Asien

Nach Lohnkürzungen: Die Saudis haben schlechte Laune – Aktienmarkt bricht ein

Das Leben in Saudi-Arabien ist auch nicht mehr das, was es einmal war. Seit gestern, genauer gesagt..

FMW-Redaktion

Das Leben in Saudi-Arabien ist auch nicht mehr das, was es einmal war. Seit gestern, genauer gesagt. Denn gestern passierte etwas, das bislang undenkbar war: Lohnkürzungen auf breiter Front bei den durchaus verwühnten Söhnen der Wüste. So kürzte der saudische König per Federstreich die Löhne von Staatsangestellten und Ministern um satte 20%. Aber nicht nur das: Einstellungsbeschränkungen für den öffentlichen Dienst, Lohnstopps für den Beginn des neuen Mondjahres, das nächsten Monat beginnt. Und sogar das exlusive Shura-Gremium, das den König berät, muß Kürzungen der Vergütung von 15% hinnehmen.

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Veranlasste Lohnkürzungen auf breiter Front: König Salman ibn Abd al-Aziz von Saudi-Arabien.
Foto: Gemeinfrei

Nun sind die Nievaus sicher immer noch recht akzeptabel im Land der Scheichs – aber eben deutlich weniger als zuvor. Und das schmerzt. Und weil man in Zukunft einfach weniger Geld verdient, hat man sich wohl gedacht: dann müssen wir eben ein paar Cash-Reserven schaffen, indem wir Aktien verkaufen. Gestern also die Lohnkürzungen, heute die Reaktion am Aktienmarkt mit einem herben Abverkauf von -3,8% des Leitindex Tadawul.

Betroffen von dem Abverkauf waren besonders Hotels und Medien: so fiel der Tadawul All Share Hotel & Tourims Index um 9,6%, der Tadawul All Share Media & Publishing Index um -7,5%. Unter Druck auch wieder die Banken – gestern hatte Ryad 20 Milliarden Riayl in die Banken gepumpt (gut fünf Milliarden Dollar).

Der Leitindex Tadawul hat damit in 2016 heftige 17% verloren – und damit deutlich mehr, als die Indizes der fünf anderen Golfstaaten, deren Indizes durchschnittlich 6% verloren haben (den saudischen Tadawul Index eingerechnet und berechnet im GCC 200 Index). Der September dürfte wohl der dritte Monat in Folge mit Verlusten sein für den saudischen Aktienmarkt.

So langsam macht sich der Ölpreis-Verfall also auch bei den einst so unangreifbar scheinenden Saudis bemerkbar – immerhin hat der Crash beim Öl zu einem Haushaltsloch von 15% des BIP in 2015 geführt. Das erklärt, dass man offenkundig doch zumindest irgendwie in Erwägung zieht, den Ölpreis wieder nach oben zu bringen (siehe dazu den Artikel „Oil freeze-Gespräche nehmen Fahrt auf: Jeder will was anderes – Ölpreis fällt“).



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3 Kommentare

  1. ….und die Saudis sind auch nur auf Sand gebaut…wenn da nicht mal ein Eimer Wasser
    umkippt!

  2. Eigentlich sollten wir den Saudis nur das Beste wünschen. Wir haben ja gesehen, was passiert, wenn ein muslimisches Land aus dem Gleichgewicht gerät oder noch schlimmer – gebracht wird. Nicht, dass dies langfristig vermeidbar ist, aber aktuell sind die Politiker europaweit derart mit der eigenen Inkompetenz und Orientierungslosigkeit überfordert, dass auch ein umgefallener Fass Öl zu einer handfesten Krise führen kann.

    1. Saudi-Arabien wird nicht aus dem Gleichgewicht kommen und erst recht nicht daraus gebracht werden, denn sie haben einen großen Vorteil: Die Führung in Saudi-Arabien ist jetzt schon auf der Spur der Amis.

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