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Inflation in Anmarsch? Aktuell viele Anzeichen für Deflation

Und dazu kommt noch, dass die Wirtschaftsforscher vom Institut der deutschen Wirtschaft heute ein Papier zum Thema Immobilien veröffentlicht haben. Darin schreiben sie, dass die Preise für Immobilien in Deutschland wahrscheinlich nicht oder nur leicht, im schlimmsten Szenario um bis zu zwölf Prozent sinken können. Dabei gelte: Je mehr die Wirtschaft einbreche, desto stärker dürften die Preise sinken. Die Einkommen vieler Bundesbürger würden derzeit im Zuge der Coronakrise schrumpfen, die Unsicherheit sei groß. Wer eine neue Wohnung kaufen wolle, der verschiebt seine Pläne jetzt erst einmal. Das lässt sich anhand von Google-Suchanfragen für neue Miet- und Eigentumswohnungen ablesen. Seit Anfang März sind die Anfragen deutlich zurückgegangen. Deshalb werden die Kaufpreise für Wohnimmobilien durch die Krise wahrscheinlich leicht sinken, aber nicht einbrechen, so das IW. Also, bei Immobilienkäufen und bei Wohnungsmieten wirkt die Lage für die nächsten Monate doch eher ganz leicht deflationär. Auch dies sollte dämpfend auf inflationäre Tendenzen wirken?

Neues Angebot, aber noch keine neue Lust auf Konsum?

Aktuell hört man Nachrichten, dass die Autohersteller in Deutschland schrittweise damit beginnen ihre Produktion hochzufahren. Dazu hört man Infos aus den Häusern Daimler und Volkswagen. Auch wenn es noch wochenlang dauern könnte, bis die Produktion bei Zulieferern und Autoherstellern richtig vollständig an den Start geht – die Masse neu hergestellter Autos nimmt bald wieder zu. Und bis Mitte März wurde auch noch umfassend auf Halde produziert bei vielen Herstellern, weil die Nachfrage da schon im Zuge der Coronakrise eingebrochen war. Und jetzt kommt wieder die Theorie der bevorstehenden Inflation zum Zuge. Knappes Angebot trifft auf viel neues Geld, die Inflation springt an. Aber wie sieht die Lage denn konkret aus? Ein kleines Gedankenspiel.

Welcher deutsche Michel geht denn heute, nächste Woche oder nächsten Monat in den gerade wieder eröffneten Autosalon, und kauft sich einen Neuwagen, und das auch zum Listenpreis? Millionen Menschen sind auf Kurzarbeit, werden vielleicht im Laufe des Jahres noch arbeitslos, haben ihren Teilzeitjob verloren, und bangen insgesamt um ihre finanzielle Existenz. Werden diese Menschen dieses Jahr noch überhaupt ein Auto kaufen, wenn sie es noch im Februar vielleicht geplant hatten? Wohl kaum. Die Hersteller müssen also (so meinen wir) die bis Mitte März produzierten und demnächst neu produzierten Autos mit kräftigen Rabatten anbieten, um ihre Lager leer zu bekommen. Und wenn sich dann die unsicheren Konsumenten entschließen, dank eines kräftigen Preisnachlasses doch noch in den nächsten Monaten einen Neuwagen zu kaufen, dann wirken diese Kaufpreise ebenfalls deflationär. Inflation würde entstehen, wenn zum Beispiel der Staat die Bürger direkt mit Geld überfluten würde, und die Autohersteller im restlichen Jahr gar keine neuen Autos mehr herstellen. Aber danach sieht es nun wirklich nicht aus.

Wir möchten abschließend klarstellen: Auch wir wissen natürlich nicht, wie die Teuerungsrate zum Beispiel in einem halben Jahr aussieht. Wir alle erleben derzeit eine nie da gewesene Änderung in den wirtschaftlichen Abläufen, deren Variablen zu unbekannten Ergebnissen führen können. Aber dass es zwingend zu einer massiven Inflation kommen wird, daran sind doch zumindest deutliche Zweifel angebracht!



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12 Kommentare

  1. Wenn der Staat beim Neuwagenkauf auf Mehrwertsteuer (…NOVA…) verzichtet, wäre das sehr wohl ein zumindest kurzfristiger Anreiz…dann müssten die Gebrauchten billiger werden…Inflation?

    1. Welcher selbstständig denkende Mensch kauft sich ein Auto für 30.000-40.000 Euro, welches schon ein Jahr auf Halde steht? Hinzu kommt noch der irrsinnige links-grüne Abgasspuk, wobei nicht klar ist ob man dann noch in die Innenstädte fahren darf!

  2. Es wird wieder einmal eine Assetinflation geben. Auch wenn das „System“ mit Geld geflutet wird, der Durchschnittsbürger/Konsument bekommt ja nicht plötzlich einen Haufen Geld vom Staat, ganz im Gegenteil, er bekommt das absolut Notwendigste für seine Ausfälle. Er hat also weniger Geld, als vorher und spart noch mehr. Wo soll da bitte eine Hyperinflation herkommen?
    Die Taxis, die Friseure, die Verkäuferinnen, sie werden alle wieder arbeiten wollen, bei weniger freien Stellen…dann eben um weniger Geld.

    1. Ich sehe das ähnlich. Inflation bei Verbrauchsgütern kann nur einsetzen, wenn eine physisch nicht mögliche Produktion auf wachsende Liquidität IN DER BREITE trifft. 1000 Milliardäre lösen keine Inflation bei Müsli aus. Höchstens bei Luxusjachten. Aber das wäre auch kein Problem.

    2. @Columbo
      So ist es. Deshalb funktioniert auch immer noch mehr Geld (für die Pleitstaaten) nicht.

  3. Ja, eine massive Deflation steht erst mal an. Die riesigen Wertverluste und Einkommensverluste werden von den Regierungen und Zentralbanken nur zu einem kleinen Teil kompensiert werden können. Da müssten die Zentralbanken schon Hunderte von Billionen an Dollars/Euros drucken und dieses dann als Helikoptergeld verteilen, um auch nur ansatzweise dagegenhalten zu können. Aber soweit scheinen sie noch nicht zu sein – würde ja auch fast einem Harakiri gleichkommen.

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  6. Jetzt frage ich mich noch, warum unsere geliebten und so gescheiten Crashgurus uns andauernd eine Hyperinflation einreden wollen? Cui bono? Will man eine neue Sau durchs Dorf treiben? Oder würde eine von allen erwartete und gefürchtete Hyperinflation ihren diversen Weltuntergangs-Rettungs-Fonds besonders guttun, die ja nicht besonders gelaufen sind?
    Mit Aussicht auf Totalverlust würden die Leute dann endlich diesen verdammten Whisky kaufen und trinken, der da in den Kellern mancher Ökonomen ungenutzt herumliegt😉.

  7. Bei genauerer Betrachtung stecken hinter den Crash- und Hyperinflationsgurus immer entweder der Goldhandel oder irgendwelche Fonds die ihre Produkte vermarkten wollen.

    Siehe auch Dirk Müller (Mr. DAx) der vom totalen Finanzcrash schreibt und damit seinen Fonds bewirbt. Ich würde ihn gerne mal fragen was denn mit der Bank passiert die seinen Fonds betreibt wenn alles zusammenbricht….

    Es ist so wie beschrieben, es droht Deflation und keine Inflation. Auch glaube ich nicht dass das „Vertrauen“ in den Euro irgendwann verschwindet, wie soll man sich in dieser arbeitsteiligen Welt denn bezahlen wenn nicht mit einer Währung? Und das die Währung der Länder, D, F, BeNeLux + Österreich in der Welt kein Vertrauen mehr geniesst kann ich mir nicht vorstellen.

    Wir werden in den nächsten Wochen Rabattschlachten im Textilhandel, im KFZ-Handel und im Elektro-/Haushaltsgerätebereich sehen und Inflationsraten 0,irgendwas für den Euroraum.

    Was ich noch nicht einschätzen kann sind die Preise für Flüge bzw. Tourismus wenn die hier im Sommer gelockert wird, vielleicht will dann auch jeder sofort nach Malle und die Preise explodieren in diesem Segment….

  8. Ich glaube eher an eine V-förmige Erholung mit schnell steigenden Inflationsraten. Ein Vorbote sind vielleicht die Lebensmittelpreise in Spanien: Es gab einen Anstieg von fast 5 Prozent im Jahresvergleich, da durch Grenzschließungen Arbeitskräfte fehlen und die Logistik teurer wird. Und trotz Hamsterkäufen sind die Margen des Marktführers Mercadona sogar gesunken! Kann natürlich sein, dass erstmal keiner sinnlos teure deutsche Autos kaufen will, bevor die Abwrackprämien kommen. Dürfte im Warenkorb aber eher eine untergeordnete Rolle spielen.

  9. Meine Kunden und Freunde sind gespaltener Meinung. Manche reden von Inflation, manche von Deflation. Ich persönlich tendiere zur Deflation, insbesondere weil die Leute ihre Investitionen in die Zukunft verschieben, Immobilieninvestoren trotzdem ihre Tilgung leisten müssen und alle Angst davor haben, keine Käufer mehr finden zu können. Das führt zu sinkenden Preisen, zu einer verschobenen Nachfrage und zur Kaufkraftsteigerung des Geldes. Gerade Unternehmern ist es wichtig liquide zu bleiben. Das kann nur durch Preissenkungen erzielt werden. Für mich also eine begründete Deflation.

    Dirk Müller ist für mich keine Quelle, da er seine Meinung immer mit seinem Fonds bewirbt. In diesem Fond sind einige Titel, die ich für absolut kritisch halte und mir die Frage stelle, was denn gerade daran systemrelevant sein soll. Von antizyklisch keine Spur.

    Sein aktueller Beitrag „der Crash eine Jahrhunderchance“ kommt zum schlimmstmöglichen Zeitpunkt. Die Leute haben Kurzarbeit, haben Geldsorgen und nun sollen sie ihr hart erarbeitetes Geld in Aktien investieren.

    Memo: Die Arbeitslosenquoten sind beängstigend, die Nachfrage katastrophal und die Produktion am Nullpunkt. Gleichzeitig sind die Aktienempfehlungen in den Zeitungen erschreckend euphorisch.

    Die Unternehmen werden momentan noch nach alten Kennzahlen bewertet, die nicht mehr ins aktuelle Bild passen. Es kann in den nächsten Monaten zu massiven Verlusten kommen.

    Aber gerade jetzt Geld zu investieren? Das halte ich für ein Bauernopfer.

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