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Europa

Industrieproduktion – Lichtblick oder Strohfeuer in Deutschland?

Wolfgang Müller

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am

Nach vier Monaten Rückgang in Folge, jetzt ein kleines Lebenszeichen – gemeint ist die Industrieproduktion in Deutschland, die sich doch so sehr in der Schrumpfung befindet, wie der Einkaufsmanagerindex Verarbeitendes Gewerbe mit seinen unterirdischen 41,7 Punkten für den letzten Monat so richtig verdeutlicht hat. Jetzt ein Anstieg im August um 0,3 Prozent. Ein Strohfeuer?

 

Industrieproduktion und der Kampf um die technische Rezession

Dieses Szenario, also das Schrumpfen der Wirtschaft in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen war eigentlich schon ausgemachte Sache. Doch die jüngsten Daten zur Industrieproduktion setzten dahinter ein kleines Fragezeichen. Es gab nicht nur den kleinen Anstieg im August, auch die Julidaten wurden von minus 0,6 auf minus 0,4 Prozent korrigiert, wie das Wirtschaftsministerium mitteilte. Damit sehen die Optimisten bereits die Möglichkeit, dass das dritte Quartal doch noch mit einer schwarzen Null enden könnte. Im zweiten Quartal des Jahres wurde eine Schrumpfung um 0,1 Prozent festgestellt.

Eine Stütze erfährt die deutsche Wirtschaft weiterhin durch den robusten Arbeitsmarkt, bei dem im September eine Herbstbelebung festgestellt wurde. Die Bundesagentur für Arbeit meldete am 30. September einen Rückgang der Arbeitslosigkeit um 0,2 Prozent auf 4,9 Prozent auf insgesamt 2,234 Millionen Arbeitslose.

Beim letzten Ifo-Index sah man zwar eine Erholung von 94,3 auf 94,6 Punkte, aber gleichzeitig wurden die Erwartungen abgesenkt. Der ZEW-Korrekturindex stieg im September von -44,1 auf -22,5 Punkte, allerdings ebenso mit einer negativen Erwartungskomponente.

Bei der Betrachtung der Daten ist zudem zu berücksichtigen, dass es sich bei diesem Zeitraum um die Urlaubszeit handelt, in der es des Öfteren abweichende Zahlen gab.

 

Fazit

Aus den prognostischen Daten ist unschwer festzustellen, dass die deutsche Wirtschaft davon ausgeht, dass es mit Donald Trump in nächster Zeit keine Verbesserung durch die Folgen des Handelsstreits für die Weltwirtschaft geben wird. Aber genau darin liegt ein gewisses Überraschungspotenzial. 58 Prozent der weltweiten Notenbanken haben im dritten Quartal die Zinsen wegen des schwächeren Wachstums gesenkt. Ein Effekt, der sich erst in circa einem halben Jahr auswirken wird.

Was mich absolut verwundert ist, dass die meisten Wirtschaftsinstitute, wie auch viele Wirtschaftslenker, in einem halben Jahr von einer kleinen Belebung ausgehen und nicht von einem Sturz in eine große Rezession – nicht einmal die pessimistischen. Deshalb auch noch die hohen Aktienkurse. In den USA tritt in einem Wahljahr normalerweise keine Rezession auf, zumindest nicht in den letzten Jahrzehnten.

Damit wird der alles entscheidende Faktor deutlich. Wenn es zu keinem Ende oder zumindest zu einem Waffenstillstand im Handelsstreit kommt und weitere Eskalationen in Form von Zöllen eintreten, wird jede wissenschaftlich ausgefeilte Berechnung zur Makulatur. Dafür sorgt schon allein die Psychologie. Man kann eine Rezession in einer solchen Phase auch herbeischreiben – durch die Presse, wie ein Analyst gestern feststellte. Man muss nur genügend Meldungen produzieren, die Angst machen und der Verbraucher wird mit seinem Verhalten für das Eintreten sorgen.

Dazu passt auch die Warnung der neuen Chefin des Internationalen Währungsfonds, der Bulgarin Kristalina Georgiewa: „Jeder wird verlieren“, sagte sie bei ihrer ersten Rede als neue Chefin der Organisation in Washington. Allein der Streit zwischen Amerika und China werde die globale Wirtschaftsleistung im kommenden Jahr um bis zu 700 Milliarden Dollar sinken lassen – das sei ungefähr so, als lösche man die Wirtschaft der Schweiz aus.

 

Die Industrieproduktion in Deutschland ist auf Talfahrt

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Europa

Verbraucherpreise im Januar machen Riesen-Sprung nach oben!

Claudio Kummerfeld

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Geldbeutel in der Klemme

Die deutschen Verbraucherpreise für den Monat Januar wurden soeben als Erstmeldung veröffentlicht. Im Jahresvergleich steigen sie um 1,0 Prozent (erwartet +0,7). Das ist eine wirklich deutliche Veränderung nach -0,3 Prozent im Dezember! Ob da die seit 1. Januar wieder höhere Mehrwertsteuer eine Rolle spielt? Dazu sagen die Statistiker vom Statistischen Bundesamt aktuell, Zitat:

Neben den geänderten Mehrwertsteuersätzen kann die Entwicklung der Verbraucherpreise auch durch andere Faktoren wie die CO2-Bepreisung und die Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns ab Januar 2021 beeinflusst sein.

Die Grafik zeigt es. Im Vergleich zu Dezember wird aus einem Minus von 6 Prozent bei Energie nur noch ein Minus von 2,3 Prozent. Und die Nahrungsmittelpreise springen von +0,5 Prozent auf +2,2 Prozent.

Grafik zeigt Daten der Verbraucherpreise für Januar

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Europa

Konsumklima in Deutschland sinkt kräftig

Claudio Kummerfeld

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Einkaufswagen

Das Konsumklima in Deutschland verschlechtert sich. Das ist leicht nachvollziehbar beim seit Wochen laufenden zweiten Lockdown. Bevor wir zu den heute früh veröffentlichten Aussagen der „GfK“ kommen, darf von unserer Seite auch die Frage gebracht werden, ob nicht auch die seit Anfang Januar wieder angehobene Mehrwertsteuer eine Rolle spielt. Denn viele hochpreisige Anschaffungen (Küchen, Autos, Fernseher, Möbel) fanden vermehrt in den letzten Monaten zu reduzierten Mehrwertsteuersätzen statt. Dieser Konsum fehlt jetzt natürlich. Aber gut. Schauen wir auf das offizielle GfK-Konsumklima. Es sinkt für Februar auf einen Wert von -15,6 Punkte, und liegt damit 8,1 Punkte tiefer als im Januar dieses Jahres (revidiert -7,5 Punkte).


source: tradingeconomics.com

Dazu einige Aussagen der GfK hier im Wortlaut:

Der erneute Einbruch des Konsumklimas ist neben dem moderaten Rückgang der Einkommensaussichten vor allem dem Absturz der Anschaffungsneigung zuzuschreiben.

„Die Schließung von Gastronomie und weiten Teilen des Handels Mitte Dezember 2020 hat die Konsumneigung ähnlich hart getroffen wie beim ersten Lockdown im Frühjahr des vergangenen Jahres. Aktuell fällt die Anschaffungsneigung auf null Punkte. Dies ist gegenüber dem Vormonat ein Minus von 36,6 Punkten, während des ersten Lockdowns im April 2020 betrugen die Einbußen 36 Punkte“, so Rolf Bürkl, GfK Konsumexperte.

Angesichts der kürzlich beschlossenen Verlängerung der harten Maßnahmen für den Lockdown haben zudem die Hoffnungen auf eine zügige Erholung des Konsumklimas schwinden lassen.

Bürkl weiter: „Dem Konsumklima stehen im ersten Quartal dieses Jahres schwierige Zeiten bevor. Für eine nachhaltige Erholung ist es notwendig, dass die Infektionszahlen stärker als bislang zurückgehen, damit die Maßnahmen spürbar gelockert werden können. Das heißt, die für dieses Jahr von vielen erhoffte Erholung wird noch etwas auf sich warten lassen.“

Ergebnisse einer aktuellen GfK eBUS®-Umfrage zeigen zudem: Vier von fünf Bundesbürgern (81 Prozent) sind der Meinung, dass COVID-19 für Deutschland eine große bzw. sehr große Bedrohung darstellt. Das ist der höchste Wert, der seit Beginn der Erhebungen (Mitte April 2020) gemessen wurde. Nur 15 Prozent verspüren eine eher geringe Bedrohung oder zeigen sich völlig unbeeindruckt. Auch bei der Frage nach den Sorgen um die persönliche wirtschaftliche Zukunft angesichts der Corona-Krise erreichen die Werte einen Höchststand: 54 Prozent machen sich sehr große bzw. eher große Sorgen um ihre persönliche wirtschaftliche Zukunft in diesen Krisenzeiten. 43 Prozent zeigen sich eher weniger oder gar nicht besorgt.

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Europa

ifo Index schwächer – aber hätte viel schlimmer kommen können..

Markus Fugmann

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Soeben hat das ifo Institut den ifo Index für Januar veröffentlicht:

– ifo Geschäftsklimaindex 90,1 (Prognose war 91,8; Vormonat Dezember war 92,1)

– aktuelle Lage 89,2 (Prognose war 90,6; Vormonat war 91,3)

– Erwartungen: 91,1 (Prognose war 93,2; Vormonat war 92,8)

Na gut, schwächer als erwartet, aber viel besser, als es hätte im schlimmsten Fall kommen können! Sehr bullisch..

Dazu ifo in einer Pressemeldung:

„Die Stimmung in den deutschen Chefetagen hat sich verschlechtert. Der ifo Geschäftsklimaindex ist im Januar auf 90,1 Punkte gefallen, nach 92,2 Punkten im Dezember. Die Unternehmer beurteilten ihre aktuelle Lage schlechter als im Vormonat. Auch ihre Erwartungen fielen pessimistischer aus. Die zweite Corona-Welle hat die Erholung der deutschen Wirtschaft vorläufig beendet.

Im Verarbeitenden Gewerbe ist der Index nach zuletzt acht Anstiegen in Folge wieder gesunken. Dies war auf deutlich weniger optimistische Erwartungen der Industriefirmen zurückzuführen. Die aktuelle Lage bewerteten sie hingegen merklich besser. Die Kapazitätsauslastung stieg um 1,6 Prozentpunkte auf 81,8 Prozent. Sie liegt damit aber immer noch unter ihrem langfristigen Durchschnitt von 83,5 Prozent.

Im Dienstleistungssektor ist der Geschäftsklimaindikator merklich gesunken. Die Unternehmen korrigierten ihre Einschätzungen zur aktuellen Lage nach unten. Zudem nahm der Pessimismus mit Blick auf die kommenden Monate deutlich zu. Der Auftragsbestand, insbesondere im Bereich Transport und Logistik, entwickelte sich schwächer.

Im Handel ist der Geschäftsklimaindex eingebrochen. Der Indikator zur aktuellen Lage stürzte in den negativen Bereich. Dies war der stärkste Rückgang seit April 2020. Auch die Erwartungen fielen deutlich pessimistischer aus. Die Stimmung verschlechterte sich, teilweise massiv, in nahezu allen Einzelhandelssparten. Anders als im Dezember zeigten diesmal auch im Großhandel viele Indikatoren nach unten.

Auch im Bauhauptgewerbe verschlechterte sich das Geschäftsklima. Die Einschätzungen zur aktuellen Lage fielen etwas schlechter aus. Zudem blickten mehr Unternehmer pessimistisch auf die kommenden Monate.“

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