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Gold/Silber

Goldleihe – ein Widerspruch in sich?

Hannes Zipfel

Veröffentlicht

am

Wer Gold als Kapitalanlage physisch kauft, der schützt sein Vermögen vor der größten Schuldenblase der Menschheitsgeschichte. In dieser Hinsicht macht es keinen Sinn, das Edelmetall in Form einer Goldleihe anschließend wieder zu verborgen und so in einen Schuldschein zu verwandeln.

Goldleihe – ein Missverständnis

Um gleich einem Missverständnis vorzubeugen: Es gibt auch seriöse Anbieter von Edelmetalldarlehen, aber mit einem entscheidenden Unterschied: Der Goldeigentümer hinterlegt sein Edelmetall als Sicherheit für einen Bank-Kredit und bekommt im Gegenzug günstige Darlehenszinsen. Bei einer Goldleihe ist es genau andersherum: Der Händler, der seinen Kunden Gold verkauft, liefert statt des Metalls nur einen Schuldschein und das Versprechen, mit dem geborgten Gold Handel zu treibt. Als Entschädigung für den Verzicht auf die Ware erhält der Kunde eine Zinszahlung. In Anbetracht des historisch niedrigen Zinsumfelds mutet die Höhe der offerierten Zinsen fast sensationell an, zumal die Zahlung oft sogar quartalsweise erfolgt. Doch im Leben bekommt man bekanntlich nichts geschenkt. Man sollte das Versprechen des Goldschuldners (Händler) genau hinterfragen und verstehen, wofür man den Zins bekommt. Andernfalls läuft man Gefahr, Opfer eines Goldanlagebetrugs zu werden.

Fragen Sie auf jeden Fall den Händler, dem Sie Ihr Gold überlassen haben, ob sich das Edelmetall tatsächlich vollständig und physisch in seinem Handelsbestand befindet? Wenn der Händler Ihnen daraufhin ausweichend, einschränkend oder sogar verneinend antwortet, sollten bei Ihnen alle Alarmglocken schrillen. Denn in diesem Fall haben Sie schlicht einem Einzelhandelsunternehmen ein Firmendarlehen gewährt – zu seiner freien Verfügung. Damit würde sich der gezahlte Zins in Hinblick auf das Tilgungsrisiko relativieren. Wie viel Zinsen müsste dieses Unternehmen zahlen, wenn es sich am Kapitalmarkt oder bei Banken Geld leihen würde? Ohne die Finanzkennzahlen des Schuldners im Detail zu kennen, die eine Bank vor der Darlehensvergabe ausführlich recherchieren würde, können Sie als privater Gläubiger gar nicht einschätzen, ob der Zins dem Kreditrisiko des Händlers überhaupt gerecht wird. Möglicherweise ist das Unternehmen, dem Sie Ihr Gold leihen, auch wegen des Goldleihegeschäfts längst überschuldet und eine tickende Zeitbombe – Sie können es nicht wissen.

Der Schuldschein, den Sie in Händen halten, wäre dann vielleicht so ziemlich das Gegenteil dessen, was sie mit ihrer Kapitalanlage in Gold eigentlich erreichen wollten. Physisches Gold ist als Sachwert ein Gegenstück zu den diversen Forderungen in Ihrer Vermögensbilanz, z. B. in Form von Renten- und Pensionsansprüchen, Staats- und Unternehmensanleihen oder klassischen Kapital-Lebensversicherungen. Mit einer Goldleihe wäre der ursprüngliche Gedanke der Vermögensdiversifikation in dieser Hinsicht ad absurdum geführt.

Doch selbst wenn der Händler das von Ihnen geliehene Metall zu einhundert Prozent physisch besitzt und nicht nur in Form von Terminkontrakten, ist es dennoch kein Sondervermögen und damit nicht insolvenzgeschützt. Sollte der Schuldner (Goldhändler) in die Pleite gehen, fließt Ihr physisches Gold mit in die Insolvenzmasse ein. Da die Golddarlehen oft als Nachrangdarlehen konstruiert sind, können Sie sich dann in der Schlange der Gläubiger ganz Hinten anstellen.

Fazit

Die Gefahr, bei der Goldleihe einem Schneeballsystem aufzusitzen, ist real. Überlegen Sie bitte: Jemand verkauft Ihnen ein Anlagegut und liefert es nicht aus. Die Lieferung erfolgt auch nicht in ein Sammel- oder Zollfreilager, in dem regelmäßig im Rahmen einer Inventur von einem Treuhänder durchgezählt wird. Stattdessen verspricht der Händler, Ihr Gold an jemand anderen zu verkaufen und Sie dann an der relativ engen Handelsmarge zu beteiligen. Dem nächsten Kunden kann der Händler dann theoretisch das gleiche versprechen. Am Ende wurde viel Gold verkauft aber nichts geliefert. Und wenn der Händler Ihnen auf Anfrage dann noch bestätigt, dass nur ein Teil des via Goldleihe geborgten Metalls physisch im Handelsbestand vorhanden ist, steht das mit der Leihe verbundene Verlustrisiko möglicherweise auch in keinem marktüblichen Verhältnis mehr zum gezahlten Zins. Also, wenn Sie sich für Gold als Investment entscheiden, dann machen Sie keine Kompromisse bei der Sicherheit ihres glänzenden Eigentums. Schützen Sie es nicht nur vor Diebstahl und möglicher fiskalischer Wegnahme, sondern auch vor möglichem Betrug und der möglichen Insolvenz Dritter.

Goldbarren - Goldleihe ein Widerspruch?
Foto: pixabay / PublicDomainPictures

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Gold/Silber

World Gold Council meldet für 2020 Rekordzahlen – positive wie negative

Jörg Bernhard

Veröffentlicht

am

Ein Barren Gold

Der Goldpreis performte im vergangenen Jahr mit plus 24,6 Prozent ausgesprochen gut. In den einzelnen Marktsegmente entwickelte sich die weltweite Nachfrage nach Gold allerdings eher uneinheitlich.

Rekordhohe Zuflüsse bei ETFs

Der World Gold Council (WGC), die Interessenvertretung internationaler Goldminenunternehmen, liefert alle drei Monate interessante Daten zum Goldmarkt. Diesmal standen Zahlen zum vierten Quartal bzw. zum Gesamtjahr 2020 zur Bekanntgabe an. Grundsätzlich kann man festhalten: Zu verdanken war die starke Performance im Goldpreis vor allem stark verunsicherten Investoren (unter Joe Biden wird es nicht einfach – mehr dazu hier).

Bei physisch hinterlegten Gold-ETFs (Begriffserklärung hier) fiel das weltweite Kaufinteresse besonders stark ins Gewicht. Obwohl im vierten Quartal Abflüsse in Höhe von 130 Tonnen zu Buche schlugen, haben sich auf Jahressicht die Goldbestände dieser Wertpapiere um 120 Prozent auf 877,1 Tonnen erhöht. Damit wurde zudem der bisherige Rekord aus dem Jahr 2009 (646,1 Tonnen) deutlich übertroffen. Bergauf ging es aber auch mit dem Interesse an Goldbarren bzw. -münzen, wenngleich deutlich weniger dynamisch. Weil in China (-6 Prozent) und Indien (-11 Prozent) deutliche Rückgänge zu verzeichnen waren, war hier insgesamt lediglich ein Zuwachs um drei Prozent auf 896,1 Tonnen verzeichnet worden.

Rekordtief bei der globalen Schmucknachfrage

Ausgesprochen schlecht entwickelte sich im vergangenen Jahr jedoch die Schmucknachfrage. In diesem Marktsegment stellte sich nämlich corona-bedingt ein kräftiger Nachfrageeinbruch bei Gold in Höhe von 34 Prozent auf das Rekordtief von 1.411,6 Tonnen ein. Die beiden wichtigsten Nachfragenationen China (-35 Prozent) und Indien (-42 Prozent) waren hierfür hauptverantwortlich.

Nachlassendes Interesse war aber auch im Notenbankensektor zu beobachten. Nachdem sich die Nettokäufe der Zentralbanken im Jahr 2019 noch auf 668,5 Tonnen belaufen haben, gab es für das vergangene Jahr mit 272,9 Tonnen Gold einen markanten Einbruch um 59 Prozent zu beklagen. Bei der Industrienachfrage überwogen ebenfalls die negativen Vorzeichen. Gegenüber den Vorjahreszahlen stellte sich in diesem Marktsegment ein Minus von sieben Prozent auf 301,9 Tonnen ein.

Last but not least: Auf der Angebotsseite in Gold gab es für 2020 – bedingt durch die Pandemie – trotz des steigenden Goldpreises einen Rückgang des globalen Goldangebots um vier Prozent auf 4.633,1 Tonnen zu beklagen. Während im Recyclingsektor (+ 1 Prozent) leichte Zuwächse erzielt wurden, haben die Lockdowns in der Minenproduktion (-4 Prozent) signifikante Einbußen verursacht.

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Gold/Silber

Goldpreis: Wacklige Nummer bei 1.850 Dollar

Claudio Kummerfeld

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Ein Stapel Barren aus Gold

Der Goldpreis war am Freitag von 1.863 auf 1.837 Dollar gefallen, konnte sich dann aber Abends wieder erholen. Bis jetzt kann Gold Niveaus um die. 1.850 Dollar halten. Der zehn Tage zurückreichende Chart zeigt, dass es aktuell keine klare Trendrichtung gibt (wir sprachen schon letzte Woche über die schwierige Lage vor allem dank der Biden-Wahl). Der US-Dollar als negative Korrelation zu Gold hatte die ganze letzte Woche eine fallende Tendenz, und wirkt so, als wolle er heute weiter fallen. Aber da gibt es noch andere Faktoren für den Goldpreis. Hier drucken wir zwei ganz aktuelle Analystenkommentare von heute ab.

Verschiedene Faktoren ziehen derzeit am Goldpreis

Ipek Ozkardeskaya, Senior Analyst at Swissquote Bank, meint aktuell zu Gold, dass die Bären einen starken Abwärtsdruck auf den gleitenden 200-Tage-Durchschnitt bei der Marke von 1.846 Dollar ausüben, da die Risikobereitschaft trotz aller negativen Stimmungen aufgrund des Virus solide bleibe, und die 10-jährige US-Rendite sich nahe der 1,10 %-Marke halte.

Naeem Aslam, Chief Market Analyst bei Avatrade sagt aktuell über Gold, dass das Edelmetall Metall wieder einmal darum kämpfe im positiven Bereich zu bleiben. Händler würden hoffen, dass Joe Bidens neues Konjunkturpaket grünes Licht von den Gesetzgebern bekomme, und dies könne den Goldpreis stützen. Gold gelte als Absicherung gegen Inflation, und das ist hier das wichtigste Spiel. Mit Sicherheit werde Gold in dieser Woche eine viel höhere Volatilität erleben. Und das Ereignis, das den Goldpreis am meisten beeinflussen dürfte, werde die US-BIP-Zahl (am Donnerstag um 14:30 Uhr) sein.

Man sehe keine große Aufwärtsbewegung für den Goldpreis, da Pfizer sein Problem mit der Lieferung von Coronavirus-Impfstoffen gelöst habe. Dies bedeute, dass man weniger Herausforderungen bei der Erreichung der Hauptziele sehen könnte. Da immer mehr Menschen die Impfung erhalten, werde der Weg zur wirtschaftlichen Erholung laut Naeem Aslam wahrscheinlich sanfter werden, und das sollte die Investoren zu risikoreicheren Anlagen drängen, was für den Goldpreis nicht sehr positiv sei.

Was die technischen Preisniveaus betrifft, so hätten die Warnlampen wieder zu blinken begonnen, da der Goldpreis unter den 50-Tage-SMA auf dem täglichen Zeitrahmen laut Naeem Aslam gebrochen sei. Dies sei die letzte Hoffnung für die Bullen gewesen, da der Goldpreis bereits unter dem 100- und 200-Tage-SMA auf dem täglichen Zeitrahmen handelte. Es sei wahrscheinlich, dass sich der Goldpreis in Richtung der frühen 1.800er-Marke bewegt, wenn der Preis nicht über den 50-Tage-SMA auf dem Tageszeitrahmen steigt.

Chart zeigt Goldpreis-Verlauf seit zehn Tagen

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Gold/Silber

Goldpreis-Verlauf unter Joe Biden – das ist keine einfache Thematik

Claudio Kummerfeld

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Gold mit US-Dollar und Adler

Wenn ein Unternehmen seine Quartalszahlen deutlich besser als erwartet veröffentlicht, dann ist die Lage einfach und klar. Der Aktienkurs sollte steigen. Und im Goldpreis? Da wird die Lage mit Sicht auf mehrere Wochen und Monate etwas schwieriger. Joe Biden ist jetzt neuer US-Präsident. Und nun steht das gewaltige 1,9 Billionen Dollar schwere Stimulus-Paket an. Wird es verabschiedet werden, und was sind die Auswirkungen auf den Goldpreis?

Carsten Fritsch von der Commerzbank wies am Mittwoch in einem Kommentar darauf hin, dass die Verabschiedung dieses gigantischen Konjunkturpakets die erste große Aufgabe von Joe Biden sein werde. Zwar würden die Demokraten nach dem Sieg bei den Senats-Stichwahlen in Georgia über eine knappe Mehrheit in beiden Kongresskammern verfügen. Einfach werde der Genehmigungsprozess dennoch nicht. Von daher bleibe abzuwarten, wie lange es dauert, bis das Paket unterschriftsreif auf dem Schreibtisch des neuen Präsidenten liegt. Gold dürfte laut Carsten Fritsch von dieser Unsicherheit profitieren. Nach Inkrafttreten dürfte die Wirtschaft in den USA dank des massiven Impulses spürbar anziehen, was den US-Dollar aufwerten lassen und den Goldpreis damit belasten könnte.

Goldpreis im größeren Bild mit guten Aussichten?

Das ist das kurzfristige Szenario für die Aussicht auf Tage und Wochen. Und danach, wenn man auf das große Gesamtbild blickt? Gold ist doch der Fluchthafen, wenn die angeblich große Inflationswelle kommt? Ja, dieses Szenario sollte im größeren Bild nie vergessen werden. Die Notenbanken drucken immer mehr Geld, die Staaten verschulden sich immer mehr. Nicht eine Hyperinflation, sondern „nur“ ein deutlich spürbares Anziehen der Inflation könnte den Goldpreis wieder anfachen als Fluchthafen. Die Fed hat Ende letzten Jahres schon klar gemacht, dass sie zur Stützung der Konjunktur eine möglicherweise anziehende Inflation erst einmal nicht bremsen würde mit höheren Zinsen. Dies wäre womöglich die Chance für Gold-Trader auf höhere Kurse zu setzen.

Blickt man ganz aktuell auf den Goldpreis, dann hat er diese Woche zulegen können. Unter 1.830 Dollar am Montag gestartet, ging es bis gestern rauf auf das Hoch bei 1.874 Dollar. Aktuell kann man sich mit 1.862 Dollar auf erhöhtem Niveau halten. Im Chart sehen wir seit Montag den steigenden Goldpreis gegen den fallenden US-Dollar (Dollar-Index blau). Gestern hatten wir schon den nicht einfach zu erklärenden Goldpreis-Anstieg in dieser Woche besprochen. Derzeit ist die Lage nicht ganz so klar wie üblich. Die Biden-Wahl bringt viel in Bewegung.

Chart zeigt Goldpreis-Anstieg seit Montag gegen fallenden US-Dollar

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