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Kurzarbeit: ifo-Institut mit extrem starker Korrektur seiner Schätzung

Deutlich weniger Menschen in Kurzarbeit als gedacht

Die Kurzarbeit in Deutschland steigt wieder. Aber halt. Da haben wir gleich die Augen verdreht, als wir vorhin die Zahlen des ifo-Instituts gelesen haben. Die Kurzarbeit steigt von Oktober zu November von 1,8 auf 2,0 Millionen Personen. Hähhh? War die Zahl im Oktober nicht dramatisch höher als 1,8 Millionen? Ja richtig. ifo schreibt gleich in seiner Headline-Aussage zur aktuellen November-Schätzung folgendes, Zitat:

Ursprünglich hatte das ifo Institut für Oktober die Zahl auf 3,3 Millionen geschätzt. „Die ifo-Zahlen für Oktober und die vorhergehenden Monate wurden nach unten korrigiert. Der Grund ist, dass die Bundesagentur für Arbeit erstmals die endgültigen Mai-Zahlen veröffentlicht hat und diese mit den ursprünglichen ifo-Schätzungen verglichen werden konnten.

Wie bitte? Mal eben von 3,3 auf 1,8 Millionen korrigiert? Das ist keine Kleinigkeit. Das ist eine ganz andere Hausnummer! Wie kann das renommierte ifo-Institut derart stark daneben gelegen haben bei seiner Schätzung zur Kurzarbeit in den letzten Monaten? War die geschätzte Zahl eher ein Rätselraten, ein Schuss ins Blaue? ifo beschreibt, wie es zu dieser extrem großen Diskrepanz kommen konnte. Wobei sich die Frage stellt, wieso die Umfrage-Experten diese Unausgewogenheit in ihren Umfragen nicht einfach schon vorher abgestellt haben. Wieso hat man nicht schon vor Monaten eine wirklich flächendeckende Umfrage gemacht, die alle Branchen so berücksichtigt, dass wirklich realistische Ergebnisse entstehen? ifo dazu im Wortlaut:

Die Schätzungen beruhen auf der monatlichen Konjunkturumfrage des ifo Instituts unter rund 7.000 Unternehmen. Die ifo-Schätzmethode wurde im Vergleich zu den Vormonaten verändert. Während die ursprüngliche ifo Schätzung vom 2. Juni für Mai 7,3 Millionen Beschäftigte in Kurzarbeit betrug, zeigte die am 30. Juli publizierte erste Hochrechnung der Bundesagentur für Arbeit (BA) für den Mai mit 6,7 Millionen zunächst eine ähnliche Größenordnung. Die BA korrigierte diese Zahlen seitdem jedoch erheblich nach unten. Der endgültige Wert für Mai liegt nun bei 5,7 Millionen Personen.

Für die Industrie liegen die ifo-Schätzungen nur geringfügig über den endgültigen BA-Zahlen. Insbesondere jedoch im Ausbaugewerbe und im Handel waren die ursprünglichen ifo-Zahlen zu hoch. Das Ausbaugewerbe, darunter fallen z.B. Klempnerarbeiten, Fensterbau, Malerarbeiten, Heizung und Lüftung wird nicht von der ifo Konjunkturumfrage abgedeckt. Deshalb schätzte das ifo die Zahl der Kurzarbeiter hier anhand der von der BA veröffentlichten angezeigten Kurzarbeit hinzu. Doch die Unternehmen verwirklichten Kurzarbeit in deutlich geringerem Maße als der Durchschnitt der Firmen im Rest der Wirtschaft.

Beim Einzelhandel sind große Unternehmen mit einem hohen Anteil an den gesamten sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten, speziell Supermärkte und Discounter, in der ifo-Umfrage etwas unterrepräsentiert. Gerade diese Unternehmen mussten nur wenig kurzarbeiten, deshalb ergab die ifo-Hochrechnung spürbar zu hohe Werte.

Beim „Handel mit Kraftfahrzeugen; Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen“ entfällt ein hoher Anteil der Beschäftigten auf die reinen Werkstätten, die vom Lockdown im Frühjahr weniger stark betroffen waren als die Händler, die flächendeckend schließen mussten. In der ifo Konjunkturumfragen sind jedoch vorwiegend Autohändler enthalten, worin ein Großteil des Schätzfehler in diesem Zweig begründet sein dürfte. Überhöhte Schätzungen gab es auch bei den übrigen Dienstleistern, in der Land- und Forstwirtschaft und im Bergbau, da hier das ifo Institut das gleiche Verhältnis zwischen angezeigter Kurzarbeit und realisierter Kurzarbeit wie in den von der Umfrage abgedeckten Zweigen annahm.



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1 Kommentar

  1. Die Aussage zum Ausbaugewerbe kann ich bestätigen, die angedachte Kurzarbeit von 3 Monaten hat im Endeffekt nicht 4 Leute sondern nur 1 Person betroffen.
    Handwerk lief 2020 wie 2019 normal weiter.

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