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Inflation oder Hyperinflation, was kommt auf uns zu?

Inflation wird kommen - aber wirklich sogar eine "Hyperinflation"?

Inflation - oder gar Hyperinflation?

Derzeit überschlagen sich die Kommentare von Banken und deren Analysten mit Superlativen: von Inflation oder gar „Hyperinflation“ (Bank of America) ist die Rede. Es war abzusehen, nach dem Extremjahr 2020. Kein ökonomisches Modell hatte es je auf der Rechnung, dass urplötzlich vier Milliarden Menschen auf unserer Erde in häusliche Quarantäne versetzt werden könnten, die Wirtschaft dementsprechend heruntergefahren wird. Dass Notenbanken und Regierungen außerhalb von Kriegszeiten oder extremen Naturkatastrophen einmal derartige monetäre Experimente wagen würden, an der Spitze die USA mit einer Ausweitung der Geldmenge um 27 Prozent auf Jahressicht. Klar, dass dies Extreme bei der Rückkehr zur Normalität nach sich ziehen muss.

Das Wiedererwachen der Weltwirtschaft – und der Inflation

Das zweite Quartal 2020 war das ungewöhnlichste Vierteljahr seit vielen Jahrzehnten. Wir haben es alle schon vermutlich abgehakt: Es brachte in den USA aufs Jahr gerechnet ein Minus von 32,9 Prozent, in unserer Rechenweise auf Quartalsbasis minus 9,5 Prozent (Deutschland minus 10,1 Prozent). Die Reaktionen in der Welt waren angesichts einer pandemischen Bedrohung ohne Vergleichsgrundlage, in den USA folgten fünf Rettungspakete, die globalen Notenbanken haben in der Folge ihre Bilanzen um über 20 Billionen Dollar ausgeweitet. Prozentual gesehen so viel wie noch nie in der Neuzeit.

Aus dieser Gemengelage, in Verbindung mit einer historischen Impfstoffentwicklung, erwuchsen gewaltige Prognosen für das Jahr 2021: Plus 6 Prozent für die Weltwirtschaft, plus 6,4 Prozent für die USA und gar plus 8,4 Prozent für China. Bei einer zurückgefahrenen Produktion an Gütern bei gleichzeitig explosiv steigender Nachfrage muss dies zu Lieferengpässen und geradezu parabolischen Anstiegen mancher Wirtschaftsparameter führen – kurzzeitig? Die Sorgen vor Inflation nehmen immer mehr zu.

Exponentielle Verläufe, führt dies zu Hyperinflation?

Natürlich gibt es so etwas wie Hyperinflation wie die Geschichter zeigt – zu jeder Zeit, davon zeugen schon über 300 Staatsbankrotte in den letzten 200 Jahren. Keiner davon in den USA, der Dollar mit seiner Funktion als Weltleitwährung garantiert (noch) große Privilegien, immerhin werden 80 Prozent der Rohstoffe in dieser Währung frakturiert.

Es gibt auch immer wieder kurzfristige, aber sehr heftige Anstiege bei Rohstoffen, im kurzzeitigen Hyperinflationsbereich, sogar bei Crude Oil.

In diesem Jahr sehen wir das bei Bauholz, aber mit einer geringeren Auswirkung als beim Billionen-Dollar-Rohstoff Öl.

Jetzt ist auch der Gesamtindex der Commodities stark angesprungen, aber im Vergleich zu 2018, sieht der Kursanstieg noch vergleichsweise harmlos aus. Vor allem wenn man das Phänomen langfristig sinkender Rohstoff-Futures (Backwardation) ins Kalkül nimmt, wie ich es gestern in einem Artikel dargestellt habe.

Rohstoffe: Der Anstieg als Vorbote der Inflation

Die Inflationserwartungen steigen, aber wie die Bank of America in ihrer Analyse zu einer Hyperinflation kommt, oder zumindest auf Vergleiche mit den 1970-er-Jahren, das will sich mir noch nicht richtig erschließen. Rohöl war stets ein Auslöser von massiven Inflationsanstiegen, aber der Preis des schwarzen Goldes ist noch Meilen von ehemaligen Höchstständen entfernt.

Die Erwartungen steigender Inflation

Fazit

Die große Frage, die sich so ziemlichen allen Handelnden im Wirtschaftsleben stellt, ist: Wie nachhaltig ist der zu erwartende Boom, was sind die Kollateralschäden bei der gegenwärtigen „Shortage“, also den Lieferengpässen bei gleichzeitig nach oben schießender Nachfrage. Da können die Preise eigentlich nur galoppieren – sprich ein deutliches Ansteigen der Inflation ist kaum zu vermeiden.

Wie werden sich in Deutschland die Gewerkschaften verhalten? Ein Thema, welches sich zum Beispiel in Deutschland in der Phase großer Kurzarbeit noch gar nicht stellt – aber wahrscheinlich spätestens im nächsten Jahr. Was machen dann die Preise, wenn die „Bottlenecks“ beseitigt sind?

Wieder einmal sind Schlagzeilen König, während wir vor einem Jahr noch mit einem Untergangszenario rechneten, wird jetzt ein Wirtschaftsboom ohnegleichen ausgerufen und gleichzeitig spricht eine Großbank wie die Bank of America von „Hyperinflation“. Allerdings scheint es sich hier um begriffliche Unschärfen zu handeln. Bekämen wir nur hyperinflationäre Tendenzen, müsste die Federal Reserve mit drastischen Zinsanhebungen gegensteuern, in einer Phase, in der Staat, Unternehmen und Bürger in den USA mit über 80 Billionen Dollar verschuldet sind – der gesamtwirtschaftliche Albtraum!

Was wird da wohl dahinter stecken? Im Wirtschaftsleben kommt es ab und zu zu einem einen wilden Auf und Ab bei den Einzelfaktoren, aber über kurz oder lang herrscht immer wieder „Reversion to the mean“, also das Einpendeln in Richtung Mittelwerte. Das gilt meist auch für die Inflation. An den Börsen kann ein irrationaler Überschwang mitunter länger andauern, in der Gesamtwirtschaft eher nicht, dafür sind die Kosten für Über- oder Unterproduktion dann doch zu hoch.

Inflation wird kommen, aber noch mehr die inflationäre Verwendung von Superlativen, blitzschnell verteilt durch die neuen Medien, das ist sogar eine hyperinflationäre Tendenz..



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4 Kommentare

  1. @Wolfgang Müller

    Guter Beitrag👍

  2. Vor ein paar Tagen gab es auf Youtube unter einem Marktgeflüster-Video einen Leserkommentar, der mMn den Nagel auf den Kopf trifft, und mir quasi die Worte aus dem Mund nimmt. Die entscheidenden Begriffe dabei sind für mich „den Bogen überspannt haben“ und „Vertrauensverlust“. Hier dieser Leserkommentar:

    Herr Fugmann, ich glaube wir müssen zwischen drei Arten von Inflation unterscheiden: die Asset-Price-Inflation, die wir seit 1989 haben ausgelöst durch die Notenbanken. Die Asset–Preis Inflation schlägt nun auf die Rohstoffmärkte über, weil es keine Alternativen mehr gibt. Inflation durch die Lohn-Preis-Spirale wie in den 70ern – bei so einer Inflation bleibt das Finanzsystem trotz Verwerfungen weitgehend stabil. Und die letzte Inflation ist die durch den Vertrauensverlust in die Währung wie in den 20er Jahren. Letztere droht, weil der Bogen durch das Gelddrucken überspannt wurde und der Bevölkerung langsam dämmert, dass die Notenbanken den Wohlstand der kommenden Generationen seit 30 Jahren Stück für Stück verkaufen, um einen reinigende Rezession zu verhindern. Diese Verhinderungspolitik hat dazu geführt, dass – falls man irgendwann eine Rezession zulässt / zulassen muss – diese sofort in eine Depression umschlägt. Was würde passieren, wenn EZB und FED morgen ankündigen die Druckerpresse abzustellen?

  3. Sehr treffend Herr Lausi, dem könnte man noch beifügen, dass jede Massnahme die die Rezession verhindert oder nicht verhindert zu Lasten der Unterschicht ( Umverteilung) geht und die Gesamtsituation immer weiter in die selbstgewählte Sackgasse wegen der Übertreibungen der Vergangenheit treibt.Verhälnisse wie in Teilen Südamerikas wird die Folge sein.
    Wer kleine Blasen nicht platzen lässt, nimmt das Platzen einer sehr grossen Blase in Kauf.Die Notenbanken bestätigen uns dauernd, dass sie sich für den etwas späteren ABER SEHR GROSsEN KNALL entschieden haben.

  4. Pingback: Meldungen und Nachrichten vom 7. Mai 2021 | das-bewegt-die-welt.de

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