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Goldpreis kommt nicht in die Gänge – Angst vor Tapering

Ein Barren aus Gold

Gestern Abend titelten wir zum Marktgeflüster „Warum Gold steigen müßte – Inflation und Renditen!“ Gestern erreichten die realen Renditen (Renditen abzüglich Inflation) ein neues Allzeittief – und eigentlich müsste der Goldpreis daraufhin deutlich steigen, denn Gold folgt fast immer den realen Renditen! Aber nichts da. Die Gold-Bullen waren letzte Woche zwei Tage gut gelaunt, weil der Kursanstieg von 1.800 Dollar auf bis zu 1.832 Dollar in der Spitze endlich einen Ausbruch aus dem müden Dahingedümpel andeutete. Aber nichts da. Aktuell notiert der Goldpreis wieder bei 1.809 Dollar. Was ist da los?

Einerseits ist die Argumentation schlüssig. Das zinslose Gold sollte historisch bedingt, aber auch aus reiner Logik ein Fluchthafen sein, wenn Anleiheinvestoren nach Abzug der Inflation real immer mehr Verlust einfahren. Aber es will derzeit einfach nicht funktionieren mit dieser Funktion des sicheren Hafens.

Goldpreis in Angst vor Tapering

Dies könnte damit zu tun haben, was heute Nacht der Fed-Gouverneur Waller in Aussicht gestellt hat (hier dazu unser aktuellster Kommentar). Der Kapitalmarkt schielt jetzt schon verstärkt auf die am Freitag um 14:30 Uhr deutscher Zeit anstehenden US-Arbeitsmarktdaten, auf die es morgen Mittag um 14:15 Uhr eine privat erhobene Vorschau durch die ADP-Daten geben wird.

Fed-Gouverneur Waller sagte heute Nacht, dass man im Herbst schon mit der Reduzierung von Anleihekäufen (Tapering) beginnen könne, wenn die anstehenden Arbeitsmarktdaten und die darauf folgenden Daten in vier Wochen viele neu geschaffene Arbeitsplätze in den USA zeigen. So eine Aussage, auch wenn es nur ein einzelner Funktionär der Fed ist, stellt eine Drohkulisse für den Goldpreis dar. Denn sollte nun doch bald eine Wende in der Geldpolitik der Fed anstehen, drückt das gegen eine Flucht hin zu Gold. Anleiherenditen könnten wieder steigen und damit Geldanlagen in dieser Anlageklasse wieder attraktiver machen.

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Chart zeigt ausbleibende Reaktion auf Rendite-Schwäche

Aus charttechnischer Sicht wird sich der Goldpreis demnächst laut den Experten der Commerzbank quasi „entscheiden“ müssen, wohin die Reise geht, da die 100- und 200-Tage-Linien immer mehr zusammenlaufen würden. Für einen steigenden Goldpreis spreche ihrer Meinung nach die negativen Realrenditen, die in den USA für 10-jährige Anleihen mit -1,18 Prozent weiter auf einem Rekordtief liegen. Gold koste dagegen keine Zinsen. Wir meinen: Dass Gold derzeit echte Schwäche zeigt, erkennt man auch im seit Tagen deutlich fallenden US-Dollar, der normalerweise in Form einer negativen Korrelation dem Goldpreis helfen müsste – was bis jetzt aber nicht der Fall ist. Also, der Gold-Anleger wartet auf die ADP-Daten und dann die offiziellen US-Arbeitsmarktdaten am Freitag – und auf dann möglicherweise anstehende neue Aussagen der Fed zum Tapering.

Chart zeigt Verlauf im Goldpreis im Vergleich zur US-Anleiherendite
TradingView Chart zeigt im Verlauf der letzten vier Wochen als blaue Linie den Goldpreis im Vergleich zur zehnjährigen US-Anleiherendite in orange. Bei fallenden Renditen sollte Gold eigentlich positiv reagieren, was aber ausbleibt. Es schwebt derzeit wohl die Angst vor dem bevorstehenden Tapering über Gold.



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7 Kommentare

  1. Jeder noch so mickrige Grund muss für die Goldschwäche herhalten. Gründe, die für einen steigenden Kurs sprechen sind ein zahnloser Tiger. Fazit ist: es gibt keinen Grund für einen nachhaltig steigenden Goldpreis aber tausend Gründe für fallende Kurse.

  2. Ein stark steigender Goldpreis ist nicht gewollt, die Preisbildung im physischen Markt wird einstweilen auch durch den Einsatz von Derivaten unterlaufen. Die strukturelle Schwaeche unserer ungedeckten Waehrungen darf sich nicht so offen manifestieren.Ich rechne vorerst mit einem schleichenden Anstieg,durch Schwaechephasen unterbrochen …und dann mit Goldenen Zeiten.

    1. Richtig.

      Man sollte sich in Erinnerung rufen, dass bis 1971 jede seriöse Währung immer durch Gold und/oder Silber gedeckt war und wir uns seitdem in einem Experiment bewegen, dass es schon x-mal gab, und dass bisher zuverlässig zu 100% gescheitert ist: ungedecktes Papiergeld.

  3. Ich versuchs nochmal mit dem Gold. Gold kauft man sich und verkauft es nie mehr !! So und jetzt wird es wichtig,man beleiht es und kauft Wirtschaftsgüter an,die man dann stufenweise wieder verkauft ,um dann wieder
    Gold davon zuzukaufen,daß wiederum wieder beliehen wird usw… Das ist auch der Grund ,warum Gold nicht
    sofort mit der Inflationserwartung steigt ,sondern fällt. Goldbarren sind Securities, die beim beleihen erst mal an
    Preis verlieren .Ihr denkt beim Gold viel zu kurzfristig. Es sind viele Jahre,indem sich das Gold mit Werthaltigkeit
    vollsaugt und keiner kriegt es ohne vorgehaltener Waffe da wieder raus. Weil Gold kann man unsichtbar machen,Immobilien aber nicht ! Gold ist das einzige Asset ,welches Jahrtausende alt ist und kann nicht bankrott gehen . Man muss sich den Mehrwert eben nur immerwieder nachsichern/reinholen. Ihr braucht dafür ,ganz klar, eine Strategie!

  4. Nachtrag ,eigentlich geht noch ein bisschen anders ,aber nicht machbar für den normalen Investor.Deswegen klemm ich mir das hier ,bevor mich hier Jemand von der Seite anmault.Nämlich mit Algos /auf Termin etc…..
    Da hat der Staat dann auch kein Zugriff mehr und verliert auch schön die Überblick !
    Sagt der Kaiser zum Wissenschaftler ,halt du sie dumm ,ich halt sie arm !!

  5. Das Argument mit der Angst vor dem Tapering verhindere einen Goldpreisanstieg ist an den Haaren herbeigezogen. Kaum einer kann ernsthaft glauben, dass die Zinsen so stark angehoben werden können, dass eine deutlich positive Realrendite entstehen würde. Dazu ist die Verschuldung der FED und EZB viel zu hoch! Was also ist der wahre Grund? Außer Manipulation der Big Boys fällt mir nichts mehr ein. Es ist zu auffällig, dass praktisch alle Warenpreise, auch Metalle, inflationär steigen, nur Gold und Silber (Synonyme für Geld!) liegen unter ihren historischen Höchstwerten! Ein Anstieg wird mit allen Mitteln verhindert. Ein markanter Anstieg von Gold und Silber würden ein Scheitern der Notenbankpolitik der Null- und Negativzinsen augenfällig werden lassen. Die Frage ist also allein, wie lange eine Manipulation gegen die Marktkräfte möglich ist!

  6. So sehe ich das auch. Rückblickend kam immer raus das Notenbanken den Goldpreis manipuliert haben.

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