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Italien: Wirtschaftsminister verspricht Geschenke für alle – aber wer zahlt´s?

„Die Tatsache, dass wir Deutschen den Zweiten Weltkrieg gewonnen haben, verdanken wir dem Amerikaner. Seitdem zahlen wir. Wir zahlen alles“. Auch Italien..

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Die neue italienische Regierung will ein Wunder schaffen – nämlich ihre überaus großzügigen Wahlversprechen einzuhalten und gleichzeitig das Defizit unter der 2%-Marke zu halten. Italiens (parteiloser) Wirtschaftsminister Giovanni Tria gilt als eher moderater Vertreter der Koaltion aus Lega und Cinque Stelle, er will das Defizit eigentlich bei 1,5% des BIP halten – sieht sich aber Forderungenn vor allem der Cinque Stelle gegenüber, die das Defizit bei 2% bzw. 2,5% veranlagen wollen. Alles unter der 2%-Defizit-Marke wäre wohl für die Finanzmärkte gut ertragbar – alles über 2%, wie von Di Maio von der Cinque Stelle gefordert, eher nicht.

Die italienische „La Stampa“ berichtet heute, dass Cinque Stelle ein Veto gegen das Budget einlegen könnte, wenn die Grundforderungen der Partei nicht erfüllt werden – so etwa das bedingungslose Grundeinkommen, das ein zentraler Punkt des Wahlprogramms der eher in Süditalien erfolgreichen Partei darstellt.

Schon um die Koalition nicht platzen zu lassen, hat heute Tria in einer Rede alle Forderungen der Cinque Stelle übernommen:

– es werde ein Bürgergeld (bedingungsloses Grundeinkommen) geben in dem morgen vorgelegten Budget

– die Steuern für Unternehmen würden ab 2019 gesenkt

– die Einkommenssteuer werde dann in den Folgejahren gesenkt

– das Renteneintrittsalter müsse gesenkt werden

– die staatlichen Investitionen würden in den nächsten Jahren auf 3% des BIP erhöht werden (eine Reaktion auch auf den katastrophalen Zustand der Infrastuktur in Italien, sichtbar in dem Einsturz der Autobahnbrücke in Genua)

Insgesamt also: Steuern runter, Ausgaben rauf. Aber wie soll das eigentlich funktionieren? Derzeit hat Italien eine Schuldenquote von 130% des BIP – und hat das Glück, dass die EZB unter Mario Draghi die Refinanzierbarkeit dieser Schulden großzügig gewährleistet hat. Aber auch die Geduld der europäischen Notenbank scheint ein Ende zu haben – so hat heute EZB-Chefvolkswirt Praet recht undiplomatisch davon gesprochen, dass er einen großen Unterschied sehe zwischen Kommunikation/Worten und Taten bei der italienischen Regierung. Bums!

Nun aber ist Italiens neue Regierung in dem Dilemma, dass sie entweder liefert, was sie großzügig versprochen hat – oder eben Wort-brüchig wird, wenn diese Versprechen nicht finanzierbar sind. Wird Italien also sowohl die EZB als auch vor allem Deutschland brüskieren?

Sollte Italien aus dem Euro ausscheiden (was Stimmen in der italienischen Koalition schon länger fordern), müßte es – so hat es Draghi vor einigen Monaten klar formuliert – die Target2-Defizite bezahlen. Aber mit was? Mit Lira? Deutschland jedenfalls ist am Verwundbarsten bei einem ja durchaus möglichen Ausscheiden der Italiener aus dem Euro aufgrund seiner massiven target2-Überschüsse – und bliebe dann sehr wahrscheinlich auf eben diesen Forderungen sitzen.

 

(Grafik: Banca d´Italia; durch anklicken vergrößern)

 

Und so wollen wir abschließend Gerhard Polt zitieren aus seinem Stück „Und wer zahlt´s?“:

„Die Tatsache, dass wir Deutschen den Zweiten Weltkrieg gewonnen haben, verdanken wir meiner Meinung nach eindeutig dem Amerikaner. Aber der Amerikaner sagt: ‚I don’t pay!‘ Seitdem zahlen wir. Wir zahlen alles. Die Albaner zahlen wir, damit sie unten bleiben. Wenn sie nach oben kommen, zahlen wir, dass sie wieder nach unten gehen. Brennt in Thailand ein Puff, wir zahlen’s.“

Da zahlen wir doch lieber für Italien, oder?


Von Petar Milošević – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=38860057

14 Kommentare

14 Comments

  1. Avatar

    Ketzerlehrling

    26. September 2018 13:34 at 13:34

    Wer es bezahlt? Die Frage verstehe ich als rein hypothetisch.

    • Avatar

      Ilse

      26. September 2018 14:20 at 14:20

      Vorsichtige Frage, wann hat Deutschland den zweiten Weltkrieg gewonnen??????????

      • Avatar

        Markus Fugmann

        26. September 2018 14:43 at 14:43

        @Ilse, das ist Satire von Gerhard Polt, und zwar tiefsinnige! Polt spielt dabei darauf an, dass (West-)Deutschland mit Geld sich freikaufte dafür, dass es militärisch nicht vorhanden war, aber von den USA geschützt wurde..

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    Columbo

    26. September 2018 14:04 at 14:04

    Italien ist im Prinzip ein reiches Land und es hat Potential nach oben. Ich wäre da nicht so pessimistisch. Die neue Regierung kann es nur besser machen, schlechter als die vorhergehenden geht nicht mehr. Der Staat ist hauptsächlich bei seinen Bürgern verschuldet und die sind vermögender als in vielen anderen Ländern. Wenn Italien die geplanten Reformen durchzieht und damit sind einige Erleichterungen für Klein-unnd Mittelbetriebe gemeint, dann werden andere Euroländer am Zahltag viel größere Probleme haben, als Italien.

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    asisi1

    26. September 2018 14:15 at 14:15

    Deutschland zahlt doch schon alles und die ganze EU Bande will, das es so bleibt.
    Von den fast 1 Billion Euro Target Salden werden wir nie und nimmer auch nur einen Euro sehen, der der das glaubt muss in die Kirche gehen!

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    Max Müller

    26. September 2018 15:30 at 15:30

    Denke die Wahrnehmung über Italien wird bei uns falsch dargestellt. Zwar ist das Land im Vergleich zu uns reich, aber eine Art Lähmung hat sich bereit gemacht. Der Euro tut Italien nicht gut.
    Die Menschen sind sehr unzufrieden, deshalb auch die derzeitige Regierung.
    Italien könnte wirklich kippen und will sich nicht dem Diktat von Merkel oder der EU unterwerfen.
    Ein Gemisch aus 0% Zinspolitik, Flüchtlingen und Ohnmacht sorgt für Unsicherheit..

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      Columbo

      26. September 2018 16:03 at 16:03

      Derzeit kommen 100(hundert) Flüchtlinge am Tag nach Italien, wenn überhaupt.

      • Avatar

        Petikov

        27. September 2018 00:37 at 00:37

        Richtitsch, was kümmert es die deutsche Eiche, wenn das italienische Sozialsystem paar 1000 (tausend) Peitschenhiebe zusätzlich pro Monat verpasst bekommt. Die deutsche Eiche ist ja so moralisch überlegen und steht ja drüber. Sogar die kleinen Eicheln übernehmen gerne Bürgschaften für bedürftige ähhh was auch immer… Und dann fallen sie aus allen Wolken bzw. von allen Ästen, wenn sie feststellen, dass die Bürgschaft wirklich als solche gemeint war. Wer hätte gedacht, dass eine aufgesetzte, heuchlerische und unreflektierte „Solidarität“ was kosten kann. Ja, gespielt ist es ohne Zweifel. Nur leider ist das Ganze schon lange kein Spiel mehr.

        Wer Italiens Geschenke zahlt ist klar… Aber diesmal finde ich es nicht mal unfair. Aber möglicherweise bewegt sich demnächst was… Das merkel erinnert mich aktuell an einen mittelgroßen Meteoriten beim Eintritt in die Atmosphäre: er brennt, raucht, zischt und zerfällt von allen Seiten und aus allen Löchern, aber er hält bis zum Schluss den Kurs.

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    Koch

    26. September 2018 19:04 at 19:04

    oder den salbungsvollen Worten von tm lauschen!An FMW:Keine Antwort vonnöten.Ich klinke mich aus.Kommt eh besser an,als meine Dauerkritik an den Pseudobörsen und dem momentan vorherrschendem System!Ich melde mich vielleicht wieder,wenn das Merkelregime Geschichte ist,also nach dem neoliberalen Endsieg!So long Fellowa!

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      leftutti

      26. September 2018 21:22 at 21:22

      @Koch, auf alle Fälle Antwort vonnöten!
      Sie verkörpern hier das übliche, klassische, archetypische Schema von reaktionären Trollen: Ein bis zwei Tage als Maulheld die Kommentarfunktionen mit haltlosen Ideologien und populistischen Grundsatzdebatten überfluten und sich nach den Antworten darauf als beleidigter Märtyrer zurückziehen. Noch ein letzter Aufruf an die Kollegen „So long Fellowa!“, und schon werden Fritz, Frank, Dieter und andere große Denker die nächsten Tage das Ruder übernehmen.

      Graduell einigermaßen wirksam, aber langweilig, leicht durchschaubar und sehr, sehr überflüssig.

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    G3ckOoo

    26. September 2018 19:37 at 19:37

    Wer zahlts? Ist doch egal. Die 8 reichsten Menschen vielleicht? Die besitzen nämlich soviel wie die ärmere Hälfte der Menschheit.

    Alle 100 jahre bricht das Finanzsystem aufgrund wachsender Ungleichheit zusammen, da die Schuldenlast zu Gusten weniger Reicher von der Gesamtbevölkerung nicht mehr getragen werden kann.

    Der Euro hält den Laden am Laufen. Vollkommen egal ob die Target2 Salden jemals zurück kommen. Wenn die Ungleichheit nicht angegangen wird fliegt der Laden sowieso in die Luft. Am Ende wird nämlich durch einen Kollaps nur wieder Vermögen und Schulden gleichermaßen getilgt.

    Aufgrund dieser Probleme sieht man auch den Rechtsruck in der Welt. Auch alle anderen Dinge lassen sich ableiten, wie zB Immobilienenblase, Aktien, Flüchtlingsströme, Sozialstaatabbau,…

    https://youtu.be/SSBqeOLs_ds

    • Avatar

      Michael

      27. September 2018 00:41 at 00:41

      @G3ckOoo, nur ein paar rhetorische Fragen:
      Alle 100 jahre bricht das Finanzsystem aufgrund wachsender Ungleichheit zusammen
      Auf wie vielen Jahrhunderten basiert diese Aussage?
      Was meinen Sie mit „Finanzsystem“?
      Gab es um 1820, 1720, 1620 … 1020 bereits Zusammenbrüche des Finanzsystems oder ein Finanzsystem an sich?

      Oder meinen Sie vielleicht lediglich die Ungleichverteilung von Reichtum, Macht und Herrschaft?
      Die ist allerdings noch nie zusammengebrochen, die erweist sich als ein stabiles Naturgesetz menschlicher Gesellschaften. Hier gab es lediglich Verschiebungen von allein herrschenden Monarchen zum Adel, vom Adel zu bürgerlichen Kaufleuten, von den Kaufleuten zu kapitalistischen Gesellschaften bis hin zum derzeitigen globalen Aktien-, Banken- und Börsenwahnsinn.

      Auch vor 3000 Jahren besaßen die reichsten 8 Menschen bereits soviel wie die ärmere Hälfte der Menschheit, wenn nicht mehr. Ebenso zu Zeiten der Bibelüberlieferung, danach im Mittelalter, weiter zu Zeiten der Renaissance, im Barock Ludwigs XIV. und den folgenden Epochen war es nicht viel anders.
      Keine Revolutionen und die daraus hervorgegangenen Heilande, weder Napoleon, Kaiser Fritz und Willi, noch das dümmste brüllende Schwein der deutschen Geschichte konnten dieses Naturgesetz jemals widerlegen.
      Heute sind lediglich die Machtverhältnisse unvergleichlich perfider und verschlungener, die Kommunikationswege komplizierter und verfilzter geworden. Der Bürger (weißer Hautfarbe) darf ein- bis drei Mal pro Jahr per Schulden in Urlaub reisen und sich alle zwei, drei Jahre am neuesten (abgasmanipulierten) SUV aufgeilen.

      • Avatar

        Wolfgang M.

        27. September 2018 07:19 at 07:19

        @Michael. Sehr guter Kommentar, Ich frage mich schon seit Jahren, wie behauptet werden kann, dass es in der Vermögensverteilung in früheren Zeiten einmal anders gewesen sein soll. Denken wir nur an den Adel, der sich über Jahrhunderte seinen „Zehnten“ einkassierte, während das Volk bei regelmäßig auftretenden Missernten verhungerte.
        Der Kollaps von Währungen und Geldsystemen ist doch schon ein finanz-mathematisches Grundthema. Nehmen wir einfach einmal an, Vermögen und Schulden wüchsen um 7% per annum, das ergäbe dann eine Verdoppelung alle 10 Jahre. Welcher Betrag käme dann bereits in hundert Jahren zustande? Klar ist dies ein hoher Zinssatz, aber es ist schon etwas dran, wenn Albert Einstein sagte, für ihn sei der Zinseszinseffekt einer der stärksten Kröfte im Universum – und dies gilt für Vermögen und reziprok auch für Schulden.
        Gruß

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Türkische Lira fällt immer weiter – momentan ein doppeltes Problem!

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Türkei Flagge

Die türkische Lira fällt derzeit immer weiter, und weiter, und weiter. Mit 6,11 Lira für 1 US-Dollar erreicht die Lira aktuell den niedrigsten Stand seit Mai 2019. Zum Jahresanfang 2020 lag der Wechselkurs von USDTRY noch bei 5,95. Was ist da los?

Türkische Lira fällt wegen Zinssenkung der Zentralbank

Am Mittwoch hatte die türkische Zentralbank den Leitzins weiter gesenkt, von 24% im letzten Jahr auf jetzt nur noch 10,75%. Aktuell war es eine Senkung um weitere 50 Basispunkte! Da die Inflationsrate in der Türkei derzeit bei 12,15% liegt, ist der Abstand zum Zins somit noch größer geworden, und Anlagen von ausländischen Investoren werden noch weniger attraktiv. Aber der Fairness halber muss man erwähnen, dass die Rendite zehnjähriger türkischer Staatsanleihen aktuell bei 12,26% liegt, also auf dem Niveau der Inflationsrate. Vor drei Wochen lag die Rendite noch bei 10,1%. Wie auch immer. Die Zinssenkung der Zentralbank schwächt die türkische Lira. Und hält man sich an die Aussagen und an die Wünsche von Präsident Erdogan aus dem letzten Jahr, soll der Leitzins ja noch in den einstelligen Bereich fallen.

Starker US-Dollar

Im folgenden Chart sieht man seit dem 10. Februar den Verlauf des Dollar-Index in rot-grün (Währungskorb des US-Dollar gegen andere Hauptwährungen). In blau sieht man den Verlauf von US-Dollar gegen die türkische Lira. Man sieht den parallelen Anstieg. Der Dollar drückt gegen alles. Und relativ anfällige Gegenspieler wie die türkische Lira haben relativ wenig Kraft sich dagegen zu stemmen. Zwar gab es zumindest Anfang des Jahres offenkundig Interventionen durch staatlich regulierte Banken in der Türkei, um die Lira am Abwerten zu hindern. Sollte es derzeit auch solche Versuche geben, so scheint der Markt derzeit stärker zu sein.

Und schau an. Aktuelle Berichte zeigen, dass staatliche Banken auch diese Woche 800 Millionen US-Dollar verkauft und damit die türkische Lira gekauft haben, um sie zu stützen. Vergebens! Angeblich soll die Lira-Schwäche auch verursacht sein durch die derzeit zunehmenden Spannungen zwischen der Türkei und Syrien – aber herje, diese Spannungen gibt es schon seit Jahren, und mal sollen sie die Lira beeinflussen, dann monatelang mal wieder gar nicht? Aber das ist wohl Ansichtssache, was nun wirklich die Masse der Trader dazu bewegt gegen die Lira zu wetten. Ähnlich wie beim aktuellen Aufwärtstrend bei Gold dürfte wohl auch eine gehörige Portion reine Spekulation gegen die Lira der Grund dafür sein, dass sie weiter abwertet. Die Hausse nährt die Hausse, und die Baisse nährt die Baisse?

US-Dollar Index im Vergleich zu US-Dollar vs Türkische Lira

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Schweizer Franken: Ist er wirklich noch der sichere Hafen?

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So hoch wie die Berge in der Schweiz sind, so sicher war auch der Schweizer Franken und das Bankgeheimnis. Diese Zeiten sind spätestens seit 8 Jahren vorbei, als die Schweiz von den USA gezwungen worden war, Bankdaten frei zu geben. Auch die DVD-Übereignungen zur Ermittlung von vermeintlichen deutschen Steuerhinterziehern haben der Schweiz den Charme des unabhängigen und sicheren Landes genommen. Ganz im Gegenteil. Wenn ein Geheimnis nicht mehr sicher war, dann war es in der Schweiz. Schade, dass solche Bastionen aufgegeben werden..

Die Schweiz arbeitet am Image

Die allgemeine USD-Stärke ist auch an dem Schweizer Franken nicht vorbeigegangen. Der US-Dollar ist gewissermaßen mit der nationalistischen Politik von Donald Trump stark geworden (die Dollar-Stärke ist dem US-Präsidenten gleichwohl ein Dorn im Auge). Würde diese Art von Politik  in Deutschland gemacht, dann wäre man politisch gesehen schon rechter als die AFD.

Die Schweiz lebt aber auch von ihrem Bankenwesen – und der Schaden von damals war immens. Dies macht sich auch in den Charts bemerkbar. Singapur, die Mongolei und Miramar haben der Schweiz inzwischen den Rang abgelaufen. Die Schweizer sind aber auch für Ihre Besonnenheit und Ruhe bekannt – und die Schweizer Politik bemüht sich erkennbar um Ruhe, um die damaligen Turbulenzen etwa um die Aufhebung der Euro-Franken-Bindung vergessen zu lassen.

Auch das weltweite Null-Zinsniveau ist eine echte Herausforderung für die Schweiz geworden. Die allgemeinen Traditionen, die an den Universitäten gelehrt wurden, sind allesamt recycelt worden und es gibt eine neue wirtschaftliche Ordnung. Dass diese neuen Weisheiten schon altbekannt sind, fällt nur den wenigsten auf. Man kommt wieder zum Nationalbewusstsein zurück und verlässt den Zentralismus.

Europa dagegen zerfällt in zunehmendem Maße – und die Erkenntnis, dass Zentralismus wie in Frankreich geschichtlich noch nie besonders effektiv war, kommt langsam in die klugen Köpfe unserer Politiker. Kleine Einheiten waren schon immer die Stärksten.

Dennoch ist die Supermacht USA aktuell scheinbar nicht mehr aufzuhalten – und somit auch der US-Dollar. Das hat bei Dollar-Franken seine Spuren hinterlassen – und kommt den Eidgenossen gar nicht so ungelegen: Die Schweiz braucht für ihren Fremdentourismus, das zweite große Standbein neben dem Bankenwesen, einenen schwächeren Franken. Aktuell aber ist der US-Dollar vs Schweizer Franken technisch deutlich überkauft.

US-Dollar gegen Schweizer Franken: Aufwärtstrend noch nicht abgeschlossen

Auch ein langfristiger Aufwärtstrend benötigt kurze Zeit zum Durchatmen in Gestalt von Rücksetzern. Der Kurs konsolidiert gewissermaßen im Basislager auf einem etwas niedrigerem Niveau und kann dann später wieder Anlauf auf größere Höhen wagen. Aus technischer Sicht ist US-Dollar gegen den Schweizer Franken aktuell absolut überkauft und zeigt auch schon die ersten Verkaufssignale (rote Kreise, siehe Chart unten) an.

Häufig erfolgen in solchen Situationen keine Gegenreaktionen, sondern nur Seitwärtsbewegungen. Das erlaubt es oft den Händlern, sich mit einem kleinen Gewinn zu verabschieden. Momentan sollte aber von einer Reaktion auf der Unterseite ausgegangen werden. Die ersten Unterstützungen sind auf dem Level von 0,9783 und 0,9743 zu finden. Eine kleine Korrektur bis in diese Bereiche wäre nur gesund. Spätestens dann sollte die Lage neu betrachtet werden.

Langfristig ist der Trend noch nicht abgeschlossen und wir befinden uns wahrscheinlich nur kurz vor einer kleinen Gegenreaktion. Die Schweiz wird noch wenig an Zeit benötigen, bis sie wieder ihr altes Image in einem neuen Glanz wiedererlangt. Vielleicht wird es nicht mehr der Schweizer Franken, sondern eine Krypto-Währung sein, die dem neutralen „Mittelpunkt von Europa“ wieder ein positives Image verleiht. Verdient hätte es die Schweiz.

Der Schweizer Franken ist gegenüber dem US-Dollar unter Druck

Die hier gezeigten Analysen stellen keine Anlageberatung dar und sind daher auch keine Empfehlung zum Kauf bzw. zum Verkauf eines Wertpapiers, eines Terminkontraktes oder eines sonstigen Finanzinstrumentes. Die Wertentwicklung der Vergangenheit bietet keine Gewähr für künftige Ergebnisse. Die bereitgestellten Analysen sind ausschließlich zur Information bestimmt und können ein individuelles Beratungsgespräch nicht ersetzen. Eine Haftung für mittelbare und unmittelbare Folgen aus diesen Vorschlägen ist somit ausgeschlossen.

 

Der Schweizer Franken - wirklich noc ein sicherer Hafen?

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Euro vs US-Dollar: Die Lage spitzt sich zu – was geschieht jetzt?

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Beispielfoto für einen 100 Euro Schein

Wenn man den mittelfristigen Chart bei Euro gegen den US-Dollar (siehe unten) betrachtet, wird deutlich, dass der Kurs kurz vor der nächsten wichtigen Entscheidung steht. Da aber der Abwärtstrend schon so lange andauert und die Gemeinschaftswährung praktisch seit Anfang Februar nur fällt, trauen sich auf dem aktuellen Niveau immer weniger Händler, jetzt noch die Unterseite zu traden. EUR/USD hat in den letzten Wochen über 300 Punkte verloren, ohne dass es dazwischen eine Gegenreaktion gegeben hat. Solche Situation beobachtet man am Forex-Markt auch nicht sehr häufig. Ein Rebound ist längst überfällig, trotzdem verliert der Euro gegen den Greenback weiter an Wert. Einer der Gründe dafür sind die stabilen Wirtschaftsdaten aus den USA. Aber auch die zunehmenden Sorgen, die mit dem Coronavirus einhergehen, tragen dazu bei, dass immer mehr Investoren den US-Dollar als einen „sicheren Hafen“ betrachten.

Gestern zum Beispiel wurde wieder der Philadelphia Fed Index für den Februar aus den USA veröffentlicht. Die Zahlen sind erneut viel besser ausgefallen als erwartet (36,7, prognostiziert wurden nur 12,0). Es war interessant zu beobachten, dass diese starken News kaum noch einen Einfluss auf den Euro hatten. Das zeigt, dass die Luft bei EUR/USD auf der Unterseite langsam dünn wird und auf dem Level unter 1,0790 momentan wenig Short-Orders sitzen. Die Händler rechnen immer mehr mit einem Rebound, der sicherlich bald erfolgen wird.

Euro vs Dollar vor dem Wochenabschluss

Es war in den letzten 24 Stunden nicht leicht, den Euro gegen den US-Dollar zu handeln. Der Kurs bewegte sich nur seitwärts und die Volatilität hat gänzlich gefehlt. Eine langweilige Situation, die jeden Händler auf die Probe stellen kann. Es gibt aber auch ein wenig Hoffnung. Der Kurs hat unter der Marke von 1,0800 einen Boden gebildet, der heute, zum Wochenabschluss, von großer Bedeutung sein kann. Die asiatischen Märkte in der Nacht haben gemischt performt. Das hat ebenfalls für einen ruhigen Kursverlauf bei Euro vs. USD, und den anderen Majors gesorgt.

Da der Euro in den letzten Tagen Federn lassen musste, stellt sich die Frage, ob es heute zu einer Erholung kommen kann. Viele Short-Trader werden sicherlich ihre Positionen am Freitag glattstellen, um die Handelswoche mit einer positiven Performance abzuschließen. Das kann den Euro ein wenig entlasten. Die endgültige Entscheidung wird aber an dem letzten Tief bei ca. 1,0781 fallen. Dieser Bereich gilt aktuell als das Maß aller Dinge. Sollte die signifikante Unterstützung in den nächsten Stunden halten, wird eine Gegenreaktion auf der Oberseite immer wahrscheinlicher.

Es ist auch ein gutes Niveau, um einen Long-Einstieg zu wagen, ohne ein großes Risiko eingehen zu müssen. Man kann den Stop Loss eng unter dem letzten low setzen und auf einen Rebound spekulieren. Wenn es dem Euro vs US-Dollar doch gelingen sollte, über die 1,08 „big figure“ wieder zu klettern, wird sich eine neue Dynamik entwickeln und der Kurs kann noch ein wenig steigen. Als erstes Kursziel kann man den Bereich von 1,0830 sehen. Sollte auch diese Marke brechen, hätte der Major noch Luft bis ca. 1,0855. Ob der Euro aber tatsächlich heute eine leichte Erholung erfahren wird, wird ebenfalls von der 1,0801 Marke abhängig sein, denn hier befindet sich der Daily Pivot Point, der ebenfalls eine Hürde für den Major darstellt.

Euro vs US-Dollar im Chartverlauf

Die hier gezeigten Analysen stellen keine Anlageberatung dar und sind daher auch keine Empfehlung zum Kauf bzw. zum Verkauf eines Wertpapiers, eines Terminkontraktes oder eines sonstigen Finanzinstrumentes. Die Wertentwicklung der Vergangenheit bietet keine Gewähr für künftige Ergebnisse. Die bereitgestellten Analysen sind ausschließlich zur Information bestimmt und können ein individuelles Beratungsgespräch nicht ersetzen. Eine Haftung für mittelbare und unmittelbare Folgen aus diesen Vorschlägen ist somit ausgeschlossen.

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