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Europa

Konjunktur, Nullzinspolitik und Rezession

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Was hatte man in Deutschland in Wirtschaftskreisen nicht diskutiert und spekuliert, ob die Konjunktur in Deutschland in eine techischen Rezession fällt, also die Wirtschaft in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen schrumpft. Es ist nicht geschehen: auf minus 0,2 Prozent im zweiten Quartal folgte ein Miniplus von 0,1 Prozent beim deutschen BIP. Damit ist sowohl das Szenario einer technischen Rezession als auch das einer großen Rezession im Jahr 2019 vom Tisch. Das bisherige Aktien-Superjahr wird wohl mit einem Konjunkturplus von 0,5 Prozent abschließen. Aber ist damit alles schon wieder „paletti“? Könnte uns nicht eine längere Auseinandersetzung mit dem Wort „Rezession“bevorstehen?

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Konjunktur: Deutschland vor längeren Phase niedrigen Wachstums?

Das Land der Automobilindustrie und des Maschinenbaus steht in den nächsten Jahren vor großen Herausforderungen und Umbrüchen, die stark auf die Konjunktur einwirken: Technologisch mit dem Wandel ins Digitalzeitalter mit dem Problem stetig geringer werdenden Produktivitätswachstums sowie mit den Langzeitfolgen der Niedrigzinspolitik, die nicht nur ein deutsches Problem sind.

All das hat gravierende Folgen, deshalb liefert uns Japan bereits seit Jahren ein Musterbeispiel dafür, was uns bevorstehen könnte, insbesondere durch den demografischen Wandel: Die geburtenstarken Jahrgänge Deutschlands aus den frühen 1960-ern tretenen bald den Ruhestand an. Den Gipfel erklommen hatte der Jahrgang 1964 mit 1,357 Millionen Geburten, schon ab 1965 ging es deutlich abwärts. Zum Vergleich: 2018 hatten wir in Deutschland noch 786.500 Geburten, 10 Jahre zuvor noch einmal 100 000 weniger.

Diese Arbeitskräfte werden nicht nur zunehmend der Wirtschaft fehlen – auch die bereits zur Rente anstehenden Jahrgänge um 1955 zählen noch deutlich über einer Million Menschen – sondern werden durch ihre veränderte Situation auch an den Kapitalmärkten vermisst werden. Sie werden entsparen müssen und damit noch Druck auf die Märkte ausüben.

Was bedeutet das für Konjunktur und dem Kampf gegen Rezession?

Wir haben es bereits in diesem Jahr und auch schon Ende 2018 erlebt. Bereits kleine Abweichungen im Verlauf der Konjunktur führen bei einer schwach verlaufenden Wirtschaft zur Gefahr einer Rezession – als ob ein oder zwei Zehntel einen großen Unterschied in der Gesamtwirtschaft ausmachten. Der Bürger hätte sicher keine Änderung festgestellt, wäre die deutsche Wirtschaft in Q3 um ein Zehntel geschrumpft.

Aber das böse R-Wort (Rezession) hätte die Runde gemacht, in Funk und Fernsehen, im In- und Ausland. Mit Reaktionen an den Börsen und vor allem mit Reaktionen in den Unternehmen. Wirtschaft ist zu einem Großteil Psychologie, das wusste schon der Vater der sozialen Marktwirtschaft, Ludwig Erhard. Und wenn sich die Wirtschaftssubjekte auf eine Rezession einstellen, würde durch vorsorgliche (Kauf-)Zurückhaltung eine „Self Fulfilling Prophecy“ eintreten.

Genau in solche Situationen könnten wir in nächster öfters Zeit gelangen, darauf hat Professor Straubhaar in einer Kolumne in der gestrigen Ausgabe der „Welt“ hingewiesen: „Schafft die Debatte über Rezession ab!“ Bei einem so niedrigen Wachstum wie derzeit führt schon eine kalendarische Besonderheit zur Verzerrung. Das Jahr 2020 hat durch die Konstellation von Feiertagen mehr Arbeitstage als 2019, so dass das Wachstum selbst bei sonstiger Stagnation um 0,4 Prozent höher ausfallen wird als in diesem Jahr. Der Effekt dürfte dann 2021 wieder ins Gegenteilige umschlagen: in diesem Fall hätten wir bei gleicher Wirtschaftslage Rezession.

In diesem Zusammenhang ging Straubhaar auf die unselige Rolle der Notenbanken ein, die durch ihre Zinspolitik ein Steuerungselement der Marktwirtschaft zerstört hätten: nämlich das natürliche Wechselspiel von Angebot und Nachfrage, welches zu natürlichen Zyklen von Auf- und Abschwung führt. Damit wären wir wieder beim Thema der Nullzinspolitik, die ungewollt zur Zombifizierung von Teilen der Wirtschaft führt.

 

Fazit

Die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank hat zu einer Situation geführt, die stark an Japan erinnert. Niedrige Zinsen, niedrige Produktivität, niedrige Inflation, niedrige Aktienmarktrenditen und demografische Probleme. 30 Jahren nach dem Immobiliencrash in Japan stehen die Aktienmärkte dort immer noch um die 40 Prozent unter ihren damaligen Fantasieständen. Trotz erheblicher staatlicher Stimuli und ewigen Niedrigzinsen.

Und da liegt meiner Meinung nach ein Riesenproblem für eine Volkswirtschaft. Der Zins, wenn er am Markt bestimmt wird, hat entscheidenden Einfluss auf die Wirtschaft und die Aktienmärkte. In Deutschland jedenfalls gibt es seit Jahrzehnten eine direkte Korrelation zwischen den Renditen am Rentenmarkt und denen an den Aktienmärkten. Für die Übernahme von Risiko bekam man bei den Dividendentiteln eine etwas höhere Rendite.

Bei der zu erwartenden Niedrigzinspolitik von Madame Lagarde stünde uns dann eine längere Dürrephase an den Märkten bevor, Aktieneinbruch mit eingeschlossen. Dann wäre auch das Thema Rezession – ja oder nein – ein Dauerthema. Vielleicht hat das von mir beschriebene Szenario auch schon begonnen. Der Dax stand im April 2015, also vor über viereinhalb Jahren auch schon bei 12390 Punkten, nicht sehr viel tiefer als heute. Damals gab es aber noch Zinsen am lang laufenden Rentenmarkt. Und heute?

Die Konjunktur in Deutschland im Umfeld von Nullzinsen und Demografie

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    sabine

    21. November 2019 10:52 at 10:52

    Dexit?

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Europa

ifo Index mit zweitem Rückgang in Folge – Lage ok, Erwartungen schwächer

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Soeben hat das ifo Institut den ifo Index für November veröffentlicht:

– ifo Geschäftsklimaindex 90,7 (Prognose war 90,1; Vormonat Oktober war 92,7) – das ist der zweite Rückgang in Folge nach zuvor fünf Monaten Anstieg in Folge

– aktuelle Lage 90,0 (Prognose war 87,0; Vormonat war 90,3)

– Erwartungen: 91,5 (Prognose war 93,5; Vormonat war 95,0)

Dazu Wohlrabe von ifo: Dienstleistungssektor spürbar schwächer, Industrie hat sich Abwärtsentwicklung entgegen gestemmt, Handel schwächer

Hier die Pressemitteilung des ifo:

„Die Stimmung in den deutschen Chefetagen hat sich verschlechtert. Der ifo Geschäftsklimaindex ist im November auf 90,7 Punkte gesunken, nach 92,5 Punkten im Oktober. Der Rückgang war vor allem auf deutlich pessimistischere Erwartungen der Unternehmen zurückzuführen. Auch ihre aktuelle Lage bewerteten sie etwas weniger gut. Die Geschäftsunsicherheit ist gestiegen. Die zweite Corona-Welle hat die Erholung der deutschen Wirtschaft unterbrochen.

Das Verarbeitende Gewerbe ist der Lichtblick in diesem Monat. Das Geschäftsklima hat sich verbessert. Die Unternehmen beurteilten ihre aktuelle Lage deutlich besser. Die Auftragseingänge stiegen, wenn auch langsamer als im Vormonat. Der Ausblick auf die kommenden Monate fiel jedoch merklich weniger optimistisch aus.

Im Dienstleistungssektor hat der Geschäftsklimaindikator merklich nachgegeben. Er liegt erstmals seit dem Juni wieder im negativen Bereich. Die zuletzt gute Lageeinschätzung hat sich deutlich eingetrübt. Zudem blicken erheblich mehr Unternehmen pessimistisch auf die kommenden Monate. Die Indikatoren im Bereich Hotels und Gastgewerbe sind regelrecht abgestürzt.

Im Handel hat sich das Geschäftsklima verschlechtert. Die Unternehmen waren mit ihrer aktuellen Lage weniger zufrieden. Auch die Erwartungen trübten sich merklich ein. Insbesondere die Einzelhändler berichteten von deutlich weniger gut laufenden Geschäften.

Im Bauhauptgewerbe hat der Index leicht nachgegeben. Die Baufirmen bewerteten ihre aktuelle Lage etwas besser als im Vormonat. Ihre Erwartungen hingegen fielen etwas pessimistischer aus.“

Der ifo Index ist das wichtgiste deutsche Konjunkturbarometer

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Europa

Deutsche Wirtschaft: Einkaufsmanager – Lage mau, aber Optimismus wegen Impfstoff

Markus Fugmann

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Soeben wurde der Einkaufsmanagerindex für deutsche Wirtschaft (Markit PMI; erste Veröffentlichung für November) veröffentlicht – einer der zentralen Indikatoren für die deutsche Konjunktur:

Gesamtindex: 52,0 (Prognose war 50,4; Vormonat war ,)

Verarbeitendes Gewerbe: 57,9 (Prognose war 56,5; Vormonat war 58,2)

Dienstleistung: 46,2 (Prognose war 46,3; Vormonat war 49,5)

Kurz zuvor war der Einkaufsmanagerindex aus Frankreich mit 49,1 für Gewerbe (Prognose war 50,1; Vormonat war 51,3) und mit 38,0 für Dienstleistung (Prognose war 37,7; Vormonat war 46,5) veröffentlicht worden.

Zu den Daten aus Deutschland kommentiert Phil Smith von Markit, das die Umfrage ausgeführt hat:

„Wie erwartet wirkten sich die neuerlichen Lockdown-Beschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie negativ auf die deutsche
Wirtschaft aus. Die aktuellen PMI-Vorabschätzungen zeigen, dass der Servicesektor aktuell wieder so tief in der Krise steckt wie im Mai.
Die Widerstandskraft der Industrie, die vor allem von den Exportsteigerungen nach Asien profitierte, bekräftigt uns allerdings in der Annahme, dass ein möglicher Abschwung im vierten Quartal 2020 deutlich schwächer ausfallen dürfte als im ersten Halbjahr. Die positiven Nachrichten um die Entwicklung eines Corona-Impfstoffs verliehen der Stimmung unter den deutschen Unternehmen jedenfalls Auftrieb, von denen viele jetzt auf eine Rückkehr zur Normalität in den nächsten zwölf Monaten hoffen. Dies dürfte auch den jüngsten Daten zum Arbeitsmarkt zu Gute gekommen sein, die zeigen, dass sich die Lage in der Industrie der Stabilisierung weiter angenähert hat und die Beschäftigung im Servicesektor weiter gestiegen
ist.“

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Europa

Verbraucherpreise in Eurozone dritten Monat in Folge in Deflation – Zweiteilung des Kontinents

Claudio Kummerfeld

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am

Geldbörse in der Klemme

Die europäische Statistikagentur Eurostat hat heute die ausführlichen und endgültigen Ergebnisse für die Verbraucherpreise im Oktober veröffentlicht. Mit -0,3 Prozent im Jahresvergleich hängen sie nun den dritten Monat in Folge in der Deflation (Vormonate -0,3 Prozent und -0,2 Prozent). Auffällig bleibt wie in den Vormonaten, dass Osteuropa zu großen Teilen eine Art Deflations-Abwehr darstellt. Wo einige Länder noch nicht den Euro haben, ist Inflation klar erkennbar – oft sogar mehr als deutlich. So hat die Gesamt-EU im Oktober auch einen Wert von +0,3 Prozent hingelegt. Man muss es sich mal vorstellen. Länder wie die Slowakei, Rumänien, Tschechien, Ungarn und Polen liefern Steigerungen der Verbraucherpreise zwischen +1,6 Prozent und 3,8 Prozent (siehe rechter Teil der Grafik).

Grafik zeigt Veränderungen der Verbraucherpreise pro Land

In den Details für die Eurozone sieht man: Die Verbraucherpreise für Lebensmittel legen zu, jetzt mit einer Steigerungsrate von +2,0 Prozent. Die Energiepreise ziehen mit -8,2 Prozent den Schnitt weiterhin kräftig nach unten. Aber auch die Dienstleistungen sind mit schuldig mit nur noch +0,4 Prozent, wo man noch im Juni Steigerungsraten über 1 Prozent sah. Hier schlägt wohl auch die deutsche Mehrwertsteuersenkung zu Buche, die seit Juli in Kraft ist. Aber abwarten. Ab Januar, wenn die Mehrwertsteuersenkung in Deutschland wieder rückgängig gemacht wird, dürften die Verbraucherpreise wieder auf die Null-Linie kommen – auch für die Eurozone?

Grafik zeigt Details der Verbraucherpreise

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