018 ist durch einige wichtige neue Regelungen gekennzeichnet, denn sowohl die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) als auch die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (European Securities and Markets Authority, ESMA) bedeuten einen tiefen Einschnitt für CFD-Plattformen. Dies könnte dazu führen, dass sich einige Marktteilnehmer, die CFDs anbieten, zurückziehen müssen, da sie der neuen Gesetzgebung nicht entsprechen können. Dies kann unterschiedliche Gründe haben. So könnten etwa die organisatorischen Fähigkeiten oder die Kapitalisierung des Anbieters nicht ausreichen. Andererseits zeigt eine Analyse von Capital.com, ein Anbieter einer Trading-Plattform, der die Richtlinien der ESMA schon vor dem offiziellen Inkrafttreten auf seiner Plattform einführte, wie Nutzer von den Regulierungen profitieren können.

 

Auf Seriosität achten

Wer neu in den Handel mit CFDs einsteigen möchte, kommt nicht umhin, auf einen starken und seriösen Partner zu setzen – dies alleine schon aus Selbstschutz und um das eigene Risiko zu vermindern. Der Markt tritt hier in einen Reinigungsprozess ein und Trader sollten in diesem Zusammenhang auf einige Schlüsselelemente achten.

 

ESMA-Regeln verändern Markt

Zunächst sollte auf das Auftreten einer Handelsplattform geachtet werden. Die neue ESMA-Verordnung untersagt aggressive Werbung, die den Handel eines Traders beeinflusst, indem sie ihm einen Bonus anbietet. Sicher kann man in die Vergangenheit blicken und die Marktteilnehmer identifizieren, die auf diese Weise vorgegangen sind – hier ist besondere Vorsicht angebracht. Daher ist es verständlich, dass Facebook und Google angekündigt haben, die Werbung für CFDs in den geografischen Gebieten einzuschränken, in denen sie nicht registriert sind. Dies dient dem Schutz der Verbraucher.

Auch bei Betrachtung der Einhaltung der ESMA-Regeln kann Spreu von Weizen unterschieden werden. So muss eine seriöse Plattform für die vollständige und vor allem sofortige Einhaltung der bevorstehenden Änderungen der ESMA-Vorschriften sorgen. Diese umfassen einen Negativ-Saldo-Schutz, der verhindert, dass Händler mehr Geld verlieren, als sie investiert haben. Ebenso führt eine individuelle Close-out-Regel dazu, dass Händler immer ihr maximales Verlustpotenzial kennen. Hinzu kommen maximale Limits der Hebelwirkung, die die Volatilität jeder Anlageklasse widerspiegeln. Die Analyse eines Anbieters für den Handel mit CFDs, der die Richtlinien der ESMA bereits vor dem offiziellen Inkrafttreten auf seiner Plattform einführte, zeigt, wie seine Kunden von den Richtlinien profitieren. Insbesondere unerfahrene Trader werden zu Beginn ihrer Marktteilnahme häufiger mit einem Margenausgleich konfrontiert, bei dem sich ein Differenzkontrakt so entwickelt, dass das Geld des Nutzers nicht ausreicht, um zu verhindern, dass eine Position zwangsaufgelöst wird. Die Ergebnisse der Analyse von Capital.com legte offen, dass der Anteil der Trader, die innerhalb der ersten 15 Handelstage mit einem Margenausgleich konfrontiert waren, von rund 30 Prozent in den Monaten vor Einführung der ESMA-Limits auf nur noch fünf Prozent im Juni sank. Der durchschnittliche Verlust fiel um über 80 Prozent.

 

Lizenz und Geschäftsmodell wichtig

Ferner ist für den Trader wichtig, auf welchen Märkten die Plattform über eine Lizenz verfügt. Für europäische Händler scheiden alle nicht in der Europäischen Union zugelassenen Plattformen aus. Zu einem seriösen Anbieter gehört ein abgesichertes Geschäftsmodell, das sowohl die Interessen des Anbieters als auch die des Händlers in Einklang bringt. Nicht zuletzt sollte der Plattformbetreiber eine Hotline anbieten, die Trader bei ihren Fragen unterstützt.

 

Information ist Trumpf

Trader – gerade diejenigen, die sich neu mit dem Thema beschäftigen – sollten natürlich auch selbst für die Qualifizierung sorgen, die für den Handel unerlässlich ist. Neben der Marktbeobachtung und frei verfügbaren Tutorials bieten kundenzentrierte Plattformbetreiber entsprechende Informationen und Schulungsmaterial. So informieren sie über die Funktionsweise der Finanzmärkte, wie man die eigene Handelsperformance verbessern sowie aus den Fehlern der Vergangenheit lernen kann. Qualitätsanbieter verfügen über auf Künstlicher Intelligenz basierende Apps, die das bisherige Verhalten analysieren, Handlungsverzerrungen erkennen und Tradern entsprechende Hinweise schicken.

Der Konkurrenzdruck zwischen den Plattformen wird künftig immer stärker. Alleine in Großbritannien sind 23 125k-lizensierte CFD-Unternehmen tätig. Durch die neuen Regeln – sowohl die der ESMA als auch die Datenschutzgrundverordnung – wird ein beträchtlicher Teil dieser Anbieter aus dem Markt scheiden. Für Trader ist dies Grund genug, jetzt einen kritischen Blick auf ihre bisher genutzte oder potentielle Handelsplattform zu werfen.

 

 

10 Kommentare

10 Comments

  1. Avatar

    Rosi

    17. August 2018 11:54 at 11:54

    Ich schätze mal, dass die der ESMA-Regelung unterliegenden CFD-Broker mittelfristig zur Gänze verschwinden werden, da die hohen Hebel der Vergangenheit der Kern des Geschäftsmodells waren und somit einen Anreiz für kleinere Kontoinhaber darstellten. Einen Aktien-CFD mit 20% Margin oder einen Index mit 5% Margin zu handeln ist einfach lächerlich. Ich habe mein Konto beim ESMA-Broker bereits liquidiert und das Guthaben zu einem renommierten ausländischen Broker mit entsprechenden Hebeln transferiert.

    • Avatar

      Kenguru

      17. August 2018 13:51 at 13:51

      Interessant wäre welchen Sie denn gewählt haben ?
      Kenne mich mit Offshore Brokern nicht aus und wollte diese eigentlich auch meiden, aber die Bevormundung der ESMA zwingt mich wohl dazu.
      Wie schaut es mit der Seriösität in puncto Einlagensicherheit, Ausführungszuverlässigkeit, Auszahlungspolitik etc. aus ?
      Plaudern Sie ruhig ein wenig aus dem Nähkästchen, wir sind hier ja ganz unter uns.
      Danke !

  2. Avatar

    RoSi

    17. August 2018 15:32 at 15:32

    Mit Ihrem nickname sind Sie schon mal auf dem richtigen Kontinent gelandet. Einfach googeln, ergibt sich dann von selbst. Ich gebe keine Empfehlungen oder Hinweise – soll jeder für sich entscheiden wie/wo/was er handeln möchte. Bezüglich Einlagensicherheit, Auszahlung etc.denke ich, dass im Fall der Fälle in Europa nicht mehr und nicht weniger Rechtssicherheit besteht als irgendwo anders – die Gesetze werden von denen gemacht denen sie nutzen. Ich lasse regelmäßig auszahlen um keine zu grossen Beträge am Konto auflaufen zu lassen. Ein gewisses Risiko besteht immer und überall.

  3. Avatar

    Kritisch

    17. August 2018 20:32 at 20:32

    Ja, genau – ab zu Offshore-Brokern! Da gibt es welche mit 1000-er Hebel! Ist doch super wenn man die Chance hat mit wenig Kapital ordentliche Gewinne einzustreichen! UPS, es gibt ja aber auch Verluste im Börsenhandel. Aber, wie heißt es doch so schön „Versichern ist Feigheit“! Also Offshore, in die Illegalität abwandern, das Geld bei einem Broker auf den Bahamas, in Australien oder in Timbuktu und dort richtig Geld verdienen (oder ganz schnell verlieren). Wenn das Konto dann richtig prall gefüllt ist, die Überweisung veranlassen – oje, oje – und es kummt net, kummt net, kummt net. Macht auch nichts, dann klagen wir eben auf den Bahamas, in Australien oder in Timbuktu. Meine Meinung dazu lautet sich das Geld für eine vernünftige Kontogröße zu ersparen, dieses Geld bei einem profunden, seriösen, europäischen Broker einzahlen und im Rahmen der ESMA dort zu handeln. Ein kleine, wie ich finde passende Annekdote meines Brokers auf meine Frage: „Warum ist man eigentlich nicht gezwungen garantierte SL zu setzen“? Aussage Broker:“ Viele Kunden wollen die 1,5 Pips/Punkte Prämie für die Ausführung des garantierten SL nicht bezahlen“
    Na dann!

    • Avatar

      RoSi

      18. August 2018 09:07 at 09:07

      Gut, dass es Meinungs- und Entscheidungsfreiheit gibt! Haben Sie direkte Erfahrungen mit offshore-Brokern gemacht oder sind es Vermutungen, ev. Vorurteile die Sie hier äussern? Börsen-/Derivatehandel ist ein sehr individuelles Geschäft und jeder Teilnehmer hat andere Möglichkeiten, Vorstellungen, Kenntnisse und Ziele. Ich bin jedenfalls nicht der ‚Sparer‘-Typ und ich erfülle auch nicht die Voraussetzungen um ein ‚professionelles Konto‘ bei einem ‚profunden, seriösen, europäischen Broker‘ zu erfüllen um die pre-ESMA Hebel nutzen zu können. Aus meiner Sicht sind diese Regulierungen ein weiterer Schritt der kollektiven Bevormundung und Maßregelung. Man sollte sich auch mal Gedanken darüber machen, warum diese Regulierung eingeführt wurden. Sind Sie sicher, dass dies zum ‚Schutze des Konsumenten‘ gemacht wurde oder ob hier nicht wieder bestimmte Lobbyisten am Werk waren? Wer sagt, dass eines Tages die ESMA den CFD-Handel nicht ganz verbietet? Was machen Sie dann?
      Regulierungen werden immer zur Steuerung der Massen und zur Durchsetzung von Interessen der Gesetzgeber errichtet und je mehr davon eingeführt werden umso stärker werden sich (denkende) Menschen dagegen auflehnen. Für mich bedeutet Geld Freiheit und ich lasse mir nicht gerne vorschreiben was ich damit zu tun habe. Es reicht schon, dass ich Steuern und Sozialabgaben zu leisten habe.

      • Avatar

        Kritisch

        19. August 2018 19:11 at 19:11

        @RoSi. Ja, sie haben natürlich Recht, dass die EU-weiten Bevormundungen und Regulierunungen grundsätzlich auch mir gegen den Strich gehen. Ich, für meine Person habe jedenfalls entschieden keine Handelsgeschäfte entgegen geltendes Recht abzuschließen und finde obendrein die neuen Beschränkungen der Hebel mit den verbundenen Erhöhungen der Margins auch ausreichend um lukrativ zu handeln. Nebenbei möchte ich auch die Rechtssicherheit auf europäischem Standard haben und nicht Unternehmen in z.B. Australien (wie sie angedeutet haben) vertrauen. Ihren letzten Satz verstehe ich hoffentlich richtig, dass sie Steuern und Sozialabgaben für ihre Erträge aus dem Börsehandel abführen und nicht generell gegen die Abfuhr von solchen Abgaben grundsätzlich sind.
        Aber, wie sie schon treffend formuliert haben – jeder nach seiner Fasson. Ich wünsche ihnen viel Glück mit ihrer Entscheidung!

  4. Avatar

    USLA

    20. August 2018 08:01 at 08:01

    Man kann auch zu einen Broker in die Schweiz wechseln die sind FINMA geregegelt und fallenn nicht unter die ESMA Regulierungen.

    • Avatar

      Gebalutz

      26. August 2018 13:44 at 13:44

      Also ich finde die jetzigen Regeln zum Schutz der Trader super,hab schon genug Geld aus Gier verlohren.Kleinvieh macht auch Mist Denken wir an den Spruch von A.Kostolany als er gefragt wurde,wie man ganz schnell reich werden kann.

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US-Wahl: Was passieren muß, damit Trump gewinnt!

Markus Fugmann

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am

Die US-Wahl rückt immer näher, laut Umfragen liegt Donald Trump derzeit recht deutlich hinter Joe Biden. Eines scheint klar: wenn Trump die US-Wahl gewinnen will, muß er zwingend den Bundeststaat Florida gewinnen – gewönne Biden in Florida, wäre ein Wechsel im US-Präsidentenamt praktisch sicher. Die Zwischenstände aus Florida werden also extrem wichtig – es gibt sogar einen kleinen Wahlbezirk in diesem Bundeststaat, der schon früh die Richtung anzeigen dürfte.

US-Wahl – das sind die Szenarien

Die US-Seite https://fivethirtyeight.com/ zählt zu den führenden Prognose-Quellen in den USA. Sie bietet ein interaktives Tool an, mit dem man Szenarien durchspielen kann: gewinnt etwa Biden den swing state Pennsylvania, dann hat das einen positiven Einfluß auch auf seine Sieges-Chancen auch in Nachbar-Bundestsaaten. Sehen Sie hier, was passieren muß, damit Trump gewinnen kann:

 

Und so ist die Lage in den USA unmittelbar vor der US-Wahl – es ist ein gespaltenes, zerrissenes Land, wie folgende ARTE-Dokumentation zeigt:

 

Was muß passieren, damit Trump die US-Wahl gewinnt?

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Aktien

Banken: Es hagelt sensationell gute Quartalsergebnisse!

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Hochhäuser von Banken im Londoner Viertel Canary Wharf

Was ist das los? Gerade in der schlimmsten Rezession seit Jahrzehnten sollten sich die Banken doch in einer dramatischen Schieflage befinden? Denn Kreditausfälle müssten aus Quartalsgewinnen eigentlich Verluste machen und damit folglich das Eigenkapital der Banken angreifen? Dieses Szenario steht womöglich bevor, wenn die anstehende Pleitewelle Löcher in die Bücher der Banken reißt.

Aber noch ist es nicht soweit. Derzeit hagelt es sensationell gute Quartalszahlen von Banken weltweit. Vor allem fällt auf, dass gerade die Banken tolle Zahlen melden, die stark im Kapitalmarktgeschäft tätig sind, und eher weniger im Privat- und Firmenkundengeschäft mit Krediten, wo Probleme mit Kreditausfällen drohen, und wo die Banken sich derzeit mehr denn je mühen neue Kundeneinlagen abzuweisen – weil sie selbst sonst Strafzinsen zum Beispiel bei der EZB entrichten müssten.

Banken mit starkem Kapitalmarktgeschäft im Vorteil

Wie gesagt. Wer stark im Kapitalmarktsegment engagiert ist, der feiert die Krise. Zum Beispiel lässt sich derzeit viel Geld machen mit den globalen Schuldenorgien. Wo die Banken zum Beispiel in Europa in den Erstauktionen der staatlichen Schuldenagenturen Staatsanleihen aufkaufen, können sie mutmaßlich schön und entspannt Gewinn machen mit dem Weiterverkauf der Anleihen an die EZB am Sekundärmarkt. Auch in vielen anderen Bereichen des Kapitalmarkts war die letzten Quartale viel los. Man beachte in diesem Zusammenhang die sensationell guten Quartalszahlen von Goldman Sachs vom 14. Oktober. Der Quartalsgewinn konnte gegenüber dem Vorjahresquartal verdoppelt werden (hier die Details). Bei den anderen großen US-Banken gab es keine Katastrophen-Meldungen. Und dann am Dienstag dieser Woche meldete die Schweizer Großbank UBS ebenfalls eine Gewinn-Verdoppelung (hier die Details).

Barclays

Heute nun hat die britische Großbank Barclays ihre Quartalszahlen veröffentlicht. Der Gewinn liegt mit 611 Millionen Pfund gut drei Mal so hoch wie erwartet, und auch dramatisch besser als im Vorjahr. Da war es noch ein Verlust von 292 Millionen Pfund – auch wenn man hier berücksichtigen muss, dass der Verlust aufgrund von Schadenersatzzahlungen an geschädigte Kreditnehmer zustande kam. Dennoch ist heute ein Gewinn, der drei Mal so hoch reinkommt wie erwartet, beachtlich. Außerdem hat Barclays wie viele andere Banken auch im dritten Quartal die Risikovorsorge für mögliche Kreditausfälle deutlich reduziert, nämlich auf 608 Millionen Pfund nach 3,7 Milliarden Pfund in den ersten sechs Monaten des Jahres.

Nordea

Bei der größten skandinavischen Bank Nordea könnte man glatt meinen, dass die Krise zeitlich auf den Kopf gestellt wurde. Auch hier gab es heute Quartalszahlen. Der operative Gewinn steigt binnen Jahresfrist von 875 Millionen auf 1,09 Milliarden Euro. Die Gründe für die guten Zahlen: Einerseits mehr Kreditvergabe-Volumen in der Krise – andererseits nicht mehr vorhandene Belastungen durch Schrottkredite (331 Millionen Euro Belastung im Vorjahresquartal). Dennoch erwartet Nordea für das Gesamtjahr Kreditausfälle von gut einer Milliarde Euro. Es klingt wie ein Witz, dass jetzt Belastungen durch Kreditausfälle weggefallen sind. Aber aktuell wirkt es noch schlüssig. Es werden weltweit auch mit Staatshilfen viele neue Kredite vergeben, wo die Kreditnehmer natürlich erstmal wieder liquide sind und auch die monatlichen Raten einige Zeit lang zahlen können.

Noch sieht es gut aus

Wenn die große Pleitewelle bei Unternehmen denn kommen sollte, dürfte sich die Lage für die Banken verdunkeln. Banken wie Goldman Sachs mit fast null klassischem Privatkundengeschäft könnten auch in einer Pleitewelle gut da stehen, weil man ja keine Kreditausfälle verkraften müsste. Und die deutschen Banken? Die Commerzbank meldet ihre Quartalszahlen am 5. November, die Deutsche Bank am 28. Oktober. Es ist möglich, dass sie schon vorab als Ad Hoc-Meldung ihre Finanzdaten berichten, wenn sie zu stark von den Erwartungen abweichen. Es könnte sein, dass auch die beiden deutschen Großbanken jetzt halbwegs akzeptable Zahlen melden, und dass die bitteren Verluste der Kreditausfälle erst noch anstehen, wenn die Pleitewelle wie von vielen Experten erwartet demnächst einsetzt. Aber es kann vielleicht noch einige Zeit dauern, bis eine Pleitewelle wirklich auf die Quartalszahlen der Banken durchschlägt. Denn bis die Bank wirklich einen Kredit als Verlust abschreibt, muss erstmal der Schuldner den Bach runtergehen, dann gibt es Verhandlungen über Umschuldungen usw. Also, kurzfristig könnten auch Deutsche Bank und Commerzbank noch akzeptable Quartalszahlen melden.

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Sahra Wagenknecht über die große Krise, und wie man sie lösen kann

Redaktion

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Sahra Wagenknecht hat den Ruf wirklichen wirtschaftlichem Sachverstand zu besitzen. Bei ihr kann man erkennen: Es wird nicht stumpf das sozialistische Lied abgespielt. Bei ihren Aussagen merkt man, dass sie das Gesamtbild im Blick hat und auch versteht. Natürlich kann und darf man über ihren Lösungsansatz für das große Gesamtproblem streiten. Aber auch ihren Lösungsansatz begründet sie inhaltlich nachvollziehbar.

Sahra Wagenknecht mit Bestandsaufnahme der Krise

In ihrem aktuellsten Video (am Ende dieses Artikels) wirft Sahra Wagenknecht die Frage auf, ob eine große Finanzkrise bevorsteht. Dafür arbeitet sie sich an vielen Ungleichgewichten und wirtschaftlichen Schieflagen ab, die in dieser Form in der Tat auch bestehen. So bespricht sie die gigantische Geldschwemme der Notenbanken, in der Europa verursacht durch die EZB. Diese sorge für einen riesigen Push bei den Aktienkursen. Profitieren würden vor allem die Reichen, die in großem Umfang Aktien besitzen. Der Kleinsparer, der sein Geld nur auf dem Sparkonto parkt, würde durch Nullzinsen (neuerdings immer öfters auch Negativzinsen) und Inflation laut Sahra Wagenknecht real jedes Jahr Geld verlieren.

Die Großkonzerne würden in der Coronakrise mit billigem Geld überschwemmt, so dass sie gar keine Probleme hätten durch diese Krise zu kommen (ja, dafür gibt es zahlreiche Beispiele). Gleichzeitig haben es laut Sahra Wagenknecht kleine Unternehmen und Unternehmer derzeit sehr schwer überhaupt an Geld zu kommen, um die Krise überleben zu können. Demnach seien die großen Konzerne die Krisengewinner, die kleinen Betriebe die Verlierer. Sahra Wagenknecht nennt in diesem Zusammenhang auch die Anleihekäufe der EZB, wo auch in großem Stil Unternehmensanleihen gekauft werden. Und hier geht es eben um Anleihen großer Unternehmen, und nicht um Schulden kleiner Betriebe, die eh keine Anleihen ausgeben.

Als weiteres Ungleichgewicht benennt Sahra Wagenknecht auch die Immobilienblase. Bei den niedrigen Zinsen lohne sich die große Spekulation, welche die Preise immer weiter nach oben treibe. Und letztlich beleuchtet sie die (von uns bei FMW oft angesprochene) steigende Bedrohung für das Bankensystem in Europa. Schon vor der Krise habe es laut Sahra Wagenknecht 600 Milliarden Euro Volumen an faulen Krediten bei Banken in Europa gegeben – jetzt drohe diese Summe auf 1,4 Billionen Euro zu steigen.

Problemlösung

Was sei nun die Lösung des Problems? Laut Sahra Wagenknecht seien immer neue Schulden und immer tiefere Zinsen nicht die Lösung des Problems. Die Wirtschaft könne auch nicht so kräftig ansteigen, dass Volkswirtschaft und Staat aus dem gigantischen Schuldenberg „herauswachsen“ könnten, wie sie es formuliert. Inflation sei auch keine Lösung, da hierbei die kleinen Leute mit ihren Sparguthaben enteignet würden. Die reichen Leute würden mit ihren Immobilien und Betriebsvermögen ihren Wohlstand behalten, während die kleinen Leute bei einer spürbaren Inflation den Preis bezahlen müssten.

Für Sahra Wagenknecht gibt es nur eine Lösung des Problems. Und da kommt natürlich die linke Politik wieder zum Vorschein. Man müsse die enorme angehäufte Schuldenlast restrukturieren, und zwar zu Lasten der wirklich Vermögenden. Dazu kann man anmerken: Das ist eine politische Frage, was man will. Diese Lösung kann man befürworten, oder eben auch nicht. Ansichtssache. Aber abgesehen davon: Die anderen Alternativen sind auch nicht berauschend. Man darf vermuten: So wie die aktuelle Merkel-Regierung wird wohl auch ein Nachfolger wie Herr Laschet keinen großen Wurf machen, sondern stillschweigend zusammen mit der EZB auf die Lösung setzen, die auch die Amerikaner seit Jahrzehnten praktizieren, wenn es um Problemlösungen geht. „Kick the can down the road“ – die Dose die Straße weiter runter kicken. Das Problem also in die Zukunft verschieben. Also jetzt immer neue Rettungsprogramme auflegen (letztlich finanziert durch die EZB, das neue EU-Schuldenprogramm uvm), – und diese Probleme darf irgendwer in ferner Zukunft abzahlen.

Sahra Wagenknecht
Sahra Wagenknecht. Foto: Ferran Cornellà CC BY-SA 4.0

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