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Gaspreise auf Fünfjahreshoch, McDonalds ohne Milchshakes

Gasherd

Was haben Gaspreise auf Fünfjahreshoch in Deutschland und nicht mehr lieferbare Milchshakes bei McDonalds in Großbritannien miteinander zu tun? Zunächst einmal nicht viel. Wir packen trotzdem beide Ereignisse in diesen Artikel, weil beides Spätfolgen von außergewöhnlichen Ereignissen sind.

Gaspreise explodieren

Als Auswirkung der Coronakrise kommt nach dem Nachfrage-Loch der große Nachholeffekt in Form einer viel höheren Nachfrage, und das in sehr vielen Bereichen. Dies bewirkt, dass die Gaspreise für deutsche Haushalte aktuell auf dem höchsten Stand seit fünf Jahren liegen. Laut heutiger Mitteilung von Verivox liegen die Gaspreise für einen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden im Bundesschnitt aktuell bei 1.258 Euro und damit so hoch wie seit Januar 2016 nicht mehr. Zum Jahresbeginn lag der durchschnittliche Gaspreis noch bei 1.162 Euro. Das entspricht einem Anstieg von über 8 Prozent seit Januar 2021. Der Hauptgrund für den Aufwärtstrend ist laut Verivox der gestiegene Großhandelspreis (hier mehr dazu, Großhandelspreise insgesamt zuletzt mit stärkstem Preisanstieg seit 1974).

Die niedrigen Stände der Gasspeicher in Deutschland und die weltweit steigende Gasnachfrage hätten die Gaspreise am Spotmarkt im Laufe des Jahres mehr als verdoppelt. Dieser Anstieg wirke sich nun auch auf die Gaspreise für die privaten Verbraucher aus. Deswegen habe kein regionaler Gasversorger für die kommenden Monate Gaspreissenkungen angekündigt. Für August, September und Oktober haben laut Verivox hingegen aktuell bereits 31 regionale Gasversorger Preiserhöhungen von durchschnittlich 9 Prozent angekündigt. Bei einem Jahresverbrauch von 20.000 kWh (Einfamilienhaus) entspricht das Mehrkosten von 128 Euro jährlich. Man erwarte in diesem Herbst eine größere Gaspreiswelle. Denn neben höheren Großhandelspreisen steige auch der CO2-Preis für fossile Brennstoffe zum Jahreswechsel von 25 auf 30 Euro pro Tonne. Diese Kosten würden viele Gasversorger direkt an ihre Kunden weitergeben.

McDonalds ohne Milchshakes

Was zunächst lustig und unwichtig klingt, ist der Eisberg der Lieferprobleme. Großbritannien kämpft wohl wie weltweit alle Volkswirtschaften mit Lieferengpässen nach der Coronakrise. Oben drauf wirkt sich nun aber immer stärker der Brexit aus. Großbritannien ist jetzt EU-Ausland, und im Zuge des Brexit haben viele EU-Bürger das Land verlassen. Jetzt merkt man auf der Insel wohl erst recht, wie wichtig diese Arbeiter zum Beispiel in der Logistik waren. Es fehlen massenweise LkW-Fahrer auf der Insel.

Laut der BBC erhalten die 1.250 Filialen von McDonalds auf der Insel keine Milchshakes und abgefüllte Getränke mehr. Auch in Supermarktregalen klaffen oft Lücken. Denn laut dem Branchenverband „Road Haulage Association“ sollen gut 100.000 Lkw-Fahrer in Großbritannien fehlen. Hauptsächlich soll das am Brexit liegen. Die Fahrer aus dem EU-Ausland fehlen, da es komplizierte Visa-Verfahren gebe. Dazu kommt noch der Demografiewandel mit vielen Fahrern, die in Rente gehen – aber gleichzeitig rücken nicht genug junge Leute nach. Zudem seien dank Coronakrise viele Fahrprüfungen entfallen. Und nun hat man das Problem. Der Nationalstolz eines unabhängigen Königreichs zeigt jetzt seine Schattenseiten.

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Was lernt man daraus? Ereignisse wie Brexit und Coronakrise zeigen mit Verzögerungszünder ihre Spätfolgen. Auch sieht man jetzt immer klarer, was damals schon offensichtlich war – nämlich dass der Brexit von der britischen Regierung dilettantisch umgesetzt wurde. Und die Folgen des Demografiewandels, dafür muss die Politik grundsätzliche Maßnahmen vorschlagen, in die Diskussion und letztlich auch zur Umsetzung bringen. Wie immer diese Maßnahmen dann aussehen mögen. Und die Coronakrise? Oft hört man in den letzten Monaten davon, dass lebenswichtige Produktionen (wie Arzneimittel etc) verstärkt nach Europa zurückgeholt werden sollen. Aber Umfragen bei Produzenten zeigen, dass sie lieber mehr Lagerbestände vorhalten wollen, oder die Zahl ihrer Lieferanten erhöhen wollen. Man scheut wohl die drastisch höheren Lohnkosten in Europa als in Asien, womit man seinen Kunden deutlich steigende Endpreise präsentieren müsste (da ist schon wieder das Thema Inflation).



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4 Kommentare

  1. Die Produzenten wollen in Europa nicht produzieren weil alles ins Koma reguliert ist, nicht weil Löhne zu hoch sind. Versuchen Sie mal eine Genehmigung für etwas zu erhalten.

    1. Ich stimme Ihnen zu. Nicht zu vergessen auch der Druck durch die Finanzbehörden, die bei Kleinen Und Mittelständlern eine ständige existenzielle Bedrohung darstellen. Hier wurde kürzlich jemand verleumdet und bekam dann eine Razzia als ob er der Drogenboss von halb Mexico wäre. Das höre ich inzwischen aus dem Bekanntenkreis mehrmals jährlich.

  2. Nicht zu vergessen: die erforderliche Impfung. Auch bei den Fahrern gibt es einen Anteil von Menschen, die die Impfungen ablehnen und ergo – nicht fahren.

    1. Das war ein eher glückloser Kommentar, Felix. Soweit mir bekannt ist, gibt es auch in UK keine Impfpflicht, vor allem nicht seit dem sog. Freedom Day. Auch bei der Einreise im Güterverkehr gelten nur äußerst lockere bis gar keine Beschränkungen, je nach Aufenthaltsdauer.

      Und was die existenzielle Bedrohung durch die Finanzbehörden angeht: Wer pünktlich seine Umsatzsteuervoranmeldungen übermittelt und bezahlt, seine EkSt-Vorauszahlungen leistet und plausible Steuererklärungen abgibt, hat von den Finanzämtern auch nichts zu befürchten. Wer dazu nicht in der Lage ist, besitzt auch kein tragfähiges Geschäftsmodell. Wenn es in Ihrem Bekanntenkreis mehrmals jährlich strenge „Razzien“ gibt, sollten Sie sich einmal ernsthaft Gedanken über Ihre Bekannten machen und diese ggf. wechseln.

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