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Energiepreise: Marcel Fratzscher ruft jetzt plötzlich nach dem Staat

Marcel Fratzscher und der Opportunismus..

Energiepreise und Marcel Fratzscher

Die Energiepreise sind in den letzten Monaten geradezu explodiert- vor allem der Gaspreis. Das bringt viele Menschen in ernsthafte finanzielle  Schwierigkeiten, weil sich die Kosten häufig vervielfachen. Könnte der Staat die Bürger entlasten, so wie etwa Polen das kürzlich beschlossen hat (siehe hierzu den Artikel „Explosion bei Gaspreis und Strompreis – so stark könnte der Staat uns alle entlasten“)?

Energiepreise: Fratzscher findet hohe Preise gut

Einer der am meisten beachteten Ökonomen in Deutschland, Marcel Fratzscher, hat in den letzten Monaten nicht nur die Inflation stets verharmlost – mit dem seltsamen Argument, dass die Inflation ja jahrelang zu niedrig gewesen sei, weswegen es nun gar nicht schlimm sei, dass die Inflation derzeit eben höher sei. Vor allem aber begrüßte Marcel Fratzscher den Anstieg der Preise für fossile Energieträger – das sei doch gut für den Klimaschutz:

„Weiter steigende Energiepreise für fossile Quellen sind daher wahrscheinlich, und auch ein wichtiges und richtiges Instrument des Klimaschutzes“.

Oder, so Fratzscher im Handelsblatt:

„Mit anderen Worten: Ein gewisses Maß an „Grüner Inflation“ ist richtig und notwendig. Sie spiegelt eine Anpassung relativer Preise wider – die Preise für klimaschädliches Verhalten müssen steigen, um Anreize für Innovationen und alternative, ultimativ klimaneutrale Wirtschaftsprozesse zu setzen. Zudem: Ist ein Preisanstieg durch einen höheren CO2-Preis wirklich so schlimm und schädlich?“.

Also alles gut, laut Fratzscher – denn erneuerbare Energien seien ja ohnehin doch deutlich günstiger:

Aber was ist, wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint?

In Sachen Energiepreise findet sich bei Fratzscher dann erstaunlicherweise wieder dasselbe Argument wie bei der Inflation – die seien doch jahrelang sehr niedrig gewesen, weshalb es doch gut sei, wenn sie nun sehr hoch wären. Mit gleicher Logik könnte man auch sagen: „Gestern habe ich nur ein Bier getrunken, dann kann ich heute ja sechs Bier trinken“. Völlig absurd also.

Aus Sicht von Fratzscher sind jene, die auf die Folgewirkungen zu hoher Inflation und explodierender Energiepreise hinweisen, Panikmacher, die Mythen verbreiten würden:

Jetzt soll laut Fratzscher die Politik plötzlich die Preise deckeln

Steigende Energiepreise sind also gut für den Klimaschutz, haben wir von Fratzscher gelernt. Nun aber warnt er plötzlich vor einer Spaltung der Gesellschaft – weswegen der Staat die Preise deckeln müsse. Aber wer zahlt dann die Zeche für diese Deckelung? In Frankreich hat der Staat den staatlichen Energieanbieter EDF die bittere Pille schlucken lassen – der Börsenkurs von EDF stürzte daraufhin massiv ab, weil der Konzern auf seinen gestiegenen Kosten sitzen bleiben wird.

Aber sehen Sie selbst in folgendem Bericht von „Monitor“, wie Marcel Fratzscher nun die hohen Energiepreise plötzlich gar nicht mehr so gut findet – der Staat habe das Problem noch gar nicht richtig verstanden. Gut, dass Fratzscher es verstanden hat..



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11 Kommentare

  1. Fugi,

    gerade eine Mail erhalten von meinem WebserverHost ….

    Aufgrund der Strompreise wird meine Servermiete teurer …

    1. @Saarlamander, krass!

    2. @Saarlamander
      Ein Server läuft 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr und braucht nun mal eine gewisse Menge Strom. Server verbrauchen um die 100 Watt pro Stunde. Dazu kommt die Klimatisierung der Serverräume. Dies erfolgt durch Hochleistungs-Klimaanlagen, die die Server auf konstanter Temperatur halten. Dafür ist etwa ebenso viel Energie nötig wie für den Betrieb. Macht in etwa stolze 1.750 kWh pro Jahr. Selbst bei einer moderaten Strompreiserhöhung von 2 Cent/kWh wären das schon 35,- EUR, die Ihr Provider schultern müsste.

      Wie oft hatten Sie die letzten Jahre schon Preiserhöhungen trotz ständig steigender Energiepreise? Und wie krass war denn die Preiserhöhung überhaupt?
      https://www.entega.de/fileadmin/bilder/lp-strompreisentwicklung/strompreis-entwicklung-kosten-1280.png

    3. Da hat sich doch Marcello so ins Zeug geschmissen, um den vermeintlich Mächtigen zu gefallen… Jetzt drehen sich die Wetterfähnchen durch eine weiter steigende Teuerung und selbst dem schleimigsten Opportunisten ist klar, daß die nicht „transitory“ ist.
      In einem Punkt muss ich Fugi aber ernsthaft widersprechen: wieso soll das absurd sein, wenn ich heute 6 Bier trinken, nachdem ich gestern nur eins hatte? Bin Grad dabei und finde das extrem sinnvoll.

  2. Mein Gott, kann nicht mal so ein Plagiatsjäger die Docktorarbeit diese Menschen überprüfen?

  3. Den grünen Sozialismus in seinem Lauf, halten weder Fratzscher noch die EZB auf ;-)

    Irgendwie bin ich garnicht davon überrascht, dass ein Herr Fratzscher ein grüne Inflation toll findet und die EZB einfach mal garnichts unternimmt.

    Ich bin nur etwas überrascht, dass der Euro noch so stark gegenüber dem Dollar ist.

  4. Marcello Fratscherino gehört auch zu der Klientel die nach höheren Energiepreisen schreit für Energie welche aus fossilien Quellen kommt, dann aber jammert wenn man tatsächlich mehr bezahlen muss. Diese Klientel will doch höhere Energiepreise, also warum wird jetzt gemosert? Ich habe für solche Leute ehrlich gesagt keinerlei Mitleid übrig, die bekommen das was sie schon immer gewollt haben.

    1. Wahrscheinlich mag er die rot-grüne Regierung und fürchtet, das sich einige ehemalige Wähler von ihnen abwenden könnten. Und die Kids, die für regenerative Energie hüpften, sind vielleicht inzwischen aus dem Elternhaus ausgezogen und müssen die Rechnung für ihren Verbrauch selber zahlen, und denken inzwischen „lieber warmes Klima und billige Heizung als kalt und keine Heizung“.

  5. Es wird immer Menschen geben, die nach dem Motto leben: „Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern?“
    Schlimm dabei ist, dass ihnen zu Viele Gehör schenken und sie dadurch auch noch Geld verdienen.

  6. @Markus Fugmann & Fans, das ist die Gretafrage am Freitag.
    Aber was ist, wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint?

    Beides zugleich kann schon ab und an passieren, ist aber weder die Regel, noch wäre es prinzipiell allzu dramatisch. In dem Fall müssen dann eben andere, geeignete Kraftwerke schnell und flexibel einspringen. Das wären im Sinne einer echten Energiewende und im Übergang dann eben Gaskraftwerke, die die stets zu priorisierenden sauberen Energien im Bedarfsfall ergänzen, statt schon im Grunde verdrängen sollten. Notwendige Helferlein statt schmutzige und gefährliche Dauer-Konkurrenten.

    Es ist aber traurige Realität, dass man viel zu lange auf die unflexible sog. „Grundlastversorgung“ durch Atom- und Kohlekraft gesetzt hatte. Diese produzier(t)en aufgrund ihrer Unflexibilität fast immer soviel prinzipiell unnötige Energie, dass über eine Dekade lang massive Stromüberschüsse erzielt wurden. Wegen dieser veralteten Konzepte muss also ständig massenweise saubere Energie verpuffen und an den Börsen verramscht werden. Was wiederum regelmäßig zu Mindereinnahmen im EEG Konto führte. Die Folge davon war, dass diese Mindereinnahmen durch eine ständig steigende EEG-Umlage ausgeglichen werden mussten. Das sog. EEG-Paradoxon (Schuld daran sind natürlich die Grünen, nicht Börsen oder Energie-Oligopole).

    Die „sichere“ Grundlastversorgung durch Atom und Kohle ist objektiv betrachtet eigentlich eine Grundlast, die es zu entsorgen gilt. Die teils abstrusen Überschüsse und Einspeisungen günstigst erzeugter sauberer Energie ins europäische Netz könnte man mit flexibler Ergänzungs-Technologie locker vermeiden. Erst einmal alles selber nutzen, danach Importe sauberer Energie aus anderen EU-Staaten mit Überschuss, schmutzige Energie nur wirklich dann, wenn absoluter Bedarf daran besteht. Ein gewaltiges Reduktionspotenzial. Die Stromexportüberschüsse wurden aber immer massiver, am Ende hatte man nur mehr wenige Stunden im Jahr, in denen kein Überschuss entstand. Immer wieder werden inzwischen Windräder gedrosselt oder ganz abgeschaltet, wenn gerade mehr Strom erzeugt wird, als das Netz tragen kann, weil Atom- und Kohle grundsicher darauf lasten. Sind unsere großartigen Ingenieure in einer weitgehend automatisierten und tageszeitunabhängigen Industrie nicht in der Lage, auf wochenlange Hochdruckgebiete mit unendlich Sonnenschein oder höchst verlässlich prognostizierte Tiefausläufer mit viel Wind zu reagieren? Oder ist das Desinteresse profitgeiler Energie-Oligopolisten eher das Grundlastübel, das seit Dekaden eine Energiewende blockiert und Preise grundlos in die Höhe treibt?

    Warum die geringen, teils negativen Börsenstrompreise über einen so langen Zeitraum zu keinem Zeitpunkt an die Verbraucher weitergegeben wurden, bleibt eines jener ungelösten Rätsel und Mysterien freier Märkte, an die wir uns schon viel zu lange gewohnt haben. Leider fragt nie jemand danach. Vermutlich sind, wie immer, die Grünen schuld (ich hoffe, ich wiederhole mich nicht).
    Wer seinen Erkenntnishorizont jenseits der erfolgreichen Kampagnen mächtiger PR-Abteilungen aus der Fossil-Wirtschaft etwas erweitern möchte und auch offen und vorurteilsfrei für andere Informationen und Sichtweisen ist, dem sei folgender Artikel empfohlen. Ich behaupte nicht, dass er der Weisheit letzter Schluss ist, den dürften wir bei derzeitiger Entwicklungsgeschwindigkeit frühestens um das Jahr 2500 vorübergehend erschnuppern. Aber er ist eine jederzeit bedenkenswerte Sichtweise, eine der vielen Kehrseiten bisher sehr einseitig betrachteter Medaillen, die nie wirklich öffentlich diskutiert werden, jedoch sehr hilfreich und förderlich für Erkenntnisgewinn sind.

    https://energiewende-rocken.org/strukturkonflikt-hermann-scheer-energiesystemkonflikt/#Unbequeme_Wahrheiten

    Zum bisherigen Interesse und den Beteiligungen der Oligopolisten und Spekulanten an sauberen Energien: Fonds und Banken und die Großen steigen immer mehr ins Geschäft ein, je utopischer die künstlich verteuerten Energiepreise steigen. Gestehungskosten sind minimal, Verkaufspreise maximal. Und wer ist schuld? Die Gr… Nein, falsch geraten und zu schnell gedacht. Es sind die Gelben und die Gierigen, die Freien, die Marktlibertären, die Geier, die den Kragen niemals voll bekommen, die Moralbefreiten und Skrupellosen, die sogar auf Strom und Wärme und Wasser spekulieren, wenn denn nur die Marge stimmt.

    https://www.unendlich-viel-energie.de/mediathek/grafiken/eigentuemerstruktur-erneuerbare-energien

  7. Sebastian Schaarschmidt

    Mehrwertsteuer abschaffen, Stromsteuer abschaffen, EEG Umlage abschaffen, KWK Umlage abschaffen, Ökosteuer abschaffen und schon sinken die Preise!

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