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Mario Draghi: Wir sind die Retter und machen alles richtig! Über Größenwahn..

Mario Draghi auf dem schmalen Grad zwischen Selbstherrlichkeit und Größenwahn..

Redaktion

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„Wir sind die Retter und machen alles richtig!“ – so könnte man die heutigen Aussagen von Mario Draghi vor dem EU-Parlament zusammen fassen! Oder: es trievt vor Selbstherrlichkeit, die immensen Schieflagen innerhalb der Eurozone werden verschwiegen! So etwa die immer extremeren Target2-Salden:

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Davon ist bei Draghi natürlich nicht die Rede. Sondern nur davon, dass alleine die EZB-Politik die Welt (oder die Euozone) gerettet habe:

„Our monetary policy measures have been very effective. We estimate that the measures we have taken since mid-2014 will have an overall cumulative impact of around 1.9 percentage points on both euro area real GDP growth and inflation for the period between 2016 and 2020.“

Da muß man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen! Im Klartext heißt das: ohne unser QE etc. hätte es praktisch kein Wachstum und so gut wie keinen Anstieg der Inflation gegeben! Wer das glaubt, wird unmittelbar und sofort selig! Aber es zeigt eine geradezu größenwahnsinnige Einstellung zu den Dingen! Was die EZB erreicht hat, ist eine Inflationierung der Vermögenspreise, kaum aber der eigentlichen Verbraucherpreise!

Und plötzlich ist die EZB auch zuversichtlich für die Inflation – und zwar seitdem sie erkannt hat, dass sie das QE rein technisch in der alten Form gar nicht mehr weiterführen kann (mangels kuafbarer Anleihen) und daher aussteigen muß:

„Our confidence in the inflation path is also rising. First, the range of uncertainty around the inflation projections has narrowed. Second, underlying inflation has increased from the very low levels that prevailed in 2016 and is foreseen to rise as the economy continues to expand, capacity utilisation strengthens and labour markets further tighten.“

Aber hat die EZB wirklich dafür gesorgt, dass die Inflation (im klassischen Sinne der Verbraucherpreise) ansteigt? Nicht wirklich. Wie wir kürzlich gezeigt hatten, war das fast ausschließlich der Ölpreis:

„Die Energiepreise (Öl und Gas) in blau waren jahrelang der Antreiber bei den Preisen, und sind es jetzt aktuell wieder. 2015 und 2016 fielen sie und sorgten für massive Deflationsängste in Euroland. Was sieht man daran? Die EZB selbst ist mit ihren Maßnahmen nicht verantwortlich für die „Rettung vor der Deflation“, sondern der wieder kräftig anziehende Ölpreis!“.


(Grafik durch anklicken vergrößern)

Also viel Größenwahn seitens Draghis – und wenig Grund dazu!

Und sonst? Die Forderung Draghis nach Vergemeinschaftungen von Risiken durch einen europäischen Stabilisierungsfond und eine europäische Einlagensicherung. Nach dem Motto: wenn wir uns alle zusammen tun, fällt gar nicht auf, wie pleite wir sind! Ach ja, und der Aufruf Draghis zur Einigkeit gegen die Gefahren des Protektionismus, also der von Trump ausgehenden Gefahren:

„As I have said before, downside risks to the outlook mainly relate to the threat of increased protectionism. A strong and united European Union can help reap the benefits of economic openness while protecting its citizens against unchecked globalisation. In leading by example, the EU can lend support to multilateralism and global trade, which have been cornerstones of growing economic prosperity over the past seven decades. But to be successful on the outside, the EU requires strong institutions and sound economic governance at home.“

7 Kommentare

7 Comments

  1. Avatar

    tm

    9. Juli 2018 16:19 at 16:19

    Nunja, bevor das QE begann hiess es, das bringt nichts. Nun ist es empirisch natürlich schwer nachzuweisen, welche Einflüsse was bewirkt haben. Fakt ist doch aber, dass sich die Eurozone mittlerweile klar auf Erholungskurs befindet, die Staatsschuldenquoten sinken in den allermeisten Ländern, die Schuldenquoten der Privathaushalte sind bereits gesunken. Außerdem wissen wir doch, dass die Fiskalpolitik dazu nichts beigetragen hat, sondern im Gegenteil belastend war. Natürlich führt Draghi die Erfolge also auf die Geldpolitik zurück – worauf sonst? Dass es auch bei einer weniger expansiven Geldpolitik einen Aufschwung gegeben hätte, mag sein. Dass es aber einen Aufschwung gegeben hätte, wenn zusätzlich zur FIskalpolitik auch noch die Geldpolitik restriktiv gewesen wäre, darf getrost bezweifelt werden.

  2. Avatar

    tm

    9. Juli 2018 16:25 at 16:25

    Zum Thema Target 2 schrieb Natixis am 29.6.:
    „From 2015 onwards, however, they started to increase again. But unlike previously the increase did not reflect fragmentation of the financial system but rather the ECB’s asset purchases under its APP programme. The rising Target2 balances simply reflected this time the fact that foreign sellers of sovereign bonds under the APP were often located in Germany.“ und verweist auf ECB Economic Bulletin 3/2017 Box „The ECB’s asset purchase programme and TARGET balance”

    https://www.ecb.europa.eu/pub/economic-bulletin/html/eb201703.en.html

  3. Avatar

    tm

    9. Juli 2018 16:27 at 16:27

    „Da muß man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen! Im Klartext heißt das: ohne unser QE etc. hätte es praktisch kein Wachstum und so gut wie keinen Anstieg der Inflation gegeben!“

    Nein, das behauptet die EZB nicht. Wie Ihr doch korrekt zitiert, schötzt die EZB, dass die seit Mitte 2014 ergriffenen Maßnahmen einen kumulierten (!) Effekt von 1,9 Prozentpunkten für den Zeitraum von 2016 bis 2020 hatten bzw. haben werden – also von 0,4 bis 0,5 Prozentpunkten pro Jahr.

  4. Avatar

    Goldsammler

    9. Juli 2018 16:29 at 16:29

    Draghi und Musk, zwei Helden die sich selbst am offenen Herzen operieren können.

  5. Avatar

    Marcus

    9. Juli 2018 16:44 at 16:44

    Mario Draghi ist ein Zentralbanker, also auch ein akademischer Theoretiker ! Das ganze QE hat die Probleme nur mit Liquidität zugedeckt, aber gerettet ist da gar nichts ! Die hohe Verschuldung der Staaten ist bei weitem nicht behoben, die europäischen Bankbilanzen sind nach wie vor eine absolute Katastrophe, und die Schuldnerländer geraten nur nicht ins Visier der Märkte weil die EZB durch ihr QE die zu zahlenden Zinsen künstlich nach unten drückt.

    • Avatar

      tm

      9. Juli 2018 16:53 at 16:53

      Die Staatsschuldenquoten sinken doch fast überall:
      https://de.statista.com/statistik/daten/studie/167464/umfrage/staatsverschuldung-von-portugal-in-relation-zum-bruttoinlandsprodukt-bip/
      https://de.statista.com/statistik/daten/studie/214012/umfrage/staatsverschuldung-der-niederlande-in-relation-zum-bruttoinlandsprodukt-bip/

      Welche Probleme werden denn Ihrer Meinung nahc nur verdeckt?
      Und wo müssten Ihrer Meinung nach die Zinsen in der Eurozone notieren und weshalb? Nach Taylor-Regel müsste der Leitzins in der Eurozone bei 0% liegen…

      • Avatar

        Marcus

        9. Juli 2018 21:31 at 21:31

        Sehen sie eine Quote von 121,24 % in Relation zum BIP als tragfähig an ? Welche Probleme verdeckt werden, habe ich oben ausgeführt.

        Man muss bei den Zentralbanken endlich mal von diesem Konzept des Inflation Targeting wegkommen, das ist schon lange nicht mehr salonfähig. Des Weiteren muss man sich davon verabschieden das die Zentralbanken schon alle Probleme irgendwie lösen werden. Man labert und labert von Strukturreformen, aber umgesetzt wurde die letzten Jahre gar nichts. Die Zinsen müssen ganz einfach nach Fed Vorbild aus dem Grund angehoben werden, das die EZB für den Fall einer weiteren Krise (die definitiv kommen wird) überhaupt noch irgendwelchen Handlungsspielraum hat. Genau wie das QE: dieses Instrument wird in der nächsten Finanzmarktkrise keinerlei Wirkung mehr entfalten, weil es von temporär zu dauerhaft wurde.

        Die Lösungsansätze sind ganz einfach: 1.)Das europäische Bankensystem muss drastisch bereinigt (Bilanzen und insolvente Banken) und massivst rekapitalisiert werden. 2.) Die Staatsschulden müssen auf tragfähige Niveaus (40-60%) gesenkt werden, mittels Schuldenrestrukturierungen. Alles andere ist Oberflächenkosmetik.

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Schweizer Franken: Warum die Aufwertung erst einmal unterbrochen ist

Claudio Kummerfeld

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am

Eine Franken-Münze

Der Schweizer Franken soll doch bitte nach Möglichkeit schön abwerten. So lautet jedenfalls seit Jahren die Hoffnung und das Drängen der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Denn je höher der Franken notiert, desto teurer werden Schweizer Produkte im Ausland, und desto teurer wird der Urlaub für Ausländer in der Schweiz. Beides ist natürlich Gift für die schweizerische Volkswirtschaft. Und so versucht die SNB seit Jahren mit gigantischen Summen an selbst gedruckten Schweizer Franken etwas zu tun. Sie verkauft diese Franken und kauft dafür vor allem den Euro, aber auch den US-Dollar.

So will die SNB die Aufwertung des Schweizer Franken verhindern. Aber der Devisenmarkt war mit Blick auf die letzten Jahre stärker als die SNB, und der Franken blieb zu stark. So druckte die SNB immer weiter. Dann kam die Coronakrise. Und die Welt suchte unter anderem ihr Heil in der Flucht in die schweizerische Währung, die als einer der letzten sicheren Fluchthäfen gilt. Laut jüngsten Meldungen hat die SNB geäußert, dass sie alleine im ersten Halbjahr 2020 eine Summe von 90 Milliarden Schweizer Franken einsetzte um die Aufwertung zu bremsen.

Schweizer Franken als Spielball der Coronakrise

Der folgende Chart zeigt den Kursverlauf von Euro vs Schweizer Franken in den letzten zwölf Monaten. Man sieht bis Mai den fallenden Euro (von 1,08 bis 1,05), also eine klare Franken-Aufwertung. Dies zeigte in der schlimmsten Corona-Krisenzeit den Drang der Märkte in Richtung Schweiz. In den Monaten danach folgte der Rückgang der Corona-Infektionszahlen, und der Euro konnte sich wieder erholen – der Franken wertete wieder ab auf Niveaus um die 1,08. Aber im Oktober sieht man im Chart den Rückgang im EURCHF, korrespondierend mit dem Aufkommen der zweiten Corona-Welle.

Chart zeigt Kursverlauf von Euro vs Schweizer Franken seit Ende 2019

Der folgende Chart zeigt den Kursverlauf von Euro vs Schweizer Franken seit dem 27. Oktober. Nicht zu übersehen ist der EURCHF-Anstieg am 9. November von 1,07 auf 1,0820. An diesem Tag gab es die erste richtige Corona-Impfstoff-Meldung von Biontech und Pfizer. Die Aktienmärkte und der Ölpreis stiegen kräftig, in Hoffnung auf eine deutlich schnellere Konjunkturerholung. Der Goldpreis (sicherer Hafen) fiel drastisch um mehr als 100 Dollar, und auch der Schweizer Franken als sicherer Hafen in Krisenzeiten reagierte genau an diesem Tag mit einer Abwertung. Sie hält (wie der Chart zeigt) bis heute an. Fürs Erste scheinen die seit drei Wochen anhaltenden guten Impfstoff-Meldungen sowie die nun doch geregelte Amtsübergabe zwischen Donald Trump und Joe Biden die Anleger weltweit dazu zu bringen, mehr Risiko eingehen zu wollen (Risk On-Szenario). Das schwächt erst einmal die Save-Haven-Assets wie Gold und Schweizer Franken. Die SNB dürfte fürs Erste ein wenig aufatmen.

Chart zeigt Kursverlauf von Euro vs Schweizer Franken seit Ende Oktober

Nie den Drang hin zum Fränkli unterschätzen

Das größere Bild zeigt, dass der Schweizer Franken seit dem Jahr 2018 in einem klaren Aufwertungstrend liegt (EURCHF damals noch bei 1,20). Dieser Trend wurde erst ab Juni diesen Jahres gebremst. Es kann jetzt zu einer weiteren Franken-Abwertung kommen im Zuge der Impfstoff-Verteilung in den nächsten Monaten. Aber den globalen Drang hin zum Fränkli, den sollte man langfristig im großen Bild gesehen nicht unterschätzen.

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Aktuell: Goldpreis fällt 30 Dollar nach guten US-Daten

Claudio Kummerfeld

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Ein Stapel Barren aus Gold

Der Goldpreis fällt in den letzten Minuten von 1.867 auf 1.837 Dollar. Gleichzeitig springt der US-Dollar nach oben. Der Dollar-Index (Währungskorb) steigt von 92,10 auf 95,49 Indexpunkte. Der Grund dahinter ist zu finden in den vorhin veröffentlichten Einkaufsmanager-Daten aus den USA, die deutlich besser ausfielen als erwartet (hier die Details). Die veröffentlichten Preise zeigen einen Rekordanstieg – dadurch, so die Logik, entsteht Inflations-Druck, was wiederum die US-Notenbank perspektivisch zu Zinsanhebungen zwingen könnte!

Im Chart sehen wir den Goldpreis-Verlauf seit Freitag in rot-grün gegen den US-Dollar in blau. Die negative Korrelation zwischen Gold und US-Dollar ist mehr als eindeutig. Beim Klick an dieser Stelle finden Sie unsere Bericherstattung von heute Mittag über Gold, und welche Faktoren bis 15:45 Uhr den Goldpreis bewegt hatten.

Chart zeigt Verlauf von Goldpreis gegen US-Dollar

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Türkische Lira verliert spürbar – warum das kein gutes Zeichen ist

Redaktion

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Von

Türkei Flagge

Die türkische Lira verliert heute spürbar gegenüber US-Dollar und Euro. US-Dollar vs Lira steigt gegenüber Freitag Abend von 7,62 auf 7,78. Euro vs Lira steigt von 9,02 auf 9,24. Das entscheidende bei diesen Kursbewegungen ist: Die Kursgewinne für die türkische Lira, die seit letztem Donnerstag entstanden, sind jetzt wieder verpufft. Denn wir erinnern uns: Am letzten Donnerstag hatte die türkische Zentralbank den Leitzins um gigantische 4,75 Prozentpunkte auf 15 Prozent angehoben, um endlich die Inflation in der Türkei einzudämmen. Gut, genau diese Höhe der Zinsanhebung war erwartet worden – aber sie war durch die steigende türkische Lira in den beiden Wochen vorher schon gut eingepreist worden. Dennoch dürfte es aktuell für die Lira-Bullen am Devisenmarkt deprimierend sein, dass diese drastische Zinsanhebung nicht in einer schnell weiter aufwertenden Lira mündet.

Im folgenden Chart sehen wir den Kursverlauf von US-Dollar vs Türkische Lira in den letzten 30 Tagen. Die aktuelle Lira-Abwertung ist derzeit auch deswegen so auffällig, weil gerade heute der Dollar-Index (Währungskorb des US-Dollar gegen andere Hauptwährungen) im Chartverlauf ganz klar verliert, und ein Tief aus den letzten Tagen nach unten durchbrochen hat. Also: Der US-Dollar ist heute ganz eindeutig der Verlierer, kann aber gegen die türkische Lira klar gewinnen. Daran sieht man, dass es sich wohl um eine eigenständige Schwäche der Lira handelt!

Türkische Lira immer noch unter Druck durch physische Verkäufe im Inland?

Das andere schlechte Zeichen für die türkische Währung ist, dass türkische Bürger und Unternehmen die Lira-Stärke der letzten Tage offenbar dafür nutzen um ihre Bestände in US-Dollar und Euro weiter aufzubauen, wofür natürlich die türkische Lira verkauft werden muss. Denn nur mit Markttechnik und Gewinnmitnahmen aus den letzten Tagen ist diese aktuelle Lira-Abwertung nur schwerlich zu erklären. Laut aktuellen Berichten bestehen jetzt 57 Prozent aller Bankguthaben in der Türkei aus Fremdwährungen – im Juli seien es noch 50 Prozent gewesen. Und die türkischen Sparer würden immer noch relativ geringe Zinserträge in Lira erhalten in Relation zur hohen Inflation.

Das würde natürlich erklären, dass man die Flucht in Fremdwährungen weiter bevorzugt. Die Umsätze in der Lira am internationalen Devisenmarkt waren heute Vormittag eher dünn. Von daher liegt die Vermutung nahe, dass Bürger und Unternehmen in der Türkei eben diese Lira-Stärke seit letztem Donnerstag nutzten um auch heute am Montag türkische Lira gegen US-Dollar und Euro zu tauschen. Ist kaum großes Volumen am internationalen Devisenmarkt in der Lira vorhanden, kann so ein physischer Kaufdrang den Kurs spürbar beeinflussen. Es ist gut möglich, dass die Lira deswegen heute diese Abwertung vollzieht.

Chart zeigt Verlauf von US-Dollar vs Türkische Lira in den letzten 30 Tagen

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