Folgen Sie uns

Indizes

Handelsstreit USA-China: Eine Chronologie – und die bereits erkennbaren Folgen

Avatar

Veröffentlicht

am

Wenige Tage vor dem G20-Gipfel stellt sich die Wirtschaftswelt die Frage: Gibt es ein Einlenken im Handelsstreit USA-China, durch eine Verschiebung der Zolleinführung, vielleicht gar so etwas wie einen Deal oder kommt die Eskalation mit der Bezollung der restlichen Chinaeinfuhren in Höhe von 300 Milliarden Dollar?

Kaum ein Außenstehender ist in der Lage die Kehrtwenden des Präsidenten zu antizipieren. Kennzeichen seiner Politik ist seine Unberechenbarkeit, beschriebenen in seinem Buch „The Art of the Deal“, wo er seine Verhandlungstaktik so formuliert: „Sometimes it pays to be a little wild“.

Wie ist der Stand der Dinge nach einem Jahr Zollstreit mit China?

Werbung: Gratis in Aktien und ETFs investieren. Null-Provision, Null-Aufwand! Erhalten Sie eine Gratisaktie im Wert von bis zu 100€

 

Handelsstreit: Zölle und Gegenzölle

Bereits zu Beginn des Jahres 2018 verhängte die US-Regierung Strafzölle auf Solarpanele und Waschmaschinen-Importe aus China. Der Beginn des Handelsstreits, den Donald Trump in einem Tweet so darstellte : „Wenn ein Land viele Milliarden Dollar im Handel mit quasi jedem Land verliert, sind Handelskriege gut und einfach zu gewinnen.“

Stufe 1: Es folgten im März Einfuhrzölle auf Stahl mit 25 Prozent und Aluminium in Höhe von zehn Prozent. Die Reaktion Chinas war eine Zollerhöhung von 15 bis 25 Prozent auf landwirtschaftliche US-Güter im Wert von 3 Milliarden Dollar.
Stufe 2: Im Juli 2018 kam die zweite Zollwelle auf High-Tech-Importe aus China im Wert von 50 Milliarden Dollar mit 25 Prozent.
Stufe 3: Im September 2018 folgte Welle drei mit Strafzöllen in Höhe von zehn Prozent auf zusätzliche chinesische Importgüter im Wert von 200 Milliarden Dollar. Diese Sonderzölle wurden dann im Mai 2019 auf 25 Prozent erhöht, um den Druck auf die chinesische Regierung zu verstärken. Die Reaktion Pekings waren bereits Sonderabgaben auf US-Produkte im Wert von 110 Milliarden Dollar. Auch die letzte Anhebung ließ das chinesische Regime nicht unbeantwortet. Ab Juni 2019 stiegen die Zölle auf 5700 US-Güter im Wert von 60 Mrd. Dollar. Erhöhungen um zehn bis 25 Prozent, je nach Produkt.

Dabei sind noch nicht einmal die weiteren Sanktionen einkalkuliert wie der unglaublich ausstrahlende Huawei-Bann und die schwarzen Listen auf beiden Seiten.

 

Die erkennbaren Folgen des Handelsstreits

Wie bereits in einem Kommentar in der letzten Woche dargelegt, geht die Weltbank in ihrem letzten Report von einer deutlichen Verlangsamung des globalen Wachstums infolge des Handelsstreits aus, auf nur noch 2,6 Prozent, nach 4,1 Prozent im Jahre 2018.

Die ausländischen Direktinvestitionen sind im Jahr 2018 weltweit um 13 Prozent auf 1297 Milliarden Dollar gesunken.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) taxiert den Schaden für die Weltwirtschaft bei weiter eskalierendem Handelsstreit auf bis zu 455 Milliarden Dollar und das pro Jahr.

Das Ergebnis einer Analyse der Gruppe „Tariffs Hurt the Heartland“, einem Zusammenschluss hunderter Unternehmen und Verbände aus der Mitte des Landes lautet: Der Handelsstreit mit China hat die USA bis April unterm Strich knapp 22 Milliarden Dollar gekostet. Dabei sind noch nicht miteingerechnet die Zahlen für Mai, dem Monat, in dem US-Präsident Donald Trump die Strafzölle auf chinesische Produkte im Wert von 200 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt hat. in der vergangenen Woche hatte sich die Organisation in einem Brief an den US-Präsidenten gewandt, in dem sie ein Ende der Spirale von immer neuen Zöllen und die Rückkehr an den Verhandlungstisch mit China forderten.

Besonders delikat: Unter dem Begriff Heartland sind in den USA alle Bundesstaaten gemeint, die nicht an der Küste liegen und in denen Trump bei den Präsidentschaftswahlen 2016 die größte Unterstützung erhielt.

Weitere Aktionen: Die Tech-Konzerne des Landes fürchten wegen des Handelsstreits um ihre Zulieferungen aus China. Insbesondere Apple richtete einen deutlichen Appell an Donald Trump – und warnt indirekt vor einem Abbau von Arbeitsplätzen. Auch hier hatten sich bereits 600 US-Unternehmer in einem Brandbrief an die Regierung gewandt, mit einem eindeutigen Appell den Zollstreit zu beenden. Trump droht weiter mit der vollen Zollkeule in der Höhe von zusätzlich über 300 Milliarden Dollar und einem Satz bis 25 Prozent. Eine Art Fallbeil für die Weltwirtschaft und die Weltbörsen.

 

Fazit

Es ist alles offen. Auf der einen Seite kann sich der US-Präsident weiter mit der Stärke der Aktienmärkte brüsten, die er anscheinend auch während seiner Amtsgeschäfte immer im Blick hat. Auf der anderen Seite sieht er bestimmt die Signale, die die Anleihemärkte aussenden – die da lauten: Rezession im Anflug. Dazu kommen die sich abschwächenden Frühindikatoren. Nicht zu vergessen der immer stärker werdende Widerstand aus der Wirtschaft der USA. Eine kniffelige Gemengelage vor dem G20-Gipfel, auch für den Präsidenten, der gerade zu Beginn des Wahlkampfes 2020 ordentlich vom Leder zieht und keine Zweifel darüber aufkommen lässt, worum es ihm vorrangig geht.

 

Der Handelsstreit zwischen den USA und China dauert an

 

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Warnsignal

    25. Juni 2019 13:58 at 13:58

    @Herr Müller: Vielen Dank für Ihre Zusammenfassung der bisherigen Eskalationsstufen im Handelskrieg und der daraus resultierenden vorläufigen Effekte. Für interessierte Marktbeobachter ist das Mehrwert pur!

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Finanznews

Wall Street nervös, Dax (noch) nicht! Marktgeflüster (Video)

Avatar

Veröffentlicht

am

Nachdem nun wohl drei Fälle in den USA von Coronavirus-Infektionen aufgetreten sind, wird die Wall Street langsam nervös, während der Dax völlig unbeeindruckt scheint und nach wie vor unmittelbar unter seinem Allzeithoch handelt. Aber wenn die Wall Street weiter nach unten geht, wird sich wohl auch der Dax dem nicht enziehen können. Unterdessen ergreift China immer drastischere Maßnahmen zur Bekämpfung der Epidemie:in den Großstädten werden Neujahsfeierlichkeiten abgesagt, Rückkehrer in die Großstädte sollen zwei Woche zu Hause bleiben. Das wird starke Auswirkungen auf die chinesische Wirtschaft haben – und das wiederum ist eigentlich besonders für den Dax relevant! Sichere Häfen wie Gold und Staatsanleihen sind gefragt – war die Euphorie vor allem der Wall Street schlicht zu groß?

Werbung: Traden Sie smart mit Capital.com: https://bit.ly/316AkWq#

weiterlesen

Devisen

Aktuell: Neuer Corona-Fall in USA – Goldpreis rauf, Aktien runter

Avatar

Veröffentlicht

am

Gold Barren Beispielfoto

Vor wenigen Minuten wurde bekannt, dass es in den USA einen weiteren bestätigten Fall einer mit dem Corona-Virus infizierten Person gibt. Es geht um eine Frau in Chicago. 63 weitere Personen werden beobachtet. Was hatten wir gestern und heute in einem Marktüberblick zu verschiedenen Assetklassen noch erwähnt? Der Schweizer Franken steigt zwar, und Öl fällt immer weiter (wie es in so einem Angst-Szenario sein sollte). Aber der Goldpreis, der kam nicht aus den Puschen. Aber jetzt, mit dieser Veröffentlichung des zweiten Falls in den USA, da scheint der Knoten ganz frisch geplatzt zu sein.

Der Goldpreis springt seit einer Stunde von 1.562 Dollar auf bis zu 1.575 Dollar in der Spitze (aktuell 1.573 Dollar). Der Markt ist nervös. Parallel dazu fällt der Ölpreis immer weiter. WTI-Öl notiert aktuell nur noch bei 54,37 Dollar. Der Dow 30 sackte vorhin zur Bekanntgabe des zweiten Corona-Falls um 125 Punkte ab, Tendenz weiter fallend. Der Dax verliert parallel dazu 35 Punkte. Also, kurz vor dem Wochenende steigt die Nervosität. Noch schnell fliehen (Risk Off Trade) in die Sicheren Häfen namens Gold und Schweizer Franken? Ganz aktuell wirkt es so. Im Chart sieht man den Goldpreis vs Dow 30 seit heute früh.

Goldpreis vs Dow 30 seit heute früh

weiterlesen

Devisen

Rüdiger Born: Dax, Dow, S&P 500 und Euro am Chart besprochen

Avatar

Veröffentlicht

am

Dax und Dow schaue ich mir im folgenden Video direkt am Chart an. Sprechen die Charts für Long oder Short? Bei Euro vs USD jetzt noch short zu gehen, könnte zu spät sein. Wollen Sie abgesehen von meinen täglichen Analysen im Trade des Tages noch viel mehr und vor allem aktuellere Trading-News von mir erhalten, auch aufs Handy? Nutzen Sie dazu gerne meinen neuen Service „Trade to Go“  (einfach hier anmelden). Auch dieses Angebot ist für Sie völlig kostenfrei!

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 30 Tage

Wenn Sie diese Webseite weiter verwenden, stimmen Sie automatisch der Verwendung von Cookies zu. Zur Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen