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Italienische Aktien: Nachholbedarf oder immer noch zu teuer? November entscheidender Monat!

FMW-Redaktion

Das ist die große Frage: Italienische Aktien sind in den letzten Monaten ziemlich mies gelaufen im Vergleich zu Rest-Europa. Haben sie daher aktuell Nachholbedarf und steigen an, oder sind sie immer noch zu teuer vor dem Hintergrund der schwachen Wirtschaft und der kaputten Banken? Deren Aktien liegen noch immer am Boden, und noch immer ist keine grundsätzliche Rettung in Sicht. Aber jetzt schon geht der Fokus auf den Monat November. Spätestens bis Oktober soll festgelegt werden, wann genau im November das anstehende Referendum zu einer Verfassungsreform durchgeführt wird. Dieses Referendum wird in Italien vor allem als Misstrauensvotum oder Bestätigung für Regierungschef Renzi angesehen.

Der will mit der Reform vor allem den italienischen Senat reformieren oder besser gesagt entmachten. Der Senat als eine von zwei Parlamentskammern soll in ein zweitrangiges Organ umgewandelt werden mit zukünftig 100 statt 315 Mitgliedern. Zukünftig müssten Gesetze nicht mehr aufwendig hin und hergeschoben werden zwischen zwei Kammern – entscheidend wäre zukünftig der Beschluss im Abgeordnetenhaus in Rom. Das würde es Renzi deutlich leichter machen das Land bürokratisch zu entschlacken. So werden auch bereits 3.000 Wahlkampf-Gruppen mit je 5 Personen zusammengestellt, die von Tür zu Tür gehen und die Italiener zu einem JA bewegen sollen. Die Kampagne trägt den einfachen Namen „Basta un sì“ (Es genügt ein Ja).

Verliert Renzi diese Abstimmung, ist das politisch de facto sein Ende. Sein Standing wäre dahin, und er würde wohl zurücktreten. Das wäre alles andere als gut für den labilen italienischen Aktienmarkt. Daher decken sich institutionelle Investoren gerade ein mit Optionen, die vor steigender Volatilität bei italienischen Aktien schützen sollen. Die Preissteigerung bei solchen Optionen mit Laufzeiten bis November ist derzeit auf einem Dreijahreshoch angekommen! Wenn Renzi in den nächsten Wochen keine grundsätzliche Bankenrettung hinbekommt, stellt sich der Markt erst einmal auf dieses wichtige Verfassungsreferendum ein, als ein großes Event, dass die Kurse bewegen dürfte. Denn gerettet wurde jüngst vordergründig nur die kaputte Banca Monte dei Paschi, deren Rettung aber zu guten Teilen von den anderen kaputten Banken mitgetragen werden muss.

Aber die grundsätzliche Frage bleibt bestehen. Haben die italienischen Aktien Nachholbedarf? Ihr Rückstand auf andere europäische Märkte ist wohl eher fundamental untermauert, vor allem durch die mehr als kaputten Banken des Landes. Nach einem Rückfall von 22% des italienischen Aktienindex MIB in diesem Jahr könnte man aber genau so gut argumentieren, dass das erwartete KGV italienischer Aktien jetzt nur noch bei 13 liegt. Eine wacklige Kiste, die da in Italien gerade stattfindet, so meinen wir. Schwierig vorauszusehen, ob der Markt weiterhin deutlich schlechter läuft als der Rest Europas.

Italienische Aktien
Italienische Aktien (MIB40-Index in schwarz) laufen seit Juni deutlich schlechter als deutsche und britische Aktien (Dax + FTSE 100 in blau und orange).



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