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Liegt Hans-Werner Sinn richtig oder falsch? Hat Kapitalismus oder der Kommunismus mehr Armut verursacht?

Redaktion

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FMW-Redaktion

Die große Frage, vielleicht sogar die Frage der Fragen: Wer verursacht mehr Schaden, wer hat mehr Armut produziert? Der Kapitalismus oder der Kommunismus? Auf den ersten Blick ist die Antwort einfach – den Ärmsten der Armen bringt der Kommunismus eine Grundversorgung in Sachen Ernährung, Gesundheit und Wohnung, somit profitieren sie vom Kommunismus, wobei der Kapitalismus die Armen noch ärmer macht. Hans-Werner Sinn hat da eine andere Meinung…

Hans-Werner sinn 500 Euro-Scheine
Hans-Werner Sinn, noch Präsident des ifo-Instituts. Foto: Romy Bonitz, ifo Institut / Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

Hans-Werner Sinn, noch ein paar Tage Präsident des ifo-Instituts, hat in einem kürzlich gegebenen Interview auch zu grundsätzlichen Fragen Stellung genommen. Eine der Fragen lautete: „Schuld am Exodus vieler Menschen aus ihrer Heimat ist ja neben Kriegen die wirtschaftliche Aussichtslosigkeit. Stößt der Kapitalismus weltweit an seine Grenzen?“ Darauf die Antwort von Hans-Werner Sinn:

„Die wirtschaftliche Aussichtslosigkeit kommt nicht vom Kapitalismus. Die Probleme im Kommunismus waren viel größer. Der Kapitalismus hat gerade den Ärmsten der Welt viel geholfen. Die Globalisierung und die Entfaltung der Marktkräfte haben die Zahl der Menschen, die weltweit in Armut leben, dramatisch gesenkt. Nach Berechnungen der Weltbank ist dieser Anteil in den letzten drei Jahrzehnten, genau gesagt von 1981 bis 2013, von 44 Prozent auf 13 Prozent gefallen. Das kommt dadurch zustande, dass das Kapital – gewinnheischend wie es ist – in die Niedriglohnländer geht, um dort von den günstigen Produktionskosten zu profitieren. Dadurch entstehen Arbeitsplätze, und im Wettbewerb um die Arbeitskräfte steigen die Löhne.“

Damit liefert Hans-Werner Sinn, so meinen wir, zumindest ein nachvollziehbares Argument, auch wenn nicht jeder es inhaltlich für richtig halten muss. Durch Verlagerung der Industrieproduktion entstehen in Dritte Welt-Ländern Arbeitsplätze, und die Einkommen steigen dort, zumindest theoretisch. Folgt man dieser Argumentation, bleibt nach unserer Meinung ein Problem: Das Bevölkerungswachstum gerade in den ärmsten Ländern ist größer als die Anzahl neuer Arbeitsplätze in der Industrie – somit bleibt der Lohndruck nach unten erhalten, worüber sich die Unternehmen natürlich freuen dürften. In Ländern wie Indonesien, Malaysia etc hat sich durch die nach Asien verlagerte Produktion allmählich eine gute Mittelschicht entwickelt, wobei es natürlich in diesen Ländern auch weiterhin Armut gibt! Aber wie gesagt, wenn die Anzahl neuer Arbeitsplätze mit dem Bevölkerungswachstum nicht mithalten kann, sinken in den ärmsten Ländern die Löhne bzw. es entsteht fast schon automatisch Lohndruck.

Ein Beispiel: Das Bevölkerungswachstum in Bangladesch ist enorm. 1990 waren es 110 Millionen Menschen, betrug die Bevölkerung 2015 schon 160 Millionen. Kann man es Menschen zum Vorwurf machen viele Kinder zu kriegen? Wohl kaum. Gerade Jobs in der Textilbranche wurden in den letzten Jahrzehnten in großem Umfang in Länder wie Bangladesch verlagert – jetzt aber drückt nicht nur die hohe Bevölkerungszunahme auf die Löhne, auch verlagern Produzenten vermehrt die Produktion in noch ärmere Länder in Afrika. Ein Argument gegen den Kapitalismus, der Menschen gegeneinander ausspielt?

Bangladesh-demography
Die Bevölkerungsentwicklung in Bangladesch. Autoreninfo zur Grafik / Wikipedia (CC BY 2.0)

Armut durch Kapitalismus eine optische Täuschung?

Kann es sein, dass die Armut (verursacht durch den Kapitalismus?) eine optische Täuschung ist, zumindest für „uns“ im relativ reichen Europa? Hans-Werner Sinn führt aus, dass entgegen des Eindrucks steigender Ungleichheit diese weltweit gesehen geringer geworden ist. Richtig sei, dass es innerhalb vieler westlicher Länder eine wachsende Ungleichheit zwischen Armut und Wohlstand gäbe, weil wie vorher beschrieben Industrieproduktion abwandert in Niedriglohnländer, wo somit neue Arbeitsplätze entstehen. Die wachsende Ungleichheit bei uns sei der Grund warum sich (gerade hier?) viele Menschen über die Globalisierung beklagen würden. Durch Lohndruck in Industrieländern und steigende Löhne in armen Ländern würden sich die „Wasserstände“ angleichen, so Sinn. Verlierer seien die Arbeiter in den Industrieländern, Gewinner die in den Entwicklungsländern.

Wir meinen wie vorhin schon erwähnt: Hier wird das enorme Bevölkerungswachstum in vielen armen Ländern übersehen, dass die theoretisch nachvollziehbare Annahme Sinn´s aufhebt. Wie an der Börse bei „Angebot und Nachfrage“. Es gibt zwar mehr Angebot an neuen Industriearbeitsplätzen, die Anzahl auf der Nachfragerseite (mehr Menschen = mehr Arbeitssuchende) steigt aber noch schneller. Somit kann der Arbeitgeber die angebotenen Löhne senken.

Ob die deutsche Mittelschicht oder der „einfache Arbeiter“ in Deutschland gerade dabei ist zu verarmen, da gibt es sicherlich verschiedene Ansichten und verschiedene Herangehensweisen der Analyse. Richtig sind aber nach unserer Meinung Sinn´s Äußerungen über den Preis, den der deutsche Kleinsparer („der kleine Mann“) zahlen muss für die jahrelange Nullzins-Politik in Europa, durchgeführt durch die EZB, und sehr gerne gesehen durch die Politik. Dazu Hans-WernerSinn:

„Ja, die Nullzins-Politik trifft die Mittelschicht. Das sind Leute, die nicht so arm sind, dass sie gar nicht sparen können, aber auch nicht reich genug, um in Realkapital zu investieren. Die bringen ihr Geld zur Sparkasse. Sie sind die Verlierer der EZB-Politik. Ja. Die Leute tragen ihr Geld zu den Lebensversicherungen, und die kaufen Staatspapiere dafür. Dazu werden die Versicherungen aufsichtsrechtlich gezwungen. Das ist eine Perversion. Indem sie Staatspapiere kaufen, wird ein Anspruch gegen die nachfolgende Generation der Steuerzahler aufgebaut. Das ist kein Realvermögen, sondern im Grunde auch nur ein Anspruch gegen die nächste Generation in einem Umlageverfahren.“

Was meint er mit „Realkapital“? Nun, diejenigen, die vielleicht nur 50 Euro pro Monat sparen können, sind nicht in der Lage eine richtige Immobilie zu kaufen (Immobilienfonds? Bitte nicht). Sie sind gezwungen Banksparpläne, Lebensversicherungen usw bei der Bank „einzukaufen“, und all diese Anlagen werden schon seit Jahren mit de facto 0% Zinsen vergütet. Selbst bei minimaler Inflation werden so die Sparguthaben entwertet, und das von der Politik geforderte private Vorsorgen endet 10, 20 oder 30 Jahre später in einem Fiasko.

Nochmal kurz zum Kommunismus

Aber nochmal zurück zum Kommunismus. Von der Theorie her müsste er eigentlich funktionieren, oder? Und gerade für die unteren Schichten sollte er einen Mehrwert gegenüber dem Kapitalismus bieten – wie gesagt „eigentlich“. Denn die Planwirtschaft macht Vorgaben und alle sind entsprechend grundversorgt, was im brutalen Kapitalismus nicht so ist. Warum zeigen dann aber zurückliegende Beispiele und das aktuelle Beispiel Nordkorea ein anderes Bild? Und warum waren „die einfachen Menschen“ in den jeweiligen kommunistisch geprägten Ländern anscheinend doch nicht so zufrieden, rebellierten und forderten Freiheit? War es der „menschliche Drang nach mehr“, weil man sieht, was man in freien Ländern als Individuum alles erreichen kann? Liegt der Grundfehler in der menschlichen Natur?

Die Regelung nach „Angebot und Nachfrage“ in der freien Marktwirtschaft befriedigt tatsächlich jede Nachfrage nach einem bestimmten Produkt, weil der Anbieter sofort einen neuen Markt und eine Chance auf Absatz sieht. Die Frage: Warum konnte in der Planwirtschaft bisher „der Plan“ nicht die Bedürfnisse der Bevölkerung befriedigen? Konnte er nicht schnell genug den realen Bedürfnissen der Menschen angepasst werden, oder waren die Planer der Planwirtschaft dazu gar nicht in der Lage mangels Wirtschaftskompetenz?

Wir fordern Sie auf: Diskutieren Sie mit uns hier in der Kommentarfunktion: Hat Sinn recht oder eben nicht? Und würde der Kommunismus tatsächlich für die unteren Schichten dauerhaft eine positive Alternative darstellen? Die Fakten der bisherigen Beispiele widerlegen das, aber waren das nur die Fehler der umsetzenden Personen, oder ist die Planwirtschaft an sich der grundlegende Fehler? Wir sind gespannt über eine offene Diskussion!



Ganz nebenbei: Hans-Werner Sinn spricht erneut seine Meinung zu den Flüchtlingskosten aus. Die Befürworter von positiven finanziellen Aspekten würden nur die direkten Kosten wie Sozialausgaben gegen zu erwartende Steuereinnahmen etc gegenrechnen, wenn die Flüchtlinge später arbeiten. Sinn verweist aber auf die umfangreichen Mehrkosten wie Infrastruktur, Behörden, Polizei, Schulen, Gebäude uvm. Insgesamt wären die Flüchtlinge für den Staat aus finanzieller Sicht (!) ein gewaltiges Minusgeschäft. Sinn betont auch die Aufnahme von Flüchtlingen sei eine humanitäre Frage. Zitat:

„Ob wir Flüchtlinge aufnehmen, ist im Übrigen eine humanitäre Frage. Ich verweise auf die ökonomischen Effekte nur, weil einige argumentieren, wir würden Gutes tun und uns dabei selbst helfen. Das ist nicht wahr.“


12 Kommentare

12 Comments

  1. Avatar

    isnit

    16. Februar 2016 15:08 at 15:08

    Als ob es nur die Wahl zwischen dem totalitären Kommunismus und dem neoliberalen Raubtierkapitalismus angloamerikanischer Prägung gäbe. Der eine macht alle gleich arm, der andere viele arm und wenige extrem reich.
    Wie wäre es mit der guten alten sozialen Marktwirtschaft? Da hatten fast alle am Wohlstand teil.
    Die besonders betroffenen Menschen scheinen das allmählich zu verstehen, s. USA (Sanders), England (Corbyn), Spanien, Portugal, Griechenland …

  2. Avatar

    Steven

    16. Februar 2016 15:08 at 15:08

    Würde der Kommunismus nicht immer in Kombination mit Diktatur ,Folter und geschlossenen Grenzen auftreten dann hätte man überhaupt erstmal einen ernstzunehmenden Konkurrenten um Kapitalismus.

    Der Kapitalismus verführt die Menschen mitzuspielen . Niemand muss konsumieren .
    Aber der Kommunismus zwingt die Menschen dazu .

    Welches system mehr Schäden verursacht hat ist so einfach nicht darstellbar .
    Die Statistiken in den abgeschlodsenen Kommunitischen Ländern sind geschönt .
    Und in den kapitalistischen ebenso .

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    Robert

    16. Februar 2016 15:51 at 15:51

    Was für eine Frage… Die Menschen, die angeblich im Kommunismus zumindest mit den Grundnahrungsmitteln versorgt wurden, waren ärmer als unsere Armen heutzutage. Der Kommunismus hat nicht einmal das erfüllt. Oder haben wir alle vergessen, wie lange sich die Leute früher in den osteuropäischen Ländern selbst für Nahrungsmittel anstellen mussten? Was war eigentlich Fleisch? Gerüchteweise gab es damals Familien, die tatsächlich solches kaufen konnten.
    Das nächste Problem: Wie lange konnten diese Systeme funktionieren? Alle ehemaligen sozialistischen Staaten waren Pleite. Richtig Pleite. Jeder war beschäftigt, aber keiner hat gearbeitet. Produktivität um Klassen schlechter als im Kapitalismus bei wachsenden Kosten für Aufrechterhaltung zumindest der essentiellsten Grundbedürfnisse hätten früher oder später zum Kollaps geführt, auch ohne Revolution, die durch den Freiheitsdrang der Menschen ausgelöst wurde.
    Und, bitte: Wenn Ihr über Kommunismus diskutiert, denkt nicht nur an die DDR, der ging es im Vergleich zu den anderen Sowjet-Satellitenstaaten nämlich richtig gut. Ein running gag in diesen dunklen Zeiten: „Wie nennt man die Menschen, die kein Fleisch essen?“ – „Vegetarier.“ – „Nein, Rumänen“

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      Wolfgang Koch

      16. Februar 2016 18:10 at 18:10

      Ab Zeile 7 ist der Text auch für den Kapitalismus gültig,bis auf keiner hat gearbeitet,jetzt, keiner hat vernünftig verdient!Und dass Muränen kein Fleisch sondern Fisch essen,war mir vorher schon bewusst!

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      Gerd

      16. Februar 2016 19:22 at 19:22

      Alles richtig – und auch nicht.
      z.B. hat Politik-Kabarettist Volker Pisper in einem seiner „Bis neulich“-Auftritte humorvoll dargestellt, dass es den allermeisten Menschen selbst in der DDR besser ging wie den zig Millionen Unterschichtangehörigen in den USA, wo der Kommunismus abgrundtief verachtet wird.

      Und Sie erwähnen Pegida: Falls Sie zu den „Besitzenden“ gehören, brauchen Sie auch nicht derten Anhänger zu sein – es sei denn, dass es Ihnen stinkt, dass unser Staat gerade gegen die Wand gefahren wird und Sie im nächsten Jahrzehnt evtl in einem Kalifat-Staat leben müssen. Das macht vielen Menschen berechtigte Angst. Vielleicht auch, weil Sie erkennen, dass die „Sicherheit“ in Deutschland zum Teufel ist.

      Und als evtl. „Habenichts“ sollten Sie Ihre Einstellung sowieso noch mal überdenken. Denn Sie werden aufgrund des Gesetzes von Angebot und Nachfrage wirtschaftlich zwangsläufig zu den Verlierern gehören. Dann müssten Sie also ggf. aus drei Gründen berechtigte Angst haben.
      viele Grüße

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    Känguru

    16. Februar 2016 15:53 at 15:53

    Eine für Tradingpausen doch eher komplexe Thematik, gleichwohl interressant, daher hier mal eine Position :
    Professor Sinn redet Unsinn, nicht nur weil dies fast immer der Fall ist, sondern weil seine Analyse lediglich ökonomische Faktoren berücksichtigt, die ausschliesslich die Perspektive des von ihm favorisiertem Systems wiederspiegeln. Kommunismus verstehe ich eher als soziologisches Gesellschaftsmodell aus dem sich planwirtschaftliche Notwendigkeiten zwangsläufig ergeben.
    Dass Figuren wie Hans-Werner inzwischen keine drei Sätze mehr von sich geben können ohne die Flüchtlingsthematik miteinzubeziehen, entlarvt den eigentlichen Charakter seiner Analyse : POPULISMUS

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    tomasz

    16. Februar 2016 15:59 at 15:59

    Die Zufriedenheit der Leute resultiert meiner Meinung nach aus einer Mischung aus Sicherheit und Eigenverwirklichung. Im Kommunismus wurde einem die Eigenverwirklichung zu großen Teilen abgenommen durch Verbote. Hinzu kam, dass der Kommunismus, wie er leider gelebt wurde, auf einem gigantischen Staatsapparat beruhte, nicht so sehr um zu planen, sondern mehr um zu kontrollieren. Erstens erzeugt das hohe Kosten und zweitens fühlt es sich an wie offener Strafvollzug, insbesondere für Leute die Ihre Kreativität ausleben wollen. Diese eingeengte Kreativität ist vielleicht auch ein Grundübel, warum Kommunismus so piefig und verbissen wirkt. Erneuerungen, Innovationen gedeihen nicht in so einem Umfeld. Diejenigen, die aus der DDR abgehauen sind, waren meistens die Kreativen. Wer irgendwas aus sich machen wollte, hatte nur die Wahl sich Staatskonform hochzuarbeiten oder zu gehen.
    Im Kapitalismus kommt übrigens bald ein ähnliches Gefühl auf. Die Kreativität wird hier jedoch nicht durch den Staat begrenzt, sondern durch die mangelnden Zukunftsaussichten. Wenn man sich so umschaut, werden Jobs immer weiter ausgedünnt und rationalisiert. Um die wenigen verbliebenen prügeln sich die Leute und klammern sich wie an Strohhalme, wenn sie einen haben. Eltern drillen Ihre Kinder schon ab dem Krabbelalter daraufhin Softskills zu erlernen, um nur eine Chance im Kampf um Jobs zu haben. Was kommt bei raus? Eine verzagte und verängstigte Masse. Ich bin ein Pegida-Ablehner, jedoch erkenne ich in vielen dieser Leute genau diese Angst, zu den Verlieren zu gehören oder sie fühlen sich schon als welche. Dabei sollte es zur Selbstverständlichkeit einer Eigenverwirklichung gehören, dass man frei von Angst ist. Vielleicht gibts irgendwann bedingungsloses Einkommen, weltweit. Die horrenden Überschüsse der extrem effizienten Unternehmen gehören in den Kreislauf der Gesellschaft und nicht auf irgendein Konto auf einer Steueroase, das ist das Problem derzeit bei der Umsetzung hierfür.

  6. Avatar

    Gerd

    16. Februar 2016 19:30 at 19:30

    Nur für die Moderatoren:
    Mein soeben abgegebener Kommentar (Gerd) sollte als Antwort
    Tomasz 15:59 Uhr sein. bin mir nicht sicher, ob ich den auch da reingesetzt habe.
    Danke

    • Avatar

      Wolfgang Koch

      16. Februar 2016 20:38 at 20:38

      Grüss Gott Gerd!Menschen,welche Volker Pispers verstehen& geniessen können,stehen bei mir schon mal per se oben!Ich habe Volker schon Mitte der 80iger in der Obernburger Kochsmühle als genial empfunden&tue es heute noch,letztmalig im Sept.in Elsenfeld.Ich habe an dem Kommentar von Tomasz allerdings nichts auszusetzen.Daher hätte ich die Frage(was mir auch schon häufig bei Rottuchbegriffen passiert ist!)Reagieren Sie überbissig,ohne nachzudenken,wenn Sie Begriffe wie Pegida lesen müssen?Ich stehe nicht hinter Pegida,mir macht aber die Jugoslawisierung Deutschlands durch Frau M. aber auch keine Freude,obwohl es mich mit 58Jahren eh nicht mehr jucken wird,was richtig bzw.falsch ist/sein wird!

  7. Avatar

    Georg Lehle

    16. Februar 2016 21:23 at 21:23

    Es gibt einen Unterschied zwischen Kapitalismus und Marktwirtschaft: Im Kapitalismus dreht sich alles um die Verzinsung des angelegten Geldkapitals, auch in Grund und Boden (Markteintrittsmonopole). Prof. Dr. Löhr kritisiert, dass wir heute in keiner Marktwirtschaft, sondern in einer Machtwirtschaft leben müssen.

    In der Marktwirtschaft arbeiten frei Unternehmer und Arbeiter, die Werte erarbeiten. Die Kapitalgeber arbeiten dagegen nicht, sie leihen nur ihr Kapital aus, trotzdem sind sie am längerem Hebel:
    Sie halten die Marktwirtschaft im Würgegriff und erzwingen eine positive Verzinsung, auch auf Kosten von Pleiten und Entlassungen. Daher kommt die Ungleichheit. Ohne entsprechende Verzinsung wird das Kapital eben nicht freigegeben, mit fürchterlichen volkswirtschaftlichen Schäden. Siehe Weltwirtschaftskrise 1929. Das verhinderten die Zentralbanken der Welt, durch das Gelddrucken. Die Freiwirtschaft bietet eine nachhaltigere Möglichkeit, die Macht des Kapitals zu brechen: Bodenreform, Umlaufsicherung von Bargeld.
    http://friedensblick.de/17541/mit-welcher-wirtschaftstheorie-kann-die-ungleiche-vermoegensverteilung-ueberwunden-werden/

  8. Avatar

    Heiko

    17. Februar 2016 07:58 at 07:58

    Ein Philosoph sagte mal, Glück kommt nicht aus Besitz sonder aus Genuss.
    Ökonomen können einen solchen Wert nicht messen, daher legen sie grundsätzlich an allem eine falsche Messlatte an.
    Oder kann mir jemand glaubhaft machen, dass unsere modernen Industrie.- büroarbeitsplätze glücklich machen?
    Also Kapitalismus wie er gegenwärtig gelebt wird ist nicht einmal für die, die vermeintlich davon profitieren glückbringend.

  9. Avatar

    Gerd

    17. Februar 2016 19:56 at 19:56

    Hallo Wolfgang Koch. The day after. Ich weiß nicht, ob das noch jemand bzw. gerade SIE lesen.

    Ich (derjenige, welcher wirklich nicht für die NSA arbeitet) habe auch deshalb auf den Begriff Pegida (von @Tomasz) reagiert, weil der in Bezug auf Pegida-Versteher schrieb:
    „Dabei sollte es zur Selbstverständlichkeit einer Eigenverwirklichung gehören, dass man frei von Angst ist.“

    Und leider bin ich das nicht mehr.
    Das ging los als mein heile-Welt-Denken vor ca.eineinhalb Jahren nach und nach wegbrach was Demokratieverständnis, Meinungsfreiheit und objektive Medien angeht.
    Das verstärkte sich als Frau Merkl vor einem halben Jahr die Drohung bei Frau Anne Will kundtat, dass sie einen „Plan“ hätte.
    Ich will nicht noch Weiteres anführen.

    Sie selbst sind übrigens auch mit 58 noch jung (alles relativ) und Ihre Nachkommen sowieso. Und die werden sich noch bedanken.

    P.S.: Ich muss gestehen, auf Volker Pipers bin ich leider erst so vor zwei Jahren mehr und mehr aufmerksam geworden. Der hat es einfach drauf. Wobei ich zugeben muss, dass ich gehofft habe, er hätte zumindest bei seinen jüngsten Auftritten auf Pegida-Bashing verzichtet. Das ist nämlich, na klar, das einzige was mich bei ihm stört. Wobei ich fürchte, ja wirklich fürchte, im Laufe der Zeit wird auch er die Dinge noch anders beurteilen (müssen), weil es noch krasser wird. Anders wäre mir lieber.

    Schöne Grüße
    Gerd

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Richard David Precht: Künstliche Intelligenz und unsere Zukunft!

Markus Fugmann

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„Wir gehen in die zweite ganz große industrielle Revolution hinein!“, sagt der Philosoph Richard David Precht. Damit stehen wir vor einscheidenden Veränderungen nicht nur der Wirtschaft, sondern auch der Gesellschaft. Die erste industrielle Revolution beendete die Herrschaft des Adels und der Kirche – die derzeit ablaufende zweite Revolution durch künstliche Intelligenz verändert vor allem die Arbeitswelt und damit die Produktionsverhältnisse grundlegend. Nun versuchen uns Ökonomen stets zu versichern: kein Problem, es fallen zwar viele Jobs weg, aber es würden eben auch viele neuartige Jobs geschaffen werden. Das ist eine schöne Perspektive, sie hat aber leider einen kleinen Makel: sie stimmt nicht, sagt Richard David Precht zur sogenannten „Kompensations-Theorie“.

Die Menscheit jedenfalls ist durch diesen Wandel überfordert, der Boden, auf dem wir stehen, wackelt erheblich – und so entsteht zunächst einmal die Sehnsucht danach, die gute alte Welt mit ihren Werten wiederzubeleben. Ausdruck dieses Versuchs sind etwa Trumpin den USA oder die AfD in Deutschland. Aber einer der einschneidenden Änderungen im politischen Bereich wird sein, dass die Parteien, die mit der ersten industriellen Revolution entstanden und aufgestiegen waren, unter gehen werden.

Richard David Precht über schwache KI und starke KI

Richard David Precht unterscheidet zwischen schwacher und starker künstlicher Intelligenz – und führt Beispiele an, worin sich diese beiden unterscheiden. Was bedeutet das aber für uns praktisch? Wird vor allem durch „starke“ KI, also einer KI, die tiefgehende Lernprozesse leisten kann, etwa der Niedriglohn-Sektor wegfallen? Eher nicht – denn je mehr Menschen in bestimmten Bereichen verdienen, umso interessanter wird der Einsatz einer starken KI zur Kosten-Ersparnis, während sich der Einsatz im Niedriglohnsektor gar nicht lohnen würde.

Was bleibt, was wird untergehen – und welche Bereiche werden sich durchsetzen? Es werde derjenige technische Fortschritt kommen, der gesellschaftlich akzeptiert wird, dazu ein Bedürfnis befriedigt und sich gleichzeitig zu einem erfolgreichen Geschäftsmodell machen läßt, sagt Richard David Precht. Folgender Vortrag des Philosophen ist ein „must see“!

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

Der Philosoph Richard David Precht über Künstliche Intelligenz

Richard David Precht

Von Foto: © JCS‘, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=62733272

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Arbeitsmarkt positiv gestimmt? Mehr neue Jobs bei IT als Entlassungen in der Gastronomie?

Claudio Kummerfeld

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Laptop mit Aufklebern

Kann das wirklich sein? Ist es das vorgezogene Weihnachtswunder am deutschen Arbeitsmarkt, mitten im zweiten Lockdown? Wenn man ein Wirtschaftsforschungsinstitut für verlässlich und seriös hält, dann doch in erster Linie das ifo-Institut! Und man möchte den Forschern bei ifo wirklich nichts Böses unterstellen. Aber ist es wirklich realistisch, dass die Stimmung am deutschen Arbeitsmarkt derzeit sogar besser wird, weil die IT-Dienstleister mehr neue Stellen schaffen wollen, als gleichzeitig in Restaurants, Bars, Hotels, Reisebüros etc verloren gehen?

Kann man sich das vorstellen? Gibt es überhaupt zehntausende oder hunderttausende neue IT-Experten in Deutschland, die auch so viele neue Stellen besetzen können? Ist die Nachfrage nach solchen Dienstleistungen wirklich so stark gestiegen in den letzten Wochen? Klar, dank Corona verlagert sich sehr viel des Geschäftslebens ins Internet. Aber wirklich, nochmal mit gesundem Menschenverstand nachgedacht: Können diese neuen Jobs hunderttausende Jobs ersetzen, die bei Gastro und Co verloren gehen? Es fällt wirklich schwer das zu glauben.

Aber das ifo-Institut hat sich das nicht ausgedacht. Nein, man macht für sein Beschäftigungsbarometer Umfragen bei ca 9.500 Unternehmen. Sie werden gebeten ihre Beschäftigtenplanungen für die nächsten drei Monate mitzuteilen. Also, kann das wirklich sein? Die IT fängt den Arbeitsmarkt auf in dieser Krise? Hier die Aussagen vom ifo-Institut im Wortlaut:

Etwas mehr deutsche Unternehmen als im Oktober denken über Neueinstellungen nach. Das ifo Beschäftigungsbarometer ist im November auf 96,7 Punkte gestiegen, von 96,4 Punkten im Oktober. Die zweite Welle hat vorerst keine größeren negativen Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt. Die Entwicklung ist jedoch über die Branchen hinweg sehr heterogen.

In der Industrie ist das ifo-Barometer leicht gestiegen. Jedoch ist die Zahl der Unternehmen mit Entlassungsplänen weiterhin größer als die jener, die mit steigenden Mitarbeiterzahlen rechnen. Die Dienstleister planen eher Mitarbeiter einzustellen. Getragen wird die Entwicklung vor allem von den IT-Dienstleistern. In der Reisebranche und dem Gastgewerbe dagegen sind Entlassungen nicht zu vermeiden. Im Handel hat das Barometer leicht nachgegeben. Dort planen die Firmen derzeit mit konstanten Mitarbeiterzahlen. Die Bauindustrie sucht weiter neue Mitarbeiter, um ihre aktuellen Aufträge abarbeiten zu können.

Hier die vier Einzelsektoren mit einzelnem Chart:

Grafiken zeigen Beschäftigungsbarometer für den deutschen Arbeitsmarkt

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Markus Krall und Marc Friedrich: Crash 2021, Gelddrucken ersetzt Denken

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Markus Krall spricht über die Hyperinflation, in der Geld entwertet wird

Markus Krall und Marc Friedrich unterhalten sich im folgenden Gespräch über die aktuelle Krise, den möglicherweise anstehenden großen Crash, und die Zeit danach. Einig sind sich die beiden, dass es 2021 los gehen wird mit dem wirtschaftlichen Zusammenbruch. Markus Krall formuliert es recht klar, dass die Wirtschaftskrise längst da sei. Sie sei nur noch nicht bilanziert worden. Durch Maßnahmen wie die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht sei die Krise bei Unternehmen und in Bankbilanzen nur noch nicht richtig transparent sichtbar.

Markus Krall und Marc Friedrich sehen die Hyperinflation

Markus Krall kann man aufgrund seiner zahlreichen Tweets über die Corona-Maßnahmen der Politik kritisch betrachten. Das sollte Kommentatoren und geneigte Beobachter aber nicht davon abhalten, seinen höchst interessanten Aussagen zur wirtschaftlichen Gesamtsituation zuzuhören, die er seit Monaten öffentlich präsentiert. Denn er ist absoluter Bankeninsider, und hat die letzten Jahre eine große Bankenkrise vorhergesagt. Zusammen mit Marc Friedrich bespricht er im folgenden Video Punkt für Punkt wichtiger Themen rund um die aktuelle Krise und zukünftige Entwicklungen.

Wichtig ist, was die nächsten Quartale passieren wird. Einig sind sich Marc Friedrich und Markus Krall, dass wir derzeit in einer deflationären Phase sind, auf die zwingend eine kräftige Inflation folgen soll. Nur wie schnell die Preise in eine Hyperinflation umschlagen, das könne man nicht genau vorhersehen. Entscheidend hierbei ist unter anderem, wann die Geldumlaufgeschwindigkeit anspringen müsste. Sehen Sie beim Klick an dieser Stelle genau zu diesem Punkt interessante Ausführungen von Hans-Werner Sinn.

Die EZB als großes Problem

Ein wichtiger Punkt im Gespräch zwischen Markus Krall und Marc Friedrich ist auch die zentral wichtige Rolle der EZB. Sie arbeite derzeit am digitalen Euro. Die EZB wisse, dass eine Hyperinflation (hier die Begriffserklärung) drohe. Sie wisse auch, dass die Leute aus dem Geld fliehen würden, wenn sie das Vertrauen darin verlieren. Mit einem digitalen Euro hätte die EZB Kontrolle über das gesamte Konsumverhalten der Menschen, und könnte zum Beispiel bestimmen, wie viel Geld die Bürger maximal in einem bestimmten Zeitraum ausgeben dürfen. Die Rolle der EZB insgesamt sehen die beiden grundsätzlich mehr als kritisch.

Der große Knall

Markus Krall macht wenig bis gar keine Hoffnung auf eine Rettung unseres jetzigen bestehenden Geldsystems. Der große Crash werde kommen. Je länger EZB und Politik die Probleme hinauszögern würden, desto schlimmer werde der unausweichliche große Knall sein. Immer mehr gesunde Firmen würden sich derzeit anstecken, weil sie als Lieferant zum Beispiel unwissentlich Forderungen gegenüber Zombieunternehmen aufbauen würden, die Forderungen nicht begleichen können. Auch wenn man die Aussicht der beiden auf eine Hyperinflation und einen großen Systemkollaps nicht zwingend teilen muss, so sind ihre Ausführungen und die Zustandsbeschreibungen der aktuellen Lage doch hochinteressant!

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