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Iran: Das wahrscheinlichste Rache-Szenario

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Dennoch müssen die Mullahs handeln, um Stärke zu beweisen und dem wahrhaftigen Wunsch nach Rache bei den Unterstützern des Regimes und vor allem den zahlreichen Anhängern Soleimanis in der gesamten Golfregion gerecht zu werden, die Trump als „gelbhaarigen Wahnsinnigen“ bezeichnen und abgrundtief verachten. Außerdem darf die Tötung eines so ranghohen Regimemitglieds nicht zum folgenlosen Präzedenzfall werden. Zumal sich Soleiman am Tag seiner Ermordung auf Einladung der Regierung in Bagdad auf dem Hoheitsgebiet des Irak befand. Die Abwägung aus angemessener Revanche zur Befriedigung der Rachegelüste der Anhänger Soleimanis auf der einen Seite und die Vermeidung einer für das Mullah-Regime gefährlichen weiteren Eskalation auf der anderen Seite lässt nicht viele Optionen zu.

Der Irak als perfekte Bühne für einen Racheakt

Der Chef des obersten nationalen Sicherheitsrats des Iran, Ali Schamchani hat bereits klargestellt, dass die Präsenz des US-Militärs in der Golf-Region beendet werden soll und das Vergeltungsmaßnahmen auch vonseiten des offiziellen Militärs des Iran zu erwarten sind. Da bei der Attacke auf Soleimani auch ein hoher irakischer Offizier einer schiitischen Miliz getötet wurde, bietet sich das schiitisch geprägte Nachbarland als Schauplatz für einen großen Racheakt an. Auf Militärbasen im Zweistromland waren vor kurzem noch ca. zehn- bis fünfzehntausend US-Soldaten und US-Beschäftigte stationiert (inkl. der grünen Zone in Bagdad). Die Abgeordneten des irakischen Parlaments haben in einer Resolution die irakische Regierung bereits dazu aufgefordert, die Militärpräsenz aller ausländischen Truppen im Land zu beenden. Zwar sind Resolutionen anders als Gesetze für die Regierung in Bagdad nicht bindend, doch der irakische Premierminister Adil Abd al-Mahdi hat sich dieser Forderung angeschlossen. Sogar die NATO hat bereits mit dem Abzug von Truppenteilen begonnen.

Donald Trump weigert sich hingegen, der Forderung der Iraker nachzukommen. Stattdessen droht er mit Sanktionen und fordert hohe Ausgleichszahlungen für die errichteten Militärbasen im Irak. Damit provoziert Trump förmlich einen Angriff auf seine Truppen im Irak. Wie viele Tote Amerikaner den Tod von Soleiman aus Sicht der iranischen Führung aufwiegen, ist dabei fast nebensächlich. Es wird auf jeden Fall amerikanische Todesopfer geben, die man auch in den USA Trump anlasten wird. Die Interessenskongruenz zwischen dem Iran und dem Irak und dem gemeinsamen Wunsch nach Vergeltung lässt die Option eines massiven Angriffs auf US-Militärs im Irak und in der gesamten Golfregion als wahrscheinlichstes Szenario erscheinen. Dazu müssten die Iraner nicht einmal irakischen Boden betreten, wie der erfolgreiche Sprengstoffdrohnenangriff von Mitte September letzten Jahres auf eine saudische Ölraffinerie gezeigt hat. Angriffe auf rein zivile Ziele durch iranisches Militär oder gar auf amerikanischem Boden sind hingegen eher unwahrscheinlich, da sie die aktuell relativ große Sympathiewelle für den Iran zerstören würden.

Fazit

Fakt ist: Der Gegenschlag des iranischen Militärs und seiner verbündeten Milizen im gesamten Nahen Osten steht noch bevor. Hauptziel der Racheakte dürften US-Militärbasen sein, vermutlich vor allem im Irak. Wenn am Ende die US-Truppen gezwungenermaßen aus dem Irak abziehen müssen wäre das nicht nur eine militärische Niederlage, sondern auch der Verlust von Einfluss in der Region. Das dann entstehende Machtvakuum könnte wiederum von pro iranischen Milizen oder gar den Resten des IS gefüllt werde.
In Anbetracht dieser Perspektive erscheint die Ermordung des Generals Soleimani umso planloser und aus Sicht der US-Interessen in der Region kontraproduktiv.

Die erhoffte Schwächung des Mullah-Regimes in Teheran nach dem Motto: „Schlage den Kopf ab und der Körper bricht zusammen“ geht ebenfalls nicht auf, da die Quds-Einheit der iranischen Revolutionsgarden auch ohne Soleimani ihre militärische Strategie weiter verfolgen wird und das iranische Volk gleichzeitig so patriotisch wie lange nicht mehr hinter seiner Führung in Teheran steht. Die aktuelle Gelassenheit der Aktienmärkte könnte noch einmal auf die Probe gestellt werden. Anders als in US-Wirtschaftsmedien dargestellt, wird der Iran definit blutige Rache üben, die das Leben von US-Amerikanern kosten wird. Wie Trump dann drauf reagiert, ist ein weiterer von den Börsen aktuell noch unterschätzter Unsicherheitsfaktor.

Trauer im Iran
Trauer im Iran. Foto: Fars News Agency CC BY 4.0

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6 Kommentare

6 Comments

  1. Avatar

    Kritisch on fire

    7. Januar 2020 21:44 at 21:44

    Es würde mich schon sehr, sehr wundern wenn sich der Iran auf Raketenangriffe auf US Militärbasen beschränken würde. Dieser Mord an einer Führungsperson des Iran wird die Staatsspitze nur glaubhaft und der Bevölkerungsmeinung adäquad „sühnen“ in dem sie einen ganz massiven Schlag setzen wird – ein General, Admiral oder einer vergleichbaren Position. Ich fürchte, dass das Iran-Regime gar keine andere Wahl hat – leider für uns alle. Ein ganz grosses „Dankeschön“ an mr. president.

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    Christoph

    7. Januar 2020 22:40 at 22:40

    Denke, es wird Auge um Auge Zahn um Zahn vergolten… Sprich Tötung eines hohen Amerikaners. Ggf. Sogar Bolton. Da dieser gerade gegen Trump Aussagen will, würde das Verschwörungstheorien Tür und Tor öffnen und die amerikanischen Politiker gegeneinander aufpeitschen…

    So oder so… Amerika wird jede Aktion, wenn auch im Notfall eine false flag Aktion dazu nutzen ein paar alte Raketen loszuwerden 🙁

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    md

    8. Januar 2020 01:40 at 01:40

    may day may day, fmw ist jemenad noch wach. bitte melden. was geht an den märkten ab. danke

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    Lausi

    8. Januar 2020 02:22 at 02:22

    Warum nicht old-style-mäßig den Konflikt aus der Welt schaffen? Trump und Chamenei sollen sich einfach duellieren, wobei der Ajatollah die Art der Waffen auswählen darf (Krummsäbel?) Das würde doch eine Menge Blutvergießen vermeiden – aber leider sind diese Zeiten wohl vorbei…

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    Nico

    8. Januar 2020 07:31 at 07:31

    War ja eine Ansage nach Maß, die Vorhersage des Angriffs auf die US-Truppen im Irak. Nur dass derartig relevante Meldungen, die ihn den Medien erscheinen, schon längst dem US- und dem israelischen Geheimdienst und damit auch den US-Streitkräften bekannt waren. Deshalb auch die vermiedene Katastrophe. Die gefährlichen Aktionen kommen aus dem heiteren Himmel und werden nicht vorher publiziert.

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    BrettonWood

    8. Januar 2020 09:44 at 09:44

    Am meisten treffen könnten die Iraner Donald aber beim Ölpreis, wenn der Ölpreis steigt sifft die Wallstreet ab, Inflation zieht an und die ganze Liquiditätsparty des Westen kommt in Erklärungsnot, anstatt Amis zu töten, was sicher einen weitere Eskalation bewirkt sollte man den Ölpreis torpedieren und zwar heftig und lange, damit der Ölpreis im November bei mindestens 100 Dollar steht und Donald ist weg….

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Wie das Coronavirus wirtschaftliche Wunden wieder aufreißt

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Coronavirus Beispielbild

Die allgemeine Erwartung einer V-förmigen Erholung der Weltwirtschaft nach der Eindämmung des Coronavirus könnte ein Trugschluss sein. Die Nebenwirkungen der Epidemie sind erheblich. Die schwächsten Glieder der globalen Wirtschaftskette drohen zu reißen.

Warum das Coronavirus der Auslöser eines Dominoeffekts werden könnte

Bislang fehlen noch harte Daten zur Beurteilung der tatsächlichen Schäden, den das Coronavirus im Welthandel sowie der gesamten Weltwirtschaft verursacht. Doch neben plausiblen Vermutungen und einigen ersten Indizien für einen signifikanten konjunkturellen Rückschlag gibt es bereits Kollateralschäden, die momentan noch kaum Beachtung finden. Der Einbruch der Ölpreise beispielsweise belastet die Haushalte der arabischen Staaten und die Bilanzen der noch preissensibleren Fracking-Konkurrenz aus den USA. Die Petro-Dollar fehlen aber nicht nur in den Produktionsländern selbst, sondern auch in den Staaten, in denen die Dollars in Form von Investitionen „recycelt“ werden.

Die bereits am Boden liegende Ölindustrie in Venezuela, die gerade erst dank finanzieller und technischer Unterstützung aus China und Russland ihre Fördermenge leicht ausweiten konnte, erlebt ebenfalls einen erneuten Rückschlag. Zwar entlasten rückläufige Preise für fossile Energieträger die gewerblichen und privaten Verbraucher. Doch auf die könnte im Zuge der Lieferkettenunterbrechung mit China noch eine spürbare Knappheits-Teuerung bei bestimmten Gütern zukommen, die den Effekt günstigerer Treibstoffpreise egalisiert.

Deutlich ernster ist die Lage in den Ländern, die sich bereits seit geraumer Zeit mit zu hohen Dollar-Schulden herumschlagen und wie Argentinien kurz vor dem wirtschaftlichen Kollaps stehen. Aber auch Brasilien, Chile und die Türkei erleben gerade ein Déjà-vu: das Wiederaufflammen ihrer Krisen aus dem Jahr 2019. Schuld daran ist zum einen der Einbruch der Exporte nach China und der krisenbedingt wieder deutlich aufwertende US-Dollar.

US Dollar Index Chart - Coronavirus drängt Markt in den Dollar

Wenn „Schwarze Schwäne“ Junge kriegen

Diese Entwicklung am Devisenmarkt verstärkt die ohnehin schon hohe Inflation in Ländern wie Argentinien und der Türkei. Zusätzlich steigt der in US-Dollar angehäufte Schuldenberg in heimischer Währung weiter an. Das Gleiche gilt für die Zinslasten, die in der schwindsüchtigen heimischen Währung erwirtschaftet und in dem teuren US-Dollar an die Gläubiger überwiesen werden müssen.

Im Zuge der Neuwahlen in Argentinien hat sich die Krise dort weiter verschärft. Der jetzige China-Schock drückt den Argentinischen Peso noch mehr gen Süden. Und dass, obwohl der IWF das Land mit der größten Hilfszahlung seiner Geschichte unterstützt und die Regierung in Buenos Aires den Devisenmarkt strengen Auflagen unterzogen hat. Die aktuellen Verhandlungen mit den Gläubigern über ein Schuldenmoratorium laufen ohnehin schlecht, da das Vertrauen in die neue Führung des südamerikanischen Landes zusehends schwindet, die wirtschaftliche Krise lösen zu können. Ein Staatsbankrott Argentiniens mit einem Schaden von über 100 Mrd. US-Dollar wäre ein weiterer „Schwarzer Schwan“ für die schwächelnde Weltwirtschaft.

Argentinischer Peso vs US-Dollar

Ebenso wie in die politische Führung in Argentinien schwindet auch das Vertrauen in die türkische Regierung unter Recep Tayyip Erdoğan. Seine militärischen Abenteuer, die denen in Sachen irrationaler Geldpolitik in nichts nachstehen, gefährden die zwischenzeitliche Beruhigung der Lira-Krise. Die Türkische Lira befindet sich erneut im Sinkflug und diese Schwäche droht die Inflations- und Schuldenproblematik des Landes wieder anzuheizen. Die Türkei ist für Europa ein wichtiger Handelspartner. Auf der Liste der größten Volkswirtschaften der Welt steht das Land am Bosporus nach Saudi Arabien auf Platz 19.

Türkische Lira vs US-Dollar

Das Coronavirus verkürzt die Zündschnur der BBB-Schuldenbombe

Erst gestern läutete die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) die Alarmglocken in Sachen weltweiter Unternehmensverschuldung. Dabei bereitet der supranationalen Organisation vor allem die schlechte Qualität der Schulden große Sorgen: Über die Hälfte der Unternehmen, die sich im letzten Jahr auf dem Rekordniveau des Jahres 2016 neu verschuldet hatten, sind mit dem schlechtesten “Investmentgrade“-Rating „BBB“ bewertet.

Hier droht ein Dominoeffekt, wenn im Zuge der Krise, ausgelöst durch den Coronavirus, die Ratings weiter abgestuft werden. Dann müssten sich große institutionelle Investoren zwangsweise aus diesen Schuldpapieren zurückziehen und dürften von den betroffenen Unternehmen auch keine neuen Schulden mehr erwerben. Eine globale Pleitewelle bereits jetzt angeschlagener Unternehmen könnte ein weiterer neuer „Schwarzer Schwan“ für die Weltwirtschaft werden. Auch dieser müsste wiederum mit „unkonventioneller“ Geldpolitik bekämpft werden. Dies würde die Notenbanken noch schneller an ein unkontrollierbares Inflationsszenario heranführen.

Fazit und Ausblick

Das immer wieder vorgebrachte Mantra: „Der Markt handelt die Zukunft“ ist erwiesener Maßen Quatsch. Hätten die Märkte im Spätsommer letzten Jahres neben der sich damals unerwartet zuspitzenden Handels-Fehde zwischen den USA und China bereits erahnt, was zum Jahresauftakt 2020 mit dem Coronavirus noch auf die Weltwirtschaft zukommt, wären viele Marktteilnehmer vielleicht nicht so in Vorfreude einer Lösung des Handelsstreits in Euphorie verfallen. Wer kann also absehen, was in drei oder sechs Monaten passiert. Zumal die Weltwirtschaft bereits vor der Virus-Epidemie signifikante Dynamikverluste verzeichnete und die Schulden weiter fröhlich explodierten.

Vielleicht sollten sich die Marktteilnehmer nicht allzu unbekümmert auf die Zukunft freuen und auf eine V-förmige Erholung der Konjunktur, wie sie ja bereits für die Zeit nach einem Deal im Handelskrieg fest eingepreist wird. Wie hieß es in dem Film Forrest Gump mit Tom Hanks so treffen: „Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen, man weiß nie, was man bekommt. “. Und so könnte das Coronavirus für die Märkte noch so manche Überraschung bereithalten. In diesem Sinne sollte man weiterhin auf alles vorbereitet sein. Auch darauf, dass die ökonomischen Spätfolgen durch das Coronavirus noch für längere Zeit spürbar bleiben werden.

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Berliner Mietendeckel: ifo beschreibt die wohl logische desaströse Folge!

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Berliner Mietendeckel und die Folgen - Berlin Innenstadt Foto

Die Intention bei einer staatlichen Verzerrung von am Markt gebildeten Preisen ist natürlich in der Regel gut. Man will einfach etwas Gutes tun, schaut aber nur auf die direkte sofortige Auswirkung. Aber man achtet nicht auf die mittel- und langfristigen Folgewirkungen, welche die eigentlichen positiven Effekte zu Nichte machen. Am Ende, so möchten wir anmerken, gibt es immer katastrophale Folgen, wenn der Staat den freien Preisbildungsprozess beeinflussen will. So auch beim Berliner Mietendeckel.

Bevor wir zur aktuellen Lage und Analyse in Berlin kommen, schweifen wir noch kurz ab in die Schweiz. Da versuchte die Notenbank jahrelang durch massives Dagegenhalten den Schweizer Franken auf Aufwerten zu hindern. Jahrelang war Euro gegen Franken bei 1,20 eingefroren. Dann, völlig überasschend, sahen die Notenbanker Anfang 2015, dass sie diese Einfrierung so nicht aufrechterhalten konnten. Die Verzerrung wurde aufgehoben, der Markt konnte wieder frei agieren. Und siehe da, der Schweizer Franken explodierte. Ein Desaster für sehr viele Anleger, und ein Desaster für die Schweiz, weil alle ausländischen Käufe Schweizer Produkte sich schlagartig extrem verteuerten. Auch Urlaub in der Schweiz wurde über Nacht deutlich teurer.

Aber nun zurück zur Marktverzerrung in Berlin, zum Berliner Mietendeckel, der laut der dortigen Stadtverwaltung und Politik (rot-rot-grün) für alle Mieter und Mietsuchenden natürlich nur Vorteile bringen wird. Denn wie gesagt, man will ja etwas Gutes tun! Das Münchner ifo-Institut hat zusammen mit dem Portal „Immowelt“ die Berliner Mietpreise analysiert. Zunächst die noch relativ naheliegenden sofortigen Folgen. Zitat ifo:

Bereits die Ankündigung des Mietendeckels hat die Vermieter in Berlin beeinflusst: Seit Juni 2019 steigen die Mieten von regulierten Wohnungen langsamer als in den übrigen 13 deutschen Städten mit mehr als 500.000 Einwohnern. Bei nicht regulierten Wohnungen (Neubauten ab 2014) stiegen die Mieten hingegen schneller als in den anderen deutschen Großstädten.

Aber wie werden die Vermieter im größeren Bild gesehen auf den Berliner Mietendeckel reagieren? ifo hat da eine klare Meinung, was passieren wird (was wir für eine durchaus logische Folgewirkung halten, wenn der Markt derart verzerrt wird). Zitat ifo:

„Unsere Ergebnisse legen den Schluss nahe, dass die Eigentümer der regulierten Mietwohnungen einen Teil ihrer Mieteinnahmen verlieren. Man kann damit rechnen, dass freiwerdende Wohnungen vielfach dem Mietmarkt entzogen und als Eigentumswohnungen verkauft werden. Neben den Vermietern sind auch Wohnungssuchende in Berlin die Verlierer des Mietendeckels“, sagt Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts.

Frage: Entziehen sich die Vermieter tatsächlich in großem Umfang dem Berliner Mietendeckel, in dem sie Mietwohnungen umwandeln und als Eigentum zum Verkauf stellen… muss die rot-rot-grüne Regierung dann zwecks Aufrechterhaltung des Gesamtvorhabens die nächste staatliche Verzerrung erzeugen, in dem man die Neuumwandlung von Mietwohnungen in Eigentumswohnungen verbietet? Schöne neue Planwirtschaft in Berlin, möchten wir dazu sagen.

Und weiter heißt es von ifo im Wortlaut:

Die Schere am Berliner Immobilienmarkt geht damit weiter auseinander: Neubauten, die häufig in bevorzugten Lagen zu finden sind, werden immer teurer. Der Bestand entwickelt sich preislich schwächer. Dadurch sinkt der Anreiz, in die Aufwertung von Bestandsimmobilien zu investieren.

„Die beobachteten Auswirkungen des Berliner Mietendeckels werden mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht den gewünschten Entlastungseffekt haben, sondern das Auseinanderdriften am Wohnungsmarkt weiter verschärfen“, sagt Cai-Nicolas Ziegler, CEO der Immowelt AG. „Das zeigt das deutlich stärker steigende Mietpreisniveau bei nicht regulierten Neubauten. Eine solche Entwicklung kann für eine Stadtgesellschaft nicht gut sein und widerspricht dem eigentlichen Zweck des Gesetzes. Statt in das Eigentumsrecht von zumeist privaten Vermietern einzugreifen und Investitionen in die Wohnungswirtschaft zu hemmen, sollte die Politik sich darauf konzentrieren, geförderten Wohnraum zu schaffen, wo er gebraucht wird.“

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Unternehmensschulden erreichen weltweit neuen Rekordstand

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Weltweite Unternehmensschulden laut OECD auf Rekordniveau

Die in Form von Anleihen verbrieften weltweiten Unternehmensschulden haben ein neues Rekordhoch erreicht. Warum die OECD die Alarmglocken läutet?

Unternehmensschulden erreichen ein nie da gewesenes Niveau

Ein weiterer Beweis dafür, dass die Finanzkrise nie aufhörte zu existieren, kann man u. a. an dem Stand der weltweit verbrieften Unternehmensschulden erkennen. Gemäß den jüngsten Daten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) haben sich die Anleiheschulden der Unternehmen seit dem Jahr 2008 bis zum Ende des Jahres 2019 auf 13,5 Billionen US-Dollar verdoppelt. Die OECD sieht in diesem Zusammenhang gleich mehrere Entwicklungen problematisch und warnt u. a. vor dem anhaltenden Rückgang der Qualität der im vergangenen Jahr verbrieften Unternehmensschulden. Über die Hälfte der neu ausgegebenen Anleihen sind mit „BBB“ geratet und erfüllen nur noch knapp den Status „Investment Grade“. Sollte es zu einer weiteren Eintrübung der Konjunktur kommen, bestünde die Gefahr massenhafter Qualitätsabstufungen in den „Ramsch“-Bereich. Dies würde es vielen institutionellen Käufern dieser Schuldpapiere verunmöglichen, die Anleihen der betroffenen Unternehmen weiterhin zu erwerben oder in ihren Beständen zu halten.

Die in ihrer Bonität herabgestuften Unternehmen hätten dann kaum alternative Finanzierungsquellen und müssten deutlich höhere Kreditkosten in Kauf nehmen. Beide Effekte erhöhen wiederum die Ausfallwahrscheinlichkeit der Anleihen weiter und können zu einem gefährlichen Dominoeffekt führen. Die OECD weist daher auf das Risiko hin, dass ein künftiger Abschwung zu deutlich höheren Ausfallraten führen kann als in früheren Kreditzyklen. So waren in den Jahren 2000 bis 2007 am Kapitalmarkt aufgenommene Unternehmensschulden nur zu 39 Prozent mit dem schlechten Rating „BBB“ bewertet.

Besorgniserregend ist auch die Geschwindigkeit, mit der sich die Unternehmen weltweit in neue Schulden stürzen: Seit dem Jahr 2010 gewinnt die Schuldenaufnahme an Dynamik. Im vergangenen Jahr haben Firmen außerhalb des Finanzsektors neue Verbindlichkeiten in Höhe von 2,1 Billionen US-Dollar aufgebaut. Dieses Volumen entspricht dem bisherigen Rekord aus dem Jahre 2016 – mit einem Unterschied: Damals wuchs die Weltwirtschaft noch mit einer Jahresrate von 3,2 Prozent, im Jahr 2019 waren es nur knapp 3 Prozent. Für das laufende Jahr wird hingegen, je nach Schätzung, nur noch mit einem Wachstum von 2,3 bis 2,8 Prozent gerechnet, einhergehend mit einem neuen Rekord bei den Unternehmensschulden. Der Trend hin zu immer weniger Wachstum, das durch immer höhere Schulden erkauft wird, setzt sich damit fort. Besonders stark explodierten die Unternehmensschulden seit dem Jahr 2018 in den Schwellenländern. Auch dieser Trend dürfte sich in diesem Jahr fortsetzen, da gerade in China, das nach wie vor als Schwellenland geführt wird, immer mehr Unternehmen nur noch dank massiver Ausweitung ihrer Verbindlichkeiten zahlungsfähig bleiben. Die Coronavirus-Epidemie wird diese Entwicklung zusätzlich verstärken.

Die Gründe für die Emissionsflut bei Unternehmensanleihen

Positiv zu werten ist, dass die weltweit sinkenden Kapitalmarktzinsen die Kreditkosten in den letzten Jahren massiv gesenkt haben. Dadurch ist es für Unternehmen attraktiver geworden, sich direkt am Kapitalmarkt durch die Ausgabe von Anleihen zu refinanzieren, anstatt teurere Bankkredit in Anspruch nehmen zu müssen. So fanden im Zuge der sinkenden Kapitalmarktzinsen in den letzten Jahren in hohem Volumen auch Umfinanzierungen statt. Für die Banken bedeutet dies einen Marktanteilsverlust bei Unternehmensfinanzierungen. Banken, die über kein eigenes Anleihegeschäft verfügen, leiden besonders unter diesem Trend.

Bitte klicken Sie hier um Teil 2 des Artikels zu lesen
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