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Liegt Hans-Werner Sinn richtig oder falsch? Hat Kapitalismus oder der Kommunismus mehr Armut verursacht?

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FMW-Redaktion

Die große Frage, vielleicht sogar die Frage der Fragen: Wer verursacht mehr Schaden, wer hat mehr Armut produziert? Der Kapitalismus oder der Kommunismus? Auf den ersten Blick ist die Antwort einfach – den Ärmsten der Armen bringt der Kommunismus eine Grundversorgung in Sachen Ernährung, Gesundheit und Wohnung, somit profitieren sie vom Kommunismus, wobei der Kapitalismus die Armen noch ärmer macht. Hans-Werner Sinn hat da eine andere Meinung…

Hans-Werner sinn 500 Euro-Scheine
Hans-Werner Sinn, noch Präsident des ifo-Instituts. Foto: Romy Bonitz, ifo Institut / Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

Hans-Werner Sinn, noch ein paar Tage Präsident des ifo-Instituts, hat in einem kürzlich gegebenen Interview auch zu grundsätzlichen Fragen Stellung genommen. Eine der Fragen lautete: „Schuld am Exodus vieler Menschen aus ihrer Heimat ist ja neben Kriegen die wirtschaftliche Aussichtslosigkeit. Stößt der Kapitalismus weltweit an seine Grenzen?“ Darauf die Antwort von Hans-Werner Sinn:

„Die wirtschaftliche Aussichtslosigkeit kommt nicht vom Kapitalismus. Die Probleme im Kommunismus waren viel größer. Der Kapitalismus hat gerade den Ärmsten der Welt viel geholfen. Die Globalisierung und die Entfaltung der Marktkräfte haben die Zahl der Menschen, die weltweit in Armut leben, dramatisch gesenkt. Nach Berechnungen der Weltbank ist dieser Anteil in den letzten drei Jahrzehnten, genau gesagt von 1981 bis 2013, von 44 Prozent auf 13 Prozent gefallen. Das kommt dadurch zustande, dass das Kapital – gewinnheischend wie es ist – in die Niedriglohnländer geht, um dort von den günstigen Produktionskosten zu profitieren. Dadurch entstehen Arbeitsplätze, und im Wettbewerb um die Arbeitskräfte steigen die Löhne.“

Damit liefert Hans-Werner Sinn, so meinen wir, zumindest ein nachvollziehbares Argument, auch wenn nicht jeder es inhaltlich für richtig halten muss. Durch Verlagerung der Industrieproduktion entstehen in Dritte Welt-Ländern Arbeitsplätze, und die Einkommen steigen dort, zumindest theoretisch. Folgt man dieser Argumentation, bleibt nach unserer Meinung ein Problem: Das Bevölkerungswachstum gerade in den ärmsten Ländern ist größer als die Anzahl neuer Arbeitsplätze in der Industrie – somit bleibt der Lohndruck nach unten erhalten, worüber sich die Unternehmen natürlich freuen dürften. In Ländern wie Indonesien, Malaysia etc hat sich durch die nach Asien verlagerte Produktion allmählich eine gute Mittelschicht entwickelt, wobei es natürlich in diesen Ländern auch weiterhin Armut gibt! Aber wie gesagt, wenn die Anzahl neuer Arbeitsplätze mit dem Bevölkerungswachstum nicht mithalten kann, sinken in den ärmsten Ländern die Löhne bzw. es entsteht fast schon automatisch Lohndruck.

Ein Beispiel: Das Bevölkerungswachstum in Bangladesch ist enorm. 1990 waren es 110 Millionen Menschen, betrug die Bevölkerung 2015 schon 160 Millionen. Kann man es Menschen zum Vorwurf machen viele Kinder zu kriegen? Wohl kaum. Gerade Jobs in der Textilbranche wurden in den letzten Jahrzehnten in großem Umfang in Länder wie Bangladesch verlagert – jetzt aber drückt nicht nur die hohe Bevölkerungszunahme auf die Löhne, auch verlagern Produzenten vermehrt die Produktion in noch ärmere Länder in Afrika. Ein Argument gegen den Kapitalismus, der Menschen gegeneinander ausspielt?

Bangladesh-demography
Die Bevölkerungsentwicklung in Bangladesch. Autoreninfo zur Grafik / Wikipedia (CC BY 2.0)

Armut durch Kapitalismus eine optische Täuschung?

Kann es sein, dass die Armut (verursacht durch den Kapitalismus?) eine optische Täuschung ist, zumindest für „uns“ im relativ reichen Europa? Hans-Werner Sinn führt aus, dass entgegen des Eindrucks steigender Ungleichheit diese weltweit gesehen geringer geworden ist. Richtig sei, dass es innerhalb vieler westlicher Länder eine wachsende Ungleichheit zwischen Armut und Wohlstand gäbe, weil wie vorher beschrieben Industrieproduktion abwandert in Niedriglohnländer, wo somit neue Arbeitsplätze entstehen. Die wachsende Ungleichheit bei uns sei der Grund warum sich (gerade hier?) viele Menschen über die Globalisierung beklagen würden. Durch Lohndruck in Industrieländern und steigende Löhne in armen Ländern würden sich die „Wasserstände“ angleichen, so Sinn. Verlierer seien die Arbeiter in den Industrieländern, Gewinner die in den Entwicklungsländern.

Wir meinen wie vorhin schon erwähnt: Hier wird das enorme Bevölkerungswachstum in vielen armen Ländern übersehen, dass die theoretisch nachvollziehbare Annahme Sinn´s aufhebt. Wie an der Börse bei „Angebot und Nachfrage“. Es gibt zwar mehr Angebot an neuen Industriearbeitsplätzen, die Anzahl auf der Nachfragerseite (mehr Menschen = mehr Arbeitssuchende) steigt aber noch schneller. Somit kann der Arbeitgeber die angebotenen Löhne senken.

Ob die deutsche Mittelschicht oder der „einfache Arbeiter“ in Deutschland gerade dabei ist zu verarmen, da gibt es sicherlich verschiedene Ansichten und verschiedene Herangehensweisen der Analyse. Richtig sind aber nach unserer Meinung Sinn´s Äußerungen über den Preis, den der deutsche Kleinsparer („der kleine Mann“) zahlen muss für die jahrelange Nullzins-Politik in Europa, durchgeführt durch die EZB, und sehr gerne gesehen durch die Politik. Dazu Hans-WernerSinn:

„Ja, die Nullzins-Politik trifft die Mittelschicht. Das sind Leute, die nicht so arm sind, dass sie gar nicht sparen können, aber auch nicht reich genug, um in Realkapital zu investieren. Die bringen ihr Geld zur Sparkasse. Sie sind die Verlierer der EZB-Politik. Ja. Die Leute tragen ihr Geld zu den Lebensversicherungen, und die kaufen Staatspapiere dafür. Dazu werden die Versicherungen aufsichtsrechtlich gezwungen. Das ist eine Perversion. Indem sie Staatspapiere kaufen, wird ein Anspruch gegen die nachfolgende Generation der Steuerzahler aufgebaut. Das ist kein Realvermögen, sondern im Grunde auch nur ein Anspruch gegen die nächste Generation in einem Umlageverfahren.“

Was meint er mit „Realkapital“? Nun, diejenigen, die vielleicht nur 50 Euro pro Monat sparen können, sind nicht in der Lage eine richtige Immobilie zu kaufen (Immobilienfonds? Bitte nicht). Sie sind gezwungen Banksparpläne, Lebensversicherungen usw bei der Bank „einzukaufen“, und all diese Anlagen werden schon seit Jahren mit de facto 0% Zinsen vergütet. Selbst bei minimaler Inflation werden so die Sparguthaben entwertet, und das von der Politik geforderte private Vorsorgen endet 10, 20 oder 30 Jahre später in einem Fiasko.

Nochmal kurz zum Kommunismus

Aber nochmal zurück zum Kommunismus. Von der Theorie her müsste er eigentlich funktionieren, oder? Und gerade für die unteren Schichten sollte er einen Mehrwert gegenüber dem Kapitalismus bieten – wie gesagt „eigentlich“. Denn die Planwirtschaft macht Vorgaben und alle sind entsprechend grundversorgt, was im brutalen Kapitalismus nicht so ist. Warum zeigen dann aber zurückliegende Beispiele und das aktuelle Beispiel Nordkorea ein anderes Bild? Und warum waren „die einfachen Menschen“ in den jeweiligen kommunistisch geprägten Ländern anscheinend doch nicht so zufrieden, rebellierten und forderten Freiheit? War es der „menschliche Drang nach mehr“, weil man sieht, was man in freien Ländern als Individuum alles erreichen kann? Liegt der Grundfehler in der menschlichen Natur?

Die Regelung nach „Angebot und Nachfrage“ in der freien Marktwirtschaft befriedigt tatsächlich jede Nachfrage nach einem bestimmten Produkt, weil der Anbieter sofort einen neuen Markt und eine Chance auf Absatz sieht. Die Frage: Warum konnte in der Planwirtschaft bisher „der Plan“ nicht die Bedürfnisse der Bevölkerung befriedigen? Konnte er nicht schnell genug den realen Bedürfnissen der Menschen angepasst werden, oder waren die Planer der Planwirtschaft dazu gar nicht in der Lage mangels Wirtschaftskompetenz?

Wir fordern Sie auf: Diskutieren Sie mit uns hier in der Kommentarfunktion: Hat Sinn recht oder eben nicht? Und würde der Kommunismus tatsächlich für die unteren Schichten dauerhaft eine positive Alternative darstellen? Die Fakten der bisherigen Beispiele widerlegen das, aber waren das nur die Fehler der umsetzenden Personen, oder ist die Planwirtschaft an sich der grundlegende Fehler? Wir sind gespannt über eine offene Diskussion!



Ganz nebenbei: Hans-Werner Sinn spricht erneut seine Meinung zu den Flüchtlingskosten aus. Die Befürworter von positiven finanziellen Aspekten würden nur die direkten Kosten wie Sozialausgaben gegen zu erwartende Steuereinnahmen etc gegenrechnen, wenn die Flüchtlinge später arbeiten. Sinn verweist aber auf die umfangreichen Mehrkosten wie Infrastruktur, Behörden, Polizei, Schulen, Gebäude uvm. Insgesamt wären die Flüchtlinge für den Staat aus finanzieller Sicht (!) ein gewaltiges Minusgeschäft. Sinn betont auch die Aufnahme von Flüchtlingen sei eine humanitäre Frage. Zitat:

„Ob wir Flüchtlinge aufnehmen, ist im Übrigen eine humanitäre Frage. Ich verweise auf die ökonomischen Effekte nur, weil einige argumentieren, wir würden Gutes tun und uns dabei selbst helfen. Das ist nicht wahr.“


12 Kommentare

12 Comments

  1. Avatar

    isnit

    16. Februar 2016 15:08 at 15:08

    Als ob es nur die Wahl zwischen dem totalitären Kommunismus und dem neoliberalen Raubtierkapitalismus angloamerikanischer Prägung gäbe. Der eine macht alle gleich arm, der andere viele arm und wenige extrem reich.
    Wie wäre es mit der guten alten sozialen Marktwirtschaft? Da hatten fast alle am Wohlstand teil.
    Die besonders betroffenen Menschen scheinen das allmählich zu verstehen, s. USA (Sanders), England (Corbyn), Spanien, Portugal, Griechenland …

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    Steven

    16. Februar 2016 15:08 at 15:08

    Würde der Kommunismus nicht immer in Kombination mit Diktatur ,Folter und geschlossenen Grenzen auftreten dann hätte man überhaupt erstmal einen ernstzunehmenden Konkurrenten um Kapitalismus.

    Der Kapitalismus verführt die Menschen mitzuspielen . Niemand muss konsumieren .
    Aber der Kommunismus zwingt die Menschen dazu .

    Welches system mehr Schäden verursacht hat ist so einfach nicht darstellbar .
    Die Statistiken in den abgeschlodsenen Kommunitischen Ländern sind geschönt .
    Und in den kapitalistischen ebenso .

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    Robert

    16. Februar 2016 15:51 at 15:51

    Was für eine Frage… Die Menschen, die angeblich im Kommunismus zumindest mit den Grundnahrungsmitteln versorgt wurden, waren ärmer als unsere Armen heutzutage. Der Kommunismus hat nicht einmal das erfüllt. Oder haben wir alle vergessen, wie lange sich die Leute früher in den osteuropäischen Ländern selbst für Nahrungsmittel anstellen mussten? Was war eigentlich Fleisch? Gerüchteweise gab es damals Familien, die tatsächlich solches kaufen konnten.
    Das nächste Problem: Wie lange konnten diese Systeme funktionieren? Alle ehemaligen sozialistischen Staaten waren Pleite. Richtig Pleite. Jeder war beschäftigt, aber keiner hat gearbeitet. Produktivität um Klassen schlechter als im Kapitalismus bei wachsenden Kosten für Aufrechterhaltung zumindest der essentiellsten Grundbedürfnisse hätten früher oder später zum Kollaps geführt, auch ohne Revolution, die durch den Freiheitsdrang der Menschen ausgelöst wurde.
    Und, bitte: Wenn Ihr über Kommunismus diskutiert, denkt nicht nur an die DDR, der ging es im Vergleich zu den anderen Sowjet-Satellitenstaaten nämlich richtig gut. Ein running gag in diesen dunklen Zeiten: „Wie nennt man die Menschen, die kein Fleisch essen?“ – „Vegetarier.“ – „Nein, Rumänen“

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      Wolfgang Koch

      16. Februar 2016 18:10 at 18:10

      Ab Zeile 7 ist der Text auch für den Kapitalismus gültig,bis auf keiner hat gearbeitet,jetzt, keiner hat vernünftig verdient!Und dass Muränen kein Fleisch sondern Fisch essen,war mir vorher schon bewusst!

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      Gerd

      16. Februar 2016 19:22 at 19:22

      Alles richtig – und auch nicht.
      z.B. hat Politik-Kabarettist Volker Pisper in einem seiner „Bis neulich“-Auftritte humorvoll dargestellt, dass es den allermeisten Menschen selbst in der DDR besser ging wie den zig Millionen Unterschichtangehörigen in den USA, wo der Kommunismus abgrundtief verachtet wird.

      Und Sie erwähnen Pegida: Falls Sie zu den „Besitzenden“ gehören, brauchen Sie auch nicht derten Anhänger zu sein – es sei denn, dass es Ihnen stinkt, dass unser Staat gerade gegen die Wand gefahren wird und Sie im nächsten Jahrzehnt evtl in einem Kalifat-Staat leben müssen. Das macht vielen Menschen berechtigte Angst. Vielleicht auch, weil Sie erkennen, dass die „Sicherheit“ in Deutschland zum Teufel ist.

      Und als evtl. „Habenichts“ sollten Sie Ihre Einstellung sowieso noch mal überdenken. Denn Sie werden aufgrund des Gesetzes von Angebot und Nachfrage wirtschaftlich zwangsläufig zu den Verlierern gehören. Dann müssten Sie also ggf. aus drei Gründen berechtigte Angst haben.
      viele Grüße

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    Känguru

    16. Februar 2016 15:53 at 15:53

    Eine für Tradingpausen doch eher komplexe Thematik, gleichwohl interressant, daher hier mal eine Position :
    Professor Sinn redet Unsinn, nicht nur weil dies fast immer der Fall ist, sondern weil seine Analyse lediglich ökonomische Faktoren berücksichtigt, die ausschliesslich die Perspektive des von ihm favorisiertem Systems wiederspiegeln. Kommunismus verstehe ich eher als soziologisches Gesellschaftsmodell aus dem sich planwirtschaftliche Notwendigkeiten zwangsläufig ergeben.
    Dass Figuren wie Hans-Werner inzwischen keine drei Sätze mehr von sich geben können ohne die Flüchtlingsthematik miteinzubeziehen, entlarvt den eigentlichen Charakter seiner Analyse : POPULISMUS

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    tomasz

    16. Februar 2016 15:59 at 15:59

    Die Zufriedenheit der Leute resultiert meiner Meinung nach aus einer Mischung aus Sicherheit und Eigenverwirklichung. Im Kommunismus wurde einem die Eigenverwirklichung zu großen Teilen abgenommen durch Verbote. Hinzu kam, dass der Kommunismus, wie er leider gelebt wurde, auf einem gigantischen Staatsapparat beruhte, nicht so sehr um zu planen, sondern mehr um zu kontrollieren. Erstens erzeugt das hohe Kosten und zweitens fühlt es sich an wie offener Strafvollzug, insbesondere für Leute die Ihre Kreativität ausleben wollen. Diese eingeengte Kreativität ist vielleicht auch ein Grundübel, warum Kommunismus so piefig und verbissen wirkt. Erneuerungen, Innovationen gedeihen nicht in so einem Umfeld. Diejenigen, die aus der DDR abgehauen sind, waren meistens die Kreativen. Wer irgendwas aus sich machen wollte, hatte nur die Wahl sich Staatskonform hochzuarbeiten oder zu gehen.
    Im Kapitalismus kommt übrigens bald ein ähnliches Gefühl auf. Die Kreativität wird hier jedoch nicht durch den Staat begrenzt, sondern durch die mangelnden Zukunftsaussichten. Wenn man sich so umschaut, werden Jobs immer weiter ausgedünnt und rationalisiert. Um die wenigen verbliebenen prügeln sich die Leute und klammern sich wie an Strohhalme, wenn sie einen haben. Eltern drillen Ihre Kinder schon ab dem Krabbelalter daraufhin Softskills zu erlernen, um nur eine Chance im Kampf um Jobs zu haben. Was kommt bei raus? Eine verzagte und verängstigte Masse. Ich bin ein Pegida-Ablehner, jedoch erkenne ich in vielen dieser Leute genau diese Angst, zu den Verlieren zu gehören oder sie fühlen sich schon als welche. Dabei sollte es zur Selbstverständlichkeit einer Eigenverwirklichung gehören, dass man frei von Angst ist. Vielleicht gibts irgendwann bedingungsloses Einkommen, weltweit. Die horrenden Überschüsse der extrem effizienten Unternehmen gehören in den Kreislauf der Gesellschaft und nicht auf irgendein Konto auf einer Steueroase, das ist das Problem derzeit bei der Umsetzung hierfür.

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    Gerd

    16. Februar 2016 19:30 at 19:30

    Nur für die Moderatoren:
    Mein soeben abgegebener Kommentar (Gerd) sollte als Antwort
    Tomasz 15:59 Uhr sein. bin mir nicht sicher, ob ich den auch da reingesetzt habe.
    Danke

    • Avatar

      Wolfgang Koch

      16. Februar 2016 20:38 at 20:38

      Grüss Gott Gerd!Menschen,welche Volker Pispers verstehen& geniessen können,stehen bei mir schon mal per se oben!Ich habe Volker schon Mitte der 80iger in der Obernburger Kochsmühle als genial empfunden&tue es heute noch,letztmalig im Sept.in Elsenfeld.Ich habe an dem Kommentar von Tomasz allerdings nichts auszusetzen.Daher hätte ich die Frage(was mir auch schon häufig bei Rottuchbegriffen passiert ist!)Reagieren Sie überbissig,ohne nachzudenken,wenn Sie Begriffe wie Pegida lesen müssen?Ich stehe nicht hinter Pegida,mir macht aber die Jugoslawisierung Deutschlands durch Frau M. aber auch keine Freude,obwohl es mich mit 58Jahren eh nicht mehr jucken wird,was richtig bzw.falsch ist/sein wird!

  7. Avatar

    Georg Lehle

    16. Februar 2016 21:23 at 21:23

    Es gibt einen Unterschied zwischen Kapitalismus und Marktwirtschaft: Im Kapitalismus dreht sich alles um die Verzinsung des angelegten Geldkapitals, auch in Grund und Boden (Markteintrittsmonopole). Prof. Dr. Löhr kritisiert, dass wir heute in keiner Marktwirtschaft, sondern in einer Machtwirtschaft leben müssen.

    In der Marktwirtschaft arbeiten frei Unternehmer und Arbeiter, die Werte erarbeiten. Die Kapitalgeber arbeiten dagegen nicht, sie leihen nur ihr Kapital aus, trotzdem sind sie am längerem Hebel:
    Sie halten die Marktwirtschaft im Würgegriff und erzwingen eine positive Verzinsung, auch auf Kosten von Pleiten und Entlassungen. Daher kommt die Ungleichheit. Ohne entsprechende Verzinsung wird das Kapital eben nicht freigegeben, mit fürchterlichen volkswirtschaftlichen Schäden. Siehe Weltwirtschaftskrise 1929. Das verhinderten die Zentralbanken der Welt, durch das Gelddrucken. Die Freiwirtschaft bietet eine nachhaltigere Möglichkeit, die Macht des Kapitals zu brechen: Bodenreform, Umlaufsicherung von Bargeld.
    http://friedensblick.de/17541/mit-welcher-wirtschaftstheorie-kann-die-ungleiche-vermoegensverteilung-ueberwunden-werden/

  8. Avatar

    Heiko

    17. Februar 2016 07:58 at 07:58

    Ein Philosoph sagte mal, Glück kommt nicht aus Besitz sonder aus Genuss.
    Ökonomen können einen solchen Wert nicht messen, daher legen sie grundsätzlich an allem eine falsche Messlatte an.
    Oder kann mir jemand glaubhaft machen, dass unsere modernen Industrie.- büroarbeitsplätze glücklich machen?
    Also Kapitalismus wie er gegenwärtig gelebt wird ist nicht einmal für die, die vermeintlich davon profitieren glückbringend.

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    Gerd

    17. Februar 2016 19:56 at 19:56

    Hallo Wolfgang Koch. The day after. Ich weiß nicht, ob das noch jemand bzw. gerade SIE lesen.

    Ich (derjenige, welcher wirklich nicht für die NSA arbeitet) habe auch deshalb auf den Begriff Pegida (von @Tomasz) reagiert, weil der in Bezug auf Pegida-Versteher schrieb:
    „Dabei sollte es zur Selbstverständlichkeit einer Eigenverwirklichung gehören, dass man frei von Angst ist.“

    Und leider bin ich das nicht mehr.
    Das ging los als mein heile-Welt-Denken vor ca.eineinhalb Jahren nach und nach wegbrach was Demokratieverständnis, Meinungsfreiheit und objektive Medien angeht.
    Das verstärkte sich als Frau Merkl vor einem halben Jahr die Drohung bei Frau Anne Will kundtat, dass sie einen „Plan“ hätte.
    Ich will nicht noch Weiteres anführen.

    Sie selbst sind übrigens auch mit 58 noch jung (alles relativ) und Ihre Nachkommen sowieso. Und die werden sich noch bedanken.

    P.S.: Ich muss gestehen, auf Volker Pipers bin ich leider erst so vor zwei Jahren mehr und mehr aufmerksam geworden. Der hat es einfach drauf. Wobei ich zugeben muss, dass ich gehofft habe, er hätte zumindest bei seinen jüngsten Auftritten auf Pegida-Bashing verzichtet. Das ist nämlich, na klar, das einzige was mich bei ihm stört. Wobei ich fürchte, ja wirklich fürchte, im Laufe der Zeit wird auch er die Dinge noch anders beurteilen (müssen), weil es noch krasser wird. Anders wäre mir lieber.

    Schöne Grüße
    Gerd

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Immobilien: Nach der Coronakrise wird es einen Gewinner geben!

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Mieter von gewerblichen Immobilien sind wohl die Gewinner nach der Krise

Alle Bereiche des Lebens und der Wirtschaft sind derzeit von der Coronakrise betroffen, so auch die Immobilien. So hört man die letzten Tage, dass zahlreiche gewerbliche Großmieter wie Adidas, Deichmann und Co einfach Mietzahlungen für ihre Ladengeschäfte aussetzen. Aber wie wird die Lage bei Immobilien nach der Coronakrise aussehen? Wird alles weitergehen wie bisher? Ich möchte hier ein Szenario besprechen, dass nicht mit hundertprozentiger Garantie so eintreten muss. Aber die im folgenden Text beschriebene Auswirkung der Coronakrise auf die Branche scheint mir logisch.

Die Lage am Markt für Immobilien wird sich nach der Krise ändern

Bislang war es so: Die Eigentümer von Immobilien waren die Gewinner. Egal ob gewerblich oder privat, wer besitzt und vermietet, konnte jahrelang immer höhere Mieten kassieren. Und die jahrelange Flutung der Märkte mit Notenbankgeld und die abgeschafften Zinsen trieben Assets wie Aktien und Immobilien immer weiter nach oben. Die Käufer von Wohnungen und Projektentwickler von Gewerbeimmobilien mussten immer höhere Grundstückspreise und Erstellungskosten zahlen – und waren somit gezwungen die Mietpreise immer weiter hochzuschrauben, wenn sie denn noch eine nennenswerte Rendite auf ihren Kapitaleinsatz erzielen wollten. Aber jetzt wird sich einiges ändern. Womöglich nicht für private Mieter.

Aber die Mieter von Gewerbeimmobilien im Bereich Einzelhandel und in der Gastronomie, die werden nach der Coronakrise die großen Gewinner sein. Natürlich meine ich diejenigen Mieter, die diese aktuelle Durststrecke finanziell überleben werden, und auch danach ihre Cafes, Restaurants und Bekleidungsgeschäfte weiter betreiben. Bisher war es so: Der Immobilien-Eigentümer konnte bei Auslauf des Mietvertrags für den nachfolgenden Zeitraum stets kräftige Mietpreissteigerungen verlangen. Aber was passiert jetzt? Selbst nach gigantischen Rettungspaketen und KfW-Kreditprogrammen werden zahlreiche Gastronomen und Bekleidungsgeschäfte nicht überleben. By the way… viele kleine Unternehmer werden diese Kredite wohl gar nicht erhalten (mehr dazu hier). Entweder gehen zahlreiche Unternehmer in den nächsten Monaten pleite, oder dank der KfW-Kredite werden sie vielleicht erst in einem Jahr überschuldet aufgeben und ihren Laden dicht machen.

Angebot und Nachfrage

Dadurch, dass zahlreiche dieser Mieter aus dem Markt ausscheiden, verschiebt sich das Machtgefüge zwischen Mietern und Vermietern bei Immobilien im gewerblichen Bereich. Es wird viel Leerstand geben. Die Entwicklung hatte ja schon vor der Coronakrise in Innenstädten und Einkaufszentren eingesetzt. Zu viel Fläche, zu hohe Ladenmieten und immer mehr Online-Konkurrenz machen den Mietern schon seit Jahren zunehmend das Leben schwer. Nach und nach gaben einige auf und machten ihre Läden dicht. Dieser Trend wird nun durch die Coronakrise massiv beschleunigt werden. Der Leerstand wird deutlich zunehmen. Und die Eigentümer der Flächen werden auf einmal den bestehenden Mietern entgegenkommen. Ja, diese Prognose wage ich, auch wenn ich selbst kein Experte für Immobilien bin. Es geht um das Grundprinzip von Angebot und Nachfrage.

Mieter werden nach Auslauf der Verträge womöglich günstigere Anschlussverträge aushandeln können, weil die Vermieter sehen, wie links und rechts schon Flächen leer stehen. Da hat man Angst seinen noch vorhandenen Bestandsmieter zu verlieren, denn der hat nun die freie Auswahl. Und ganz schnell werden wohl auch die Neuvermietungspreise für Flächen im gewerblichen Bereich purzeln. Wer also die Coronakrise finanziell überlebt, und/oder wer nach der Krise ganz neu mit einer Geschäftsidee im Einzelhandel oder in der Gastronomie startet, der wird womöglich spürbar geringere Mietkosten erwarten dürfen, oder aushandeln können! Vielleicht noch nicht Ende April oder im Mai. Aber wohl in sechs Monaten, wenn nach und nach andere Gewerbemieter pleite gehen und ihre Läden dicht machen. Die letzten Tage haben Restaurantketten wie Maredo und Vapiano bereits Insolvenz angemeldet. Ob und wie viele dieser Läden fortbestehen werden nach einer möglichen Restrukturierung? Unklar, aber die Pleitewelle wird wohl kommen. Was man jetzt in Einzelfällen sieht, ist erst der Anfang.

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Schwellenländer drohen durch die Pandemie im Chaos zu versinken

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Christus-Statue in Rio - Schwellenländer hart getroffen durch Pandemie

Aufgrund ihrer wirtschaftlichen Bedeutung schauen die Märkte zur Zeit vor allem auf die dramatischen Entwicklungen in den USA und Europa. Doch für die Schwellenländer, die bereits vor der Pandemie angeschlagenen waren, droht nun der ökonomische Super-GAU.

Schwellenländer leiden bereits unter dem Abzug von Kapital

Wie wir schon vor der Pandemie berichteten, bewegten sich wichtige Schwellenländer bereits vor der Pandemie in schwerem Fahrwasser. Einige Länder, wie Argentinien, Brasilien, die Türkei, Venezuela, Südafrika oder Chile haben bereits Schlagseite. Die sich jetzt bereits in Ansätzen abzeichnenden globalen Verwerfungen drohen diese Staaten ökonomisch zum Kentern zu bringen. Die Schwellenländer sind besonders abhängig von Mittelzuflüssen aus den Industriestaaten und reagieren in einer Krise wie jetzt sehr sensibel auf eine Umkehr der Kapitalströme. Doch genau das passiert bereits, wie das Institute of International Finance (IIF) berichtet: Seit Ende Januar 2020 sind 95 Mrd. USD aus Aktien und -Anleihen der Emerging-Markets von ausländischen Investoren abgezogen worden.

Damit sind in dieser relativ kurzen Zeitspanne deutlich mehr Gelder rapatriiert worden als in der Finanzkrise ab September 2008. Die Kapitalflucht der Investoren aus Nordamerika und Europa aus den Schwellenländer-Märkten ist in weltweit unruhigen Zeiten ein bekanntes Phänomen. Gerade dann stellen stark überschuldete und politisch instabile Länder ein besonderes Verlustrisiko dar, das es zu meiden gilt. Kommt es zeitgleich zu Turbulenzen an den großen Finanzmärkten in New York, Tokio und London, wird die Liquidität dringend zu Hause benötigt, um Vermögenslöcher zu stopfen oder Margin-Calls zu bedienen.

Für eine Pandemie schlecht gewappnet

Im speziellen Fall der COVID-19-Pandemie befürchten die Investoren wahrscheinlich zu Recht, dass die Gesundheits- und Sozialsysteme einiger Schwellenländer mit der Seuche überfordert sein könnten. Eine Befürchtung, die in Indien bereits Realität ist. Dort sind soziale Sicherungssysteme kaum vorhanden, das Gesundheitssysteme ist extrem fragil und die Bevölkerungsdichte sehr hoch. Die jetzt eingeleiteten Maßnahmen zum Schutz der Menschen verursachen Chaos im indischen Verkehrssystem und bringen die Menschen ohne jeden Schutz noch dichter zusammen. In Brasilien, wo das Virus mittlerweile ebenfalls angekommen ist, folgte die Regierung um Präsident Jair Bolsonaro zunächst der Strategie Londons und Washingtons und verharmloste das Virus. Jetzt rudert die Staatsführung in Brasília zurück, wahrscheinlich wie in den USA und England viel zu spät.

Die bereits getätigten und sich aktuell verstärkenden Kapitalabflüsse werden die fiskalpolitischen Möglichkeiten in den Schwellenländern stark beeinträchtigen. Zum einen wird weniger Geld für die Seuchenbekämpfung und zur Abmilderung der ökonomischen und sozialen Folgen mobilisiert werden können. Zum anderen steigen die Kosten für die Kreditaufnahme ausgerechnet jetzt deutlich an. Gleichzeitig schwinden auch die Devisenreserven, die nicht nur für die hohen Zinslasten der zum Teil hoffnungslos in US-Dollar überschuldeten Länder benötigt werden, sondern auch für den Ankauf von Schutzkleidung, Test-Kits und teuren medizinischen Geräten. Staaten wie Venezuela, Brasilien, Südafrika oder Argentinien sind zudem wichtige Rohstofflieferanten. Die Preise für natürliche Ressourcen waren in den letzten Wochen stark rückläufig, was die Ökonomien dieser Staaten zusätzlich belastet. Außerdem müssen viele Förderstätten zum Schutz der Arbeiter vorübergehend stillgelegt werden. In Südafrika für mindestens drei Wochen. Es ist daher zu befürchten, dass die Schwellenländer die Pandemie noch schwerer werden bewältigen können als die Industriestaaten.

Schwellenländer bekommen den Stress im Finanzsystem zu spüren

Seit Mitte März bekommen die Schwellenländer die Krise bereits an den Finanzmärkten zu spüren. Die Zinsaufschläge, die Entwicklungsländer aktuell gegenüber zehnjährigen US-Staatsanleihen zahlen müssen, sind seitdem stark angestiegen. Besonders hart trifft es die Ukraine. Der osteuropäische Pleitestaat muss nun statt 400 Basispunkten Zinsaufschlag über 1.200 Basispunkte mehr bezahlen. Der Risikoaufschlag türkischer Staatsanleihen hat sich von 352 Anfang März auf aktuell über 700 erhöht. Russland steht trotz des Ölpreisverfalls mit 350 Basispunkten aufgrund der niedrigen Staatsverschuldung von lediglich 12,5 Prozent des BIP noch vergleichsweise gut da. Deutlich dramatischer stellt sich die Lage für den afrikanischen Ölproduzenten Nigeria dar, der nach einer Verdreifachung der Zinsaufschläge nun ebenfalls bei über 1.200 Basispunkten Zinsaufschlag gegenüber US-Anleihen angekommen ist. Auch Südafrika ist mit in den Aufwärtssog bei den Renditen geraten und muss aktuell 1.120 Basispunkte Zinsaufschlag bezahlen. Argentinien, dass seinen Schuldendienst bereits ausgesetzt hat, ist sogar gezwungen, für seine stark ausfallgefährdeten Anleihen (S&P-Rating: CCC-) Mehrkosten in Höhe von 2.640 Basispunkten am Kapitalmarkt zu akzeptieren. Das Land ist bereits de facto bankrott.

Die Kapitalflucht und die steigenden Risikoprämien werden auch in den Währungsentwicklungen der Schwellenländer sichtbar. Seit der verstärkten Ausbreitung des SARS-CoV-2-Virus Anfang Februar über die Landesgrenzen Chinas hinaus, kam es auch an den Devisenmärkten zu heftigen Bewegungen. Der mexikanische Peso verlor seitdem 23 Prozent, der russische Rubel über 20 Prozent (was übertrieben scheint), der argentinische Peso von niedrigem Niveau aus nochmals 5 Prozent und der südafrikanische Rand 16 Prozent.

Fazit und Möglichkeiten der Stabilisierung

Die bereits sichtbaren Folgen für die Schwellenländer sind wahrscheinlich nur der Beginn schwerer ökonomischer, sozialer und politischer Verwerfungen. In den kommenden Wochen und Monaten könnten sich die Turbulenzen infolge der Rezession in den USA und Europa, der zunehmenden Anzahl von COVID-19-Fällen auch in den Schwellenländern, einer fortschreitenden Unterbrechung der Lieferketten und einer sinkenden Nachfrage nach Rohstoffen, Waren und Dienstleistungen noch vergrößern. Der für viele Entwicklungsländer als Devisenquelle enorm wichtige Tourismus ist bereits weitgehend kollabiert.

Ein Großteil der Schwellenländer hat keine ausreichenden Rückstellungen oder fiskalischen Spielräume, um die heimische Wirtschaft mit großen Konjunkturpaketen á la USA oder Deutschland zu unterstützen. Würde die Zentralbank Argentiniens vergleichbar der US-Notenbank Fed eine staatliche Schuldensause von 10 Prozent des BIP durch Gelddrucken finanzieren, würde sich der Restwert des argentinischen Peso in Luft auflösen. Der makroökonomische Handlungsspielraum der Schwellenländer ist generell im Vergleich zu fortgeschrittenen Volkswirtschaften aufgrund der begrenzten Glaubwürdigkeit ihrer Währungen stark limitiert. Selbst Staaten mit niedriger Verschuldung, wie Russland, bekommen dies bereits durch die massive Abwertung ihrer Währung zu spüren. Daher sind die Schwellenländer auf externe Hilfe mittels harter Devisen angewiesen.

Die Fed hat diesem Bedürfnis bereits Rechnung getragen und ihre Dollar-Swap-Linien geografisch stark ausgeweitet und bietet nun auch Entwicklungsländern über diesen Weg einen Zugang zu US-Dollar-Liquidität. Bereits 80 Länder haben zudem den Internationalen Währungsfonds (IWF), gemäß dessen Direktorin Kristalina Georgiewa, um finanzielle Hilfe gebeten. Der supranationalen Institution stehen zur Zeit dafür 1 Billion US-Dollar zur Verfügung. Dieser Betrag muss dringend in Anbetracht der Vielzahl der Hilfegesuche aufgestockt werden.

Auf Ebene der G20-Staaten wurde beim jüngsten virtuellen Sondergipfel ebenfalls über Hilfen für Entwicklungsländer diskutiert – allerdings sehr abstrakt. So sollen Handelsbeschränkungen abgebaut und die Entwicklungshilfe ggf. aufgestockt werden. Dem Rest der Welt sollten die Schwellenländer nicht egal sein. Wenn diese im Zuge der jetzt bevorstehenden Weltrezession noch tiefer in finanziellem Chaos versinken, würde dies für die gesamte Weltwirtschaft einen zusätzlichen Schock bedeuten. Eine schnelle wirtschaftliche Erholung exportorientierte Länder wie Deutschland nach dem Abebben der Pandemie wäre dann unwahrscheinlich.

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Dirk Müller über die dramatischen Folgen der Corona-Krise

„Unser Finanzsystem hat fertig“

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Die Corona-Krise nimmt immer dramatischere Foolgen für die Wirtschaft an – der Einbruch ist heftiger als in der Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929, sagt Dirk Müller. Eigentlich sollte „Mr. Dax“ bei einer Finanzmesse auftreten – aber da das aufgrund der Corona-Krise nicht möglich ist, hielt Dirk Müller seinen Vortrag von zuhause aus per Video.

Corona-Krise schlimmer als Weltwirtschaftskrise 1929

Der Crash der Aktienmärkte passierte sogar schneller als in der Weltwirtschaftskrise der Jahre 1929 (und folgende). Und das wird bedeuten, dass da viele Finanz-Player erwischt wurden – daher sind viele Pleiten im Finanzsektor wahrscheinlich, von denen wir in den nächsten Wochen und Monaten erfahren werden. Das gilt auch und vor allem für Banken – Dirk Müller erwartet daher Banken-Pleiten. Wenn aber Banken pleite gehen, werden auch die Gelder auf deren Konten in Gefahr sein, sagt Dirk Müller – denn faktisch ist ein Kontoguthaben bei einer Bank eine Art Kredit, den man der Bank gibt.

Dirk Müller über den Crash des Kreditsystems

„Unser Finanzsystem hat fertig“, so Dirk Müller – wir erleben jetzt einen reset des Systems. Das Coronavirus sei nur der Auslöser für diesen reset – und die Ausrede zugleich, warum eben dieser „reset“ nun vermeintlich nötig sei. Bisher haben die Notenbanken es nicht geschafft, die Märkte zu beruhigen, was aber eigentlich durch das „plunge protection team“ der Amerikaner möglich gewesen, aber eben nicht erfolgt sei, meint Dirk Müller.

Das eigentliche Problem könnten die Notenbanken so oder so nicht lösen, so „Mr. Dax“: den „Credit Crunch„. Alle brauchen nun Liquidität, um Kredite und Zahlungsverpflichtungen zu erfüllen. Cash ist King im deflationären Schock.

Dirk Müller über die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Gesellschaft

Was fast noch schlimmer ist: die Menschen haben Angst um ihre Jobs und damit um ihre Zukunft. Dazu kommt noch die Angst um die Gesundheit der eigenen Familie – Müller spricht daher von einer so noch nie dagewesenen „Angstkombination“, die massive und bisher unkalkulierbare Auswirkungen auf die psychische Verfassung der Gesellschaft haben dürfte. Es könne daher zu sehr häßlichen Szenen kommen, die wir bisher nicht für möglich halten. Diese „Angstkombination“ in der Gesellschaft verstärke dann die Neigung der Menschen, Sündenböcke zu suchen – vielleicht die Flüchtlinge, die mit der einheimische Bevölkerung etwa um Arztbesuche konkurrieren?

Sehen Sie hier das Szenario von Dirk Müller über die Auswirkungen der Corona-Krise:

Dirk Müller über die Folgen der Corona-Krise

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