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Kurzarbeit: ifo-Institut mit extrem starker Korrektur seiner Schätzung

Claudio Kummerfeld

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am

Deutlich weniger Menschen in Kurzarbeit als gedacht

Die Kurzarbeit in Deutschland steigt wieder. Aber halt. Da haben wir gleich die Augen verdreht, als wir vorhin die Zahlen des ifo-Instituts gelesen haben. Die Kurzarbeit steigt von Oktober zu November von 1,8 auf 2,0 Millionen Personen. Hähhh? War die Zahl im Oktober nicht dramatisch höher als 1,8 Millionen? Ja richtig. ifo schreibt gleich in seiner Headline-Aussage zur aktuellen November-Schätzung folgendes, Zitat:

Ursprünglich hatte das ifo Institut für Oktober die Zahl auf 3,3 Millionen geschätzt. „Die ifo-Zahlen für Oktober und die vorhergehenden Monate wurden nach unten korrigiert. Der Grund ist, dass die Bundesagentur für Arbeit erstmals die endgültigen Mai-Zahlen veröffentlicht hat und diese mit den ursprünglichen ifo-Schätzungen verglichen werden konnten.

Wie bitte? Mal eben von 3,3 auf 1,8 Millionen korrigiert? Das ist keine Kleinigkeit. Das ist eine ganz andere Hausnummer! Wie kann das renommierte ifo-Institut derart stark daneben gelegen haben bei seiner Schätzung zur Kurzarbeit in den letzten Monaten? War die geschätzte Zahl eher ein Rätselraten, ein Schuss ins Blaue? ifo beschreibt, wie es zu dieser extrem großen Diskrepanz kommen konnte. Wobei sich die Frage stellt, wieso die Umfrage-Experten diese Unausgewogenheit in ihren Umfragen nicht einfach schon vorher abgestellt haben. Wieso hat man nicht schon vor Monaten eine wirklich flächendeckende Umfrage gemacht, die alle Branchen so berücksichtigt, dass wirklich realistische Ergebnisse entstehen? ifo dazu im Wortlaut:

Die Schätzungen beruhen auf der monatlichen Konjunkturumfrage des ifo Instituts unter rund 7.000 Unternehmen. Die ifo-Schätzmethode wurde im Vergleich zu den Vormonaten verändert. Während die ursprüngliche ifo Schätzung vom 2. Juni für Mai 7,3 Millionen Beschäftigte in Kurzarbeit betrug, zeigte die am 30. Juli publizierte erste Hochrechnung der Bundesagentur für Arbeit (BA) für den Mai mit 6,7 Millionen zunächst eine ähnliche Größenordnung. Die BA korrigierte diese Zahlen seitdem jedoch erheblich nach unten. Der endgültige Wert für Mai liegt nun bei 5,7 Millionen Personen.

Für die Industrie liegen die ifo-Schätzungen nur geringfügig über den endgültigen BA-Zahlen. Insbesondere jedoch im Ausbaugewerbe und im Handel waren die ursprünglichen ifo-Zahlen zu hoch. Das Ausbaugewerbe, darunter fallen z.B. Klempnerarbeiten, Fensterbau, Malerarbeiten, Heizung und Lüftung wird nicht von der ifo Konjunkturumfrage abgedeckt. Deshalb schätzte das ifo die Zahl der Kurzarbeiter hier anhand der von der BA veröffentlichten angezeigten Kurzarbeit hinzu. Doch die Unternehmen verwirklichten Kurzarbeit in deutlich geringerem Maße als der Durchschnitt der Firmen im Rest der Wirtschaft.

Beim Einzelhandel sind große Unternehmen mit einem hohen Anteil an den gesamten sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten, speziell Supermärkte und Discounter, in der ifo-Umfrage etwas unterrepräsentiert. Gerade diese Unternehmen mussten nur wenig kurzarbeiten, deshalb ergab die ifo-Hochrechnung spürbar zu hohe Werte.

Beim „Handel mit Kraftfahrzeugen; Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen“ entfällt ein hoher Anteil der Beschäftigten auf die reinen Werkstätten, die vom Lockdown im Frühjahr weniger stark betroffen waren als die Händler, die flächendeckend schließen mussten. In der ifo Konjunkturumfragen sind jedoch vorwiegend Autohändler enthalten, worin ein Großteil des Schätzfehler in diesem Zweig begründet sein dürfte. Überhöhte Schätzungen gab es auch bei den übrigen Dienstleistern, in der Land- und Forstwirtschaft und im Bergbau, da hier das ifo Institut das gleiche Verhältnis zwischen angezeigter Kurzarbeit und realisierter Kurzarbeit wie in den von der Umfrage abgedeckten Zweigen annahm.

Ein Kommentar

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  1. Avatar

    Torsten

    9. Dezember 2020 16:05 at 16:05

    Die Aussage zum Ausbaugewerbe kann ich bestätigen, die angedachte Kurzarbeit von 3 Monaten hat im Endeffekt nicht 4 Leute sondern nur 1 Person betroffen.
    Handwerk lief 2020 wie 2019 normal weiter.

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Aktien

Andre Stagge über sein Depot, Inflation, Bitcoin und steigende US-Renditen

Claudio Kummerfeld

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Andre Stagge

Der Börsenexperte Andre Stagge (hier mehr zu seiner Person) bespricht im folgenden ausführlichen Video fünf Positionen in seinem eigenen Investmentdepot. Aber er spricht auch über wichtige Themen in einem größeren Zusammenhang. Zum Beispiel geht er der Frage nach, ob in 2021 die große Inflation ansteht. Auch schaut er auf die mögliche weitere Entwicklung des Bitcoin, und bespricht die interessante Thematik, welche Auswirkung nachhaltig steigende Anleiherenditen in den USA auf die Märkte haben.

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Markus Krall über das große Debakel als Resultat der Gelddruck-Orgie

Claudio Kummerfeld

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Dunkle Wolken über Frankfurt

Markus Krall erlebt man in letzter Zeit leider öfters vor allem bei Twitter mit zweifelhaften Äußerungen zu Corona-Themen. Aber dennoch wollen wir seine hochinteressanten Aussagen zur Geldpolitik und Wirtschaftsordnung präsentieren. Denn seine inhaltlichen Aussagen zu diesen Themen sind bestechend. Sicherlich kann man bei einigen seiner Aussagen anderer Meinung sein, dennoch erweitern seine Thesen den Horizont und regen zum Nachdenken an.

Der folgende gestern veröffentlichten Vortrag stammt zwar schon vom 24. Oktober 2020, dennoch ist er auch heute noch aktuell. Die wirtschaftlichen und geldpolitischen Folgen der Coronakrise werden besprochen. Dabei zeichnet Markus Krall ein düsteres Bild über eine bevorstehende massive Inflation und das Ende des Euro. Richtig los geht es ab Minute 12:40 im Video. Banken und Zombieunternehmen sind Klassiker-Themen in seinen Vorträgen, die auch dieses Mal zur Sprache kommen. Auf jeden Fall ist dies mal wieder ein spannender Vortrag von Markus Krall.

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Dirk Müller über das Börsenjahr 2021: „Mit Gas und Bremse durch den Markt“

Claudio Kummerfeld

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Bulle und Bär - Dirk Müller will mit Gas und Bremse durchs Jahr kommen

Dirk Müller hat in einem aktuellen Interview über das Börsenjahr 2021 gesprochen, aber auch über die Corona-Restriktionen und den Bitcoin. Beim Thema Corona ist er der Meinung, dass die Beschränkungen nach einer flächendeckenden Impfung und rückläufigen Infektionszahlen nicht verschwinden würden. In welcher Form genau es weitergehe, könne er auch nicht sagen, aber gewisse Arten von Einschränkungen im Alltag würden dauerhaft bestehen bleiben. Dirk Müller erwähnt in dem Zusammenhang die auch bei der Grippe ständigen Mutationen und jährlich neuen Impfungen, um sich dagegen zu schützen. Corona käme dauerhaft als neues Risiko hinzu.

Dirk Müller über das die Aktienmärkte in 2021

Immer weiter steigende Börsenkurse sind laut Dirk Müller auch im Börsenjahr 2021 möglich, auch dank der Notenbanken. Aber, so seine Worte, alle Welt glaube es gehe an der Börse jetzt nur noch nach oben. Man frage sich nur noch, wie kräftig die Kursgewinne im Jahr 2021 ausfallen werden. Aber ein großer Börsencrash sei jederzeit möglich. Was dafür exakt der Auslöser sei, könne man vorher nie sagen. Ein Problem für die Aktienmärkte sei aktuell das Ansteigen der Anleiherenditen in den USA (aktuell 1,09 Prozent). Diese würden laut Dirk Müller unabhängig von der Politik der Notenbanken anziehen, weil die Inflationserwartungen in den USA zunehmen. Es stehe für 2021 eine Sektorenrotation bevor. Das Anlegergeld verlasse die Tech-Aktien. US-Banken würden interessanter werden, aber auch Branchen wie der Flüssiggas-Sektor. Er gehe mit Gas und Bremse durch das kommende Börsenjahr. Man solle für weiter steigende Kurse offen sein, aber mit Absicherung.

Bitcoin

Und was ist mit dem Bitcoin? Wochenlang war der Kurs ja kräftig gestiegen, dann wieder deutlich gefallen (hier unsere aktuellste Berichterstattung). Dirk Müller bleibt bei seiner bisherigen Meinung. Der Bitcoin sei eine eindeutige Zockerei, dahinter stehe kein echter Wert. Er könnte kräftig verlieren, aber auch unendlich weiter steigen.

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