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Die Rezession kommt! EZB, Fed und die neue Inflation

Die Rezession kommt! Warum? Weil die EZB das Gegenteil behauptet!

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Sowohl die EZB als auch die Fed sind in einer fast ausweglosen Lage: sie müssen die Inflation nach unten bringen – und wollen gleichzeitig eine Rezession verhindern.

Die Rezession kommt! Warum? Weil die EZB das Gegenteil behauptet! Hinter dem Kalauer steckt folgendes Fünkchen (eher Großbrand) Wahrheit: Bisher irrte die EZB in all ihren Inflations-Prognosen. Die Gefahr der derzeit überschießenden Konsumentenpreis-Inflation hat sie sträflich unterschätzt: Im November 2021, als sich das Verhängnis bereits abzeichnete, leugnete sie schlichtweg die heraufziehende Gefahr. Kluge Mahner wie Thomas Mayer wurden in die Nähe von Alarmisten gerückt.

Anfang Februar 2022 erklärte die EZB dann, die dynamisch ansteigende Inflation sei nur ein vorübergehendes Phänomen. Und ab April war schließlich Putins Aggression gegen die Ukraine Schuld am Desaster. Fazit: Die EZB arbeitet mit hochkomplexen makro-ökonomischen Modellen, die das Geld ihrer Entwicklungskosten nicht wert sind. Warum, beantwortet in der Tiefe dieser Artikel.

Fallflation: Was, wenn Inflation und Rezession korrelieren?

Indes, es gibt jenseits des totalen Glaubwürdigkeitsverlustes der EZB gute und seriöse Argumente dafür, der Einschätzung der EZB, eine Rezession sei nicht im Anmarsch, zu hinterfragen. Ein Grund ist beispielsweise die Aufrüstung. Nachdem bei der Bundeswehr kaum noch etwas fährt, schwimmt oder fliegt, geschweige denn schießen kann, ist die Aufrüstung vor dem Hintergrund des Ukrainekrieges – in einem Land, keine 500 Kilometer von Berlin entfernt – unabwendbar.

Rüstungsgüter sind zwar Waren, die dem Profit- und Lohneinkommen zuwachsen und das BIP wirkungsvoll stimulieren. Doch das Spezifische an den hergestellten Rüstungsgütern ist der Umstand, dass sie dem wirtschaftlichen Zirkulationsprozess dauerhaft entzogen sind. Bei ihnen endet die Kapitalzirkulation. Sie sind gewissermaßen endgültige Endprodukte, sprich: eine ökonomische Sackgasse. Die produzierten Rüstungsgüter werden (hoffentlich) nie verbraucht. Bereits die hohe Aufrüstung der kommenden Jahre erzeugt einen stetigen hohen Druck auf die Inflation. Und verschärfend tritt hinzu, dass die übrigen Belastungsfaktoren nicht verschwunden sind.

Im Gegenteil: Die Lieferketten sind nach wie vor kaputt und die Welt torkelt auf eine Ernährungskrise zu. Sich immer wieder neu bildenden Engpässe, Flaschenhälse und Mangelmärkte werden die Inflation neu befeuern. Je brutaler aber die Inflation, desto mehr Kaufzurückhaltung werden die Konsumenten üben. Nimmt man nun noch den Demographie-kaputten Arbeitsmarkt hinzu, könnte es sein, dass Inflation und Rezession fortan in allen hochwissenschaftlichen Chartkurven korrelieren werden. Das Ergebnis wäre FALLFLATION.

Jamie Dimon: „It’s a Hurricane“

Jamie Dimon, der CEO der Großbank J.P. Morgan, ist der wohl einflussreichste Banker in den USA. Dimon sieht die Rezession als Sturm am Horizont aufziehen. Dieser Sturm sei durch schwächeres Wachstum, quantitative tightening und Russlands Krieg in der Ukraine verursacht. Auf einer Konferenz der Alliance-Bernstein-Holding sagte Dimon wörtlich: „It’s a Hurricane! Right now it is sunny! Things are doing fine. Everyone thinks the Fed can handle this. That hurricane is right up there. Down the road. Coming our way.“ Man wisse nur noch nicht, so Dimon, ob es ein normaler Hurricane werde oder ein Supersturm à la „Sandy“.

EZB und Fed: Kippmoment bei den Politikern

Nichts ist verlässlicher als der politische Primat und der Druck, den die Politiker auf die Notenbanker diesseits und jenseits des Atlantiks ausüben. Denn der Staat ist Inhaber der Monetative (Joseph Huber). Sie beinhaltet das Recht, Geld zu drucken und ist die eigentliche Vierte Gewalt im Staat. Bei der Geldschwemme und Nullzinspolitik haben Fed und EZB unausgesprochen den Wünschen der politischen Agenda entsprochen. Nun, da Geldschwemme und Nullzinspolitik dabei sind, verhängnisvolles Chaos anzurichten, nehmen die Absetzbewegungen der politischen Akteure von den alten Überzeugungen rapide zu.

Tatsächlich sind in den kleinen Zirkeln der Macht die Würfel längst gefallen. Bundesfinanzminister Christian Lindner erklärte am 20. Mai nach Ende des G7-Gipfels auf dem Petersberg vor der Weltpresse: „Die G7 ist entschlossen, mit konsequenten Maßnahmen die Inflationsentwicklung zu stoppen und das Wachstum zu stärken. Wir sehen in Inflation eine enorme Gefahr für unsere wirtschaftliche Entwicklung und insbesondere für den wirtschaftlichen Fortschritt, den wir für die Bevölkerungen organisieren und sicherstellen wollen. Wir sind deshalb entschlossen, mit konsequenten Maßnahmen die Inflation zu bekämpfen und das Wachstum zu stärken.“

EZB und Fed „sehr sehr sehr sehr unabhängig“

Und dann folgte Lindners folgenschwerer Satz: „Die Notenbanken sind sehr sehr sehr sehr unabhängig. Aber sie haben auch eine sehr sehr sehr große Verantwortung in dieser Zeit!“ (Lindner mit geschlossenem Mund schmunzelnd, kleine Pause). Lindners „Unabhängigkeitserklärung“ vom 20. Mai war keine drei Tage alt, da knickte Christine Lagarde bereits ein. Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank erklärte am 23. Mai, ihre Zentralbank könne die Ära der Negativzinsen bis zum Spätsommer abschaffen: „Ausgehend von den derzeitigen Aussichten werden wir wahrscheinlich in der Lage sein, die negativen Zinssätze bis zum Ende des dritten Quartals zu beenden.“

Dasselbe Schauspiel wiederholte sich kurz darauf in den USA. Dort hinterfragte Präsident Biden am 31. Mai 2022 ebenfalls die Unabhängigkeit der Fed, indem er sie etwas zu kräftig betonte: Biden zu Powell: „My plan is to address inflation. That starts with a simple proposition: respect the Fed, respect the Fed’s independence, which I have done and will continue to do“. Biden fürchtet offenbar, dass die amerikanischen Konsumenten, die unter den Folgen der Inflation spürbar ächzen, ihn an der Wahlurne abstrafen könnten. Für Biden ist die Frage der Inflation mithin zentral, der politische Druck enorm. Und diesen Druck nun gibt Biden an die Fed weiter. So wie die europäischen Politiker inzwischen auch. Den monetären Finanzingenieuren von Fed und EZB bleibt nichts anderes übrig, als die abrupte Wende mitzuvollziehen.



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1 Kommentar

  1. Fraglich aber, ob größere Zinsschritte verkraftet in der näheren Zukunft werden

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