Folgen Sie uns

Aktien

Marktbericht: Warum der Euro den Dax pusht – Japan, SAP und Netflix drücken die Stimmung

Avatar

Veröffentlicht

am

Der Dax notiert heute Nachmittag unterm Strich zwar 50 Punkte tiefer als gestern Abend. Aber das hätte heute noch deutlich schlimmer ausgehen können für den deutschen Leitindex. Berichte legen nahe, dass die EZB ihr bislang starres Inflationsziel von “2% oder nahe 2%” überarbeiten wolle. Dies ließ sofort Vermutungen sprießen, dass die Geldpolitik in Euroland noch weicher werden könnte. Somit wurde der Euro vs US-Dollar heute Mittag nach unten geschickt um 30 Pips, und der Dax stieg zügig um 65 Punkte. Noch mehr Anleihekäufe unter Frau Lagarde? Noch niedrigere Zinsen? Da hat sich der Dax schon mal vorab ein wenig gefreut! Und somit konnte das Minus im Dax heute doch noch begrenzt werden.

Werbung: Gratis in Aktien und ETFs investieren. Null-Provision, Null-Aufwand! Erhalten Sie eine Gratisaktie im Wert von bis zu 100€

Dax vs EURUSD
Der Chart zeigt seit heute früh um 4 Uhr den Dax (grün rot) vs EURUSD (blau).

Dax hätte Grund genug gehabt stärker zu fallen

Die Vorzeichen und Tagesmeldungen sahen für den Dax abgesehen von der Euro-Story schlechter aus als unterm Strich ein Verlust von 50 Punkten. Die SAP-Aktie crashte heute früh fast schon in den Keller, und verliert bis jetzt noch 5,7%. Grund war ein schlechter als erwarteter Gewinn, der heute mit den Quartalszahlen des Unternehmens vermeldet wurde. Der kleinere Gewinn konnte von SAP inhaltlich mit Sondereffekten begründet werden. Von daher kann man sich fragen, ob der Kurssturz übertrieben war.

Netflix meldete gestern nach Börsenschluss grottige Zahlen. Das Nutzerwachstum erlahmt massiv (hier die Details). Die Aktie brach 12% ein. Heute ging die Aktie gegenüber dem gestrigen Börsenschluss mit -10,5% in den New Yorker Handel. Auch sehr schwache Konjunkturdaten aus Japan (einbrechende Im- und Exporte) drückten heute früh die Indizes in Asien und Europa, und wirken immer noch nach. Aber der Dax kam unterm Strich noch ganz gut durch den Tag!

Dann heute um 14:30 Uhr wurde der Philly Fed-Index deutlich besser verkündet als erwartet. Diese Nachricht brachte den Dow vorbörslich um 14:30 gerade mal um 16 Punkte nach oben. Direkt danach fiel er viel tiefer in den Keller. Das zeigt die aktuelle Schwäche, die auch noch daher herrührt, dass laut gestrigen Infos die Handelsgespräche zwischen den USA und China ins Stocken geraten sind. Diese Story könnte auch morgen weiter über den Börsianern schweben und die Kurse belasten.

Und sonst?

Der Goldpreis zeigt sich nach dem gestrigen Anstieg (Flucht vor Risiko) heute relativ gelangweilt mit 1.421 Dollar nach ähnlichen Kursen gestern Abend. Der Ölpreis schmiert heute Nachmittag kräftig ab auf nur noch 55,60 Dollar (heute Mittag noch 57,20). Auch noch so viele News wie ein vom Iran festgehaltener Tanker der VAE bekam den Ölpreis nicht wirklich nach oben. Nein, aktuell schaut der Markt auf mehr Ölförderung aus Russland.

Was morgen wichtig wird

Wichtig: Morgen früh um 8 Uhr vermeldet das Statistische Bundesamt die deutschen Erzeugerpreise für Juni. Auch ausländische Analysten haben heute durchblicken lassen, dass sie morgen genauer auf diese Zahl schauen werden. Und um 16 Uhr deutscher Zeit wird morgen das Verbrauchervertrauen der Uni Michigan veröffentlicht. Auch sehr wichtig!

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    Columbo

    18. Juli 2019 21:26 at 21:26

    Was ist mit Gold los? 1445 Dollar.

  2. Avatar

    Columbo

    18. Juli 2019 21:44 at 21:44

    Alles klar: Iran soll ausländischen Tanker gestoppt und die Crew festgenommen haben…

    • Avatar

      Michael

      19. Juli 2019 10:15 at 10:15

      Der Tanker wurde aber schon vor ein paar Tagen am 14.08. festgesetzt, die Nachricht war auch seit Mittag zu lesen. Das kann es also nicht sein, vor allem, da der USD gegen alle Währungen geschwächelt hat, nicht nur vs. XAU.

  3. Avatar

    Michael

    18. Juli 2019 21:46 at 21:46

    @Columbo, charttechnisch gesehen ein beachtenswerter Schritt für Goldjünger, wie ich vor kurzem gepostet hatte. Hier gilt es nun, die Augen offen zu halten.

    Aus irgendwelchen Gründen schwächelt die Währung des großartigsten Landes unter dem wunderbarsten Präsidenten, deshalb erst einmal Vorsicht im Hinblick auf eine Goldeuphorie. Wenn sogar das GBP derart in die Höhe schießt, liegt etwas anderes im Argen.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Aktien

Aktienrückkäufe: Wie CEOs ihre Unternehmen aufs Spiel setzen

Avatar

Veröffentlicht

am

An der Wall Street sieht man Aktienrückkäufe als normales Instrument an

In den vergangenen Jahren gab es zwei von Top-Managern initiierte Schemata, die beide die von ihnen geführten Unternehmen aufs Spiel setzten: Aktienrückkäufe (verlorenes Jahrzehnt?) und für Kredite als Sicherheit hinterlegte Aktien! Beide Schemata fliegen den Unternehmen nun reihenweise um die Ohren. Im ersten Fall fehlt den Unternehmen nun das Geld in der Krise, im zweiten Fall können die als Kreditsicherheit hinterlegten Aktien schlimmstenfalls einen Abwärtstrend in der Aktie noch zusätzlich verstärken.

Aktienrückkäufe leerten die Konten der Unternehmen, ohne Nutzen zu stiften

Aktienrückkäufe waren über etliche Jahre beim Management zahlloser Unternehmen Mittel der Wahl, um angeblich Aktionäre am Unternehmenserfolg zu beteiligen. Hunderte Milliarden US-Dollar wurden ausgegeben, um Aktien zurückzukaufen. Dieser Rückkäufe erhöhen temporär den Preis einer Aktie, da die Nachfrage nach den Papieren erhöht wird. Und wenn die Unternehmen die Aktien nach dem Rückkauf vernichten, dann haben die verbliebenen Aktionäre auch einen größeren Anteil am Unternehmen. Eventuelle Dividenden verteilen sich auf weniger Aktien und bei unverändertem Unternehmenswert sollte jede Aktie aus dem kleiner gewordenen Pool aller Aktien mehr wert sein. Um Steuern zu sparen und gemachte Gewinne nicht versteuern zu müssen, nahmen Unternehmen wie Apple sogar Kredite im Umfang dutzender Milliarden US-Dollar auf, um die eigenen Aktien zu kaufen.

Die Kredite sind bei Apple weniger ein Problem, da das Unternehmen gleichzeitig auf enormen Barreserven sitzt. Andere Unternehmen wie Boeing haben es deutlich schwieriger. Geld, das in den vergangenen Jahren für Aktienrückkäufe ausgegeben wurde, fehlt dem Unternehmen nun. Es wurde ausgegeben, ohne dadurch zusätzliches Wachstum für das Unternehmen zu generieren. Es ist das Mittel der Wahl für faule Manager, die keine Ideen haben, wie sie die vom Unternehmen erwirtschafteten Gewinne so reinvestieren können, dass Aktionäre dadurch langfristig profitieren. Dabei wäre die Mehrung des Unternehmensvermögens genau das, wofür das Management von den Aktionären eingesetzt wurde.

Dividenden-Ausschüttungen würden dem Unternehmen zwar auch Kapital entziehen, ohne dadurch zusätzliches Wachstum zu generieren. Doch Dividenden fließen den Aktionären wenigstens direkt zu. Von Aktienrückkäufen haben Aktionäre real höchstens dann etwas, wenn sie ihre eigenen Aktien zum künstlich gepushten Kurs veräußern.

Aktienrückkäufe lassen vor allem das Management profitieren

Dividenden haben zudem den Vorteil, dass das Management nicht überproportional davon profitiert. Genau das tut es aber bei Aktienrückkäufen. Denn inzwischen machen Optionskomponenten den Großteil der Managervergütungen aus. Je höher der Aktienkurs des Unternehmens ist, umso mehr wert sind auch die zugeteilten Aktienoptionen. Manche Aufsichtsräte waren sogar so verrückt, die Managervergütung direkt an den Aktienkurs zu koppeln – bei Tesla Motors zum Beispiel. Das Management hat damit einen maximal großen Anreiz, den Aktienkurs kurzfristig zu erhöhen.

Aktien-Optionen haben zudem den Nachteil, die Anteile der Altaktionäre zu verwässern. Denn jede ausgeübte Aktien-Option führt dazu, dass mehr Aktien im Umlauf sind. Vom gleichen Management durchgeführte Aktienrückkäufe neutralisieren somit erstens die Verwässerungseffekte der eigenen Aktien-Optionen und führen zweitens zu temporär höheren Aktienkursen, die die vom Management gehaltenen Optionen mehr wert werden lassen – oder wie im Falle von Tesla überhaupt erst zur Zuteilung der Optionen führen. Fehlt den Unternehmen nach den Rückkäufen dann auch noch das Geld in der nächsten Krise, wie bei Boeing, dann hat das Management die Unternehmenszukunft aufs Spiel gesetzt, um sich selbst Vorteile zu verschaffen.

Manager verpfänden ihre Aktien, um den eigenen Lebensstil steuerfrei zu finanzieren

Ein zweites gern von Managern genutztes Schema der Bereicherung zum Nachteil des Unternehmens ist abseits der Aktienrückkäufe die Kreditaufnahme für persönliche Zwecke. Manager wie Elon Musk von Tesla oder Markus Braun von Wirecard zahlen ungern Steuern. Und sie geben auch ungern das Steuer „ihres“ Unternehmens aus der Hand. Gleichzeitig pflegen oder pflegten sie jedoch gern einen opulenten Lebensstil. Um den zu finanzieren, müssten sie eigentlich einen Teil ihrer Aktien verkaufen. Dabei müssten die Kursgewinne versteuert werden und sie hätten anschließend weniger Stimmrechte auf der nächsten Aktionärsversammlung.

Liebend gern boten und bieten Banken daher an, doch einfach einen (großen) Teil der eigenen Aktien als Kreditsicherheit zu hinterlegen. Für Kredit fallen keine Steuern an, die Stimmrechte bleiben beim Aktienbesitzer und trotzdem ist der Lebensstil gesichert. Im aktuellen Niedrigzinsumfeld werden die Zinsen dafür gern gezahlt.

Doch die Sache hat einen kleinen Haken: Das Schema funktioniert nur solange, wie der Aktienkurs nicht crasht. Tut er das, werden die Banken irgendwann nervös. Reicht der Wert der als Sicherheit hinterlegten Aktien nicht mehr aus, um den Kredit zu besichern, folgt der Margin Call. Der Kreditnehmer muss dann neue Sicherheiten hinterlegen. Kann er das nicht, werden die Kreditsicherheiten, also die Aktien, verwertet. Das heißt, die Bank wirft die Aktien auf den Markt. Alle. Zur gleichen Zeit. So wie bei Wirecard vor einigen Tagen. Diese Notverkäufe befeuern einen ohnehin bestehenden steilen Abwärtstrend zusätzlich. Je niedriger der Aktienkurs ist, umso schwieriger werden jedoch Kapitalerhöhungen. Denn für den gleichen neu eingeworbenen Betrag müssen viel mehr neue Aktien verkauft und damit der Anteil der Altaktionäre auch stärker verwässert werden.

Der Anteil der verpfändeten Aktien kann dabei durchaus enorme Werte annehmen. Bei Elon Musk sind es 54% all seiner Tesla-Aktien, von denen er rund 20% besitzt. Bei Softbanks Masayoshi Son sind es 60%. Son hält 27% an Softbank. Und Steven Rales, CEO der Danaher Corporation, hat 74% seiner Aktien verpfändet. Er hält 6,2% an Danaher. Sein Bruder Mitchell Rales hält weitere 5,1% an Danaher, von denen wiederrum volle 90,7% für Kredite verpfändet wurden.

weiterlesen

Aktien

Tesla – die Wiederauferstehung der Dotcom-Blase!

Avatar

Veröffentlicht

am

Die Euphorie um Tesla erinnert stark an die Dotcom-Blase: damals wurde alles gekauft, was mit Internet zu tun hatte – heute ist an die Stelle des Internets die Euphorie um die Elektromobilität getreten. Vor allem Tesla steigt von Allzeithoch zu Allzeithoch – aber dieser Anstieg basiert auf zwei eher unwahrscheinlichen Prämissen: erstens dass Elektroautos den Markt klar dominieren werden in Zukunft, und zweitens dass kein anderer Hersteller in der Lage sein wird, Tesla wirklich Konkurrenz zu machen..

weiterlesen

Aktien

Dirk Müller zum Wasserstoff-Hype: Warum man jetzt nicht einsteigen sollte

Avatar

Veröffentlicht

am

Von

Wir hatten erst vorgestern über die Aussagen von Dirk Müller berichtet,über die Wahnsinns-Hausse der letzten Wochen in den USA, wo teilweise Minderjährige mit den Kreditkarten ihrer Eltern die Börse stürmen, und wo Millionen von Menschen mit Kleinstbeträgen wie wahnsinnig Börsenkurse pushen. Heute spricht Dirk Müller im folgenden Video über den aktuellen Hype rund um das Thema Wasserstoff. Diese Woche wurde der Hype nochmal kräftig befeuert durch die erst gestern präsentierten großen Pläne der EU, dass man bis 2050 klimaneutral werden wolle, und das mit Wasserstoff. Gigantische Milliardenprogramme sollen von Staaten und Unternehmen in Europa aufgelegt werden.

Also, ist das nun auch der große Start für den Hype rund um Wasserstoff-Aktien? Oder läuft er schon, und Anleger, die sich hier noch nicht auskennen, kommen zu spät? Genau davor warnt Dirk Müller im folgenden Video. Er beschreibt diese jetzige Euphorie und vergleicht sie mit Themen wie 3D-Druck oder Cannabis-Aktien. Jetzt sei der Markt für Anleger schon zu teuer. Man müsse nun erst einmal auf die Marktbereinigung warten, die nach der Euphorie einsetze. Er beschreibt auch Phasen der Markteuphorie, wie es sie in anderen Bereichen schon gegeben habe, die nun auch so beim Wasserstoff ablaufen würden.

Wasserstoff Tankstelle in Belgien
Eine Wasserstofftankstelle in Zaventem Belgien. Foto: Dr. Artur Braun (Arturbraun) CC BY-SA 4.0

weiterlesen

Meist gelesen 7 Tage