Anleihen

EZB: Teufelskreis – warum die nächste Zinssenkung kommen wird!

Von Markus Fugmann

Dass die EZB im Dezember ihr QE ausweiten wird gilt schon als parktisch sicher. Die Frage ist nur, ob sich auch den Einlagezins von derzeit -0,2% auf dann -0,3% senken wird. Blickt man auf die Anleiherenditen in der Eurozone, heißt die Antwort ganz klar: sie wird!

Der Grund ist einfach: die EZB kann immer weniger Staatsanleihen der Eurozone kaufen! Bekanntermaßen darf die Notenbank nur Anleihen kaufen, die eine höhere Rendite aufweisen als der derzeitige Einlagesatz von -0,20%. Das Problem: seit Mario Draghi am letzten Donnerstag faktisch die Ausweitung des QE ankündigte, sind die Renditen für Staatsanleihen im Sinkflug.

EZB-Präsident-Mario-Draghi
EZB-Präsident Mario Draghi
Foto: World Economic Forum / Wikipedia (CC BY-SA 2.0)

Und dieser Sinkflug beschleunigt sich heute:

– die deutsche Bundesanleihe (10-jährige Anleihe) fällt auf 0,44% – so wenig wie seit April nicht mehr

– die deutsche 2-jährige Anleihe fällt heute auf ein Rekordtief von -0,35%. Daamit kann sie nicht mehr von der EZB oder anderen Notenbanken der Eurozone gekauft werden

– die Rendite für die 3-jährige Anleihe Frankreichs fällt heute erstmals unter -0,20% – und kann damit ebenso nicht mehr gekauft werden.

Und das bedeutet: immer weniger Anleihen sind kaufbar für die EZB bzw. die Notenbanken der Eurozone nach den derzeigen Regularien. Um diesem Dilemma zu entgehen, macht es also für die EZB Sinn, den Einlagezins weiter abzusenken auf dann -0,30% – denn dann würde der Kreis der Anleihen, die für die Notenbank kaufbar sind, wieder erweitert.

Derzeit rentieren in der Eurozone 5% aller Staatsanleihen unter -0,30% – Tendenz steigend. Im Durchschnitt liegen derzeit die Renditen für Staatsanleihen der Eurozone (ein Markt im Umfang von 6,4 Billionen Euro) bei 0,64% – und damit nicht mehr weit von den Allzeittiefs vom Anfang des Jahres, als Draghi das QE ankündigte.

Dabei steht nun die EZB vor einer paradoxen Situation: indem sie die Märkte beruhigt und mehr QE verspricht oder gar eine Senkung des Einlagezinses andeutet, reagieren die Anleihemärkte und prügeln die Anleiherenditen weiter nach unten. Das aber macht das QE in der Praxis für die EZB dann viel schwieriger, weil der Kreis der kaufbaren Staatsanleihen immer weiter sinkt. Die Notenbank befindet sich also in einem von ihr selbst ausgelösten Teufelskreis – dem sie kurzfristig nur entrinnen kann, wenn sie die Einlagezinsen weiter senkt. Aber wenn sie das tut, werden die Anleiherenditen weiter sinken – eben weil die Märkte dann wiederum auf die Senkung reagieren. Und das zeigt: die EZB ist eine Getriebene ihrer eigenen Rhetorik. Seltsame Welt!



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2 Kommentare

  1. H.H.oder auch 8.8.(=16)hat uns ähnliche 1000Jahre Glück versprochen,wie der M.D.(=17)Rein mathematisch,gehts also schon mal aufwärts.Warum nur,werde ich den Verdacht nicht los,dass ich diesmal,trotz der Gnade der späten Geburt,.auch die Arschlochkarte gezogen habe?Ein Glück scheint mir zu verbleiben.Ich werde nur finanziell zerfetzt,nicht aber körperlich!

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