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Kurzfristig entspannte Lage Gaspreis fällt kräftig – „wir haben klares Signal an Markt gesendet“

Der europäische Gaspreis am Terminmarkt fällt heute kräftig. Neben vollen Speichern und mildem Wetter blickt man auf aktuelle EU-Beschlüsse.

Heizung

Der europäische Gaspreis am Terminmarkt (Dutch TTF-Kontrakt) fällt deutlich. Heute sehen wir ein Minus von 9,9 Prozent auf 114,50 Euro. Ende August waren es noch mehr als 330 Euro! Im Chart sehen wir den Kursverlauf der letzten zwölf Monate. Fast komplett gefüllte Gasspeicher in Deutschland von über 96 Prozent und auf EU-Ebene von über 92 Prozent sorgen für eine entspannte Lage, wie auch das milde Wetter, was derzeit den Bedarf an Gas fürs Heizen reduziert. Jetzt kommt noch eine politische Komponente hinzu, die zwar nicht sofort konkret weiter hilft, aber gefühlt die Gesamtlage zu entspannen scheint. By the way… die richtigen Probleme stehen wohl erst im nächsten Sommer und Herbst an, wenn man ganz ohne russisches Gas versuchen muss die Gasspeicher neu aufzufüllen. Aber hier und jetzt schauen wir auf die kurzfristig entspannte Lage.

Gaspreis fällt – Einigung für Gaspreisdeckel auf EU-Ebene

Die Erdgaspreise in Europa sind gesunken, nachdem sich die Staats- und Regierungschefs auf dringende Maßnahmen, einschließlich einer Preisobergrenze für Gas, geeinigt haben, um die Energiekrise einzudämmen, die die Wirtschaft verschlungen hat, so berichtet es aktuell Bloomberg. Die Politiker forderten die EU-Kommission auf einen „vorübergehenden dynamischen Preiskorridor“ vorzuschlagen, und sagten, sie würden einen Rahmen zur Begrenzung im Gaspreis für die Stromerzeugung anstreben. Außerdem wollen sie Maßnahmen ergreifen, um extreme Preisspitzen zu vermeiden und die gemeinsame Kaufkraft der EU bei Verhandlungen mit den Anbietern zu nutzen. „Wir haben auch ein klares Signal an den Markt gesendet“, sagte der Präsident des Europäischen Rates Charles Michel. „Ich bin zuversichtlich, dass es sehr bald eine Wirkung geben wird.“

Kursverlauf im Dutch TTF-Gaspreis in den letzten zwölf Monaten

Die EU präsentierte eine Einheitsfront, nachdem Bundeskanzler Olaf Scholz dem Druck der anderen Mitgliedstaaten nachgegeben hatte und eine Preisobergrenze forderte, so Bloomberg. Zuvor hatte er davor gewarnt, dass eine Begrenzung beim Gaspreis die Versorgung zu einem Zeitpunkt gefährden könnte, an dem Europa alles braucht, was man bekommen kann. Länder wie Frankreich, Italien und Polen hatten sich jedoch nachdrücklich für eine Preisobergrenze eingesetzt, da die schwindenden russischen Lieferungen zu Engpässen und Stromausfällen führen können. Die Energieminister der EU werden sich nächste Woche treffen, um die Details der verschiedenen Pläne weiter auszuarbeiten. Der französische Präsident Emmanuel Macron erklärte, man wolle in den nächsten zwei bis drei Wochen explizite Mechanismen ausarbeiten.

Erleichterung am Markt

Bloomberg schreibt weiter: Das Ergebnis des Gipfels wird den Märkten eine gewisse Erleichterung bringen, da der Gaspreis immer noch mehr als dreimal so hoch sind wie der Fünfjahresdurchschnitt für diese Jahreszeit. Seit dem Höchststand im August ist der Gaspreis am Terminmarkt um mehr als 60 % gesunken, da Europa mit fast vollen Reserven und starken Flüssiggas-Strömen in die Winterheizsaison gestartet ist.

Die Händler werden jedoch weitere Einzelheiten über die Ausgestaltung des EU-Plans abwarten, da eine Preisobergrenze bisher „schwer fassbar“ geblieben ist, so die Analysten von Alfa Energy in einer Notiz vom Montag. Es gibt noch andere Risiken. Kälteeinbrüche und eine Unterbrechung des bestehenden Angebots aus den USA oder Norwegen könnten den Gaspreis deutlich in die Höhe treiben, sagte Nikoline Bromander, Analystin bei Rystad Energy. Käufer in Asien bereiten sich auf den Winter vor, indem sie verstärkt LNG kaufen, von dem Europa stark abhängig ist, um den russischen Brennstoff zu ersetzen. Im Moment ist das Wetter noch mild, und die Prognosen deuten darauf hin, dass die Temperaturen in Kontinentaleuropa auch in der nächsten Woche deutlich über der Norm liegen werden.

FMW/Bloomberg



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1 Kommentar

  1. Nun, es ist erfreulich, dass die Gaspreise sinken. Doch die jetzt eingelagerten kosteten ja sehr viel Geld. D.h. für die Kosumenten wird sich aktuell nicht viel ändern. Die aktuellen Preise können ja nicht „materalisiert“ werden. Werden die Speicher wieder leeren, dürften die Preise wieder steigen.
    Oder?

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