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EZB: Glaubwürdigkeit – Experten können irren, aber sollten nicht schlafen!

Was haben die Katholische Kirche und die EZB gemeinsam? Beide bewegen sich innerhalb eines Systems aus Kredit

EZB Experten können irren - aber die Inflation nagt an der Glaubwürdigkeit

Was haben die Katholische Kirche und die EZB gemeinsam? Antwort: Beide bewegen sich innerhalb eines Systems aus Kredit. Mit anderen Worten: sie gründen letztlich auf Glauben und Glaubwürdigkeit. Sowohl die EZB als auch die Katholische Kirche machen gegenwärtig die schmerzhafte Erfahrung, dass Vertrauen verdient werden will. Und dass es viel einfacher ist, Vertrauen zu verspielen als Vertrauen aufzubauen. Letzteres ist ein langwieriger Prozess.

EZB und Fed: Euro und Dollar wie Fahrstühle, die nach unten rauschen

Dass die Inflation nur „vorübergehend“ sei, wird den gravierenden sozialen Folgen des Problems nicht gerecht. Derlei intellektuelle Mätzchen stehen den Währungshütern der EZB schlecht an. Im Leben der Menschen ist im Grunde alles vorübergehend. Es kommt auf die Schwere der Schäden an. Und die sind längst unübersehbar.

Inzwischen steht die Befürchtung im Raum, die Schäden könnten sich zu systemischen Flurschäden ausweiten, sollten Fed und EZB noch länger die neue Realität nicht zur Kenntnis nehmen. Die Inflationsdaten für die USA fielen gestern mit 7,5% abermals deutlich höher aus als erwartet. Die Konsumgüterpreisinflation liegt in Deutschland derzeit bei 5,2 %. Eurostat, das den Warenkorb anders bemisst als das statistische Bundesamt, kommt auf einen europaweit harmonisierten Inflationswert von 6 %. Die höchste Inflationsrate misst Eurostat übrigens für Litauen (9,3%).

Zur Euro-Inflation, sprich: der Abwertung im Inneren, kommt verschärfend die Euro-Abwertung nach außen hinzu. Der Realwert des Euros wird durch beides in Frage gestellt. Der Euro hat im Laufe des Jahres 2021 ca. 10% seines Wertes gegenüber dem US-Dollar eingebüßt. Euro und US-Dollar gleichen mithin zwei Fahrstühlen, die gemeinsam nach unten rauschen. Indes, der Goldpreis reflektiert diese Entwicklung aktuell (noch) nicht in gebührender Weise, aus vielerlei Gründen.

EZB: Gefährliche Phase kritischer Hinterfragung

Die EZB durchläuft derzeit eine gefährliche Phase kritischer Hinterfragung. Ihr religionsanaloger Charakter macht die Finanzwelt grundsätzlich anfällig für Glaubwürdigkeitseinbrüche, Vertrauensentzug und kritische Destruktion. Glaubwürdigkeit ist die eigentliche Währung hinter dem Euro. Den Euro gibt es nun seit 20 Jahren. Verglichen mit dem US-Dollar, der bald 250 Jahre auf dem Buckel hat, ist er ein Kleinkind. Den Vertrauensvorschuss, den die EZB als Nachfolgeinstitution der Bundesbank (es gibt sie zwar noch, aber warum eigentlich?) genoss, ist inzwischen verbraucht, das Vertrauen in die Unabhängigkeit der EZB angekrazt, der Glaube in einen starken Euro – vorsichtig formuliert – auf breiter Front am Erodieren. Was, wenn sich die angestiegenen Erzeugerpreise im Laufe des Jahres in Konsumgüterpreisinflation niederschlagen? Die Zahlen sind horrend: für Österreich liegt der Anstieg bei 17%, für Deutschland bei 17,5%, für Finnland bei 19%, für Italien bei 25%, für die Niederlande bei 28% und für Spanien bei sage und schreibe 32%.

Experten können sich irren, aber sie sollten nicht schlafen

Die Experten der EZB haben ihre Inflationsprognose für 2023 um 0,3% nach oben korrigiert, auf jetzt 1,7%. Die Experten der EZB hatten auch schon hinsichtlich ihrer Inflationserwartung für das vergangene Jahr krachend daneben gelegen, um 4,5%. Experten können sich irren, gewiss. Aber sie sollten nicht schlafen! „Es gibt nicht den geringsten Hinweis darauf, dass die aktuelle Geldpolitik zu permanent höherer Inflation oberhalb von zwei Prozent oder gar zu einer Hyperinflation führen wird“, erklärte noch im September 2021 Isabel Schnabel, Deutschlands Mitglied im Direktorium der EZB.

Was, wenn Frau Schnabel sich wieder einmal kräftig irrt? Die alles entscheidende Frage ist doch die: Wird die EZB den monetären Klimawandel anerkennen? Gut möglich, dass hinter den Kulissen längst ein Richtungskampf tobt. Die nationalen Notenbanken der Nordländer werden immerhin ein wenig lauter. Wie auch immer: Die Inflation hat die EZB auf dem falschen Fuß erwischt. Jeder, der alle seine fünf Sinne beisammen hat, kann die Verlautbarungen der EZB-Spitze mit der Realität vergleichen. Was das betrifft, möchte man gegenwärtig nicht in der Haut von Madame Lagarde und Frau Schnabel stecken. Nichts weniger als die Glaubwürdigkeit in die obersten Währungshüter steht auf dem Spiel. Und Glaubwürdigkeit ist bekanntlich die härteste Währung überhaupt.



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2 Kommentare

  1. „Inzwischen steht die Befürchtung im Raum, die Schäden könnten sich zu systemischen Flurschäden ausweiten, sollten Fed und EZB noch länger die neue Realität nicht zur Kenntnis nehmen. Die Inflationsdaten für die USA fielen gestern mit 7,5% abermals deutlich höher aus als erwartet. Die Konsumgüterpreisinflation liegt in Deutschland derzeit bei 5,2 %. Eurostat, das den Warenkorb anders bemisst als das statistische Bundesamt, kommt auf einen europaweit harmonisierten Inflationswert von 6 %. Die höchste Inflationsrate misst Eurostat übrigens für Litauen (9,3%).“

    alles richtig, Markus, nur sollte man eines beachten, dass es einen einen riesengroßen Backlog gibt, eben wegen Corona und dies seit 2020 im März (also Corona), wer was anderes behauptet, der sollte sich mal ein NEUES (!) Elektrofahrzeug „vom deutschen Staat“ neu bestellen ? –

    „vom Deutschen Staat“ , deshalb, weil sie ja „grün“ und “ steuerfrei“ sind, da „umweltfreundlich“ und keine Emissionen verursachen und deshalb nicht gerade wenig bezuschusst sind ?

    Da sie ja keine fossilen Energien verbrauchen (!) – was mich hierbei wundert, der Strom den dieses Elektro-Wunderdinges verbraucht , der muss doch auch doch irgendwoher kommen, seltsam ? – Und ist der dann „grün“, von mir aus Solarpanelen, das glaube ich eher nicht. – Ganz ehrlich.

    Gerade in der „unteren Liga“ gibt es keine Halbleiter mehr, Audi hat beispielsweise gesagt, wir beliefern nur noch unsere unsere Premium-Fahrzeuge und das ist jetzt hoffentlich nix Neues ?

    Und die Realität, unbenommen dass die Inflationszahlen hoch sind, ist folgende – Corona war da und ist es immer noch !

    Und der Bestellungsstau ist da, wie sonst kann ich mir erklären, dass Deutschland zu Export-Rekordzahlen seine Waren verkauft ?

  2. Respekt für den Autor. Da stimme ich voll zu: Die EZB will nur von eigenen Versäumnissen ablenken. Für die Geldentwertung sollen jetzt die hohen Energiekosten allein, am Ende wieder einmal der arme Putin verantwortlich sein, aber natürlich nicht das immense Gelddrucken der EZB. Wie ist das peinlich und feige.

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