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Handelsstreit: Treiben Hoffnungen auf den Deal die Kurse?

Natürlich spielen Hoffnungen im Handelsstreit eine Rolle, aber man ist sich nicht sicher, ob es vielleicht doch noch ein kleines Einlenken vonseiten Donald Trump in Richtung Zurückrollen von Zöllen gibt. Allerdings haben die guten Zahlen von Walmart am letzten Donnerstag – die der US-Präsident sofort mit den Zöllen in einen für ihn positiven Kausalzusammenhang brachte –  und das Überschreiten des Dow Jones der Marke von 28.000 Punkten ihn wieder ein Stück davon überzeugt, dass seine Zollpolitik die richtige ist. Stünde der Dow 2000 Punkte tiefer, gäbe sich der Dealmaker konzilianter. Mit ein Grund für die Endlosschleife der Verhandlungen – die Märkte haben registriert, dass auch Trump elfeinhalb Monate vor den Wahlen keine Eskalation im Handelsstreit mehr will, der Dow marschiert weiter und Trump spielt den Überlegenen.

Dass kurzfristig ein Wechsel der Anleger erfolgt sein muss, vom Risk-Off in den Risk-On-Modus, sieht man an den steigenden Renditen am Anleihemarkt und am gesunkenen Goldpreis. Die Rezessionssorgen sind erst einmal verschwunden, allerdings ist der Anstieg der 10-jährigen US-Staatsanleihe nicht ungefährlich (aber noch nicht bei dem derzeitigen Niveau von 1,82 Prozent).  Die Märkte rechnen mit einem Wiederanspringen der Konjunktur 2020 – aus den Erfahrungen der Vergangenheit. Circa ein halbes Jahr nach Zinssenkungen sollten sich diese in der Wirtschaft bemerkbar machen.

Über den Zwangseinstieg der Fondsmanager in den Aktienmarkt habe ich erst am Freitag berichtet, ihren Pain Trade und ihre Zwängen zum kommenden Jahresultimo. Dazu vielleicht noch ein weiteres Argument, das die psychologische Zwangslage der aktiven Manager in diesem Umfeld beleuchtet: Wie die Fondsrating-Agentur Morningstar berichtete, wird der Siegeszug der ETFs für die Fondsbranche immer bedrohlicher. Bereits im August kamen die Index-Verfolger auf ein Gesamtvolumen von 4,27 Billionen Dollar und überholten damit erstmals die teuren, aktiv gemanagten Fonds mit 4,25 Billionen Dollar Anlagevolumen, die zum heutigen Tag eben dieselbe Jahresperformance wie zum Beispiel der S&P 500 aufweisen. Soll man es da wagen aus dem Markt auszusteigen, in einer Phase der unkontrollierbaren Euphorie der Investoren?

Zumal ein gewaltiger Treiber in den letzten 25 Börsentagen noch aktiv sein dürfte, die Aktienrückkäufe der großen Unternehmen. Zu Beginn des vierten Quartals waren es noch deutlich über 100 Milliarden Dollar, die zur Anlage ausstanden? Dann kam die Zwangspause mit der Blackout Period im zeitlichen Zusammenhang mit der Berichtssaison, einer positiven Berichtsphase (mit dem Vorbehalt des vorherigen Tiefstapelns), in der sogar noch weitere Rückkäufe (Intel 20 Mrd.$) angekündigt wurden. Selbst in Deutschland macht dieses Financial Engineering immer mehr Schule – SAP, Linde, Münchner Rück und letzte Woche sogar Wirecard – das pusht die Kursentwicklung.

All diese Faktoren liefern die Gemengelage, die sehr von der Psychologie der Anleger geprägt ist, mit vielen Hoffnungen, aber auch Sachzwängen. Jedermann kennt die Statistik, dass nach einem so positiven Börsenjahr in den ersten neun Monaten eine fast 95-prozentigen Wahrscheinlichkeit besteht (gilt für den Dax), dass auch die restlichen drei Monate positiv verlaufen.

Diese ungewöhnliche Börsenentwicklung wäre am Ende eines Zyklus gar nicht so selten, wenn man einer Analyse des US-Analysehauses BCA Research Glauben schenkt. Aus deren statischer Auswertung ergibt sich, dass im letzten halben Jahrhundert Bullenmärkte in der ersten und in der letzten Phase die höchsten Gewinne gebracht haben. Über dessen möglicher zeitlicher und quantitativer Ausdehnung übe ich im Sinne der Bären jetzt lieber Stillschweigen.

 

Fazit

Also, geht es jetzt so weiter bis Jahresultimo, ohne Korrektur? Wahrscheinlich nicht – und nach einer langen Phase von Trippelschritten aufwärts in den US-Indizes, gespeist durch die erwähnten Faktoren, könnte es tatsächlich das Erscheinen von Godot sein, also das Zustandekommen eines Mini-Deals im Handelsstreit, der die Hausse unterbricht. Man hat lange Zeit das Gute eingepreist und die Märkte stark in ein technisches Überkauftsein getrieben.

„Kaufe die Hoffnung und verkaufe das Ergebnis“, oder das altbekannte „Sell on good news“ könnte das Ergebnis sein, wenn es zu einem Mini-Deal kommen sollte. Für viele wäre das wieder einmal der Beweis für den Casino-Charakter der Börse, den Antizipationsmechanismus ignorierend.

Es klingt verwegen, aber sollten sich nicht gerade die Bären das Zustandekommen eines Deals wünschen? Es wird zu einer Enttäuschung führen, so oder so.

Hoffnungen auf eine Lösung im Handelsstreit sind nur ein Vorwand für die Rally



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8 Kommentare

  1. @Wolfgang, guter Artikel! Eines jedoch fällt mir schwer zu verstehen:
    Für viele wäre das wieder einmal der Beweis für den Casino-Charakter der Börse, den Antizipationsmechanismus ignorierend.

    Wenn man 50 Mal etwas falsch antizipiert, bis es dann irgendwann einmal endlich eintrifft, erinnert das doch sehr stark an einen Roulettespieler, der 50 Mal auf Schwarz setzt und jedes Mal falsch liegt, also völlig falsch antizipiert bzw. zockt. Beim 51. Versuch klappt es dann endlich. Dann jubelt unser Spieler „Ich habe es immer gewusst, immer daran geglaubt“!

    Irgendwie doch Casino-Charakter…

    1. @Michael. Hallo. Ich habe mich vielleicht etwas missverständlich ausgedrückt. Die Indizes spiegeln auf lange Sicht im Voraus die akkumulierte Gewinnentwicklung der Unternehmen wider, mit einem Vorlauf von circa einem halben Jahr und natürlich mit Fehlsignalen in Phasen der Angst und Gier. Langfristig dürfte die Prognosequalität vielleicht bei 60/70 liegen. Dennoch ist der Casino-Vergleich bei Einzelwerten manchmal nicht von der Hand zu weisen, aber nicht beim relativierenden Gesamtindex. Natürlich schocken Ausreißer wie im Jahr 2000, aber die Korrektur folgte stets im Sinne der Regression zum Mittelwert. Dazu braucht man sich nur die akkumulierten Gewinne der Dax-Unternehmen, in Relation zum Indexwert in einer Mehrjahresübersicht anzusehen. In einer Glättung, denn der Index ist ein Frühindikator und die Unternehmenszahlen kommen sogar erst nach dem Ablauf des Jahres. Deshalb ist der gleitende 200-Tagesdurchschnitt auch der relativ treffsicherste Indikator in der nebelumwobenen technischen Analyse. Natürlich muss man Marktverzerrungen wie in den USA mit einbeziehen, wenn Unternehmen mit Aktienrückkäufen einen künstlichen Effekt erzielen. Zu diesem Thema kommt noch ein Artikel von mir am morgigen Tag. Aber die „Efficient Market Theory“ des Nobelpreisträgers Eugene Francis Fama ist trotz dieser Entwicklung nicht ganz von der Hand zu weisen. Einzelne Tage mit Übertreibung der Spekulation sind natürlich gegeben, im Sinne von Trial and Error, aber deshalb funktioniert ein freies Spiel der Preisfeststellung a la longue besser als der Versuch administrierter Preisfestlegungen. Dieser Mechanismus braucht Regeln, die die Finanzbranche aus Eigennutz stets auszuhöhlen versucht – Stichwort Deregulierung.
      Gab es am Aktienmarkt schon einmal KGVs von 5 oder 50, nein. Am Rentenmarkt schon, dieser Markt ist durch Notenbankkäufe extrem manipuliert. Sollten die Notenbanken anfangen Aktien zu kaufen (außerhalb Japans oder der Schweiz), ja dann.
      Viele Grüße

  2. @FMW Liebe Redaktion, bitte hört wieder damit auf, Artikel auf 2 Seiten zu zerteilen. Das Weiterleiten auf die 2 Seite kostet nur Zeit und Nerven. Es ist doch ohnehin meistens nur Text, da sehe ich nun wirklich keinen Grund, warum man nicht den ganzen Beitrag – wie in den vergangenen Jahren auch – gleich auf einer Seite darstellt.

    Vielen Dank!

  3. Die ersten (1/3) langfristigen NASDAQ Long-Positionen geschlossen. Der Rest (2/3) eng mit einem SL abgesichert. 5300,- Plus.
    Kurzfristige Long-Position USD/JPY komplett geschlossen. 2200,- Plus.
    Langfristige GOLD Schort-Positionen zu 2/3 geschlossen. Der Rest (1/3) eng mit einem SL abgesichert. 3700,- Plus.
    Die Call-Seite des Trump-Straddle´s der letzten Woche vom Markt genommen 1200,- Plus. Die Short-Seite bleibt im Markt (beim Totalverlust 800,- Minus).

  4. @Thomas, herzlichen Glückwunsch. Dennoch ist das mitteilen von Euro-Summen völlig bedeutungslos. Es bringt niemanden etwas wenn sie die Summen hier nennen, weil jeder sein individuelles Risiko hat und entsprechend seine eigene Gewinnerwartung. Wenn Sie uns Ihre Gewinnmeldung mitteilen möchten, dann bringt es uns vielmehr wenn Sie uns sagen, wieviel Prozent Sie gewonnen oder verloren haben und wieviel prozent Ihr Risiko ( per SL ) beim eingehen der Position betrug. Nur dann können wir hier damit was anfangen und auch bewerten ob der Trade gut oder schlecht war. Wenn Sie z.B. 100 TSD einegsetzt haben und Ihr Anfangsrisiko bei 10 TSD lag, dann wäre dieser Trade trotz Gewinns schlecht gewesen. Das nur mal als Beispiel. Ich wünsche weiterhin viel Erfolg und Toi, toi, toi….

    1. Hallo @Roberto da ich auch die Einstiege poste ist mein Ziel, nicht von jemandem bewertet zu werden sondern einen Meinungsaustausch anzuregen und jeden am Erfolg partizipieren lassen.
      Ich fahre kein festes Money Management und tue mich schwer mit solchen Rechnungen. Die SL-Setzung ist eher charttechnischer und fundamentaler Natur und richtet sich nie nach CRV.
      Wenn ich glaube, eine Chance im Markt zu erkennen, dabei sind die Elliott-Wellen ein Grundstein der Betrachtung, dann wird im Chart ein Bereich festgelegt, ab dem diese Chance selbst keine Chance mehr hat:-) dort Suche ich nach einem Stopp. Time Frame ist dabei unrelevant, wenn die Muster stimmen.
      Ob ein Trade gut war oder schlecht, ist eine subjektive Wahrnehmung. Ich denke, alles was im Geld beendet wird, ist kein Verlust und somit gut.
      Als Beispiel USD/JPY, das eingesetzte Kapital betrug 9000-deutlich mehr als 1% vom Kapital, für viele schon ein absolutes NoGo. Ist nun der Trade mit einem Ertrag von 2200 gut oder schlecht? Die Prozentfetischisten würden wahrscheinlich sagen, nichts Besonderes. Ich behaupte, wenn man die Laufzeit von 3 Handelstagen, einen SL von 90 (neunzig!) Euro und die Kursentwicklung seit dem obigen Post bedenkt, dann ist der Trade doch perfekt gewesen.

      1. Ja, perfekter Trade.
        Du bis ein toller Investor.

        Schönen Feierabend.

  5. Hi @Thomas. Danke für Deine Erläuterungen wie Du Deinen Trade managst. Es gibt natürlich viele Wege die nach Rom führen. Und wenn ein Trade gut gelaufen ist, dann ist das ja richtig gewesen. Ich meinet nur das die Benennung der Summe in Euro unwesentlich ist, da diese jeder anders empfindet und niemand sich daraus etwas ableiten kann. Daher war mein Beispiel mit dem Einsatz gemeint. Für den einen sind bereits 500 Euro eine riesige Summe und für den anderen ist Dein Gewinn von 5000 Euro eher peanuts. Diese Summe an sich ist immer relativ. Bei einer Prozentangabe ist es erstens neutral und zweitens kann jeder was damit anfangen und sich selbt daran messen, auch wenn er viel mehr oder viel weniger als Du einsetzt. Das wollte ich damit nur sagen. Ich wollte auf keinen Fall dich für Dein Trading kritisieren. Im Gegenteil, ich finde es super das es hier auch jemanden gibt der kurzfrsitiges Trading betreibt, weil ich ja auch diese Schiene aktuell fahre. In diesem Sinne, weiterhin viele schöne Gewinntrades Kollege :-)

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