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Draghi: Deutsche sollen aufhören über 0% Zinsen zu jammern, Aktien brachten doch Gewinne!

Redaktion

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Von Claudio Kummerfeld

EZB-Präsident Mario Draghi hatte gestern neben der Ankündigung im Dezember werde es wohl noch mehr gedrucktes Geld geben auch eine mehr als erstaunliche Aussage direkt für den deutschen Sparer parat, der sich, wie er wisse, über die seit Jahren existierenden 0% Zinsen auf Sparbüchern aufrege.

EZB-Rat Draghi
Der EZB-Rat um Mario Draghi.
Foto: Europäische Zentralbank

Mario Draghi hielt gestern eine Rede bei den „European Cultural Days“ in Frankfurt. Erneut machte er u.a. deutlich, dass es der EZB mit ihrer Geldschwemme darum gehe endlich die Inflation in der Eurozone auf 2% raufzudrücken, dass aber der böse Ölpreis dem kräftig entgegenwirke. Wie man dem Grundtenor seiner Rede entnehmen kann, wird die EZB wohl im Dezember beschließen noch mehr Geld zu drucken und somit noch mehr Anleihen am Eurozonen-Kapitalmarkt aufzukaufen. Dies dürfte tendenziell den Euro weiter schwächen.

Draghi´s Knaller für die deutschen Sparbuch-Inhaber

Weil er gestern ja in Deutschland sprach, hatte Mario Draghi noch eine ganz gezielte Aussage für den deutschen Kleinsparer übrig, der so gerne sein Cash auf dem Sparbuch deponiert, und daher direkt von der Zinspolitik der EZB betroffen ist, also aktuell der Nullzins-Politik der EZB. Er verstehe „völlig“ die Bedenken der Sparer, dass die Nullzins-Politik sie unfair treffe, so Draghi.

Für die Sparer seien aber nicht die direkten Erträge (Zinszuflüsse) auf dem Sparbuch entscheidend, sondern die „realen Erträge“, die durch die Nullzins-Politik entstehen würden. Er verwies direkt nach dieser Aussage ausdrücklich darauf, dass die meisten Haushalte in Deutschland ja Aktien besitzen (?) und hier Renditen entstanden seien. Er erwähnte eine aktuelle Studie der Deutschen Bundesbank, die belege dass der tatsächliche Anlageertrag eines typischen deutschen Haushalts seit 2008 bis heute bei 1,5% pro Jahr lag (da ja alle Deutschen Aktien besitzen?).

Damit möchte Mario Draghi wohl für Beruhigung sorgen, da mit einer angenommenen Durchschnittsrendite von 1,5% die Rendite des „deutschen Durchschnittshaushalts“ über der Inflation liegt, die irgendwo über 0 rumdümpelt. 1,5% seien zwar weniger als vor dem Lehman-Zeitalter (2008), aber immerhin noch besser als in den frühen 90er Jahren, so Draghi. Danach brachte er als zweites Argument für die Nullzins-Politik erneut das bisherige Hauptargument, dass ohne Nullzinsen die Eurozone in die Rezession rutschen werde, was Arbeitsplätze kostet uvm. Das Argument ist schon eher nachvollziehbar.

Der deutsche Sparbuch-Inhaber ist einfach zu feige

Aber noch einmal zurück zu dem deutschen Kleinsparer. Die Aussage ist klar. Er soll sich gefälligst nicht so anstellen, denn er besitzt neben seinem Sparbuch ja auch Aktien, und die haben in den letzten Jahren der Nullzins-Politik ja gut zugelegt, so kann man die Worte von Mario Draghi direkt übersetzen. Da darf man gerne mal die Frage stellen, wie die Bundesbank darauf kommt, dass der deutsche Durchschnittshaushalt 1,5% Rendite pro Jahr erzielt hat. Es wird, wie das Wort „Durchschnittshaushalt“ schon aussagt, eine Berechnung sein, die alle deutschen Kapitalanleger in einen Topf wirft und alles einmal kräftig umrührt – am Ende kommen 1,5% Rendite für alle raus.

Ob das etwas mit der Realität etwas zu tun hat, ist eine andere Frage. Denn da gibt es den börsenaffinen Anleger, die fast sein ganzes Geld in Aktien hält, bereit ist hohe Risiken und Verluste in Kauf zu nehmen – er wird sicherlich gute Gewinne gemacht haben. Dann gibt es da aber Millionen von Menschen, die definitiv kein Verlustrisiko eingehen wollen und auf Anlagen wie Bausparen, Sparbuch, Bundesschatzbriefe etc setzen, weil sie eben nicht bereit sind ein Verlustrisiko einzugehen. Diese Gruppe von Menschen liegt bei der Durchschnittsberechnung unter den 1,5%, also eher bei 0% Rendite pro Haushalt pro Jahr!

Und diese Gruppe, also alle Menschen in Deutschland ohne Geldanlagen in Aktien oder Aktienfonds, stellten die klare Mehrheit. Laut Analyse des Deutschen Aktieninstituts für das Jahr 2014 lag die Aktienquote in Deutschland bei 13,1%. D.h. 13,1% der Bevölkerung besaß Aktien oder Aktienfonds. Die Quote ging sogar zurück, weil sich in 2014 ca. 500.000 Menschen aus Aktien bzw. Aktienfonds zurückgezogen haben. Gut, wie aktuelle Erhebungen zeigen, gibt es jetzt in 2015 bei deutschen Anlegern einen starken Zulauf in Aktienfonds. Daher seien wir mal großzügig. Tun wir mal so als würde in 2015 der Anteil der deutschen Bevölkerung, der am Aktienmarkt investiert ist, auf 20% explodieren (seit 2001 immer deutlich unter 20%). Dann hätten immer noch 80% gar keine Aktienanlagen und wären in Mario Draghi´s Beispiel der deutschen Durchschnittsrendite der Teil der Haushalte am unteren Ende, die von „den Renditen“ gar nichts abbekommen, weil sie einfach zu feige waren ein Verlustrisiko einzugehen. Selbst schuld, nicht wahr?


Hier der entscheidende Abschnitt von Mario Draghi´s Rede im Originaltext:

„One concern is low interest rates unfairly punish savers. I fully understand this – low interest rates of course lead to low nominal returns on certain types of assets. But I think the extent of disquiet with the ECB about this issue also reflects some misunderstandings. There are two points in particular I would like to underline.

First, what matters for savers is not nominal returns on liquid assets such as deposits, but real returns – i.e. what those returns actually buy – on the portfolios of assets that most households hold, which include for example shares. An interesting piece of research last month by our colleagues at the Bundesbank [1] showed that the real return since 2008 for German households on a typical private portfolio lay at 1.5%. This was lower than the pre-crisis average, to be sure, but better than in several repeated periods since the early 1990s. showed that the real return since 2008 for German households on a typical private portfolio lay at 1.5%. This was lower than the pre-crisis average, to be sure, but better than in several repeated periods since the early 1990s.

Second, we need to keep in mind why interest rates are so low today. It is not an arbitrary decision of the central bank; it is because the euro area has been in a long and deep crisis where the economy needed low interest rates to recover. And what would happen if we were to raise rates in that environment? The answer is that it would only push us back into recession, which would mean lower incomes and more job insecurity for everyone. And then, the ECB would have to keep interest rates lower for longer to get the economy back on track. None of this would be in the interests of savers in any country.“



Quelle: EZB

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    joah

    4. November 2015 09:37 at 09:37

    Die Massen sollen wieder einmal „gelenkt“ werden: nicht beirren lassen in der jeweils eigenen Strategie, denn abgerechnet wird immer am Ende.

    „Second, we need to keep in mind why interest rates are so low today. It is not an arbitrary decision of the central bank; it is because the euro area has been in a long and deep crisis where the economy needed low interest rates to recover.“

    Versucht da gerade (immer) wieder jemand, sich mit seinen Handlungen selbst aus der Schusslinie zu stehlen?

    „And what would happen if we were to raise rates in that environment?“

    Wer hat sie denn zuvor überhaupt erst gesenkt und was genau wurde denn damit produziert sowie provoziert? Die haben absolute Höhenluft…

  2. Avatar

    leser

    4. November 2015 10:08 at 10:08

    Und der ehemalige Arbeitgeber von H. Draghi verkauft dem deutschen Michel dann auch gerne die Aktien zu Höchstkursen.

  3. Avatar

    Sven Meier

    4. November 2015 10:25 at 10:25

    Unglaublich was dieser Goldman Sachs gefolge von sich gibt während sich EZB Manager vor Zinsentscheiden mit Banken und Hedge Fonds im Vorfeld absprechen damit sie sich entsprechend platzieren können und den Privatanleger täuschen.

    Wer hat diese Institution eigentlich gewählt ?, ich nicht.

  4. Avatar

    G.Wissen

    4. November 2015 11:03 at 11:03

    Na, wer immer noch Geld auf dem Konto hat, sollte jetzt endlich mal die Rote Karte zeigen und alles runterholen. Mal sehen wie lange es noch so Arrogante Aussagen dann gibt.

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EZB ebnet argumentativen Weg für lang anhaltende Rettungsmaßnahmen

Claudio Kummerfeld

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Die EZB-Zentrale in Frankfurt

Seit der Finanzkrise 2008 veranstaltet die EZB ein Anleihekaufprogramm nach dem nächsten. Die Zinsen sinken im großen Bild gesehen immer weiter. Egal wie gut es der Konjunktur in der Eurozone zwischen 2008 und 2020 wieder ging. Die EZB druckte immer weiter Geld, kaufte immer weiter Anleihen. Länder wie Italien wurden mit EZB-Geld und immer weiter sinkenden Zinsen am Leben erhalten. Nach der Krise war vor der Krise.

Und nun, kommt nach der Coronakrise (die Impfstoffe kommen ja bald) wieder die nächste Krise, nämlich die Rettung der überschuldeten Unternehmen? Deswegen muss die EZB (wie es auch die Fed macht) zusammen mit den Regierungen der Mitgliedsstaaten immer weiter retten, retten und retten. Denn ja, wir wissen es alle. Mit gigantischen Kreditprogrammen, Zuschüssen, Kurzarbeitergeld uvm werden in Europa die Nöte der Coronakrise gemildert, und Probleme optisch versteckt. Am besten erkennt man das beim Thema Kurzarbeitergeld. In Deutschland wurde die ausgeweitete Funktion dieses Instruments erst letzten Freitag im Bundestag bis Ende 2021 verlängert – welch ein Zufall, bis zur Bundestagswahl kann die Kurzarbeit in ihrer jetzigen Form also weiterhin als neuer Dauerzustand für eigentlich arbeitslose Arbeitnehmer genutzt werden. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

EZB kommt mit „Nicht zu früh aufhören“-Argumentation

Aber zurück zur EZB. Die einfache wie auch clevere Aussage der EZB lautet am heutigen Montag (frei und sinngemäß zusammengefasst): „Wenn wir die Hilfen zu früh einstellen, gefährden wir den Erfolg“. Tja, und wann das Ende der Hilfen angebracht ist, das ist bei der EZB bekanntermaßen eine sehr dehnbare Ansichtssache (siehe Anleihekäufe seit 2008 bis heute – hier eine wunderschöne historische Übersicht zu dem Thema). Im Rahmen ihres heute veröffentlichten Finanzstabilitätsberichts hat die EZB auch einen einzelnen Artikel veröffentlicht, bei dem es um die „Bewertung von Schwachstellen von Unternehmen“ in der Eurozone geht.

Und die Schwachstelle scheint offenbar darin zu bestehen, dass EZB und Regierungen ihre Hilfsprogramme zu früh auslaufen lassen könnten. Man sieht die Probleme wohl auch vor allem beim Zugang zu Krediten und bei steigenden Finanzierungskosten. Die Unterstützung durch die Geldpolitik der EZB habe dazu beigetragen, die tatsächlichen Insolvenzen bisher unter Kontrolle zu halten. Staatliche Kreditgarantien und Konkursmoratorien hätten eine groß angelegte Welle Unternehmenspleiten verhindert. Aber eine beträchtliche Anzahl von Unternehmen könnte gezwungen sein Konkurs anzumelden, wenn diese Maßnahmen zu früh aufgehoben werden oder die Kreditvergabebedingungen der Banken verschärft werden, so die heutige Aussage der EZB. Tatsächlich deute die historische Ko-Bewegung des Anfälligkeitsindikators mit den Unternehmensinsolvenzen und dem BIP-Wachstum darauf hin, dass sowohl die Regierungspolitik als auch die niedrigen Fremdfinanzierungskosten dazu beigetragen hätten, die Auswirkungen der Verschlechterung des Gesundheitszustands der Unternehmen auf die tatsächliche Zahl der Insolvenzen zu dämpfen – auch wenn die Auswirkungen je nach Land, Sektor und Unternehmensgröße unterschiedlich seien.

Dieser neu entwickelte Indikator mache laut EZB deutlich, dass die Anfälligkeit des Unternehmenssektors auf ein Niveau gestiegen ist, das zuletzt während der Staatsschuldenkrise im Euroraum beobachtet wurde. Finanzierungsrisiken hätten sich dank verschiedener Unterstützungsmaßnahmen bisher nicht materialisiert, aber die Anfälligkeit der Unternehmen könne weiter ansteigen und ein Niveau erreichen, das während der globalen Finanzkrise beobachtet wurde. Insbesondere wenn die zweite Welle der Pandemie die wirtschaftliche Erholung zum Stillstand bringe und das Wachstum schwächer ausfällt als prognostiziert, könnte ein frühzeitiger Ausstieg aus den Stützungsmaßnahmen schließlich zu einem deutlichen Anstieg der Unternehmenskonkurse führen, mit Auswirkungen auf die Finanzstabilität auch für die Banken im Euroraum, so die EZB.

Aus Rettung wird Dauerzustand

Tja, haben sie es auch rausgelesen? Diese Aussagen (wie auch jüngst die Warnung von Christine Lagarde vor der Rezession) bieten die perfekte Vorlage, damit KfW-Kredite, Null- und Negatzvinsen, Kurzarbeitergeld, Anleihekäufe in Billionenhöhe etc immer so weitergehen, Jahr für Jahr. Nicht denkbar? Nochmal, ich möchte erinnern an die letzten zwölf Jahre seit der Finanzkrise! Natürlich sind viele Maßnahmen sicherlich gut und richtig wie die KfW-Kredite, Zuschussprogramme etc. Aber vor allem was die EZB da anrichtet mit ihren Kaufprogrammen und abgeschafften Zinsen. Diese Maßnahmen, wenn sie jahrelang immer weiter beibehalten werden, schaffen ein Gesamtumfeld, das nicht mehr ohne zinslose Kredite leben kann, und Staaten die nicht mehr ohne negative Anleiherenditen leben können. Man gewöhnt sich an diese schöne neue Welt sehr schnell – oder besser gesagt, man hat sich längst daran gewöhnt. Ein Ende dieser Geldpolitik der EZB, ist die überhaupt noch vorstellbar bei der Schuldenexplosion bei Staaten und Unternehmen? Entweder immer so weitermachen, oder man riskiert einen großen Knall.

EZB-Grafik zur Verwundbarkeit der Unternehmen
Grafik: EZB

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Coronavirus: Die Impfung und die praktischen Folgen

Deutschland rüstet sich für die ersten Impfungen gegen das Coronavirus. Aber was passiert nach erfolgreicher Impfung? Wie wird man mit den verschiedenen Gruppen im praktischen Leben umgehen?

Wolfgang Müller

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Deutschland rüstet sich für die ersten Impfungen gegen das Coronavirus. Impfzentren werden bereits für Mitte Dezember vorbereitet, obwohl noch gar kein Vakzin zugelassen ist. Die Politik macht Druck.

Mindestens 96 Corona-Impfzentren sollen allein in Bayern bis Mitte Dezember einsatzbereit sein. In jedem Landkreis und in jeder kreisfreien Stadt im Freistaat ist mindestens ein Impfzentrum geplant, so ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am Donnerstag.

Aber was passiert nach erfolgreicher Impfung? Wie wird man mit den verschiedenen Gruppen im praktischen Leben umgehen? Darüber wird man bald diskutieren.

Coronavirus: Immunisiert oder nicht

Im Prinzip müsste es im neuen Jahr vier verschiedene Gruppen innerhalb der Bevölkerung geben: Menschen, die bereits eine Infektion mit dem Coronavirus überstanden haben. Und dann die, die  registriert sind: eine diffuse Gruppe mit Bürgern, die selbst nicht genau wissen, ob sie vielleicht nicht schon infiziert waren, die große Gruppe derer, die sich noch vor der Infektion geschützt haben – und schließlich die Geimpften. Wie verfährt man in Zukunft mit den Menschen, die die Infektionskrankheit überwunden haben und die mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit immun sind gegen die Krankheit und auch als Spreader des Coronavirus für die Mitmenschen wegfallen? Gibt es nach erfolgreicher Impfung so etwas wie einen Impfpass?

Der Impfpass, jetzt eine zweifelhafte Angelegenheit?

In Kürze, wenn die Zulassung des Impfstoffes vollzogen ist, wird es rasch zwei Gruppen von Bürgern geben, die annehmen können, die Krankheit bezwungen zu haben – die vormals Infizierten und die Geimpften. Nach dem Stand der Wissenschaft gilt eine rasche Wiederinfektion mit dem Coronavirus als unwahrscheinlich. Bei Abermillionen von Infektionen müsste dies schon aufgefallen sein. Die Zahl der Infizierten in Deutschland nähert sich der Ein-Millionen-Grenze (Ende dieser Woche?), die Dunkelziffer dürfte in Deutschland bei Faktor 3 bis 5, liegen, so die Annahme einiger Wissenschaftler aufgrund der Antikörpertests.

Jedenfalls wird die Zahl der „Immunen“ bald im Millionenbereich liegen. Während man den ehemals Infizierten nach langen Diskussionen keinen Immunitätsausweis zusicherte, so wird nach einer Impfung gegen Covid-19 sicherlich eine Impfbescheiningung ausgestellt werden, wie beim Impfpass nach jeder Standardimpfung.

Was wird passieren, wenn sich geimpfte Menschen sagen, „so jetzt bin ich geschützt, warum weiter eine Maske tragen?“ Nur eine von vielen praktischen Fragen.

Aber da beginnt bereits das Dilemma. Die Neufassung des Infektionsschutzgesetzes sieht eine „Impf- und Immunitätsdokumentation“ vor. Was wird diese für Folgen haben? Eine Wiedergewährung von Mobilitäts- und Freiheitsrechten? Der Ethikrat ist bereits bei der Beratung der Problembereiche.

Wo könnte der Impfpass Anwendung finden?

Trotz aller ethischen Bedenken, werden Impfungen bei Reisen in fremde Länder empfohlen oder sind sogar Verpflichtung (z.B. gegen Gelbfieber in bestimmten afrikanischen Ländern). Wie werden asiatische Länder auf die Impfung reagieren, Staaten wie Taiwan, Vietnam, Thailand, Südkorea, Australien, Neuseeland, die die Infektion bisher erfolgreich eindämmen konnten? Könnte ein Impfausweis nicht Voraussetzung werden, dass man nach der Einreise von Menschen aus Risikogebieten keine 14-tägige Quarantäne absolvieren muss?

Gibt es aktuell vor einer Reise mit einem Kreuzfahrtschiff nicht bereits die Verpflichtung zu einem Corona-Schnelltest, in dieselbe Richtung laufen Bestrebungen im Luftverkehr?

Und was ist eigentlich mit den vielen Unternehmen aus den Corona-geschädigten Branchen, sei es der Kulturbereich, bei Messen, oder jeglichen Veranstaltungen (Fußball) mit größerem Publikumsverkehr? Werden diese sich für das ethisch etwas zweifelhafte Instrument Impfbescheinigung einsetzen, weil es ihnen sofort Luft zum Atmen bringen würde? Oder wird dies der Staat abwiegeln und versuchen, die Branchen mit immer weiteren Notgeldern über Wasser halten? Eines ist doch schon heute absehbar: Bei einer Bevölkerungszahl von 83 Millionen Menschen, abzüglich der bereits Betroffenen und den Impfverweigerern wird es lange dauern, bis all die Freiwilligen oder auch Zwangsläufigen (Pflegepersonal?) im großen Umfang gegen das Coronavirus geimpft sind.

Fazit

Sicher ist es noch etwas früh, sich über die praktischen Folgen einer Impfung Gedanken zu machen. Allerdings werden Regelungen kommen, ja vermutlich sogar gefordert werden. Schließlich steht manchem Unternehmer das Wasser bis zum Hals und man sehnt sich nach Kunden, nach Menschen, die kein Risiko in Sachen Coronavirus darstellen, für sich und für andere. Wann werden die Diskussionen über die neue Sachlage starten?

Was werden die praktischen Auswirkungen der Impfungen gegen das Coronavirus sein?

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Was den schwachen Goldpreis aktuell bewegt

Claudio Kummerfeld

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Ein Barren aus Gold

Der Goldpreis ist die letzten Tage ohne Stärke unterwegs. Eigentlich ist das merkwürdig, denn der US-Dollar schwächelt seit Tagen, und müsste Gold (das in Dollar gehandelt wird) daher doch eigentlich Auftrieb geben. Der Dollar-Index (Währungskorb des US-Dollar gegen andere Hauptwährungen) hat binnen einer Woche von 92,80 auf 92,18 Indexpunkte verloren.

Corona-Impfstoffe dämpfen Aufwärtstrieb im Goldpreis

Mit aktuell 1.865 Dollar sieht man, dass die seit Donnerstag letzter Woche kurz aufgeflackerte Erholung mit Anlauf Richtung 1.900 Dollar wieder verpufft ist. Eindeutig ist zu sehen, dass die Anleger, die über das Vehikel der ETF (Exchange Traded Funds, hier die Begriffserklärung) in Gold investieren, letzte Woche auf der Verkäuferseite waren mit gut 30 Tonnen. Der folgende aktuelle Chart der Commerzbank zeigt seit Jahresanfang in gelb den Goldpreis-Verlauf, und in schwarz die Gold-ETF-Bestände. Die Nachfrage schlafft derzeit ab.

Chart zeigt ETF-Bestände in Gold im Vergleich zum Goldpreis

Die letzte wie auch die vorletzte Woche waren die Kapitalmärkte gefangen im Fieber der Corona-Impfstoff-Hoffnung. Nach Biontech und Pfizer kam letzte Woche Moderna mit einem fertigen Impfstoff, und heute früh dann auch noch AstraZeneca. Daher laufen die Aktienmärkte auch heute zum Wochenstart erfreulich nach oben. Alles was die Märkte positiv stimmt für eine Erholung der Weltwirtschaft, schwächt tendenziell den „Sicheren Hafen“ namens Gold. Im Chart sehen wir den Goldpreis im Verlauf der letzten 30 Tage. Der große Absturz in der Mitte des Charts rührt her von der ersten Impfstoff-Meldung gegen das Coronavirus vom 9. November von Biontech und Pfizer.

Laut heutiger Aussage des Commerzbank-Analysten Carsten Fritsch dürfte der aktuelle Optimismus hinsichtlich der Impfstoffe dagegen sprechen, dass es schon in Kürze zu einem neuerlichen Run auf die Gold-ETFs kommt. Entsprechend gedämpft sei der kurzfristige Ausblick für den Goldpreis. Die spekulativen Finanzanleger seien seiner Meinung nach durch den Preisrutsch Mitte letzter Woche offensichtlich auf dem falschen Fuß erwischt worden. Denn sie weiteten ihre Netto-Long-Positionen in der Woche zum 17. November auf gut 90.000 Kontrakte aus, nachdem sie diese in der Woche zuvor reduziert hatten. Entsprechend dürfte der Preisrückgang auf rund 1.850 Dollar letzten Mittwoch seiner Meinung nach auch durch spekulative Verkäufe begünstigt worden sein.

Mittel- und langfristig bergauf?

Bleibt es bei dem Szenario, welches wir letzte Woche schon erwähnten? Kurzfristig bleibt der Goldpreis trotz schwachem US-Dollar und dank der Corona-Impfstoff-Hoffnungen schwach? Aber mittel- und langfristig sieht man wieder Kurse über 1.900 Dollar und auch Richtung 2.000 Dollar? Das ist die Frage. Denn im großen Bild, da ist die Meinung der Notenbanker ja relativ eindeutig, wie man die letzten Tage und Wochen auch bei der EZB heraushören konnte. Die Geldpolitik (Anleihekäufe und Zinsen) wird noch sehr lange Zeit extrem locker bleiben, um die wirtschaftliche Erholung der Volkswirtschaften zu unterstützen. Also weiterhin Optimismus im größeren Bild für einen steigenden Goldpreis? Dieses Szenario bleibt vorhanden.

Chart zeigt Goldpreis-Verlauf in den letzten 30 Tagen

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