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Anleihen

Die Suche nach dem noch größeren Idioten

Warum der Glaube, dass andere noch größere Idioten sind als man selbst, zu einem Crash führen kann..

Markus Fugmann

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am

Von Markus Fugmann

Bevor gestern der Tod von Jo Cox bekannt wurde, hatten Staatsanleiehen von vermeintlich sicheren Ländern erneut – wie schon in den Vortagen – eine heftige Rally absolviert. Und der Euro-Bankenindex hatte parallel dazu seinen tiefsten Stand seit dem Jahr 2012 erreicht, aberverkauft wurden einmal mehr die schwächsten Glieder wie die Deutsche Bank und die italienischen Banken.

Aber das Unbehagen über die Entwicklungen am Markt für Staatsanleihen, dem bisherigen Gewinner, nimmt zu – gerade wegen der täglich erreichten Rekorde: die australische 10-jährige unter 2%, neues Allzeittief bei der 10-jährigen Bundesanleihe, die Rendite der 30-jährige Anleihe der Schweiz rutschte gestern kurzzeitig in den Negativbereich.

Was aber bewegt einen Investor, der bereit ist, eine Negativrendite in Kauf zu nehmen und etwa deutsche oder schweizerische Staatsanleihen zu kaufen? Klar: ein Punkt ist die Suche nach einem vermeintlich sicheren Hafen. Aber der andere Punkt ist die Hoffnung und Erwartung, dass die Renditen nach dem Kauf noch weiter fallen und man damit Kursgewinne erzielt werden, die für die negative Rendite entschädigen. Und hier ist das Gottvertrauen groß, genauer gesagt, das Vertrauen in die Notenbanken – man glaubt, diese hätten ein Netz gespannt, das alle schon irgendwie auffangen werde. Da aber derzeit extrem viel Geld in Staatsanleihen geparkt ist, das faktisch auf einen weiteren Fall der Renditen und damit einhergehenden Kursgewinnen spekuliert, droht ein massiver Abverkauf, wenn es anders läuft als erwartet.

Mithin ist also der Glaube groß, dass es einen noch größeren Idioten gibt, der einem die ohnehin auf extrem hohen Kursniveaus gekauften Anleihen dann zu noch teureren Kursen wieder abkauft. Was aber, wenn es aus irgendwelchen Gründen dann keine oder nicht genug Käufer gibt? Sicher: mit der EZB etwa steht ein potentiell großer Käufer zur Verfügung. Aber dieser Käufer hat auch ein Interesse, billiger zu kaufen – insofern könnte er, wenn er merkt, dass es billiger und billiger wird, profitieren.

Und das wäre dann eine Wiederholung von Ereignissen aus dem Frühjahr 2015: im Januar 2015 hatte die EZB ihr QE angekündigt, worauf viele große Player gekauft hatten in der sicheren Erwartung, dass die Renditen weiter fallen, die Kurse weiter steigen würden, weil doch ein solcher Dickfisch wie die EZB als Käufer an den Markt kommen würde. Aber dann passierte folgendes bei der deutschen Bundesanleihe (und anderen „sicheren Anleihe-Häfen“):

Bundcont170616

Der Bund-Future (continous-Future) rauschte in zwei Abwärtsschüben zwischen März und Mai 2015 von über 160 auf 148 – eine gigantisch große Bewegung für Staatsanleihen in dieser kurzen Zeit, ein veritabler Crash! Ein Schelm, wer meint, dass die EZB da ihre Finger im Spiel gehabt hätte!

Nun sind etwa Bundesanleihen für die EZB noch kaufbar, weil sie höher als der Einlagesatz (-0,40%) rentieren. Aber es gibt viele kürzer laufende Anleihen, die sie eben nicht mehr kaufen kann. Und wenn der Trend zu Negativrenditen weiter laufen würde, wäre die Auswahl immer geringer. Insofern also kann man der EZB durchaus unterstellen, dass ein Anstieg der Renditen in ihrem Interesse wäre – weswegen sie schlau wäre, den Markt erst einmal bluten zu lassen.

Und dieses Blutbad könnte schon sehr bald beginnen: sollte es nicht zu einem Brexit kommen, sind heftige Bewegungen zu erwarten: Aktienmärkte rauf, Anleihemärkte runter. Und dann gibt es in diesem Moment wahrscheinlich keine größeren Idioten, die kaufen wollen, und es droht ein Szenario wie im Frühling 2015. Wenn es aber zu Tumulten am Anleihemarkt kommt, lässt das in der Regel auch die Aktienmärkte – meist mit leichter Zeitverzögerung – nicht kalt. Man sieht: auch wenn es nicht zum Brexit kommt, sind Tumulte dennoch wahrscheinlich im Gefolge eines solchen Mega-Events..

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    Marko

    17. Juni 2016 17:34 at 17:34

    Hallo,

    dieses Szenario ist beim einem Non-Event realistisch, trotzdem gilt es zu beachten, dass die Märkte derzeit nach den Agentur- /Buchmacher- / Umfragemeldungen den Markt taxieren bzw hedgen.
    Dies hat zur Folge , dass es zu einer Explosion beim Aktienmarkt (gerade bei den „Europäern“) kommen könnte und zwar nach oben, wenn es mit dem Brexit nix wird – wie war noch mal der Spruch mit den politischen Börsen ?
    D.h. die Anleihenmärkte werden, jetzt, im Vorfeld von den Marktteilnehmern „aufgepumpt“ wie ein Luftballon.Die Marktteilnehmer positionen sich jetzt schon, die Brexit-Angst ist da, alles andere wäre überraschend.
    Die Hedgefonds fahren Rekord-Shortquoten beim britischen Pfund. Überall macht schon die Runde, das GPB verliert 10 % beim Brexit, mindestens. Aktienmarkt -5 %, mindestens runter, enorme Volatiliät.
    Der Brexit ist viiel schlimmer als die Griechenlandkrise – (Jahrhundert-)Finanzkrise, wir kommen…!

    Viele Grüße

    Marko

  2. Avatar

    Marko

    17. Juni 2016 17:51 at 17:51

    Hallo,

    und dass einbrechende Anleihenmärkte = einbrechende Aktienmärkte bedeuten würden, macht bei dieser Sondersituation m.E. keinen Sinn.

    Der Vorteil beim Bufu ist, er ist die Referenz und auch sehr liquide.
    Die Anleiheninvestoren werden dann wohl alle auf einmal durch die Tür „raus“ wollen in die „Unsicherheit“ der Aktienmärkte „rein“ – irgendwann platzt jede Blase.

    Jetzt mal andersherum gesehen : GB steigt aus Europa aus, der Bufu explodiert, aber : wohin denn noch ?!?
    Die EZB dürfte dann, „auf Wiedersehen“ sagen zum Bufu, macht doch keinen Sinn mehr, Deutsche Anleihen zu kaufen, jedenfalls auf keinen Fall in dem Volumen ?
    So gesehen, wären einbrechende Anleihenmärkte für die EZB vorteilhaft..

    Viele Grüße

    Marko

    Marko

  3. Avatar

    rt50

    17. Juni 2016 20:53 at 20:53

    Der Bund Chart ist nicht korrekt, zur langfristigen Betrachtung ist ein Zins Rendite Chart besser geeignet.
    Da erkennt man auch noch besser, auf welch schmalen Grad die Zentralbanken wandern.

  4. Avatar

    Marko

    18. Juni 2016 16:19 at 16:19

    hallo,

    der Chart mag ein Chart sein, es geht darum, dass einige Marktteilnehmer eben darauf setzen, die EZB wirds schon richten mit ihre Anleihekäufen.
    Man spekuliert, wettet auf Kursgewinne, die (virtuelle) Rendite des Bund-Future ist denen egal (6 % auf 10-Jahressicht, schön wärs…) – die „Sicherheit“ des BUFU gibts noch als Bonbon obendrauf, plus der Liquidität. Der Bewertung der Anleihenmärkte ist doch sowieso „out-of-range“…

    Der Bufu wird bei einem Brexit steigen, das ist doch klar, aber irgendwann wird bei extremst negativen Renditen Schluss sein.

    Man wähnt sich in Sicherheit, aber irgendwann wird der Luftballon platzen. Ist doch wie bei dem EUR/CHF Crash, schon vergessen ?

    Viele Grüße
    Marko

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Allgemein

EZB: Auf der Spur der wahren Gründe für das große Gelddrucken

Claudio Kummerfeld

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Die EZB-Zentrale in Frankfurt

Wir alle hören es seit Jahren und nehmen es zur Kenntnis. Offiziell betreibt die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldpolitik (Zinsen und Anleihekäufe), um die Inflation von der Null-Linie in Richtung 2 Prozent zu bekommen. Und Bürger und vor allem Unternehmen sollen durch die Banken in der derzeitigen Krise günstige Finanzierungsbedingungen erhalten. Daher flutet man alles und jeden mit Notenbank-Euros, und die Banken können dem braven Mittelständler noch günstigere Kredite anbieten? So kommt die Wirtschaft in Schwung, und letztlich auch die Inflation? So geht natürlich die offizielle Story. Und tatsächlich?

Viele Beobachter der EZB-Politik behaupten oder meinen erkannt zu haben, dass es Frau Lagarde und vorher Mario Draghi in Wirklichkeit darum ging, mit günstigen Finanzierungskonditionen und mit massiven Anleihekäufen die Südländer in der Eurozone am Leben zu erhalten. So wolle man die Eurozone als Konstrukt zusammenhalten. Auch wir bei FMW haben uns in den letzten Jahren diverse Mal zu diesem Thema geäußert. Nach der gestrigen PK von Christine Lagarde ist uns der Kommentar von Dr. Jörg Krämer aufgefallen, dem Chefvolkswirt der Commerzbank. Man kann ihn also ruhig als seriöse Quelle bezeichnen.

EZB hält Bedingungen für Südländer günstig

Er hat seinen Kommentar betitelt mit der Headline „Was Günstige Finanzierungsbedingungen wirklich bedeuten“. Er zielt auch auf die oberflächlichen Gründe der EZB ab, nämlich Kreditkunden in der Wirtschaft zu günstigen Konditionen zu verhelfen. Es sei interessant zu beobachten, wie stark Christine Lagarde das Konzept der „günstigen Finanzierungsbedingungen“ betont habe. Sie folge dabei einem „holistischen Ansatz“ und habe verschiedene Zinsen im Blick – etwa die für Kredite an Unternehmen oder private Haushalte. Tatsächlich aber (so Jörg Krämer) dürfte es der EZB aber vor allem darum gehen, die Renditeaufschläge der Anleihen der besonders hoch verschuldeten Staaten zu begrenzen. So lasse sich beobachten, dass die EZB im Rahmen ihres PEPP-Programms immer dann mehr Staatsanleihen kaufe, wenn die Risikoaufschläge steigen (siehe Grafik). Zitat Jörg Krämer:

Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg habe ein EZB-Vertreter gesagt, dass die EZB sogar bestimmte Höchstwerte für die Risikoaufschläge einzelner Staatsanleihen bestimmt habe. Offenbar sieht es die EZB als ihre Aufgabe an, die Währungsunion zusammenzuhalten, solange die hoch verschuldeten Staaten nicht ihre Hausarbeiten machen und damit latent die Existenz der Währungsunion gefährden.

Endet diese Politik der EZB, wenn das Corona-Aufkaufprogramm PEPP Anfang 2022 endet? Nein, Jörg Krämer glaubt, dass das Aufkaufen auch danach weitergeht, optisch eben nur über ein andere Vehikel. Die EZB werde dann das „normale“ Kaufprogramm namens APP aufstocken, und zwar von 20 auf 30 bis 40 Milliarden Euro pro Monat. Begründen dürfte sie dies unter anderem mit einer merklich unter zwei Prozent liegenden Inflation. Und ja, so möchten wir von FMW anmerken: So läuft es schon seit Jahren. Die Inflation, die ist einfach zu niedrig, deswegen muss man Billionen an Euros drucken und immer weitere Teile der Anleihemärkte aufkaufen. In Wirklichkeit will man, so nehmen wir es auch an, nur weiterhin gewährleisten, dass Italien, Griechenland, Spanien und Co sich so günstig wie nur irgend möglich immer weiter verschulden können.

EZB kauft mehr Anleihen um Spreads zu senken

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Allgemein

Biden sei dank: Märkte glauben an die große Rettung – Risiko war gestern

Claudio Kummerfeld

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am

Joe Biden tritt heute sein Amt als US-Präsident an. In Windeseile wird er sich offenkundig daran machen sein 1,9 Billionen US-Dollar schweres Stimulus-Paket durch den US-Kongress zu bekommen. Die dortige Mehrheit ist zwar hauchdünn. Aber die Märkte sind frohen Mutes. Woran man das sieht? Schauen wir auf den folgenden Chart im Tweet. Er zeigt die Rendite für US-Schrottanleihen (Junk Bonds). Dies sind Anleihen, bei denen das Ausfallrisiko besonders hoch ist. Da Anleger für ein hohes Risiko entschädigt werden wollen und müssen, erhalten sie höhere Renditen als Inhaber von (vermeintlich sicheren) Staatsanleihen. Die Rendite fungiert hier also als Risikoprämie.

Die Höhe der Risikoprämie zeigt an, für wie ausfallgefährdet der Markt diese Anleihen hält. Je höher die Rendite, desto höher ist in den Augen des Kapitalmarkts das Risiko, dass die begebende Firma dahinter pleite geht, und somit die Anleihe nicht zurückzahlen kann. Im Chart sehen wir seit dem Jahr 2010 den Verlauf der Rendite bei US-Schrottanleihen. Zum Start der Coronakrise im März 2020 schoss die Rendite von 5 Prozent auf über 11 Prozent in die Höhe. Und danach beruhigte sich die Lage wieder, aktuell auf nur noch 4,13 Prozent – ein Rekordtief! In den letzten Monaten kamen die Impfstoff-Hoffnungen auf. Und jetzt seit einigen Tagen wird der große Stimulus in den USA immer konkreter. Wie gesagt, Joe Biden wird heute vereidigt. Und wie seine neue Finanzministerin Janet Yellen gestern klar machte, wird man die US-Volkswirtschaft kräftig mit Geld fluten.

Und wie sie sagte, sei das kräftige Schuldenmachen im Augenblick wichtiger als der Blick auf eine zu hohe Staatsverschuldung. Die müsse man zwar später mit höheren Unternehmenssteuern wieder abbauen, aber kurzfristig müsse man sich stark neu verschulden und die Konjunktur anfeuern. Und ja, der Kapitalmarkt scheint fest daran zu glauben, dass somit die Schrottunternehmen weiterhin im Spiel bleiben, und ihre Schulden weiterhin bedienen können. Wenn nur genug frisches Geld vom Staat kommt, geht die Party also weiter? Dieser Chart zeigt es jedenfalls an. Die Risikoprämie sinkt immer weiter, auf wie gesagt ein Rekordtief von nur noch 4,13 Prozent.

Hier klicken, um den Inhalt von Twitter anzuzeigen

Blick nach Deutschland

Aber schauen wir auch mal nach Deutschland. Hier sehen wir im folgenden Langfristvergleich seit dem Jahr 2010, wie die Rendite für deutsche Staatsanleihen immer weiter fällt, und der Dax (orange) immer weiter steigt. Das immer weiter sinkende Zinsniveau (in Deutschland dank hoher Bonität deutliche Negativrendite) treibt die Anleger in Aktien, Immobilien etc. Aktuell notieren die Aktienmärkte an ihren Allzeithochs. Heute hat auch der deutsche Staat mal wieder für 30 Jahre laufende Anleihen verkauft, mit einem Bruttovolumen von 1,5 Milliarden Euro. Die Nachfrage lag bei einem Volumen von 1,79 Milliarden Euro.

Und (wie gesagt 30 Jahre Laufzeit) die Emissionsrendite lag bei minus 0,13 Prozent, nach minus 0,06 Prozent im November. Immer weiter sinkende Zinsniveaus, immer mehr Stimulus – da wird die Lücke doch gut aufgefangen oder besser gesagt aufgefüllt, die Corona gerissen hat? Und diese Rettungsorgie wird vor allem in den USA kräftig weiter gehen, davon darf man ausgehen. Und so könnte man glatt sagen, dass „Risiko“ bei Anleihen irgendwas war, dass man mal kannte – aber heute gibt es das nicht mehr?

Chart zeigt Vergleich von Dax gegen Anleiherenditen

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Anleihen

Coronakrise und die Schulden: Kommen ewige Anleihen?

Wolfgang Müller

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Die Coronakrise, ein gutes Jahrzehnt nach der Finanzkrise, hat zu einem weltweiten Anstieg der Verschuldung geführt, wie es sie außerhalb von Kriegszeiten noch nie gegeben hat. Aus den Schulden herauswachsen, mittels Wachstum? Ist noch nie in großem Umfang gelungen. Mittels Inflation und finanzieller Repression? Hat schon einmal für wenige Länder geklappt. Oder die Schulden auf sehr, sehr lange Zeiten umstellen, in Zeiten von Niedrigstzinsen? Ein Vorschlag des legendären Hedgefondsmanagers George Soros, der nicht neu ist, schon praktiziert wird und bereits eine lange Historie aufweist.

Coronakrise und Schulden: Die Ideen des ungarischen Starinvestors

Der Gründer des legendären Quantumfonds George Soros, der auf eine sehr lange Zeit als Investor zurückblicken kann – so hatte er bereits vor 70 Jahren unter dem Philosophen Karl Popper studiert -, macht sich Sorgen um die Zeit nach der Coronakrise. Man könne zwar auf eine unglaubliche medizinische Entwicklung zur Bekämpfung der Pandemie blicken, die bald unter Kontrolle sein dürfte, was aber bleiben wird, sind die Schulden zur Abmilderung derselben. Die wirtschaftlichen Folgen seien schlimmer als bei der Finanzkrise, deshalb müsse man jetzt bei der Bewältigung der Cornakrise umdenken, die Maßnahmen der EU hätten aufgrund der politischen Konstellationen zu wenig gebracht. Eine Lösung seien ganz lange oder ewige Anleihen.

Ein unbekanntes Kapitel der Geschichte von Anleihen

Wenn man glaubt, dass die heutige Wirtschaft so viel unglaublich Neues produziert, um in Phasen der finanziellen Knappheit ein Schlupfloch zu entdecken, so beweist ein Blick in die Wirtschaftsgeschichte manchmal etwas anderes. George Soros berichtet von Anleihen, die nie zurückgezahlt werden müssen, sondern nur die jährlichen Zinsen – schon vor Jahrhunderten.

Großbritannien hatte im Jahr 1752 unbefristete Anleihen, Kriegsanleihen zur Finanzierung der napoleonischen Kriege begeben, „Consols“, genannt. Die Vereinigten Staaten folgten mit der Emission von Consols in den 1870er-Jahren. Aber es war die Erfindung der Niederländer, die bereits 1648 unbefristete Anleihen zur Instandhaltung ihrer Deiche ausgegeben hatten. Das Skurrile daran: Diese Anleihen laufen noch heute, mit so niedrigen jährlichen Zinszahlungen, dass kaum jemand von ihrer Existenz weiß.

Die Aufforderung des Ungarn

Die Zeit der Coronakrise wäre günstig für die Einführung ewiger Anleihen, so Soros – weil die internationalen Zinssätze nicht weiter fallen könnten. Der Vorteil wäre für immer festgeschrieben und man könnte diese in Tranchen begeben.

Soros hatte solche Anleihen bereits der Europäischen Union vorgeschlagen, er sieht aber ein, dass dies unter den gegenwärtigen Umständen politisch nicht umsetzbar wäre. Es sollten dies einzelne Mitgliedsländer umsetzen, was auch in Ansätzen geschieht, dazu gleich mehr.

Soros weist darauf hin, dass die Europäische Zentralbank bereits das Instrument der unbefristeten Anleihen eingeführt hat. Durch den Aufkauf von Staatspapieren (Quantitative Easing), die sie nie mehr zurückgeben kann, ohne bestimmten Ländern schwer zu schaden.

Stattdessen ersetzt man bei Fälligkeit der Anleihen diese durch neue. Das Spiel ließe sich ewig fortsetzen, die Langläufer würden in unbefristete Schuldtitel umgewandelt.

Es gibt aber einen großen Unterschied zu den gleich von den Regierungen begebenen ewig langen Anleihen: Man schreibt die Zinsen für 100-jährige oder ewige Anleihen fest, während bei den ständig auslaufenden Titeln möglicherweise deutlich höhere Zinsen geboten werden müssten. Die Frage ist nur, ob man allen EU-Mitgliedsstaaten diese Eternal Bonds abkaufen würde.

Still und leise

Österreich hat es vorgemacht. In den Jahren 2017 und 2018 hatte die österreichische Republik 100-jährige Anleihen begeben, mit einem Zinskupon von damals noch niedrigen 2,1 Prozent. Das Papier war trotzdem 12-fach überzeichnet. Im Juni letzten Jahres legten die Österreicher mit einer weiteren 100-jährigen nach und es musste nur noch ein Kupon von 0.65 Prozent p.a. geboten werden. Inzwischen folgten Irland und Belgien mit eben solchen Langläufern, die von Versicherern begierig aufgenommen wurden.

Aber auch in Deutschland gibt es auf Landesebene bereits solche ultralangen Anleihen. Das Bundesland Nordrhein-Westfalen hat die Zeichen der Zeit erkannt und vor ein paar Tagen eine 100-Jährige emittiert mit einem Volumen von 2 Milliarden Euro, die von Investoren mit mehr als 3,25 Milliarden Euro nachgefragt wurde. Die Emissionsrendite sollte 1,11 Prozentpunkte über dem Referenzzins für 50-jährige Zinstauschgeschäfte liegen, bei minus 0,14 Prozent betrug damit der Zinskupon 0,95. Für NRW ist dies bereits die dritte Anleihe in dieser Laufzeit, während es für den Bund immer noch bei 30 Jahren Höchstlaufzeit bleibt. Vielleicht denken die Herren in der Finanzagentur nur an ihre eigene Kalkulationszeit.

Fazit

Die Idee des legendären und bereits 90-jährigen Hedgefondsmanagers Soros könnte in der Coronakrise durchaus in größerem Stile umgesetzt werden, zusammen mit der finanziellen Repression. Die emittierenden Staaten werden dafür auch nicht mehr so lange Zeit haben, um diese Papiere an den Investor zu bringen, schließlich mehren sich die Anzeichen für eine steigende Inflation und steigende Kapitalmarktzinsen. Damit würden auch die Kupons deutlich höher ausfallen als zuletzt. Es verwundert schon ein wenig, warum man im Hause Scholz so zögerlich ist bei der dauerhaften Nutzung niedrigster Zinsen..

Kommen durch die Coronakrise Anleihen mit ewiger Laufzeit?

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