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Entspannung in der Gaskrise? Gaspreis am Terminmarkt fällt weiter deutlich – Blick auf die Gründe

Der Terminmarkt-Gaspreis fällt weiter deutlich. Wichtig ist: Europa kauft viel Flüssiggas ein, und der Industrie-Verbrauch reduziert sich.

Gas-Pipeline

Der europäische Terminmarkt-Gaspreis Dutch TTF legt eine größere Abwärtsstrecke hin. Diese Woche gab es zwar kurzzeitig hohe Volatilität mit einem Preissprung nach oben. Dies lag an zwei Faktoren: Einerseits sah man die Lecks in den Gasleitungen Nord Stream 1 und 2, was erst einmal auf absehbare Zeit keinerlei Gaslieferungen mehr durch die Ostsee bedeutet. Und vor allem hatte Gazprom der Ukraine damit gedroht Gaslieferungen über ihre Territorium Richtung Europa abzustellen. Die sorgte kurzzeitig für Alarmstimmung, und der Gaspreis stieg. Aber jetzt zum Wochenausklang sehen wir, dass sich der Abwärtstrend der letzte Wochen fortsetzt.

Gaspreis am Terminmarkt zeigt sich im großen Bild deutlich entspannt

Die Lage entspannt sich weiter, der Gaspreis fällt. Von über 330 Euro vor vier Wochen sehen wir bis heute einen Absturz auf aktuell 196 Euro – heute ist das ein Tagesverlust von 3,8 Prozent (Donnerstag kurzzeitig im Hoch bei 226 Euro). Im Chart sehen wir den Kursverlauf vom Dutch TTF-Gaspreis in den letzten zwölf Monaten. Der große Preisrückgang ist deutlich erkennbar, aber im Vergleich zu Ende September 2021 ist es immer noch eine Preisverdoppelung.

Dutch TTF-Gaspreis im Verlauf der letzten zwölf Monate

Preise fallen – Blick auf die Gründe

Offenbar honoriert der Terminmarkt die Anstrengungen hin zu deutlich weniger Gasverbrauch in Europa, und auch andere Maßnahmen wie die Initiativen zur Gaspreisbremse, die auch Anreize zum Einsparen von Gas beinhalten wird. Nicht nur, dass man sich händeringend bemüht alternativ zu Russland andere Bezugsquellen zu erschließen, und in dem Zusammenhang so viel Flüssiggas aus Übersee importiert wie irgend möglich. Auch der industrielle Gasverbrauch sinkt. Alleine Deutschland zeigt jüngst einen Gasverbrauch der Industrie, der 22 Prozent unter dem Schnitt der letzten Vorjahre liegt. So eine Nachricht ist wichtig, um den Gaspreis weiter zum Sinken zu bringen, denn weniger Nachfrage nach Gas entspannt den Preis. Es ist aber ein bittersüßer Erfolg – denn viele Industriebetriebe fahren ihre Produktion wegen der vorher stark gestiegenen Endkundenpreise runter, und fragen eben deswegen weniger oder gar kein Gas mehr nach.

Initiativen auf EU-Ebene finden Beachtung

Auch Initiativen auf EU-Ebene scheinen sich positiv auf eine Entspannung im Gaspreis auszuwirken. So schreibt Bloomberg aktuell, dass die Erdgaspreise in Europa gefallen sind, nachdem die EU-Energieminister Maßnahmen zur Eindämmung der Krise unterstützt haben, die die Wirtschaft bedroht. Die Minister, die zu einer zweiten Dringlichkeitssitzung in diesem Monat zusammenkamen, unterstützten ein erstes Maßnahmenpaket, das u. a. ein Ziel zur Senkung der Stromnachfrage und eine Gewinnbeteiligung der Energieunternehmen vorsieht. Eine Obergrenze für den Gaspreis könnte diskutiert werden, aber es ist unwahrscheinlich, dass eine Entscheidung getroffen wird.

Aufforderung zu reduziertem Verbrauch von Gas und Strom

Länder von Deutschland bis Frankreich fordern ihre Bürger auf, den Energieverbrauch zu senken – eine schwierige Forderung während der winterlichen Heizperiode. FMW-Anmerkung: Erst gestern zeigten Daten der Bundesnetzagentur, dass die privaten Haushalte in Deutschland zuletzt mehr Gas verbraucht haben als in den Vorjahren – da ist also noch einiges zu tun beim sparsameren Gasverbrauch. Aber dass die Industrie deutlich weniger Gas verbraucht, ist deutlich wichtiger für die Argumentation, dass der Gaspreis weiter fallen kann.

Bloomberg schreibt weiter: Die Behörden warnen, dass ohne Einsparungen beim Energieverbrauch Engpässe und sogar Rationierungen drohen. Die EU hat sich bereits auf ein freiwilliges Ziel zur Senkung des Gasverbrauchs um 15 % geeinigt, aber es sind noch weitere Maßnahmen erforderlich. Deutschland kündigte am Donnerstag außerdem an die deutschen Gaspreise zu begrenzen.

Die Bemühungen finden inmitten eines sich verschärfenden Energiekonflikts zwischen Europa und Russland statt, nachdem das Nord Stream-Pipelinesystem gesprengt wurde, was westliche Politiker als vorsätzliche Sabotage bezeichnen. Als Reaktion darauf verstärkt Europa die Sicherheitsvorkehrungen bei wichtigen Energieanlagen. TotalEnergies teilte mit, dass eine Drohne in der Nähe eines Ölfeldes in der dänischen Nordsee gesichtet wurde, und erhöht die Wachsamkeit in diesem Gebiet.

Der Kreml bezeichnete Behauptungen über eine russische Beteiligung als „absurd“. „Europa ist mit einer Energieerpressung durch Russland konfrontiert, und die weltweite Nachfrage nach Gas ist höher als das Angebot“, sagte Energiekommissar Kadri Simson vor dem Ministertreffen. „Wir müssen entlang der gesamten Kette arbeiten, um die Herausforderung zu bewältigen.

Die Nord Stream AG plant mit der Begutachtung der Schäden an den Pipelines zu beginnen, „sobald sie die notwendigen behördlichen Genehmigungen erhalten hat“, so der Betreiber in einer Erklärung. Der Zugang zu dem Gebiet wird erst dann erlaubt, wenn der Gasaustritt gestoppt ist. Dennoch füllen sich die Gasspeicher in Europa angesichts der umfangreichen LNG-Lieferungen stetig und tragen dazu bei die Nerven zu beruhigen, da die Heizsaison am Wochenende offiziell beginnt. Die Speicher in der EU sind im Schnitt zu etwa 88 % gefüllt – mehr als üblich für diese Jahreszeit.

FMW/Bloomberg



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